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Relatos Ardientes

Das Spiel, das meine Frau im Gemüseladen begann

Der Urlaub in diesem Küstenort begann als bloßer Kurztrip, wurde aber schon bald zur perfekten Bühne, um das Spiel von Lucía und Mateo auf ein Niveau zu heben, das sie sich in der Stadt nie getraut hätten anzurühren. Die Ruhe der Straßen, die salzhaltige Luft, das völlige Fehlen bekannter Gesichter: Alles drängte sie dazu, Dinge auszuprobieren, die sie sich sonst selbst verboten.

Das vergangene Jahr hatte sie bis zur Erschöpfung gebracht. Zwischen Arbeit, Terminen und Routine war das Verlangen an den Rand gedrängt worden, kaum noch am Leben gehalten von jenem privaten Spiel, das beide langsam und genussvoll nährten. Doch die Verpflichtungen ließen ihnen selten genug Raum, es wirklich auszuleben. Mateo hatte es eines Abends gesagt, während Lucía sich vor dem Spiegel auszog.

—Wir brauchen Urlaub. Aber nicht nur zum Ausruhen… —murmelte er mit einer Intensität, die weit über bloße Müdigkeit hinausging.

Lucía lächelte, während sie den Verschluss ihres Kleides öffnete und den Stoff über ihre Haut gleiten ließ.

—Sagst du mir damit, dass du abschalten musst… oder dass du ohne Grenzen spielen willst? —fragte sie und hob eine Braue.

Er trat von hinten an sie heran und legte die Arme mit kalkulierter Langsamkeit um ihre Taille.

—Beides. Ich will mit dir zusammen sein, ohne Uhren, ohne E-Mails, ohne Anrufe. Ich will sehen, wie du dich frei bewegst, ohne an den Montag zu denken. Und ja… ich will, dass wir spielen. Dass wir die Einsätze erhöhen. Dass wir das tun, was wir hier, umgeben von Leuten, die uns kennen, nicht tun können, ohne uns ständig über die Schulter zu sehen.

Lucía biss sich auf die Lippe. Das Spiel war immer der Mittelpunkt ihrer Verbindung gewesen, doch die Vorstellung, es an einen Ort zu verlegen, an dem niemand sie erkennen konnte, beschleunigte ihren Puls. In der Stadt gab es überall Grenzen. An einem anonymen Ort konnten die Regeln neu geschrieben werden.

—Wie weit willst du gehen? —fragte sie und fuhr ihm mit den Fingerspitzen über den Hals.

Mateo holte tief Luft.

—Ich weiß es nicht. Ich will, dass wir die Grenze gemeinsam herausfinden.

Lucía küsste ihn langsam und besiegelte mit ihrer Zunge das Versprechen dessen, was kommen sollte.

***

Der Ort, den sie gewählt hatten, lag weit weg von den großen Hotels und den überfüllten Stränden. Kopfsteinpflastergassen, kleine Familiengeschäfte, eine perfekte Postkarte zum Abschalten. Der Rhythmuswechsel war sofort spürbar: keine Hektik, keine Zeitpläne, nur das Rauschen des Meeres im Hintergrund und das wachsende Gefühl, dort könnten sie irgendwer sein.

Am ersten Abend, auf der Terrasse des gemieteten Hauses, legte Lucía die Füße auf Matos Schoß und seufzte mit dem Weinglas in der Hand.

—Hier können wir tun, was wir wollen. Wir müssen uns nicht zurückhalten. Niemand kennt uns, niemand verurteilt uns.

Er strich mit den Fingern über die weiche Haut ihrer Knöchel.

—Sag mir, woran du denkst.

Lucía ließ den Kopf zurückfallen und genoss die leichte Benommenheit vom Wein und die warme Brise.

—An all die Male, in denen wir Spaß hatten, aber aufhören mussten, bevor wir die Grenze überschritten haben —sagte sie, ohne die Augen zu öffnen.

Matos Hand wanderte etwas höher an ihrem Bein hinauf.

—Hier müssen wir nicht aufhören —flüsterte er.

Sie öffnete die Augen und sah ihn direkt an.

—Willst du damit sagen, dass ich tun soll, was ich will? Dass ich dich vorher nicht warnen muss?

Er lächelte mit diesem gefährlichen Glanz, den sie auswendig kannte.

—Nein. Ich sage dir, du sollst es tun… und mir danach jedes Detail erzählen.

Lucía spürte, wie ihr ein Schauer über den Rücken lief. Das war nicht nur ein Spiel: Es war eine Herausforderung. Und einer hatte sie noch nie widerstehen können.

Das Terrain ergab sich von selbst. Als Erstes fiel ihr der kleine Gemüseladen an der Ecke des Platzes auf, und die Art, wie der Gemüsehändler sie ansah, als sie zum ersten Mal hineinging. Das war nicht die Höflichkeit eines Kaufmanns: Es war ein fast unverhohlenes Interesse, ein Blick, der sie musterte, als wollte er erraten, was sie unter der Kleidung trug. Weit davon entfernt, sich unwohl zu fühlen, spürte Lucía den ersten Funken Erregung.

—Glaubst du, das war ein zufälliger Blick? —fragte Mateo in jener Nacht amüsiert.

—Keineswegs —antwortete sie mit einem boshaften Lächeln—. Er wusste genau, was er tat.

—Und was wirst du dagegen tun?

Lucía spielte mit dem Saum ihres Kleides, als würde sie bereits den nächsten Zug entwerfen.

—Ich glaube, es ist an der Zeit herauszufinden, wie weit wir es dehnen können.

***

Beim nächsten Mal wählte sie ein leichtes weißes Leinendress, mit einem Schnitt, der im Wind zu schweben schien. Aber wichtig war nicht das Kleid, sondern das, was sie nicht darunter trug. Mateo brachte sie bis zur Tür und blieb mit der Ausrede draußen stehen, er wolle rauchen. Von dort aus konnte er sie zwischen den Obstkisten sehen, im Bewusstsein, dass jede Bewegung zu viel ihr Geheimnis offenbaren würde.

Der Gemüsehändler grüßte sie mit einem leichten Nicken, doch seine Augen glitten an ihr auf und ab, bevor er den Blick wieder abwandte. Lucía spürte, wie die Adrenalinspritze ihren Körper durchfuhr. Sie schlenderte ruhig durch den Laden, tat so, als würde sie die Tomaten in einer Holzkiste begutachten, und war sich die ganze Zeit bewusst, wie bloß sie unter dem leichten Stoff war.

—Suchen Sie etwas Bestimmtes? —Die Stimme des Mannes überraschte sie in der Nähe der Regale.

Lucía drehte sich langsam um und lächelte ihn an. Sie nahm eine Gurke aus der Kiste und hob sie vor ihre Augen, als würde sie sie prüfen.

—Etwas Frisches —antwortete sie und ließ sie mit einer Langsamkeit von einer Hand in die andere gleiten, die nichts Unschuldiges hatte.

Der Mann schluckte. Seine Haltung versteifte sich hinter der Theke. Mateo, draußen auf dem Gehweg, beobachtete jede Geste, und sie wusste, dass er die Luft anhielt, als er sah, wie ihre Finger über die raue Haut der Gurke strichen.

Um das Ganze noch dramatischer zu machen, beugte sie sich vor, um nach einer anderen Kiste zu greifen. Sie spürte die kühle Luft zwischen ihre Schenkel dringen, als das Kleid sich an ihren Körper schmiegte, und hielt die Pose ein paar Sekunden länger als nötig.

—Wenn Sie Hilfe brauchen, sagen Sie Bescheid —sagte der Gemüsehändler mit rauerer Stimme als zuvor.

Sie richtete sich auf, warf ihm einen flüchtigen Blick zu und ging zum Tresen, um die Gurke auf die Waage zu legen.

—Ich glaube, ich nehme diese —sagte sie ruhig, mit einem Schimmer von Frechheit in den Augen.

Der Mann nickte, doch als er die Gurke zum Wiegen nahm, verweilten seine Finger länger als nötig. Lucía bemerkte es. Mateo bemerkte es. Die Spannung war fast greifbar.

Sie bezahlte, nahm die Tüte und ging hinaus, während sie den Blick des Gemüsehändlers in ihrem Rücken spürte.

—Und? —fragte Mateo gespannt, als sie wieder an seiner Seite war.

—Dem sind die Tomaten aus den Händen gefallen, als ich mich gebückt habe —antwortete sie und biss sich auf die Lippe.

Mateo lachte bei der Vorstellung. Mehr brauchte sie ihm nicht zu erklären: wie sich das Kleid an ihren Körper schmiegte, wie der Mann unbeholfen versuchte, es zu verbergen. Und das Beste war, dass noch viele Sommertage vor ihnen lagen.

***

Beim dritten Mal wartete Mateo näher, an die Säule des Eingangs gelehnt und schamlos durch die Spiegelung im Glas beobachtend. Das Kleid war noch gewagter, ein fast transparenter Stoff, der die von der Sonne gebräunte Haut erahnen ließ. Sie wählte eine große Gurke mit dicker Schale, hielt sie zwischen den Fingern und drehte sie langsam, als würde sie ihre Qualität beurteilen.

—Wie sind diese hier? —fragte sie mit sanfterer Stimme als sonst.

Der Gemüsehändler schluckte, gefangen in dem Moment. Für einen Augenblick schien er vergessen zu haben, wie man spricht.

—S-sie sind gut… frisch —stammelte er schließlich.

Lucía lächelte und ließ die Gurke mit einer Langsamkeit durch ihre Finger gleiten, die keinen Zweifel ließ. Mateo spürte, wie sein Puls schneller wurde: Seine Frau spielte nicht nur mit dem Gemüsehändler, sie spielte auch mit ihm, mit seiner Geduld, mit seinem Verlangen.

Kaum waren sie eine halbe Straßenecke weiter, drückte er sie sanft gegen eine Wand und verschlang ihren Mund.

—Du bist gefährlich —flüsterte er gegen ihre Haut.

—Und du liebst es —antwortete sie mit einem abgehackten Lachen.

Das Spiel war jedoch noch nicht vorbei. Der Gemüsehändler war längst in die Falle getappt, aber der letzte Zug fehlte noch.

***

In jener Nacht zog sie zu Hause die Gurke aus der Tüte und hielt sie Mateo mit gespielter Unschuld entgegen.

—Er hat sie mir geschenkt —murmelte sie mit Schelmerei.

Er kniff die Augen zusammen und spürte, wie die Hitze in seinem Körper hochstieg.

—Erzähl mir alles —bat er mit heiserer Stimme.

Lucía setzte sich auf ihn und drehte die Gurke zwischen den Fingern, als wäre sie immer noch im Gemüseladen.

—Da war noch ein anderer Mann —flüsterte sie ihm ins Ohr—. Er hat versucht, es sich nicht anmerken zu lassen, aber ich habe gesehen, wie er mich angestarrt hat, als ich mich vorbeugte… und der Gemüsehändler hat es bemerkt. Er schien Spaß an der Sache zu haben.

Mateo atmete scharf aus und strich mit der Hand über ihren nackten Oberschenkel.

—Und was hast du gemacht?

—Nichts. Ich habe nur ein bisschen mit der Gurke gespielt, sie gehalten, begutachtet… und dann hat er sie mir geschenkt.

—Was wäre passiert, wenn du länger gebraucht hättest? —fragte er mit tieferer Stimme.

Sie legte den Kopf schief und genoss, wie er sich vor Ungewissheit wand.

—Ich weiß nicht. Vielleicht hätten sie darauf bestanden, mir bei der Auswahl zu helfen… vielleicht hätten sie gefragt, welche mir besser gefällt.

Mateo biss die Zähne zusammen.

—Sag mir, dass es dir gefallen hat zu wissen, dass sie alles bemerkt haben —flüsterte er gegen ihren Hals.

Lucía grub die Nägel in seinen Rücken.

—Ich fand es großartig. Und das Beste… ist, dass sie nichts dagegen tun konnten.

In jener Nacht ließen sie sich von der aufgestauten Elektrizität der ganzen Woche mitreißen, bis sie erschöpft waren und sie sich mit noch immer beschleunigtem Atem an seine Brust kuschelte.

***

In der letzten Nacht im Ort entschied Lucía, dass der Abschied unvergesslich werden sollte. Sie trug nichts unter dem lockeren Kleid mit den schmalen Trägern, das der Nachtwind an ihre Haut presste.

—Bist du sicher, dass du allein gehen willst? —fragte Mateo, obwohl er die Antwort bereits kannte.

—Du wirst es in deiner Fantasie mehr genießen —flüsterte sie, gab ihm einen flüchtigen Kuss und ging hinaus.

Sie ging langsam durch die leeren Straßen. Die Anonymität der Nacht machte sie noch kühner. Der Gemüseladen war fast leer: nur der Gemüsehändler, der die Ware ordnete, und ein alter Ventilator, der in einer Ecke summte. Er hob den Kopf, als er die kleine Glocke hörte, und sein Gesicht wechselte von Müdigkeit zu Überraschung.

—Ich hatte nicht erwartet, Sie so spät noch zu sehen —sagte er und ließ den Satz offen.

—Letzte Nacht, letzter Einkauf —antwortete sie mit einem Lächeln.

Sie ging langsam auf die Kisten zu, beugte sich in Ruhe hinunter, um etwas im unteren Bereich zu suchen, und ließ das Kleid gefährlich herabfallen. Sie wusste, dass er sie ansah, dass er den Atem anhielt. Als sie sich mit einer Gurke in der Hand umdrehte, fand sie ihn mit festem Blick auf sich gerichtet, nicht dreist, sondern mit der Ungläubigkeit eines Menschen, der etwas sieht, das eigentlich nicht erlaubt sein dürfte.

—Entschuldigen Sie, dass ich dich duze, aber… das geht nicht —sagte er mit ungewohnt tiefer Stimme.

Lucía lächelte schief und streckte ihm die Gurke entgegen.

—So bedanke ich mich für das Geschenk vom letzten Mal —flüsterte sie.

Er nahm das Gemüse, ohne den Blick von ihren Augen zu nehmen. Die Spannung in der Luft war schneidend. Keiner sagte mehr etwas. Sie tauschten nur einen bedeutungsschweren Blick, bevor sie ein paar Münzen auf den Tresen legte und mit derselben Ruhe hinausging, mit der sie gekommen war.

***

Mateo wartete auf sie, auf dem Bettrand sitzend, die Ellbogen auf den Knien, der Blick erwartungsvoll.

—Sag mir, was du getan hast —bat er angespannt.

Lucía glitt mit derselben Ruhe auf ihn zu, mit der sie die dunklen Straßen überquert hatte.

—Ich habe nichts getan —flüsterte sie ihm ins Ohr—. Ich habe mich nur revanchiert. Ich habe mich gebückt und ihm klar gezeigt, dass ich nichts darunter trug. Als ich mich aufrichtete, sah er mich an und sagte… „das geht nicht“.

Er schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch.

—Und danach?

—Ich habe ihn angelächelt. Ich sagte ihm, das sei meine Art, mich für seine Großzügigkeit zu bedanken. Mehr nicht. Aber mehr war auch nicht nötig.

Mateo zog sie an sich, die Hände nur leicht zitternd.

—Hat es dir gefallen? —fragte er im Flüsterton.

Anstatt zu antworten, nahm Lucía seine Hand und führte sie langsam zwischen ihre Schenkel, damit er die Antwort selbst entdeckte. Er stieß scharf die Luft aus.

—Allein es mir vorzustellen macht mich wahnsinnig —gestand er.

—Es hat mir gefallen —murmelte sie gegen seinen Kiefer—. Hättest du gerne dort gewesen, um es zu sehen?

In jener Nacht ließen sie sich von der Elektrizität wochenlanger Spannung mitreißen, bis die Sonne begann aufzugehen und sie sich mit einem zufriedenen Lächeln an seine Brust kuschelte.

—Kommen wir nächsten Sommer wieder? —fragte sie.

Mateo küsste ihre Stirn, noch immer nicht ganz zu Atem gekommen.

—Ohne Zweifel.

Das Spiel endete nie.

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