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Relatos Ardientes

Die Leutnantin der Königin und ihr Sklave

Das graue Licht der Morgendämmerung sickerte durch die Fenster des Großen Saals, ohne Wärme mitzubringen. Es roch nach erloschenem Holz, nach altem Schweiß und nach dem schneidenden Acryl des getrockneten Jods. Die Luft war dick, schwer, als hätte die Nacht zuvor eine Schicht von etwas hinterlassen, das niemand benennen wollte.

In der dunkelsten Ecke des Saals, an den Eisenpfeiler gefesselt, hing Rodrigo in einem dicken Lederharness. Sein Atem war ein unregelmäßiges, raues Pfeifen, das an einer ausgedörrten Kehle rieb. Die einst braune Haut hatte nun einen gelblichen Ton. Zwischen seinen Schenkeln fing der Stahlkäfig des Keuschheitsgeräts den spärlichen Schimmer des Morgengrauens ein, und der metallene Katheter, der in seiner Harnröhre verankert war, erinnerte ihn mit jedem abgehackten Keuchen daran, dass er noch lebte. Der Schwanz, im Metall zusammengedrückt, war ein totes, geschwollenes, violettes Ding, eng gegen seine eigenen Hoden gepresst, die ebenfalls in den Stahlringen eingeschlossen waren. Das war alles, was er feststellen konnte: noch am Leben zu sein, mit dem Schwanz gefangen und einem klaren Faden, der durch das Metallrohr sickerte, das seine Eichel durchbohrte.

Ein paar Meter entfernt, auf einem dunklen Ledersofa, döste die Wache Nora mit zum Schulter hin geneigtem Kopf. Ihre Hand ruhte wie von Reflex auf dem Griff ihres Dolchs.

Die totenstille Ruhe wurde vom metallischen Klang der Riegel zerrissen.

Königin Valeria trat in den Saal, und die Atmosphäre des Raums veränderte sich sofort. Sie trug ein karmesinrotes Samtkleid mit goldenen Fadenstickereien, die Arabesken über den dunklen Stoff zeichneten, der quadratische Ausschnitt rahmte ihre Gestalt mit einer Autorität ein, die keine Worte brauchte. Doch was im Kontrast zu all diesem Prunk ins Auge fiel, war ihr Schuhwerk: abgetragene Ledersandalen mit ocker- und gelbfarbenen Riemen, flach und deutlich von der Benutzung gezeichnet. Valeria zähmte das Leder ihrer Sandalen mit dem Gewicht ihres eigenen Körpers, so wie sie alles andere zähmte.

An ihrer Rechten, einen Schritt dahinter, trat Sofía ein.

Sie war blond, das Haar zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden, der sich im Takt ihrer Schritte mit beinahe militärischer Präzision bewegte. Ihr Körper war athletisch, gehüllt in eine leichte Rüstung aus dunklem Leder und silbernen Nieten, die den Bauch frei ließ. Sie trug Gladiatorensandalen mit stabilem Absatz, die dunklen Lederriemen wand sich bis zur Mitte der Oberschenkel um ihre Waden. In der linken Hand hielt sie eine schwarze Lederrute, sorgfältig zusammengerollt. Ihre Füße kamen durch die Riemen mit einer anatomischen Perfektion zum Vorschein, die beinahe unwirklich wirkte.

Das Geräusch von Sofías Absätzen auf dem Stein riss Nora aus dem Schlaf. Die Wache blinzelte, sprang auf und legte sich zum Zeichen des Respekts die Hand auf die Brust, während ihr die Röte in die Wangen stieg.

Valeria blieb vor ihr stehen. Sie schrie nicht. Die Kälte ihres Blicks war verheerender als jeder Schrei.

—Nachlässigkeit ist die erste Stufe zum Verrat — sagte sie mit der Stimme einer Frau, die Urteile fällt—. Während du geschlafen hast, waren deine Pflichten wach. Glaubst du, mein Schloss werde bewacht, indem man die Augen schließt?

Nora schluckte, unfähig, den Blick von den abgetragenen Sandalen der Monarchin zu heben.

—Verzeiht mir, meine Herrin. Die Müdigkeit der Nacht…

—Schweigen. Geh in die Küche. Bring Trauben, reife Feigen, frischen Käse, frisch gebackenes Brot und den besten Wein aus den Kellern. Wenn du länger brauchst als nötig, verspreche ich dir, dass du die nächste Nacht an diesem Pfeiler hängen wirst, mit dem Käfig der Bestie im Mund.

Nora machte einen tiefen Kniefall und verließ den Saal fast laufend, ihre Stiefel hallten drängend durch die Gänge.

Die Königin wandte sich langsam zum hinteren Teil des Saals, wo Rodrigo bewusstlos hing. Ein schiefes Lächeln, jeder Wärme beraubt, zeichnete sich auf ihren mit Karmesin bemalten Lippen ab.

—Weck ihn auf —murmelte sie, ohne die Stimme zu heben—. Nimm dieses Geschöpf von seiner hängenden Stütze.

Sofía nickte mit katzenhafter Grazie und ging zum Eisenpfeiler. Mit präzisen Bewegungen nahm sie das Gewicht ab, das am Halsband hing, lockerte die Riemen unter den Achseln und löste die Spannknoten mit einer Leichtigkeit, die eine ungewöhnliche Kraft unter dieser schlanken Gestalt verriet.

Ohne das Harness hatte Rodrigo nichts, was ihn hielt.

Er sackte nach vorn. Der Körper fiel schlagartig und schlug mit dumpfem Aufprall auf die Steinplatten, der in den Gewölben widerhallte. Der Stahlkäfig krachte gegen den Stein. Der Katheter verschob sich einen Bruchteil eines Zentimeters in der entzündeten Harnröhre.

Der Schrei, der sich aus seiner Kehle löste, war ein tierisches, raues, gebrochenes Geräusch, als käme es von jemandem, der seine Stimme seit Stunden nicht benutzt hatte. Er spürte, wie sich das Metall in seinem Schwanz bewegte wie eine glühende Nadel, und ein Tropfen dunklen Bluts mischte sich unter den Faden, der von der Spitze des Katheters tropfte.

Rodrigo lag zusammengerollt auf dem Boden und zitterte unkontrolliert. Seine Muskeln, nach Stunden der Aufhängung und der Kälte verkrampft, weigerten sich, ihm zu gehorchen. Sein Mund schmeckte nach Asche. Der Durst war körperlich, dringend, tyrannischer als der Schmerz.

—Er ist dehydriert —stellte Valeria mit klinischer Kälte fest und richtete ihren Samtrock zurecht—. Das Fieber verlangt nach Flüssigkeit. Wenn seine Nieren versagen, endet der Spaß zu früh. Befeuchte ihn, Sofía. Aber tu es nach unseren Gepflogenheiten.

Sofía lächelte strahlend, mit weißen, perfekten Zähnen, die ihre Augen nicht erreichten.

Sie ging zu einem gemeißelten Steinbrunnen an der Wand und nahm einen mit Rubinen besetzten Silberkelch. Sie tauchte ihn ein und füllte ihn bis zum Rand mit kristallklarem, eiskaltem Wasser. Sie kehrte zurück und blieb direkt vor Rodrigos Gesicht stehen, der mit der Wange auf dem kalten Boden lag. Sofías Gladiatorensandalen standen wenige Zentimeter von seinem offenen Mund entfernt.

—Wasser, Bestie —sagte sie mit einer melodischen, hochmütigen Stimme, die in der Weite des Saals widerhallte—. Trink es.

Rodrigo versuchte, den Kopf zum Kelch zu heben. Sofía neigte den Becher mit einer fließenden, bewussten Bewegung, aber nicht zu seinem Mund. Sie kippte ihn über ihren eigenen rechten Fuß.

Das eiskalte Wasser ergoss sich in einem glitzernden Strom über den nackten Spann von Sofía. Es lief über die kunstvollen dunklen Lederriemen der Sandale, strich über ihre makellosen Zehen und tropfte langsam auf die Steinplatten.

Rodrigo begriff es sofort. Die Demütigung war absolut, bis ins Millimetermaß kalkuliert. Und der Durst war stärker als die Demütigung.

Mit einem Wimmern, das selbst ihn beschämte, warf er den spröden Mund nach vorn und begann, Sofías Spann zu lecken. Er streckte die ganze, trockene und rissige Zunge heraus und zog sie über die warme Haut der Wache. Er fing die kalten Tropfen ein, die über ihre Haut liefen, saugte das Wasser auf, das zwischen den Lederriemen und der Haut gefangen war. Er schob die Zungenspitze zwischen Sofías makellose Zehen, einen nach dem anderen, und schlürfte jeden Tropfen, als hinge sein Leben davon ab. Er saugte den großen Zeh ganz in den Mund, leckte ihn oben und unten, suchte nach der Feuchtigkeit auf der Haut. Er ging zum zweiten Zeh über, zum dritten, und mit jedem entrang sich ihm ein jämmerliches Stöhnen aus der Tiefe seiner Kehle.

Für Rodrigo gab es in diesem Augenblick auf der Welt nichts anderes, als einen Tropfen mehr zu bekommen. Das Gefühl der kalten Flüssigkeit, die das Feuer in seiner Kehle linderte, war eine so intensive Erleichterung, dass es ihm Tränen entlockte. Er wurde zu etwas, das sich nicht mehr Mensch nennen konnte: Er saugte jeden Rest Feuchtigkeit zwischen den Fingern der Blonden auf, leckte die Lederriemen der Sandale, lutschte den Fußbogen der Wache mit sabbernder Hingabe und ignorierte den stechenden Schmerz, der durch seinen in den Käfig gesperrten Schwanz bohrte, ignorierte alles. Seine Zunge tanzte über Sofías Haut mit der Verzweiflung eines hungrigen Hundes und hinterließ eine glänzende Spur aus Speichel, vermischt mit Wasser.

Sofía beobachtete ihn von oben, unbeweglich. Sie ließ zu, dass ihre Zunge jede Ecke der Sandale säuberte, und genoss die absolute Macht, die sie über das Leben eines zum durstigen Tier reduzierten Mannes ausübte. Von Zeit zu Zeit bewegte sie einen Zeh, schob ihn in den Mund des Sklaven und zwang ihn, ihn tiefer zu lutschen, und lachte leise, wenn Rodrigo ihn mit derselben Hingabe sog, mit der ein Säugling die Brust sucht.

—Schau, wie er mir den Fuß lutscht, meine Königin —sagte Sofía, ohne ihr Lächeln abzulegen—. Wie eine dankbare Hure. Ich könnte ihm den ganzen Fuß in den Mund schieben und er würde ihn mir ganz verschlucken.

—Dann schieb ihm den Daumen bis in die Kehle —antwortete Valeria vom Thron aus belustigt—. Soll er lernen, richtig zu saugen. Heute Nacht wird er anspruchsvollere Dinge tun müssen.

Sofía gehorchte. Sie drückte den rechten Zeh bis tief in Rodrigos Mund, bis ihn Würgereiz nach hinten biegen ließ. Der Sklave hustete, japste, verschluckte sich an seinem Speichel, aber er ließ den Zeh nicht los. Er behielt ihn im Mund, leckte ihn, sog ihn mit fest um ihn gepressten Lippen, tränkte ihn mit Sabber, während ihm die Tränen über die schmutzigen Wangen liefen.

Als der Kelch leer war und Sofías Fuß fast trocken, nur noch vom Speichel Rodrigos glänzend, öffneten sich die Saaltüren erneut. Nora kam eilig herein und schob einen Holzwagen voller glänzender Silberplatten. Der Duft von frisch gebackenem Brot, süßen Feigen und gewürztem Wein erfüllte die Luft und ließ Rodrigos leeren Magen knurren.

—Ausgezeichnet —murmelte Valeria—. Nimm ihm die Handschellen ab, Sofía. Ich will nicht, dass das Metall die Einrichtung zerkratzt. Und bring ihn in Position.

Sofía zog einen kleinen Schlüssel von ihrem Gürtel und öffnete die Handschellen, die Rodrigos Hände hinter seinem Rücken unbeweglich gemacht hatten. Als er frei war, knackten die Schultern des Sklaven vor lähmendem Schmerz, und das Blut begann wieder durch seine tauben Finger zu fließen, was ein quälendes Kribbeln auslöste.

—Auf alle Viere —befahl Sofía und ließ das Leder der Rute knallen, ohne sie ganz herauszuziehen—. Neben den niedrigen Tisch.

Das Geräusch genügte.

Rodrigo kroch unter stillem Stöhnen unbeholfen los. Er stützte die bloßen Handflächen und die aufgeschürften Knie auf die kalten Fliesen und positionierte sich parallel zu dem kleinen Eichentisch, an dem Nora das üppige Frühstück anrichtete. Er hielt den Kopf gesenkt, den Nacken unter dem Gewicht des Strafhalsbands plattgedrückt. Der Käfig hing schwer zwischen seinen Schenkeln und schaukelte bei jedem kleinsten Zittern seines Körpers, zog am Katheter mit dumpfem, stetigem Schmerz.

Valeria setzte sich mit der abwesenden Majestät einer Frau, die nichts mehr beweisen muss, auf ihren Thron. Sie schlug die Beine übereinander und ließ eine ihrer ockerfarbenen Sandalen arrogant in der Luft ruhen.

Sofía trat an Rodrigo heran. Ohne ihn anzusehen, wie jemand, der sich einem Stuhl nähert, drehte sie ihm den Rücken zu und setzte sich graziös auf seinen Rücken.

Der erste Aufprall ließ Rodrigo die Luft schlagartig ausstoßen. Sofía war nicht schwer, aber die konzentrierte Last der Lederrüstung und der Nieten auf ihren Lendenwirbeln war ein ständiger, erstickender Druck. Die Wache richtete die Beine ein, stellte die Sohlen ihrer Sandalen auf den Steinboden und blieb stabil. Perfekt stabil. Rodrigo war zu einem Hocker aus Fleisch und Knochen geworden.

Es war nicht der schärfste Schmerz, den er in dieser endlosen Nacht gespürt hatte. Es war eine andere Art von Qual: die fortgesetzte, langsame, pausenlose Verdinglichung.

***

Valeria und Sofía unterhielten sich während der folgenden Stunde. Sie sprachen über den Ölpreis in den nördlichen Provinzen, über das Design der neuen Rüstungen der königlichen Garde, über die Beschaffenheit der Feigen. Ihre Stimmen waren melodisch, kristallklar, als geschähe unter Sofía nichts.

Rodrigo musste absolut reglos bleiben.

Jedes Mal, wenn Sofía nach ihrem Becher griff oder ihre Position änderte, um es bequemer zu haben, verteilte sich ihr Gewicht neu auf dem Rücken des Sklaven. Diese kleinste Bewegung erreichte Rodrigos Hüften. Und jedes Schwenken der Hüften ließ den Stahlkäfig zwischen seinen Schenkeln leicht mitwippen. Der Katheter glitt einen Bruchteil gegen das entzündete, von Säure gebadete Gewebe. Ein elektrischer Stich kroch von seinem Unterleib bis in die Kehle, und unter dem Käfig spürte er, wie sich die gegen das Metall gepressten Hoden vor reinem Schmerz zusammenzogen.

Rodrigo biss sich auf die eigenen Lippen, bis sie fast zu bluten begannen, um ja keinen Laut von sich zu geben. Ein Stöhnen würde das Frühstück der Königin verderben. Und er wusste genau, was das bedeutete.

In einem Moment beugte sich Valeria vor und betrachtete mit Neugier den Käfig, der am Sklaven hing.

—Wie lange ist es her, dass er gekommen ist, Sofía?

—Zweiundvierzig Tage, meine Herrin. Das letzte Mal war, als ich ihn gebrandmarkt habe, und selbst dann tropfte nur ein wenig wegen des Schocks vom heißen Eisen. Er hat seit der Zeit vor dem Katheter nicht mehr wie ein Mann abgespritzt.

—Zweiundvierzig Tage —wiederholte Valeria und kostete die Zahl aus—. Seine Hoden müssen kurz vor dem Platzen stehen. Sieh sie dir an, sie sind so geschwollen, dass sie nicht einmal richtig durch die Ringe passen.

Sofía drehte sich ein wenig auf dem Rücken des Sklaven und streckte ein Bein nach hinten. Sie schob die Spitze ihrer Sandale zwischen Rodrigos Beine und drückte die Ledersohle gegen die gefangenen Hoden. Sie zerdrückte sie mit kalkulierter Langsamkeit, ohne extremen Schaden zuzufügen, aber mit genug Festigkeit, dass der Sklave jeden Millimeter Haut fühlte, der gegen den Boden gepresst wurde.

Rodrigo presste die Zähne so fest zusammen, dass er sie knirschen hörte. Ein Wimmern entwich ihm durch die Nase, erstickt, demütigend.

—Ruhe, Tier —flüsterte Sofía, ohne weiter auf ihm zu lasten—. Ich spreche mit der Königin.

Sie zog den Fuß langsam zurück und schleifte die Sohle über die Haut der Hoden, über den Käfig, über den Katheter. Jede Bewegung war eine kalibrierte Folter, und Rodrigos Schwanz, obwohl im Käfig gefangen und unfähig sich aufzurichten, versuchte sich trotzdem aufzublähen und verzweifelt gegen den Stahl zu drücken, der ihn zusammendrückte. Das Ergebnis war ein dumpfer, pochender Schmerz, der ihn schwarze Punkte sehen ließ.

—Er versucht, hart zu werden —stellte Sofía mit grausamem Lachen fest—. Arme Bestie. Zweiundvierzig Tage, und trotzdem will sein Schwanz sich erheben. Der Käfig tut seine Arbeit, meine Königin. Er beißt sich mit dem Fleisch gegen das Metall.

—Perfekt. Lass ihn leiden. Wenn die Nacht kommt, wenn ich ihm endlich den Käfig abnehme, wird der Schuss so heftig sein, dass er um sein Leben fürchtet.

Sein Magen knurrte beim Geruch von Brot, Trauben und Käse. Niemand bot ihm etwas an. Niemand sprach ihn an. Genau das war es: Er hatte aufgehört, ein Ziel aktiver Grausamkeit zu sein, und war zu einem unbelebten Gegenstand geworden. Seine Herrinnen schenkten ihm keine direkte Aufmerksamkeit, weil es sich nicht lohnte. Es war bequemer, als einen Stuhl holen zu lassen.

Valeria kaute langsam eine gefrostete Traube und trank einen Schluck dunklen Weins. Ihre Augen ruhten mit kalkulierter Zufriedenheit auf der Komposition vor ihr, auf jemandem, der von der Ästhetik der Macht besessen war. Die strahlende Vollkommenheit Sofías, ihr goldenes Haar, das das Morgenlicht einfing, ihre aufrechte und stolze Haltung. Und unter so viel Schönheit, als Sitz für so viel Pracht dienend, die zerstörte Anatomie Rodrigos: ein Mann, reduziert auf ein Knäuel zitternder Muskeln, schmutzige und fleckige Haut, der vom Eisen gefangene Hals, die in poliertem Stahl eingekerkerten Genitalien, stumm und gebrochen.

Für Valeria war das das exakte Bild der Macht ihrer Krone.

Als sie sich schließlich mit der Leinenserviette die Lippen abwischte und nickte, eilte Nora herbei, um die Platten abzuräumen.

Sofía erhob sich mit leichter Grazie von Rodrigos Rücken. Als das Gewicht verschwand, knackte die Wirbelsäule des Sklaven, und eine schmerzhafte Erleichterung durchströmte seinen Körper für kaum ein paar Sekunden, bevor der Käfig sich unter der Schwerkraft wieder setzte und am Katheter mit derselben sadistischen Hartnäckigkeit wie immer zog.

Rodrigo ließ sich mit ausgestreckten Armen auf den kalten Stein fallen, erschöpft.

—Führ ihn in den inneren Gängen spazieren —dekre­tierte Valeria und stand mit dem opulenten Rascheln des Samts auf—. Er soll die Muskeln bewegen. Ich brauche sie für heute Nacht in gutem Zustand. Aber erinnere ihn daran, wo sein Platz ist.

Sofía griff nach der Kette, die am Halsband von Rodrigo hing. Sie wickelte ein paar Glieder um ihre behandschuhte Hand und riss mit trockener, autoritärer Kraft nach oben.

Die Zähne des Halsbands bohrten sich in den Hals des Sklaven. Bevor er überhaupt versuchen konnte aufzustehen, machte ein Ruck nach unten durch Sofía es ihm unmissverständlich klar.

—Auf alle Viere, Bestie —sagte die Blonde mit kristallklarer Stimme—. Die Hunde der Königin laufen nicht auf zwei Beinen.

***

Die inneren Gänge des Schlosses waren zu dieser Morgenstunde nicht leer.

Sofía schritt mit elegantem, sicherem Gang auf die gewaltigen Doppeltüren zu, die den Großen Saal mit dem Labyrinth der Korridore verbanden. Das rhythmische Klack, klack, klack der Absätze ihrer Sandalen auf dem Stein wurde zum Metronom von Rodrigos Leiden, der hinter ihr auf allen vieren kroch und die Knie über die kalten Mosaike schleifte.

Die Biomechanik des Kriechens war eine Folter, maßgeschneidert für seinen Zustand. Jedes Mal, wenn er ein Knie nach vorn setzte, kippte das Becken. Diese fortwährende Bewegung der Hüfte erschütterte das Keuschheitsgerät. Der Käfig schaukelte zwischen seinen Schenkeln wie ein Pendel aus Schmerz, zog am Katheter, zog an den in den Ringen eingeklemmten Hoden. Das Feuer, das durch die Starre betäubt worden war, entfachte sich mit jedem zurückgelegten Meter neu; jeder Zentimeter Fortschritt war ein elektrischer Peitschenhieb, der vom gefangenen Schwanz bis in den Magen schoss.

Wenn er sich auch nur um einen Sekundenbruchteil verspätete, spannte sich die Kette augenblicklich. Die Zähne des Halsbands schlossen sich um seine Luftröhre und schnitten ihm den Sauerstoff ab. Er war gezwungen, schneller zu werden, den Schmerz in seinen Genitalien zu ignorieren und keuchend genug Spiel in der Kette zu halten, um atmen zu können.

Die Diener wichen an die Wände zurück, wenn sie Sofía vorbeigehen sahen. Ihre Augen fielen unweigerlich auf die Kreatur, die hinter ihr her krabbelte. Sie sahen Rodrigo völlig nackt, von Blutergüssen übersät, die Knie begannen auf den Mosaiken zu bluten, ein Stachelhalsband am Hals und seine Genitalien ausgestellt und im glänzenden Stahl der Keuschheit eingekerkert. Sie sahen den Käfig obszön zwischen seinen Schenkeln schaukeln, den Katheter aus der zusammengedrückten Spitze des Schwanzes ragen, die geschwollenen Hoden gegen die Metallringe gepresst. Sie sahen den Speichel, der ihm vor Atemanstrengung aus dem Mund hing, die absolute Unterwerfung in seinen niedergeschlagenen Augen.

Zwei junge Zofen hielten sich kichernd die Hand vor den Mund und unterdrückten nervöses Lachen. Ein älterer Lakai senkte den Blick und beschleunigte seinen Schritt, errötend. Ein Koch, der mit einem Tablett aus der Küche kam, blieb abrupt stehen, spuckte auf den Boden neben Rodrigos Gesicht und ging weiter, während er etwas über gezähmte Bestien murmelte.

Sie sahen ihn nicht wie einen Gefangenen an. Sie sahen ihn wie ein exotisches, gebrochenes Tier, das jemand ins Palast gebracht hatte, um es dort herumzuführen.

Rodrigo musste sein Elend und seinen Zustand vor den Augen jener zur Schau stellen, die einst dieselbe Luft atmeten wie er. Nicht als bestrafter Mann geführt, sondern buchstäblich wie ein gequältes Haustier, das hinter einer unerreichbaren Göttin herkriecht, deren makellose Absätze unnachgiebig den Rhythmus seiner Verdammnis unter dem dauerhaften Schatten der Krone der Königin vorgaben.

Und so ging er weiter. Das war sein Horizont. Das Klack, klack von Sofías Absätzen auf dem Stein und der nächste Meter kalten Bodens unter seinen Handflächen.

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