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Relatos Ardientes

Die Lesbe, die das Zimmer auswendig kannte

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Esperanza Díaz stand seit fünfzehn Jahren hinter dem Tresen der Herberge La Lomita und hatte die fast tierische Fähigkeit entwickelt, Menschen in den drei Sekunden zu lesen, die sie brauchten, um die Tür zu durchqueren. Das war kein kultiviertes Talent. Es war reines Überleben.

La Lomita war ein zweistöckiges Gebäude, eingezwängt zwischen einem Eisenwarenladen und einer Wechselstube, im alten Zentrum von Cúcuta. Esperanza hatte es von ihrem Onkel Rodrigo geerbt, der es ihr in einem handgeschriebenen Testament hinterließ, ohne Notar und ohne Erklärungen, überzeugt davon, dass seine Nichte schon wissen würde, was damit zu tun sei. Und Rodrigo hatte sich nicht geirrt. Esperanza wusste vom ersten Tag an, was sie da in den Händen hielt: nicht genau ein Geschäft, sondern eher so etwas wie ein Beichtstuhl ohne Priester und ohne Absolution.

Fünfzehn Jahre lang hatte sie die Wände zweimal neu gestrichen, die Schlösser siebenmal ausgetauscht und die Matratzen nur einmal ersetzt, gedrängt von einer städtischen Inspektion, die ohne Vorwarnung auftauchte. Der Rest blieb unverändert: die Einbauspiegel mit Feuchtigkeitsflecken in den Ecken, die Fenster zum Innenhof aus rotem Ziegel, die Laken, die nach demselben Industrie-Waschmittel rochen wie immer. An einer der Wände war ein verrosteter Haken zurückgeblieben, an dem früher etwas gehangen hatte, woran sich niemand mehr erinnerte.

Es war kein Ort für die Liebe. Es war ein Ort für andere Dinge, ehrlichere und weniger elegante.

Esperanza führte La Lomita mit der mühelosen Kühle von jemandem, der eine Stadtteilapotheke betreibt: Effizienz, absolute Diskretion und keine Fragen zum Privatleben von irgendwem. Genau das war es, was die Leute immer wiederkommen ließ.

Am meisten mochten ihr an ihrem Beruf, in all den Jahren hinter dem Tresen, die Neulinge. Die, die überzeugt ankamen, die Ursünde entdeckt zu haben. Die die Tür mit diesem feierlich unbeholfenen Gesichtsausdruck aufstießen, mit dem jemand zum ersten Mal eine Grenzüberschreitung begeht und sicher ist, dass alle es bemerken.

***

Es war an einem Dienstag im März, gegen fünf Uhr nachmittags, als Daniela hereinkam.

Sie war ungefähr dreißig, ordentlich gebügelte Büroklamotten, das Haar zu einem Dutt hochgesteckt, der mehr Zeit gekostet haben musste, als er vermuten ließ. Sie trat zuerst allein ein, als müsse sie erst bestätigen, dass der Ort überhaupt existierte, bevor sie noch jemanden hineinverwickelte. Sie sah den Tresen an, sah Esperanza an, sah die Schlüssel am Brett hängen. In ihren Augen lag jene ganz bestimmte Mischung aus Erregung und Scham, die Esperanza besser kannte als ihr eigenes Spiegelbild.

—Ein Zimmer — sagte sie, die Stimme ein wenig leiser als nötig.

—Für wie viele Stunden?

—Drei.

Esperanza nahm den Schein, legte ihn ungesehen in die Schublade und stellte den Schlüssel von Zimmer vier auf den Tresen. Daniela steckte ihn in die Tasche und ging hinaus.

Zwei Minuten später kam sie wieder herein. Diesmal nicht allein.

Die, die hinter ihr ging, war anders. Jünger, vielleicht fünfundzwanzig, mit jener ungezierten Schönheit, die existiert, ohne zu wissen, dass sie existiert: dunkles Haar offen bis auf die Schultern, schlichte, markenlose Kleidung, ein kleiner Rucksack über der Schulter. Sie ging und sah auf die roten Bodenfliesen, als wollte sie vermeiden, auf die Linien zwischen den Platten zu treten. Daniela führte sie an der Hand mit jener kalkulierten Zärtlichkeit, mit der jemand glaubt, eine Person zu lenken, die den Weg nicht kennt.

Als sie am Tresen vorbeigingen, hob das Mädchen mit dem Rucksack kurz den Blick. Sie sah Esperanza direkt in die Augen.

Und Esperanza, die seit fünfzehn Jahren Gesichter las, spürte etwas, das sie erst nach einer Sekunde einordnen konnte. Das war keine Angst, die dieses Mädchen hatte. Auch keine Schüchternheit. Es war etwas Ruhigeres und Tieferes. Etwas, das Esperanza sich ins Gedächtnis legte, ohne schon zu wissen, wofür es gut sein würde.

***

Die beiden verschwanden den Gang hinunter nach hinten. Esperanza hörte das Knarren des Holzbodens unter ihren Schritten, die Tür von Zimmer vier, das trockene Klicken des Riegels.

Sie kehrte auf ihren Stuhl zurück. Schaltete wie immer die Telenovela mit stummem Ton ein.

Fünf Minuten später hörte sie die Stimme.

Nicht die von Daniela.

Die andere.

—Esperanza, wenn Sie einen Moment haben, bringen Sie mir bitte ein Kissen aus dem Lager? Die im blauen Sack, ganz hinten im Regal. Sie wissen schon, welche ich meine.

Die Stimme kam mit einer Selbstverständlichkeit aus dem Flur, die in der Rezeption die Zeit anhielt. Das war nicht die Stimme von jemandem, der zum ersten Mal an so einem Ort war. Das war die Stimme von jemandem, der ganz genau wusste, wo die Kissen im Lager lagen und in welchem bestimmten Sack man sie aufbewahrte.

Esperanza stand auf, ohne sich zu beeilen. Sie ging ins Lager, einen kleinen Raum am Ende des Dienstganges, und holte ein Kissen aus dem blauen Sack, tatsächlich das ganz hinten, nicht die beiden obenauf. Sie brachte es zu Zimmer vier und klopfte zweimal mit den Knöcheln.

Die Tür öffnete das Mädchen mit dem Rucksack. Barfuß. Das Haar offen. Dieselbe Kleidung wie draußen, aber nun besser an ihr sitzend, als hätte sich auch die Kleidung beim Eintreten entspannt. Sie hatte einen ruhigen, fast häuslichen Ausdruck.

—Danke — sagte sie und nahm das Kissen —. Haben Sie von dieser Lavendelseife? Die Dame von der Nachtschicht legt sie mir immer im Bad bereit, aber ich weiß nicht, ob Sie sie am selben Ort aufbewahren.

—Habe ich — antwortete Esperanza, ohne auch nur eine Muskelregung im Gesicht.

—Perfekt. Schicken Sie sie mir, wenn Sie können, ohne Eile.

Sie schloss die Tür sanft.

Esperanza blieb einen Moment im Gang stehen und hörte die Stille auf der anderen Seite. Die Stille von Daniela war so ausdrucksstark, dass sie fast Gewicht hatte.

***

Sie ging zurück zum Tresen.

Sie schaltete die Telenovela endgültig aus.

An diesem Dienstag brauchte sie kein Fernsehen-Drama.

In der folgenden Stunde hörte sie das, was man in diesen unverputzten Blockwänden immer hörte: die private Sprache zweier Menschen, die ihre Frequenz suchten. Aber diesmal war die Geografie des Klangs anders. Die Stimme, die führte, die mit Ruhe und Präzision Anweisungen gab, die fragte — so?, langsamer? —, war nicht die von Daniela.

Es war die andere. Die, die mit Blick auf den Boden angekommen war.

—Zieh die Bluse aus — hörte sie irgendwann. — Langsam. Ich will dich gut sehen.

Danach klang Danielas Stimme zum ersten Mal seit ihrem Eintreten, und sie war kaum wiederzuerkennen: klein, gehorsam, ein wenig verloren.

In der Art, wie die andere — Luciana, würde Esperanza später im Register erfahren — den Raum beherrschte, lag nichts Improvisiertes. Es war die Autorität von jemandem, der weiß, was er will, und seit langem lernt, wie man es verlangt. Keine Hast. Keine nervöse Ungeschicklichkeit derer, die etwas Neues erkunden. Stattdessen diese besondere Präzision, die Esperanza bei denen erkannte, die öfter bei La Lomita vorbeikamen: die eines Menschen, der seinen eigenen Appetit kennt und keinerlei Interesse daran hat, ihn zu verbergen.

—Leg dich auf den Rücken.

Die Matratze knarrte. Dann ein anderes, näheres Knarren, von Stoff, der an Laken rieb.

—So. Noch nicht die Beine schließen.

Die Stille, die folgte, war von der Sorte, die sich von selbst füllt.

Esperanza verließ den Tresen und hörte vom Gang aus, wie sich das Zimmer mit Atem füllte. Ein kurzes Keuchen. Ein unterdrücktes Lachen. Der leichte Schlag einer Hand auf den Oberschenkel, nicht hart, gerade genug, um den Takt zu markieren.

—Sieh mich an — sagte Luciana.

Und Daniela, längst ohne den Anschein der Frau, die selbstbewusst hereingekommen war, antwortete mit dünner Stimme:

—Ich sehe dich an.

—Nein, Süße. Du begehrst mich.

Die folgende Stille hatte eine fast körperliche Dichte.

Dann das Reiben eines Reißverschlusses. Das trockene Geräusch einer geöffneten und zu Boden fallenden Hose. Esperanza blieb im Flur stehen, weil Diskretion in La Lomita kein Akt der Güte war, sondern eine Form der Hygiene. Sie mischte sich nicht in Dinge ein, nach denen niemand sie fragte, aber sie tat auch nicht so, als höre sie nicht, was die Wände so gut wussten wie sie selbst.

—So, ja — murmelte Luciana. — Komm her. Fass mich an.

Ein deutlicherer, gebrochenerer Laut. Daniela verlor die Kontrolle, und Esperanza war klar, dass sie das nicht mit Abscheu tat. Sie verlor sie mit einer Art demütigender Erleichterung, ergab sich jener unsichtbaren Hand, die ihren Stolz Zentimeter für Zentimeter auseinandernahm.

—Mach den Mund auf.

—Luciana...

—Mach den Mund auf, Daniela.

Was folgte, war das feuchte Geräusch eines langen, gierigen Kusses, mit Zunge und Speichel und ineinander vermischtem Atem. Dann noch einer, tiefer, und ein leises, zufriedenes Schnauben, das Esperanza eine sich senkende Mundpartie vorstellte, eine Hand, die den Nacken hielt, Finger, die ins Haar griffen, um zwei Körper näher zusammenzuziehen, als nötig war — zwei Körper, die längst zu weit gegangen waren, um sich noch um Eleganz zu kümmern.

—Leck mich da — befahl Luciana, ohne lauter zu werden.

Daniela stieß ein kurzes, gehorsames Wimmern aus, und dann füllte sich das Zimmer mit einem Geräusch, das Esperanza gut kannte: dem anfangs unbeholfenen Rhythmus einer Zunge, die lernt, sucht, die Haut netzt, bis sie empfindlich wird.

Im Zimmer lag eine Kadenz aus Bitte und Antwort. Luciana gab den Takt vor, Daniela erfüllte ihn. Luciana senkte eine Anweisung herab, und Daniela nahm sie an mit jener Mischung aus Scham und Hunger, die den Körper ehrlicher macht als den Mund.

—Weiter unten.

—So.

—Nein, noch tiefer.

Und dann das Schlagen eines Kopfteils gegen die Wand. Eins. Zwei. Drei. Nicht hart, aber mit der Beharrlichkeit von etwas, das bereits aus dem Ruder zu laufen begonnen hatte. Ein Luftstoß. Ein höheres Stöhnen. Dann eine kurze Stille und ein langer Atemzug, als versuche jemand noch nicht zu kommen und wisse, dass es nicht mehr in seiner Hand lag.

—Genau so — sagte Luciana, fast schnurrend. — Genau so, Schlampenmädchen. Ich will, dass du wegen mir verrückt wirst.

Daniela stieß einen Laut aus, der nicht ganz ein Wort war. Esperanza lehnte sich einen Moment an die Gangwand und verschränkte die Finger hinter dem Rücken. Die Härte dieses Tons überraschte sie nicht; überraschte sie war die Sicherheit, mit der Luciana ihn verwendete, als wäre schmutzige Sprache kein Schmuck, sondern Werkzeug, ein direkter Schlüssel zum Zentrum der anderen.

Sie hörte die Veränderung der Position: ein Körper, der sich aufrichtete, ein anderer, der sich drehte, das Bett, das mit langem Quietschen klagte. Danach das unverwechselbare Geräusch eines Rocks oder einer Hose, die über die Laken gezogen wurde, und Danielas Atem, jetzt schneller, offener, verlorener.

—Willst du, dass ich ihn dir reinstecke? — fragte Luciana.

Die Frage hing nackt in der heißen Luft des Zimmers.

—Ja — sagte Daniela, und sie brachte das Wort kaum heraus.

Die folgende Stille war die des exakten Wartens auf das Unvermeidliche.

Der erste Stoß klang nicht wie ein Schlag, sondern wie ein tiefes Seufzen beider Körper, die sich der Reibung anpassten. Dann ein weiterer. Und noch einer. Die Matratze begann im Rhythmus zu protestieren, den Esperanza sofort erkannte: langsames Eindringen am Anfang, nach dem Winkel suchend, nach Feuchtigkeit suchend, nach dem präzisen Punkt, an dem Lust aufhört, sanft zu sein, und zum Bedürfnis wird.

—Tiefer — sagte Daniela jetzt mit gebrochener Stimme.

—Das wolltest du doch, oder? — erwiderte Luciana. — Dass ich dich so weit aufmache.

Das Schlagen der Hüften gewann an Kraft, wurde feuchter, schmutziger, tiefer. Das Bett bewegte sich mit einer Beharrlichkeit gegen die Wand, die den Spiegel im Flur erzittern ließ. Esperanza konnte jede Nuance unterscheiden: den gleichmäßigen Rhythmus eines Körpers, der weiß, was er tut, die minimale Pause, um den Rücken zu halten, das Stöhnen, das kam, wenn die Lust genau den Punkt traf und wie eine Faust zwischen den Beinen zupackte.

—Hör nicht auf — flehte Daniela.

—Ich denke gar nicht daran.

Luciana sprach mit jener obszönen Ruhe von jemandem, der bis in den letzten Nerv die Kontrolle über die andere Person hat.

—Du magst es, wenn ich dich behandle, wie du es verdienst, nicht wahr? Du magst es, den Schwanz zu spüren — korrigierte sie, ohne sich zu bewegen —. Du magst es, mich bis ganz nach hinten zu spüren.

Daniela stieß einen unterdrückten Schrei aus, längst ohne Scham, längst ohne den Willen, sich gegen irgendetwas zu verteidigen.

Dann hörte Esperanza das Geräusch einer feuchten Hand, die sich zwischen den Beinen bewegte, den abgehackten Atem Lucianas, und sie wusste, dass die Szene von bloßer Beharrlichkeit in Überfluss übergegangen war. Die Stöhner wurden ungeordneter; das ganze Zimmer schien mit ihnen zu atmen. Da war ein Geruch, den sie nicht sehen, aber sich vorstellen konnte: Schweiß, heiße Haut, Speichel, offener, entblößter Sex in der geschlossenen Luft von Zimmer vier.

—Genau, schau mich an, wenn du kommst — sagte Luciana.

Und Daniela zerbrach mit einem langen, fast schluchzenden Stöhnen, während die Matratze leicht hochsprang und dann noch einmal, als drücke Lucianas Körper sie gegen etwas viel Größeres als das Bett. Esperanza schloss für einen Augenblick die Augen, nicht aus Scham, sondern aus Gewohnheit: Manchmal reichte das Gehör aus, um zu viel zu sehen.

Danach kamen schwere, abgehackte Atemzüge und das Geräusch von sich wieder bewegender Kleidung, Hände, die Körper zurechtrückten, ein Mund, der langsam das saugte, was von empfindlicher Haut übrig war. Luciana sagte etwas, das Esperanza nicht verstand, aber der Ton war unmissverständlich: zugleich sanft und beherrschend, wie eine Liebkosung mit der Schneide eines Messers.

—Du bist so lecker, wenn du dich hingibst — murmelte sie.

Daniela antwortete mit einem zufriedenen Wimmern, erschöpft, die Stimme noch immer zitternd.

—Sprich jetzt nicht lieb mit mir.

Luciana lachte leise, zufrieden, und dieses Lachen war fast intimer als die Stöhner.

***

Daniela kam vierzig Minuten später allein heraus.

Sie hatte zerzaustes Haar und einen Ausdruck, den Esperanza mühelos in ihrem mentalen Archiv einordnete: das Gesicht von jemandem, der glaubte, er werde lehren, und am Ende die Person war, die gelernt hatte. Das Gesicht von jemandem, der mit einer Karte in der Hand ins Zimmer gekommen war und zu spät entdeckte, dass die andere diese Karte gezeichnet hatte, bevor sie ankam.

Sie stützte sich auf den Tresen. Sah eine Weile schweigend an die Wand.

—Möchten Sie Wasser? — bot Esperanza an.

—Ja — sagte Daniela. Und dann, ohne den Blick zu heben —: Wie oft war sie schon hier?

Esperanza füllte ein Glas am Spender. Sie stellte es auf den Tresen.

—Wir führen keine solchen Aufzeichnungen.

Daniela trank das Wasser in einem langen Zug. Sie nickte langsam, mit der Geste von jemandem, der beginnt, die eigene Geschichte von Grund auf neu zu ordnen.

—Klar — sagte sie. — Natürlich nicht.

Sie ging ohne sich zu verabschieden.

***

Luciana kam zwanzig Minuten später heraus. Ruhig, zurechtgemacht, als hätte sie ein Gespräch beendet, das genau so verlaufen war, wie sie es erwartet hatte.

Sie blieb vor dem Tresen stehen.

—Guten Abend, Esperanza.

—Guten Abend.

—Wie viel schulde ich Ihnen für die Seife?

—Die ist im Zimmer inbegriffen.

Luciana nickte. Schob sich den Rucksack über die Schulter, steckte die Hände in die Hosentaschen und ging zur Tür. Im Türrahmen blieb sie einen Moment stehen, ohne sich ganz umzudrehen.

—Danke für das Kissen.

Und dann ging sie.

***

Esperanza schaltete in dieser Nacht den Flur ab und dachte, wie immer vor dem Abschließen, an die einzige Lektion, die La Lomita ihr in fünfzehn Jahren beigebracht hatte und die in keinem Buch stand.

Die Herberge war ein Spiegel ohne Rahmen. Die Leute kamen in der Überzeugung, dass sie einen Ort betraten, und was sie in Wahrheit taten, war, Schichten abzustreifen. Die Anwältin, die unter fremdem Namen buchte. Die Beamtin, die bar zahlte und das Zimmer ohne Fenster verlangte. Das höfliche Mädchen, das mit gesenkten Augen kam und ging, während seine Begleitung verarbeitete, was gerade passiert war.

Luciana war nicht die Erste ihrer Art. Wahrscheinlich würde sie nicht die Letzte sein.

Esperanza hatte sie in ihrer persönlichen Taxonomie katalogisiert: die stillen Expertinnen. Die, die gelernt hatten, dass die beste Verkleidung nicht die der Provokation ist, sondern die der Unschuld. Die ganz genau wissen, wann sie den Blick senken und wann sie ihn heben müssen. Die mit einem kleinen Rucksack kommen und die anderen mit Fragen zurücklassen, die sie nicht zu formulieren wissen.

Daniela war der häufigere Typ: die, die glaubt zu führen und in Wirklichkeit geführt wird. Die mit der Kontrolle in der Hand kommt und, wenn es kein Zurück mehr gibt, entdeckt, dass die andere den Takt schon längst bestimmt hat, bevor sie das Zimmer betreten hat.

Das war keine Grausamkeit. Es war die Wahrheit, die Esperanza in diesen unverputzten Blockwänden zu lesen gelernt hatte: dass das Verlangen keinem Skript folgt, das irgendwer ihm schreibt, und dass die Person, die im Zimmer am verlorensten wirkt, oft die Einzige ist, die genau weiß, wo sie ist.

***

Drei Wochen später kam Luciana zurück.

Diesmal allein.

Sie trat direkt ein, ohne auf den Boden zu sehen. Sie ging mit derselben Ruhe wie immer zum Tresen, ohne sich zu beeilen, ohne zu zögern.

—Zimmer vier, wenn es frei ist.

—Ist frei.

Esperanza reichte ihr den Schlüssel. Luciana nahm ihn, nickte kurz und ging weiter den Flur hinunter. Auf halber Strecke blieb sie stehen und drehte sich ganz selbstverständlich um.

—Haben Sie die Lavendelseife noch?

—Immer.

Sie nickte ein letztes Mal und verschwand im Gang.

Esperanza kehrte auf ihren Stuhl zurück. Sie schaltete die Telenovela diesmal mit Ton ein. Draußen blieb Cúcuta laut und heiß und völlig gleichgültig gegenüber dem, was sich innerhalb der Wände von La Lomita abspielte.

Es war wieder Dienstag.

Dienstage waren seit jeher die interessantesten Tage.

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