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Relatos Ardientes

Der Tag, an dem ein Fremder meine Frau losband

Clara sah ihn, bevor Hugo den Blick vom Buch hob. Ein großer Mann ging allein am Ufer entlang, mit der Ruhe von jemandem, der von niemandem erwartet wurde. Die Silhouette zeichnete sich vor dem schmutzigen Orange des Horizonts ab: breite Schultern, schmale Hüften, lange Beine, die gemächlich über den nassen Sand gingen. Dunkle Haut. Vollkommen nackt, wie alle dort, aber er trug die Nacktheit auf eine andere Art, ohne Geste, ohne Prahlerei, als wäre Kleidung ein Konzept, das auf ihn einfach nicht zutraf.

Clara wandte den Blick ab. Sie ließ ihn zurückkehren. Sie wandte ihn wieder ab.

Sie waren seit elf Uhr morgens in dieser kleinen Bucht. Sie hatten auf dem Handtuch sitzend Sandwiches gegessen, hatten mit aneinandergeschmiegten, schweißnassen Körpern ein kurzes Nickerchen gemacht, waren gemeinsam und getrennt schwimmen gegangen. Hugo hatte nach dem Bad eine träge Erektion gehabt, eine ungewollte Beule, die sich von selbst wieder legte, während er in der Sonne trocknete, und keiner von beiden maß dem Bedeutung bei, denn so waren die Tage am FKK-Strand: Der Körper tat, was er wollte, und man ließ ihn in Ruhe. Zehn Jahre an Orten wie diesem hatten sie das gelehrt.

Doch jetzt spürte Clara etwas anderes. Ein tiefes, konkretes Pochen, das nichts mit Sonne oder Brise oder den Stunden blanker Haut zu tun hatte. Es hatte mit diesem Mann zu tun, mit der Art, wie sich seine Oberschenkel beim Gehen bewegten, mit dem Gewicht dessen, was zwischen ihnen hing — selbst aus dieser Entfernung sichtbar —, mit etwas an der Geradlinigkeit seines Rückens, das sie an ein ruhiges Tier erinnerte, sicher in seinem Revier.

Mein Gott, dachte sie. Nicht als Ausruf, sondern als Feststellung.

Der Mann blieb etwa fünfzehn Meter entfernt stehen. Er breitete ein graues Handtuch aus. Setzte sich und blickte aufs Meer. Clara beobachtete seine Hände, groß, mit breiten Knöcheln, während er sich aus einer Flasche Wasser über den Nacken goss. Der Strahl lief über seine Schultern, glänzte einen Moment auf der dunklen Haut und verschwand.

— Willst du noch Wasser? — fragte Hugo, ohne den Blick vom Buch zu lösen.

— Mir geht’s gut.

Es ging ihr nicht gut. Sie war nass. So einfach, so roh: Sie war nass, während sie einen Fremden fünfzehn Meter entfernt am Strand ansah, und ihr Mann las neben ihr und bekam von nichts etwas mit. Und unter der Erregung lag noch etwas Trüberes: das flüchtige Bild dieses Mannes auf ihr, in ihr, wie er ihr Dinge tat, die sie Hugo nicht tun ließ. Das Bild beschämte sie und durchtränkte sie zugleich.

Vielleicht zehn Minuten vergingen. Der Fremde stand auf, ging ins Wasser, machte sich bis zur Hüfte nass und kam zurück. Als er in ihre Nähe kam, blickte er in ihre Richtung und lächelte. Ein offenes Lächeln mit weißen Zähnen, mit etwas Frechem darin.

— Guten Tag — sagte er. Eine tiefe Stimme. Ein Akzent, der nicht von hier war.

— Guten Tag — erwiderte Hugo und hob endlich den Blick.

— Bruno — sagte der Mann und deutete auf seine Brust.

Sie stellten sich vor. Sie redeten. Hugo klappte das Buch zu. Die Unterhaltung war wie immer: Wo sie herkamen, wie lange sie schon hier waren, wie das Wasser war. Bruno setzte sich ihnen im Sand gegenüber, die Beine ungezwungen gespreizt, und Clara musste ihren Blick disziplinieren, um nicht alle drei Sekunden hinunterzusehen. Was sie aus der Ferne gesehen hatte, bestätigte sich aus der Nähe: schwer auf dem Schenkel, selbst in Ruhe dick, mit einer Präsenz, die man nicht ignorieren konnte. Aber es war nicht nur das. Es war der Geruch — Salz und Schweiß und darunter etwas Moschusartiges —, die Art, wie er sie ansah, wenn sie sprach: direkt, unverhüllt, von ihren Augen zu ihren Brüsten und wieder hinauf, ohne die geringste Scham.

Hugo sprach von den Strömungen. Bruno hörte halb zu, nickte. Clara saß zwischen den beiden, etwas näher bei Bruno, als sie es fünf Minuten zuvor gewesen wäre.

Was sie danach tat, war keine Entscheidung. Es war ein Impuls, der ihr zwischen den Beinen geboren wurde.

Sie bewegte die linke Hand und ließ sie auf den Sand fallen, direkt neben Brunos Knie. Eine Berührung. Nichts. Haut an Haut für einen Sekundenbruchteil. Bruno senkte den Blick auf Claras Hand und hob ihn wieder. Er lächelte nicht. Er sah sie fest an, mit einem Ausdruck, der sagte: Ich weiß, was du da machst.

Clara zog die Hand nicht zurück. Sie ließ sie am Oberschenkel hinaufgleiten. Hugo redete weiter. Bruno antwortete in einsilbigen Worten, den Kiefer angespannt. Clara strich ihm über die Innenseite des Oberschenkels, glitt hinauf zur Leiste und ging dann zu dem über, was sie wollte: Sie umschloss ihn mit den Fingern und drückte zu. Noch weich, aber dick, heiß, schwer in ihrer Handfläche. Und er begann zu wachsen. Sie spürte, wie er sich verhärtete wie etwas, das zum Leben erwacht, dicker werdend, Zentimeter um Zentimeter länger, bis er ihre Hand füllte und darüber hinauswuchs. Sie umfasste ihn mit fünf Fingern, und er reichte nicht herum. Bruno stieß Luft zwischen den Zähnen aus. Seine Finger gruben sich in den Sand.

Clara sah Hugo nicht an. Sie konnte nicht. Die Erregung pochte so stark in ihrem Unterleib, dass sie die Nässe zwischen den Schenkeln hinablaufen spürte, alles geschwollen, heiß, sie nach Dingen verlangend, die der Mund noch nicht zu sagen wagte.

Hugo drehte den Kopf.

Stille.

Was er sah: die Hand seiner Frau um etwas Riesiges geschlossen, die Finger, die nicht herumreichten, sich langsam auf und ab bewegend, in einer Langsamkeit, die reine Erkundung war. Es traf ihn in die Brust wie ein Faustschlag. Der Blitz der Eifersucht — kurz, scharf — und sofort darunter eine so gewaltige Erregung, dass ihm der Atem stockte. Ihm wurde auf einen Schlag steinhart, völlig hart, mit einer Dringlichkeit, die er seit Jahren nicht mehr gespürt hatte.

Clara sah ihn an. Sie suchte Ablehnung. Sie fand Hugos verdunkelte, weit geöffnete Augen, den leicht geöffneten Mund. Was sie fand, war ihr Mann, erregt davon, sie mit einem anderen zu sehen.

Niemand sprach. Die Erlaubnis war ein geteilter Herzschlag.

***

Clara kniete sich vor Bruno und packte ihn mit beiden Händen. Sie betrachtete ihn einen Moment — die hervortretenden Venen, die breite, dunkle Spitze — und nahm ihn in den Mund. Der Kiefer protestierte, als sie ihn bis an die Grenze öffnete. Die Lippen gespannt, die Zunge plattgedrückt, der Druck gegen den hinteren Teil ihrer Kehle beim ersten Versuch. Sie würgte. Sie zog ihn heraus, hustete, ein zäher Faden Speichel hing ihr von der Lippe, und nahm ihn sich dann mit noch mehr Hunger wieder, tiefer, bis der Würgereiz ihr Tränen in die Augen trieb. Es war ihr egal. Sie spuckte auf die Spitze und verteilte es mit der Hand, leckte mit hörbaren Geräuschen, ging hinunter zu den Hoden — prall, mit einem kräftigen Geschmack nach Haut und Salz — und kam wieder hoch. Feuchte, obszöne Geräusche von Saugen und Speichel.

Bruno legte ihr die Hand auf den Kopf. Nicht vorsichtig: mit Kraft, die Finger in ihrem Haar verheddert, sie nach unten drückend.

— Tiefer — sagte er. Ohne um Erlaubnis zu bitten, die Hüften gegen ihr Gesicht schiebend.

Clara stöhnte mit vollem Mund und gehorchte. Sie versuchte, ihn weiter hinein zu nehmen, die Kehle öffnend und schließend, der Würgereflex, den sie nicht mehr kontrollierte, der Speichel, der ihr am Kinn überlief und in langen Fäden auf ihre Brüste tropfte. Sie ließ ihn einen Augenblick los, keuchend, die Lippen geschwollen, und sah ihn von unten an.

— Ich liebe das — sagte sie mit gebrochener Stimme, ungefiltert —. Er ist riesig. Ich liebe das.

Zwei Meter entfernt hielt Hugo seinen eigenen nicht mehr versteckt. Er erinnerte sich nicht daran, ihn angefasst zu haben; er war einfach da, die Hand um etwas geschlossen, das ihm im Vergleich zu dem, was seine Frau im Mund hatte, lächerlich vorkam. Nie hatte sie ihm so etwas gesagt. Nie hatte sie gesagt, dass sie es liebte, nie hatte sie ihn so gelutscht, mit diesem Hunger, dieser Hingabe. Die Demütigung brannte ihm in der Brust und machte ihn zugleich härter, und er wusste nicht, welches von beidem schwerer wog.

Bruno hielt jetzt ihren Kopf mit beiden Händen fest, gab ihr den Rhythmus mit kurzen Stößen vor, und sie ließ es zu, die Kehle unterworfen, die Augen geschlossen, und stöhnte jedes Mal, wenn er ganz tief kam.

— Dreh dich um — sagte Bruno. Er packte sie am Arm und drehte sie, ohne auf eine Antwort zu warten.

Clara ging auf alle viere, drückte ihre Brust ins Handtuch und hob das Becken an. So. Ohne dass jemand es ihr gesagt hätte. Sie öffnete sich mit den Händen, bot sich mit einer Unverfrorenheit dar, die Hugo die Eingeweide verdrehte.

— Steck ihn rein — sagte Clara —. Steck ihn jetzt rein.

Bruno spuckte in seine Hand, strich sie darüber, setzte die Spitze an den Eingang und stieß zu. Es war nicht sanft. Es war ein fester, langer Stoß, der sie mit einem Schlag ganz öffnete. Clara schrie ins Handtuch — ein hoher, zerrissener Schrei — und klammerte sich mit weißen Fäusten an den Stoff.

— Wie groß du bist — stöhnte sie —. Gott.

Bruno hielt sie an den Hüften fest und begann sich zu bewegen. Ohne Rücksicht, ohne zu fragen, ob es gut war, mit langen, tiefen Stößen, die ihre Brüste bei jedem Schlag zittern ließen. Das Geräusch war obszön: platschen, das Schmatzen nasser Haut auf Haut, das rhythmische Pochen gegen ihre Klitoris. Sie stöhnte unkontrolliert, das Gesicht ins Handtuch gedrückt, den Mund offen, und drückte sich bei jedem Stoß zurück, um ihn ganz zu nehmen.

— Fester — bat sie —. Mehr. Hör nicht auf. Hör nicht auf. So. So.

Bruno beschleunigte. Er gab ihr einen Klaps auf die Pobacke, der wie ein Peitschenhieb klang, und Clara stöhnte „ja“, und noch ein Klaps und noch ein „ja“, und ihre Haut wurde über der Bräune rot, und es war ihr egal, alles war ihr egal, sie wollte nur mehr, mehr innen, fester.

Hugo streichelte sich, während er sie ansah. Die Tränen hatten seine Augen noch nicht erreicht, aber sie waren nah. Seine Frau war ein anderer Mensch. Sie stöhnte, wie sie bei ihm nie stöhnte, verlangte fester, wie sie ihn nie etwas hatte verlangen lassen, sagte Dinge, die er in zwölf Jahren nie von ihr gehört hatte, und wand sich an einem Fremden, als wäre er das, wonach sie ihr ganzes Leben gesucht hatte. Die Demütigung war scharf, echt, sie brannte ihm im Hals, und er rieb sich in wütender Hast und sah alles.

Bruno hielt inne. Er zog sich zurück, und Clara stöhnte über die Leere. Er strich mit dem feuchten Daumen über ihren Damm, weiter hinauf, zwischen die Pobacken. Er berührte sie mit der Fingerkuppe, drückte nur leicht. Clara spannte sich ganz an. Ein Sekunde. Zwei.

Und dann drückte sie sich gegen seinen Finger zurück.

— Mach einen Finger rein — sagte sie, fast ohne Stimme, das Gesicht ins Handtuch gedrückt —. Da. Steck mir da einen Finger rein.

Hugo wurde eiskalt. Und er wurde härter, als er den ganzen Nachmittag über gewesen war.

Denn er hatte es verlangt. Viele Male. Jahrelang. Und die Antwort war immer nein gewesen. Ein entschiedenes Nein, nicht verhandelbar. „Mich interessiert das nicht“, „ich habe keine Lust“, „besteh nicht darauf“. Eine Grenze, die er zwölf Jahre lang respektiert hatte, eine Tür, von der er glaubte, sie sei verschweißt. Und seine Frau bat einen Fremden, sie zu überschreiten.

Bruno spuckte. Verteilte den Speichel mit dem Daumen, massierte, drückte, und ließ dann den Finger langsam hineingleiten. Clara stieß einen langen, rauen Laut aus, in einem Register, das Hugo an ihr nicht kannte. Ihr Körper spannte und entspannte sich, spannte und entspannte sich, während Bruno den Finger in ihr drehte und sie öffnete.

— Noch einen — sagte Clara mit zusammengebissenen Zähnen —. Steck mir noch einen rein.

Bruno gehorchte. Zwei Finger, die sich bewegten, sie weiteten, während er sie mit der anderen Hand vorne streichelte. Clara stöhnte wie ein Tier, wand sich, drückte sich gegen seine Hände, und Hugo wusste, was kommen würde, bevor es geschah, und bekam einen so heftigen Ruck, dass er fast kam, ohne sich anzufassen.

Bruno zog die Finger heraus. Spuckte noch einmal, zweimal, positionierte sich und setzte die Spitze an. Er drückte. Langsam. Der Kopf drang ein, und Clara schrie — kurz, schrill, die Zähne zusammengebissen — und klammerte sich so fest ans Handtuch, dass ihre Knöchel weiß wurden.

— Warte — keuchte sie —. Warte. Warte.

Bruno hielt an. Clara atmete schnell durch den Mund, die Augen geschlossen, gewöhnte sich an den Druck, das Brennen, das Gefühl, von etwas geöffnet zu werden, das für diesen Ort zu groß war.

— Weiter — sagte sie, fast weinend —. Langsam. Steck ihn rein.

Bruno drückte noch einen Zentimeter hinein. Und noch einen. Clara stöhnte bei jedem Millimeter, ein durchgehender Laut, der mit dem Druck auf- und abstieg. Es tat weh. Es war nicht nur Lust: Es war echter Schmerz, Brennen, das Gefühl, über ihre Grenzen hinaus gezwungen zu werden, und sie wollte nicht, dass er aufhörte. Sie wollte nicht, weil der Schmerz von etwas Größerem umhüllt war, etwas, das mit dem Übertreten der letzten Grenze zu tun hatte, die ihr noch blieb, mit dem Dasein als genau das, was sie immer in sich getragen und sich nie erlaubt hatte zu sein.

Als Bruno ganz in ihr war, hielten beide still. Clara spürte ihn ganz, riesig, pochend, sie auf eine Weise füllend, die sie überwältigte. Tränen liefen ihr übers Gesicht.

— Fick mich — sagte sie —. Fick mich so.

Bruno begann sich zu bewegen. Langsam raus. Langsam rein. Und wieder. Und wieder. Clara stieß bei jedem Stoß die Luft aus, kurz, scharf, und allmählich vermischte sich der Schmerz mit etwas, das nicht genau Lust war, aber so wirkte: ein dichtes, tiefes Gefühl, das in ihrem ganzen Unterleib pochte. Bruno fand einen Rhythmus. Die Stöße wurden länger, und Clara begann nach hinten zu drücken, mehr zu verlangen, „mehr, bitte, mehr“, die Stimme nicht wiederzuerkennen, die Haare vom Schweiß an ihr Gesicht geklebt.

— Fass dich an — sagte Bruno zu ihr.

Clara schob die Hand zwischen die Beine und berührte sich mit den nassen Fingern. Die Kombination war brutal, und die doppelte Stimulation brachte sie dazu, laut und ohne Scham aufzuschreien, und der Orgasmus begann sich aufzubauen wie eine heranrollende Wasserwand.

Hugo sah all das und presste sich so fest zusammen, dass ihm die Hand wehtat. Die Tränen waren ihm endlich in die Augen gestiegen. Nicht aus Traurigkeit. Aus allem anderen.

Clara kam, und der Schrei, den sie ausstieß, vertrieb die Möwen. Die Kontraktionen erschütterten sie ganz, gewaltsam, schlossen ihre Schenkel über ihrer eigenen Hand. Bruno stöhnte etwas Unverständliches und begann, sie schnell zu stoßen, ohne Kontrolle, seinem eigenen Ende mit der Verzweiflung eines Mannes am Limit hinterherjagend. Clara kam weiter, Welle um Welle, zitternd, und als Bruno sich mit einem rauen Grunzen bis zum Anschlag in sie hineinbohrte und sie die Wärme spürte, die sie von innen füllte, durchzuckte sie ein zweiter Orgasmus über dem ersten, und sie hörte für eine Zeit auf, die sie nicht bemessen konnte, als Person zu existieren.

Bruno zog sich langsam zurück. Clara blieb auf allen vieren liegen, zitternd, keuchend, und ließ sich dann seitlich auf das Handtuch fallen. Ihr Gesicht war rot, die Haare an die Stirn geklebt, die Augen glasig.

Sie sah Hugo an. Er kniete zwei Meter entfernt, das Gesicht entgleist, feucht.

— Komm — sagte sie mit zerstörter Stimme —. Fick mich auch du.

Hugo kam. Seine Hände zitterten. Er kniete sich zwischen Claras Beine und sah sie an: offen, durchnässt, von einem anderen Mann gefüllt. Er setzte die Spitze an ihren Eingang und stieß zu.

Und spürte fast nichts.

Er glitt ohne Widerstand hinein, ohne Reibung, in die warme Mischung aus den Flüssigkeiten des anderen und ihren eigenen, in einen Ort, den Bruno offen gelassen hatte, viel zu weit für ihn. Clara war so geweitet, dass Hugo sich bewegte, ohne Wände zu finden, ohne Druck, auf der Suche nach etwas, woran er sich festhalten konnte, und nur heißen Raum fand, wo vorher Enge gewesen war, wo sie ihn vorher gedrückt hatte, wo er vorher genügt hatte.

Die Demütigung brannte ihm im Gesicht. Und er kam nach vier Stößen.

Es war nicht einmal ein richtiger Orgasmus: Es war ein Entleeren, ein kurzer, jämmerlicher Krampf, und Clara bemerkte ihn kaum — ein warmer Puls, der sich zu dem hinzugesellte, was schon da war, verloren in der Fülle —. Hugo brach über ihr zusammen, das Gesicht an ihrem Hals vergraben, und blieb in ihr, weich, klein, in den Resten eines anderen Mannes schwimmend, und wusste nicht, ob das, was er fühlte, Scham war oder die dunkelste Erregung seines ganzen Lebens.

Beides. Es war beides.

***

Die Stille dauerte eine Zeit, die keiner von beiden maß. Bruno lag einen Meter entfernt, die Augen geschlossen, mit einer tierischen Ruhe. Clara lag auf dem Rücken, die Beine noch gespreizt, ohne sich die Mühe zu machen, sich zu reinigen. Hugo neben ihr, die Stirn auf ihrer Schulter.

Clara lachte. Ein kurzes, unwillkürliches, fast hysterisches Lachen, das zu etwas wurde, das dem Weinen ähnelte, es aber nicht ganz war. Sie bedeckte das Gesicht mit den Händen, und das Lachen verklang von selbst.

Bruno war der Erste, der aufstand. Er klopfte sich den Sand ab, nahm sein Handtuch zusammen. Er sah sie einen Moment lang an. Er lächelte nicht. Er zwinkerte ihnen zu.

— Wir sehen uns — sagte er. Und ging am Ufer entlang davon, ohne sich umzusehen.

Clara drehte sich zu Hugo. Er hatte rote Augen und einen angespannten Kiefer. Sie suchte seine Hand. Er brauchte einen Moment, bis er sie ihr gab.

— Du hast mich nie gelassen — sagte er. Und diesmal klang tatsächlich Vorwurf mit. Unter der Erregung, unter der Scham, unter allem, was er gerade erlebt hatte, war da ein Mann, der zwölf Jahre lang um etwas gebeten und es an einem Nachmittag einem anderen gewährt gesehen hatte.

Clara wich seinem Blick nicht aus.

— Ich weiß — sagte sie. Und drückte seine Hand —. Ich weiß.

Sie sprachen die ganze Nacht nicht mehr. Sie duschten zusammen auf dem Campingplatz in Stille, während das Wasser Sand und Salz und alles andere mit sich fortspülte, nur nicht das, was zählte. Sie schliefen wie immer ineinander verschlungen ein, aber mit einer neuen Distanz im Inneren der Umarmung. Etwas war zerbrochen und etwas hatte sich geöffnet, und keiner von beiden wusste noch, ob es dasselbe war.

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