Unter den Absätzen der blonden Gladiatorin
Die Morgendämmerung sickert durch die Fensterfronten des Großen Saals mit jenem blassen Licht, das nichts wärmt. Nach einer ganzen Nacht voller unterdrückter Schreie und Ketten bewahrt die Luft noch immer den Geruch von saurem Schweiß, konzentriertem Jod und dem kalten Rauch der Fackeln. In dieser Helligkeit steckt kein bisschen Güte: Sie wirkt wie die Lampe eines Inquisitors.
In der dunkelsten Ecke, am berüchtigten Bestienpfeiler verankert, hängt Damián schlaff in einem breiten Ledergeschirr. Die einst braune Haut zeigt nun einen fahlen, gelblichen Ton. Sein Atem ist ein raues Pfeifen, das nach der chemischen Reinigung, die ihm die königliche Heilerin kurz nach Mitternacht verabreicht hat, an der trockenen Kehle kratzt. Zwischen seinen Schenkeln glänzt im Licht des Morgens der kalte Stahlkäfig des Keuschheitsgeräts; der lange, geriffelte Katheter, tief in seiner wund geriebenen Harnröhre verankert, ist ein Anker chronischen Schmerzes, der ihn nicht vergessen lässt, wem sein Schwanz gehört. Denn sein Schwanz gehört ihm längst nicht mehr: Er ist ein eingesperrtes Stück Fleisch, vergeblich gegen die Stahlstäbe angeschwollen, dazu verdammt, hart werden zu wollen und es doch niemals zu schaffen. Jede abgebrochene Erektion stirbt zerdrückt am Metall, und der Katheter beißt ihn von innen, um ihn daran zu erinnern, dass ihm selbst das elementarste Vergnügen von der Krone beschlagnahmt wurde.
Ein paar Meter entfernt, auf einem samtgrünen Sofa, döst die Wache Lira. Die Erschöpfung hat sie besiegt, doch ihre rechte Hand liegt weiterhin auf dem Griff ihres Dienstdolchs, ein seit Jahren antrainierter Reflex.
Die Totenstille zerbricht mit dem metallischen Knacken der Riegel. Die Haupttüren fliegen weit auf.
Königin Isolda tritt ein, und die Atmosphäre des Saals verdichtet sich, als würde selbst die Luft zur Seite weichen, um ihr Platz zu machen. Sie hat beschlossen, den Morgen in ein Kleid aus dunkelviolettem Samt gehüllt zu empfangen, so tief, dass es das Licht zu trinken scheint, bestickt mit Goldfaden und Hunderten kleiner Perlen. Der Ausschnitt ist eckig und steif, über jedem ihrer Brüste mit subtiler Wölbung geformt und hebt ihre Gestalt hervor, ohne auch nur ein Quäntchen königlicher Autorität einzubüßen. Unter dem schweren Stoff zeichnen sich volle, weiße Brüste ab, gekrönt von großen Brustwarzen, die selbst ein Hirsch von der anderen Seite des Waldes aus erspähen könnte; und darunter die Gewissheit einer königlichen Möse, rasiert und parfümiert, bereit, bedient zu werden, wann immer es der Monarchin beliebt.
Was die Monarchin definiert, liegt an ihren Füßen. Unter Gold und Samt trägt Isolda keine Seidenschuhe und keine königlichen Plateaus, sondern flache Ledersandalen, beinahe eben, in rustikalem Design. Die miteinander verflochtenen Riemen in Erd- und Senftönen verraten starken Gebrauch. Zwischen den Bändern blitzen Zehen hervor, in aggressivem Rot lackiert, passend zum Kleid. Die Königin bevorzugt bequemes Schuhwerk, und um es zu erreichen, zähmt sie das Leder mit Schritten und Gewicht, formt es so lange, bis die Sandale sich der exakten Form ihres Fußes ergibt. Genau wie sie das Reich zähmt. Genau wie sie die Männer zähmt.
Zu ihrer Rechten, einen Schritt hinter ihr, tritt eine Erscheinung ein, die die gotische Dunkelheit der Herrscherin durchbricht. Eine Blondine von beinahe göttlicher Schönheit, fähig, ein goldenes, tödliches Leuchten zu verströmen. Aurelia. Langes, weizenfarbenes Haar, streng und mit militärischer Disziplin zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden, der bei jedem Schritt schwingt. Ein athletischer, drahtiger Körper, in eine helllederne, mit silbernen Nieten besetzte Rüstung gezwängt, tailliert wie ein taktisches Korsett, dessen weiter Ausschnitt einen Teil des Bauchs freilässt. Die hoch aufgerichteten, festen Brüste der Gladiatorin drücken gegen das gehärtete Leder, und die Rüstung ist so gearbeitet, dass ihre wie zwei verbotene Früchte eingerahmt sind, kurz davor, das Geschirr zu sprengen.
Sie trägt Gladiatorensandalen, die bis zur Mitte ihrer gebräunten Oberschenkel hinaufreichen und mit schwarzen Lederriemen verschnürt sind. Im Gegensatz zum flachen Design der Königin stehen ihre auf einem massiven fünf Zentimeter hohen Absatz, berechnet dafür, mit militärischer Autorität auf Stein zu klacken, ohne an Wendigkeit zu verlieren. Die Füße, zwischen den Riemen sichtbar, prahlen mit einer beinahe gemalten Perfektion: hohe Fußgewölbe, proportionierte Zehen, eine makellose Pediküre. Als Insignie ihres Amtes hält sie in der linken Hand eine lange, kunstvoll geflochtene Peitsche aus schwarzem Leder, sorgfältig aufgerollt.
Die Schritte der Königin, vermischt mit dem rhythmischen Klack, klack der Absätze Aurelias, reißen Lira aus ihrer Erstarrung. Die Wache blinzelt benommen und erbleicht, als sie ihre Souveränin direkt vor sich stehen sieht. Sie springt auf, streicht die zerknitterte Uniform glatt und verbeugt sich hastig, während ihre Wangen in ein schuldiges Rot aufglühen.
Isolda stellt sich ein paar Schritte vor das Sofa. Sie schreit nicht. Ihre kalte Enttäuschung ist unendlich furchterregender als jeder entfesselte Zorn.
—Nachlässigkeit, Lira, ist die erste Stufe zum Verrat —flüstert sie, mit einer Stimme, die sich wie Seide über Klingen legt—. Während du Zuflucht im Schlaf der Gerechten suchst, verfaulen deine Pflichten unter freiem Himmel. Glaubst du etwa, eine Burg bewacht man mit geschlossenen Lidern?
Lira schluckt, die Augen auf die abgenutzten Sandalen der Monarchin geheftet.
—Verzeiht mir, meine erhabene Herrin. Die Erschöpfung von der Reinigung, ich…
—Still —unterbricht Isolda sie mit einer knappen Bewegung ihrer Hand mit den roten Nägeln—. Ich will hier frühstücken, unter diesem Licht, mit meinen Besitztümern im Blick. Geh in die Küchen hinunter und bring die Silberplatten herauf: kandierte Trauben aus dem Süden, reife Feigen, frischen Käse, warmes Brot und den besten Wein aus den Kellern. Wenn du dich verspätetst, wirst du die nächste Nacht in einem Geschirr aufgehängt verbringen, neben unserem Haustier, mit einem ordentlich eingeführten Holz-Dildo im Arsch, damit du lernst, wie es sich anfühlt, ein Möbelstück zu sein.
Lira, gedemütigt und zugleich erleichtert, nicht gemeinsam mit Mira in die Verliese geschickt worden zu sein, macht einen weiteren Knicks und verlässt den Saal fast im Laufschritt.
Isolda richtet den Blick auf das andere Ende des Saals, wo Damiáns regloser Körper weiterhin am Pfeiler hängt. Ein schiefes Lächeln, ohne ein Fünkchen menschlicher Wärme, formt sich auf ihren geschminkten Lippen.
—Aurelia, mein Herz —murmelt sie, die Stimme weich werdend, als sie die Blonde anspricht—. Es scheint, unser armes Lasttier ist in seiner Riemenwiege eingeschlafen. Weck ihn. Nimm ihn von diesem Haken herunter.
—Zu Euren Diensten, meine Königin.
Die Gladiatorin geht zum Bestienpfeiler. Der Kontrast ist fast grotesk: die goldene, strahlende Vollkommenheit der Kriegerin neben dem gequetschten, schmutzigen, bläulich verfärbten und im kalten Schweiß durchnässten Fleisch des Gefangenen. Mit chirurgischen Bewegungen nimmt sie das Gegengewicht des Geräts ab, lockert eine Drehung des Halsbands und öffnet die Schnallen, die den Sklaven unter den Achseln halten.
Ohne die Stütze des Geschirrs und mit der Halskette noch straff gespannt, stürzt Damián nach vorne. Unfähig, irgendetwas abzufangen, empfangen die Steinplatten den Aufprall mit einem dumpfen Schlag, der im Saal widerhallt.
Der Schlag reißt ihn brutal aus dem Schlaf. Die Schultern knirschen, doch das Schlimmste liegt zwischen seinen Beinen: Beim Sturz schlägt das Schloss des Keuschheitsgeräts gegen den Boden und gegen sein eigenes Becken. Der geriffelte Katheter, in seine noch mit Jod behandelte Harnröhre eingepasst, wird gewaltsam nach innen gedrückt. Ein Feuerblitz durchfährt ihn und reißt ihm einen dumpfen Schrei aus der Kehle, ähnlich dem Klagen eines sterbenden Tieres. Sein eingesperrter Schwanz versucht sich aus purem Schmerzreflex zusammenzuziehen, und die Stahlrippen kratzen an seiner geschwollenen Harnröhre, als würde man ihm von innen eine Feile ansetzen. Er spürt, wie Jod vermischt mit seiner eigenen Feuchtigkeit an der Spitze des Katheters hervortritt und auf die Fliesen tropft, eine bernsteinfarbene Träne, die nicht aus seinen Augen stammt.
Er bleibt auf den Fliesen liegen, zusammengerollt, unkontrolliert zitternd. Sein Mund ist so trocken, dass die Zunge wie ein Stück Schleifpapier wirkt. Die Dehydrierung, genährt von Trauma und Fieber, frisst ihn von innen auf.
—Er ist durstig —stellt Isolda mit der Kälte eines Arztes fest—. Das Fieber verlangt Flüssigkeit, sonst versagen seine Nieren und der Spaß endet viel zu früh. Aurelia, rehydriere ihn. Aber tue es nach unseren Sitten.
Aurelia zieht ein strahlendes Lächeln: weiße Zähne, die im Kontrast zur in ihrem Blick sitzenden Grausamkeit stehen. Sie geht zur kleinen, aus Stein gehauenen Quelle und nimmt einen schweren Silberkelch. Sie taucht ihn ein und füllt ihn bis zum Rand mit kristallklarem, eiskaltem Wasser.
Sie kehrt auf ihren Schritten zurück und stellt sich vor das Gesicht des Sklaven, die Sandalen nur wenige Zentimeter von seinem geöffneten Mund entfernt.
—Wasser, Bestie —sagt sie mit melodischer Stimme—. Trink.
Damián, getrieben von einem wahnsinnigen Durst, versucht den Kopf zum Kelch zu heben. Doch Aurelia neigt mit einer fließenden, absichtsvollen Bewegung den Becher. Das Wasser fällt nicht in den Mund des Sklaven, sondern auf den nackten, makellosen Spann ihres rechten Fußes.
Die eiskalte Flüssigkeit ergießt sich in einem funkelnden Wasserfall. Sie schlägt auf die makellose Haut, läuft über die schwarzen Lederriemen, streichelt die göttlichen Zehen und tropft auf die Steine.
Damián versteht es sofort. Die Demütigung ist vollkommen, bis ins kleinste Detail kalkuliert, doch der Durst ist ein Tyrann, stärker als jede Würde. Mit einem beschämten Wimmern wirft er den aufgesprungenen Mund vor.
Er beginnt, den Spann von Aurelias Fuß frenetisch zu lecken und zu saugen. Seine trockene Zunge arbeitet sich zwischen die Lederriemen, klebt sich an das hohe Fußgewölbe, sucht jede zwischen den Zehen gefangene Tropfen. Er kostet den Kontrast zwischen der Reinheit des Wassers, dem festen Reiben des gegerbten Leders, der Wärme fremden Fleisches und der salzigen Spur des Schweißes der Gladiatorin, die seit Tagesanbruch marschiert ist. Dieser Schweiß schmeckt ihm nach Mineralien, nach einer in Herrschaft stehenden Frau, nach Macht. Er fährt mit der Zunge über die gekreuzten Bänder, saugt die in den Falten gefangene Flüssigkeit aus, und wenn das Wasser aufgebraucht ist, sucht er nach mehr Haut: Er lutscht den großen Zeh mit der Verzweiflung eines hungrigen Ferkels, schiebt die Zunge zwischen die Zehen, leckt die Sohle ab.
—Genau so, Hund —schnurrt Aurelia und streicht mit der Spitze ihres großen Zehs über die aufgesprungene Unterlippe des Gefangenen—. Leck mir die Füße. Steck dir den ganzen Finger in den Mund, bis hinunter in den Hals. Diese Zunge taugt dafür besser als zum Reden, nicht wahr?
Damián nickt gehorsam und öffnet den Mund. Aurelia schiebt ihm drei Zehen in den Gaumen. Der Sklave schließt die Lippen um sie und saugt hingebungsvoll, die Zunge schlängelt sich zwischen den Zehengliedern hindurch und sucht nach jeder noch so kleinen Lücke, um einen weiteren Tropfen zu stehlen. Speichel läuft ihm übers Kinn, vermischt sich mit dem restlichen Wasser und tropft auf die Platten.
—Sieh, wie er sabbert —kommentiert die Gladiatorin, ohne ihr Lächeln zu verlieren—. Ich habe ihm in nur einer Nacht die Schnauze gezähmt, meine Königin. Er leckt schon wie eine brünstige Hündin.
—Zeig ihm den anderen Fuß —befiehlt Isolda von ihrem Thron aus, die Beine übereinandergeschlagen—. Er soll lernen zu dienen, ohne eifersüchtig zu sein.
Aurelia zieht den rechten Fuß mit einem feuchten Schmatzen aus dem Mund des Sklaven und setzt den linken vor seine Lippen. Damián wartet nicht auf eine Anweisung: Er stürzt sich wie ein durstiger Hund auf seinen Napf, saugt an der Ferse, beißt kaum in das weiche Fleisch des Fußgewölbes, leckt die schwarzen Riemen ab. Trotz aller Erniedrigung ist diese kümmerliche Menge Wasser und Schweiß ein vom Himmel gefallenes Manna: Die Kälte, die das Feuer in seiner Kehle beruhigt, treibt ihm Tränen der Dankbarkeit in die Augen. Er wird zu einem durstigen Hund, ignoriert den Stich in seiner Harnröhre, nur um noch einen Tropfen zu bekommen.
Aurelia beobachtet ihn von oben, unbeweglich, und genießt die absolute Macht, die sie über einen Mann ausübt, der zu einer durstigen Reptiliengestalt geschrumpft ist. Sie spürt eine warme Nässe in ihrer eigenen Möse, eingezwängt unter dem Leder des militärischen Lendenschurzes. Einen Mann an ihren Füßen winseln zu sehen, ihm unter Tränen die Finger zu lecken, macht ihr immer die Unterwäsche feucht. Sie merkt es sich: Heute wird sie sich darum kümmern müssen.
***
Als der Kelch geleert ist und Aurelias Fuß unter der ergebenen Zunge des Gefangenen fast trocken wird, öffnen sich die Türen erneut. Lira tritt ein und schiebt einen schweren Wagen, beladen mit glänzenden Silberplatten. Der Duft von frisch gebackenem Brot, süßen Feigen und gewürztem Wein lässt Damiáns leeren Magen knurren.
—Ausgezeichnet —murmelt Isolda—. Nimm der Kreatur die Handschellen ab, Aurelia, und bring sie in Position. Mein Thron ist bequem, aber ein zwangloses Frühstück verlangt eine angemessene Stütze für meine Gästin.
Aurelia zieht einen Schlüssel vom Gürtel und öffnet mit verächtlicher Miene die Handschellen, die die Hände des Sklaven hinter dem Rücken festhalten. Als er befreit wird, knirschen seine Schultern vor lähmendem Schmerz, und das Blut beginnt wieder in seine tauben Finger zu strömen.
—Auf alle viere, neben den niedrigen Tisch —befiehlt Aurelia und lässt das Leder der Peitsche leicht knacken. Das Geräusch genügt.
Damián kriecht winselnd und unbeholfen vorwärts. Er legt die aufgeschlagenen Handflächen und Knie auf die kalten Fliesen und positioniert sich parallel zu dem Eichentisch, an dem Lira gerade das Frühstück anrichtet. Er hält den Kopf gesenkt, das Halsband schwer auf dem Nacken und den Stahlkäfig zwischen den Schenkeln baumelnd.
Isolda setzt sich majestätisch auf ihren Thron, glättet den violetten Samt und schlägt die Beine übereinander, sodass eine ihrer Sandalen sichtbar bleibt, hochmütig in der Luft ruhend.
Aurelia, mit jener katzenhaften Anmut, die im Kontrast zu ihrer Rüstung steht, nähert sich dem Sklaven. Ohne ein Wort dreht sie sich um und setzt sich graziös auf die Wirbelsäule des Gefangenen.
Der erste Aufprall reißt ihm ein ersticktes Keuchen heraus. Die Wirbel geben unter der Last leicht nach. Aurelia ist keine schwere Frau, aber das gehärtete Leder, die Silbernieten, die Waffen und die auf die Lenden konzentrierte Last bedeuten eine erstickende Belastung. Die Gladiatorin richtet die Beine ein, setzt die Sohlen auf den Boden und verteilt das Gewicht mit der Präzision einer Frau, die sich auf einem Hocker niederlässt. Damián ist in diesem Augenblick kein Körper mehr: Er wird zu einem vollkommen stabilen menschlichen Schemel.
Es ist nicht der Schmerz, der das Fleisch zerreißt, nicht das Feuer glühenden Eisens. Es ist eine anhaltende Folter. Es ist die Demütigung, buchstäblich und im übertragenen Sinn in ein unbelebtes Objekt verwandelt zu werden, ein Möbelstück aus Fleisch, Knochen und Schweigen.
Isolda und Aurelia unterhalten sich angeregt, ihre Stimmen hallen in den Gewölben des Schlosses wider. Sie reden über die Temperatur des Weins, die Steuern der westlichen Provinzen, die neuen Rüstungen der königlichen Garde. Sie schneiden Käse, schälen Früchte, stoßen mit den Gläsern in gelegentlichen Trinksprüchen an. Helle Lacher schweben durch die Luft wie kleine Kristallglöckchen.
Und unter Aurelia, all dieses Gewicht tragend, muss Damián vollkommen reglos bleiben. Sein Magen knurrt. Kalter Schweiß perlt auf seiner Stirn. Arme und Oberschenkel zittern unter der ständigen isometrischen Anspannung. Wenn die Ellbogen auch nur einen Millimeter nachgeben, wenn sich der Rücken wölbt, um den Druck auf die Wirbel zu lindern, bringt das Aurelias Körper aus dem Gleichgewicht.
Wenn das geschieht, schlägt die Kriegerin ihn nicht. Sie korrigiert einfach die Haltung. Sie bewegt sich, schlägt die Beine übereinander, verlagert das Gewicht von einer Gesäßbacke auf die andere, um den Sitzkomfort wiederherzustellen.
Und genau das ist die wahre Hölle.
Jedes Mal, wenn Aurelia sich auf seinem Rücken neu einrichtet, spannen und dehnen sich die Haut und die Muskeln des Sklaven. Diese Bewegung überträgt sich auf das Becken, und die Schwerkraft lässt das schwere Schloss im Millimeterbereich schwingen. Das genügt, damit der lange geriffelte Katheter ein Stück in ihn hineinrutscht. Die Stahlrippen reiben an dem entzündeten, wund geriebenen, mit Jod benetzten Gewebe. Ein Stich aus scharfem, übelkeitsgemischtem Schmerz fährt ihm von der Unterseite des Bauches bis in die Kehle. Der eingesperrte Schwanz versucht krampfhaft zu zucken, und jeder Zuckung treibt den Katheter weiter gegen das von innen abgeschälte Fleisch.
Damián beißt sich so fest auf die Lippen, dass sie fast zu bluten beginnen, nur um nicht zu schreien. Ein Wimmern würde das friedliche Frühstück seiner Monarchin verderben, und er weiß, dass die Strafe darin bestehen würde, zurück an den Bestienpfeiler gebracht zu werden oder, noch schlimmer, Lira anzuordnen, das Bleigewicht neu zu positionieren.
Ich bin kein Mann mehr, denkt er in Schmerzschwaden. Ich bin ein Hocker.
Seine Strafe besteht jetzt in absoluter Verdinglichung. Während dieser endlosen Stunde hat er aufgehört, ein Sklave zu sein, hat sogar aufgehört, ein aktives Ziel der Folter zu sein. Er ist eine Fußstütze. Man hat ihm so viel Menschlichkeit genommen, dass seine Herrinnen ihm nicht einmal mehr direkte Aufmerksamkeit schenken: Sie benutzen ihn, weil es bequemer ist, als einen Stuhl zu holen. Seine Hände liegen frei gegen den Stein, aber diese Freiheit ist eine Farce: Jeder Versuch, die Last zu mindern, führt nur zu urethraler Reibung. Die Rillen des Katheters sind die wahren Gitterstäbe seines Gefängnisses.
Mitten im Frühstück rührt sich Aurelia mit besonderer Absicht. Damián spürt, wie die Kriegerin sich zurücklehnt, die Hände auf die Lenden des Sklaven stützt und sich so zurechtrückt, dass die Spalte ihrer Pobacken genau zwischen die Schulterblätter des Gefangenen zu liegen kommt. Unter dem Lederschurz beginnt die Gladiatorin, die Hüften in einem kaum wahrnehmbaren, minimalen Rhythmus zu wiegen und sich am Schulterblattknochen zu reiben. Die Rüstung schnürt ihr die Brüste ein; die verhärteten Brustwarzen drücken gegen das Leder.
—Meine Königin —schnurrt Aurelia, ohne sich zu bewegen—, dieser Hocker hat sich als vielseitiger erwiesen als erwartet. Die Krümmung seiner Wirbel eignet sich hervorragend, um mich … zu beschäftigen.
Isolda hebt spöttisch eine Braue über den Rand ihres Weinkelchs.
—Nutze ihn, Liebes. Dafür haben wir ihn gekauft. Wenn du willst, leg dieses Lederhindernis ab und besteig ihn mit freier Muschi. Lass ihn den Geruch einer echten Frau ordentlich riechen, da er ohnehin nie wieder einen anderen bekommen wird.
Aurelia lächelt, zufrieden. Mit einer Hand löst sie die vier seitlichen Schnallen des militärischen Lendenschurzes und zieht ihn beiseite. Die blonde, rasiert bis auf einen schmalen goldenen Streifen, liegt frei, bereits glänzend vor Nässe. Sie setzt sich wieder auf Damiáns Rücken, diesmal mit nacktem Fleisch direkt auf seiner Wirbelsäule. Wärme und Feuchtigkeit kommen sofort: Der Sklave spürt, wie sich die geöffneten Lippen der Gladiatorin an seinen Wirbeln entlangschieben und eine klebrige Spur hinterlassen.
—Reite, Bestie —murmelt Aurelia gegen den Nacken des Gefangenen—. Beweg den Rücken, wie ich es dir sage. Ganz langsam. Wog mich unter dem Arsch, während ich frühstücke.
Damián gehorcht, voller Angst, und beginnt, das Becken in winzigen Bewegungen zu wiegen. Jede Schaukel bringt den Käfig zwischen seinen Beinen zum Ausschlagen und treibt den Katheter mit neuem Schmerz in ihn hinein, doch jede Schaukel lässt auch Aurelias Möse gegen den Knochenvorsprung reiben. Die Kriegerin schnauft vor Lust, legt aus Reflex eine Hand an den Griff der Peitsche und führt sich mit der anderen eine reife Feige an die Lippen. Sie beißt in die Frucht, und ihr süßer Saft läuft ihr übers Kinn und tropft in dunklen Tropfen auf die Haut des Sklaven.
—Schneller —befiehlt sie—. Als würdest du mich ficken, nur eben mit dem Rücken. Mehr bleibt dir nicht, Kreatur.
Damián gehorcht und stöhnt innerlich. Die feuchte Reibung von Aurelias Möse auf seiner Wirbelsäule ist eine zusätzliche psychologische Folter: Er spürt, wie diese goldene Frau sich auf ihm erhitzt, wie ihr Geruch nach erregter Frau seine Nase füllt, wie sein eigener eingesperrter Schwanz zu antworten versucht und unter dem Metall stranguliert stirbt. Stumme Tränen treten ihm in die Augen. Eingesperrt, erniedrigt, als menschlicher Dildo benutzt von einer Frau, die sich nicht einmal herablässt, sein Gesicht anzusehen, während sie sich ihm auf den Rücken spritzt.
—Isolda, meine Königin —keucht Aurelia nach einigen Minuten, die Stimme einen Ton rauer—, erlaubt Ihr?
—Nur zu, meine Hauptfrau. Komm auf mein Möbel. Taufe es mit königlichen Säften, lass es lernen, wonach sich das Vergnügen riecht, das es nie wieder geben wird.
Aurelia hört auf, irgendetwas zu verbergen. Sie presst die Möse gegen die Schulterblätter des Gefangenen, hält sich mit der freien Hand an der Halskette fest und beginnt sich offen und ohne Scham zu bewegen. Die in die Rüstung gezwängten Brüste heben und senken sich mit dem beschleunigten Atem. Der geschwollene Kitzler reibt hart über den Knochen des Sklaven. Eine ganze Minute brutaler Reibung, und der Orgasmus reißt sie zusammen: ein langer, stiller, aber dichter Krampf, der sie zwingt, die Schenkel gegen Damiáns Flanken zu pressen wie eine Reiterin auf einem ungezähmten Pferd. Ein heißer Schwall ihrer Säfte läuft dem Gefangenen den Rücken hinunter, gleitet über die Lenden und bis zum Ansatz seines Arsches.
—Sehr gut —keucht Aurelia—. Sehr gut, neues Möbelstück. Du verdienst eine Pause.
Sie gibt ihm einen gleichgültigen Klaps in den Nacken und entspannt sich, wobei sie die nasse Möse an seiner Wirbelsäule anliegen lässt, als wäre der Sklave ein feuchtes Handtuch zum Abtrocknen. Damián zittert unter ihr, den Mund offen, die Kehle verstopft von Speichel und Demütigung. Königin Isolda lächelt, ohne weiter zu essen, mit jener kalten Zufriedenheit dessen, der eines seiner neuen Spielzeuge gut funktionieren sieht.
—Aurelia —sagt sie nach einem Schluck Wein—, wenn du fertig mit Abtrocknen bist, will ich, dass die Bestie mir die Sandalen leckt. Sie sind vom Garten schmutzig.
—Mit Vergnügen, meine Königin.
Noch eine Minute, dann erhebt sich Aurelia endlich. Ihre Möse glänzt zufrieden. Ohne jede Zeremonie schiebt sie sich mit dem Lendenschurz in der Hand fort und setzt sich wieder neben Isolda, um sich einen weiteren Kelch zu nehmen, während sie den Sklaven mit beschmierter Rückenpartie zurücklässt.
Isolda streckt ein Bein aus. Die flachen, erdfarben beschnürten Sandalen schaukeln auf Gesichtshöhe des Sklaven. Die Sohle ist vom getrockneten Schlamm des Gartens verdunkelt, und die Riemen riechen nach gegerbtem Leder und nach königlichem Fuß.
—Fang mit der Sohle an, Haustier. Und lass nicht die kleinste Faser übrig.
Damián kriecht vor und streckt die Zunge heraus. Er beginnt bei der Ferse: Die Zunge stößt gegen Erdkrusten und Sandkörnchen. Er kneift die Augen zu und leckt weiter. Er spuckt die Klümpchen zur Seite, kommt zurück. Er leckt die abgenutzte Ledersohle, ein Geschmack nach altem Staub und königlichem Schweiß. Er fährt über die Spitze, jeden erdfarbenen und senffarbenen Riemen, saugt die Mulde zwischen dem großen und dem zweiten Zeh der Königin aus, verweilt ehrfürchtig über jedem der rot lackierten Nägel. Isolda schaut ihn nicht an, dreht lediglich leicht den Knöchel, um ihm eine neue Stelle anzubieten, und Damián reagiert wie ein abgerichtetes Tier, immer an der Haut der Monarchin klebend.
—Das Ding ist fleißig —bemerkte die Königin—. Es lernt schnell. Noch ein Glas, Aurelia.
Isolda kaut langsam auf einer kandierten Traube. Ihre Augen ruhen auf der visuellen Komposition vor ihr. Als Monarchin, die von der Ästhetik der Macht besessen ist, fasziniert sie die Szene. Einerseits die strahlende Vollkommenheit Aurelias: das Goldhaar, das das Licht einfängt, die makellose Haut, ihre unantastbare Schönheit, noch immer gerötet vom Orgasmus. Andererseits, als Sitz und nun als Lappen dienend, die zerbrochene Anatomie des Gefangenen: ein Knäuel zitternder Muskeln, ein von schwarzem Eisen gefesselter Hals, in einen Stahlkäfig eingeschlossene Genitalien, der Rücken mit den Säften einer anderen Frau glasiert und die geschäftige Zunge, die den Schlamm von einer königlichen Sandale entfernt. Die Göttlichkeit ruht auf dem Elend. Für Isolda ist das das wahre Bild der Macht ihrer Krone.
***
Das Frühstück zieht sich eine qualvolle Stunde hin. Als Isolda sich schließlich mit einer Leinenserviette die Lippen abwischt, beeilt sich Lira, die Platten abzuräumen.
Aurelia erhebt sich vom Rücken des Sklaven. Als das Gewicht verschwindet, knirscht Damiáns Wirbelsäule und eine schmerzhafte Erleichterung durchströmt ihn, gefolgt von einem dumpfen Stöhnen, als der Keuschheitskäfig sich unter der Schwerkraft wieder setzt. Er sinkt erschöpft auf die Seite, mit klebrigem Rücken und einem Mund, der nach Leder und Erde schmeckt.
Isolda erhebt sich vom Thron. Das violette Kleid schleppt sich mit opulentem Rascheln hinter ihr her. Sie sieht Damián mit einer Mischung aus Langeweile und Kalkül an.
—Führt unser Haustier durch die inneren Gänge spazieren, Aurelia —befiehlt sie—. Lass ihn sich ein wenig bewegen. Die atrophierten Muskeln kann ich für die Spiele heute Nacht nicht gebrauchen. Lass ihn trainieren, aber erinnere ihn daran, wo sein Platz ist.
Die Gladiatorin dreht den Kopf zum Sklaven. Ein strahlendes, eiskaltes Lächeln erhellt ihr engelhaftes Gesicht. Sie betrachtet Damián nicht als Mann, sondern als Raubtierhund, den man zum Gassigehen ausführt.
Mit anmutigem Schritt nähert sie sich dem Gefangenen und ergreift die schwere Stahlkette, die vom Martingalhalsband herabhängt. Sie wickelt ein paar Glieder um ihre behandschuhte Hand und zieht mit trockener, autoritärer Kraft nach oben.
Die Zähne des Halsbands beißen in den Hals des Sklaven. Damián wird gezwungen, sich rasch zu erheben, doch bevor er überhaupt versucht, auf die Beine zu kommen, macht ihm ein ruckartiger Zug nach unten seine Rolle klar.
—Auf alle viere, Bestie —befiehlt die Blonde mit kristallklarer Stimme—. Die Hunde der Königin laufen nicht auf zwei Beinen. Und wenn du dich aufrichtest, ramme ich dir die Peitsche in den Arsch, bis sie dir aus dem Mund wieder herauskommt. Verstanden, Haustier?
Damián nickt, die Kinnspitze an die Brust gedrückt, unfähig, ein Wort hervorzubringen.
Und so beginnt der makabre Spaziergang.
Aurelia setzt sich in Bewegung zu den großen Doppeltüren, die den Großen Saal mit dem Labyrinth der inneren Gänge verbinden. Ihr Gang ist elegant, sicher, rhythmisch. Das Klack, klack, klack ihrer Absätze wird zum Metronom von Damiáns Leiden.
Der Sklave kriecht hinter ihr her, schleift Knie und Handflächen, die sich bereits an den kalten Mosaiken aufscheuern.
Die Biomechanik des Kriechens ist eine maßgeschneiderte Folter. Jedes Mal, wenn er ein Knie vorschiebt, kippen seine Hüften. Diese Beckenbewegung bringt das Keuschheitsgerät in Schwingung: Der geriffelte Katheter reibt unablässig am mit Jod benetzten Gewebe. Das Feuer, das eingeschlummert war, flammt durch die Reibung wieder auf. Ein scharfes Brennen begleitet ihn auf jedem Meter. Sein eingesperrter Schwanz zuckt in abgebrochenen Krämpfen, schwillt gegen die Stäbe an und stirbt, wieder und wieder zerdrückt, in einem obszönen Kreislauf bestrafter Erregung.
Doch Folter ist eine zweischneidige Waffe. Die Königin hatte recht: Seine mit Milchsäure vollgepumpten Muskeln nach der Nacht im Geschirr brauchen Bewegung. Das Kriechen ist, obwohl schmerzhaft, dehnt die hinteren Oberschenkelmuskeln und pumpt Blut in die tauben Waden. Eine tief konditionierte Gnade. Er überlebt, aber der Preis ist hoch.
Wenn er auch nur eine Sekunde zu spät ist, wenn der Schmerz in der Harnröhre ihn zögern lässt, spannt sich die Kette sofort. Die Trägheit von Aurelias Körper zieht am Halsband, und die Metallzähne graben sich in seine Luftröhre, drohen ihm den Kehlkopf zu zerquetschen. Er ist gezwungen, schneller zu kriechen, keuchend und stolpernd, um das Spiel der Kette zu halten und atmen zu können.
—Los, Fickbares —ruft Aurelia ihm über die Schulter zu, ohne stehen zu bleiben—. Wackel mit diesem eingesperrten Arsch. Zeig dem ganzen Schloss, wie man einen Mann ausführt, dem wir die Lust kastriert haben.
Jeder Ruck, jedes Wort, jedes Klacken des Absatzes auf dem Stein ist eine weitere Schicht der Zähmung.
Und dann ist da noch die psychologische Zerstörung.
Die Gänge sind nicht leer. Während Aurelia ihn herumführt, kreuzen sie das Dienstpersonal. Mägde mit Wäschekörben, Wachen in Rüstung, Becherträger und Sklaven niedrigerer Rangordnung drücken sich an die Wände, um der blonden Gladiatorin Platz zu machen.
Alle senken den Blick vor ihr aus Respekt, doch ihre Augen wandern unweigerlich zu der Kreatur, die hinter der Kriegerin kriecht. Sie sehen Damián, völlig nackt, mit Blutergüssen übersät, die Knie blutig, ein Stachelhalsband am Hals und die Genitalien im glänzenden Stahl der Keuschheit eingesperrt. Sie sehen den Speichel, der ihm aus dem Mund hängt, den Rücken beschmiert mit Aurelias eigenem samenartigen Saft, und die absolute Unterwerfung in seinen besiegten Augen. Eine junge Magd unterdrückt ein nervöses Kichern; eine Veteranin bekreuzigt sich. Ein Wächter, dessen Schwanz unter dem Kettenhemd schon hart ist, wendet mit Mühe den Blick ab.
Sie führen ihn nicht als Kriegsgefangenen vor, nicht als bestraften Mann, sondern als zerbrochenes exotisches Haustier, das sich wie ein treuer und gefolterter Hund hinter einer unerreichbaren blonden Göttin herschleppt, deren makellose Absätze unbarmherzig den Rhythmus seiner Verdammnis unter dem ewigen Schatten der Krone von Königin Isolda vorgeben.