Das Dinner, das ihren alten Namen auslöschte
Die Nacht hatte sich wie ein dunkler Samtstoff über Le Voile gelegt. Draußen atmete die Stadt langsam und gleichgültig. Drinnen hatte die Stille Gestalt und Gewicht: Der Speisesaal war wie ein Altar hergerichtet.
Es war kein prunkvoller Ort, doch jeder Gegenstand verriet Absicht. Ein langer Tisch aus poliertem Holz verlief durch die Mitte des Raumes. Die Kandelaber warfen langgezogene Schatten auf die Wände, an denen schwere Vorhänge den Lauf der Zeit verbargen. Das Geschirr bestand aus altem Porzellan, das Besteck glänzte wie Versprechen, und die Luft roch nach Wein, weißen Blumen und einer dichten Erwartung, die sich an die Haut heftete.
Die Gäste trafen pünktlich ein, als wüssten sie, dass dieses Dinner keine Einladung, sondern eine Verabredung mit ihrem eigenen Verlangen war.
Als Erste trat eine Frau in einem langen Kleid ein, nachtblau wie die Mitternacht, mit entblößtem Rücken, scharfem Blick und Porzellanmanieren. Sie ging mit beherrschter Sicherheit. Ihr Parfüm war trocken und elegant. Sie setzte sich lautlos, als wöge ihr Körper nichts.
Der Zweite war ein schlanker, stilvoller Mann mit Lippen in der Farbe eines tiefen Weins, silbernen Absätzen und einem hauteng geschnittenen Anzug. Er trug lange Wimpern, glänzende Nägel und an jedem Finger einen Ring. Beim Gehen schien er zu tanzen, als wäre jeder Schritt eine unsichtbare Verbeugung.
Der Dritte war Viktor. Groß, breitschultrig, in einem schwarzen Anzug ohne Krawatte. Er hatte große Hände und ein ernstes Gesicht. Er ging wie jemand, der gekämpft und gewonnen hatte. Er begrüßte niemanden mit Worten, sondern nur mit seinem Blick. Seine bloße Anwesenheit verdrängte die Luft aus dem Raum. Unter dem Stoff seiner Hose zeichnete sich der dicke Wulst eines Schwanzes ab, den Daniela bereits kannte, obwohl sie ihn nie gesehen hatte: In den vergangenen Monaten hatte sie ihn so oft imaginiert, dass ihr schon beim bloßen Erahnen das Wasser im Mund zusammenlief.
Und dann trat Céline ein.
Sie trug mattes schwarzes Leder und ein Korsett, das ihre Silhouette wie ein Federstrich auf Fleisch nachzeichnete. Einen geraden Rock, Netzstrümpfe, spitze High Heels mit roten Sohlen. Lange, ebenfalls rote Handschuhe standen im Kontrast zu ihrer blassen Haut, und um ihren Hals hing eine Kette aus zarten Perlen, an der unauffällig ein kleiner Schlüssel aus poliertem Stahl baumelte. Ihr Haar war zu einem hohen, geometrischen, makellosen Knoten hochgesteckt. Jeder ihrer Schritte war ein Wort, das nicht ausgesprochen werden musste. Als sie eintrat, sprach niemand. Das Dinner konnte beginnen.
—Bonsoir, mes chers invités —sagte sie und ließ den Blick über jeden Einzelnen wandern—. Willkommen im Le Voile.
Langsam drehte sie sich zu einer Seitentür.
—Gestatten Sie mir, Ihnen diejenige vorzustellen, die Sie heute Abend bedienen wird.
Daniela trat ein.
Sie trug eine schwarze Uniform mit weißer Schürze, eine dezente Haube und mittelhohe Absätze. Das Korsett zwang sie zu einer aufrechten und zugleich verletzlichen Haltung. Der Rock war so kurz, dass beim Bücken der schwarze Strumpfhalter sichtbar wurde, der die Strümpfe hielt, und zwischen ihren Schenkeln der metallische Glanz des Keuschheitsgürtels, der ihr Geschlecht unter der Kleidung gefangen hielt. Das Make-up war sanft, aber klar definiert, und die lackierten Nägel verliehen jeder Bewegung eine zeremonielle Ungeschicklichkeit. Sie bewegte sich vorsichtig, wie jemand, der sich bei jedem Schritt daran erinnert, beobachtet zu werden. Als sie neben Céline stehen blieb, machte sie einen kleinen Knicks. Er war nicht einstudiert. Er kam von selbst, aus irgendeinem tiefen Ort.
Céline lächelte kaum merklich. Sie nickte. Und Daniela begann zu servieren.
Doch sie servierte kein Essen: Sie vollzog einen Ritus. Jeder Teller, den sie reichte, war ein stilles Geständnis. Jedes Glas, das sie füllte, eine Kapitulation. Die von Parfüm, Wein und Verlangen aufgeladene Luft schien sie in einen unsichtbaren Stoff zu hüllen.
Während des Dinners aßen die Gäste nicht nur. Sie beurteilten sie.
Der Mann mit den geschminkten Lippen verlangte von ihr, Sätze laut zu wiederholen.
—Ich bin hier, um mit Schönheit zu dienen —sagte Daniela, und anfangs zitterte ihre Stimme, mehr aus Scham als aus Zweifel—. Meine Anwesenheit ist ein Schmuck für Ihr Verlangen.
—Noch einmal —murmelte er, während er langsam die mit Wein befleckte Spitze seines Zeigefingers ableckte—. Und diesmal sag es so, wie du bist.
Daniela schluckte. Das Korsett presste ihre Titten so stark zusammen, dass sie rosig aus dem Dekolleté hervorquollen, und der Keuschheitsgürtel biss bei jedem tiefen Atemzug in ihren Schritt.
—Ich bin eine Diensthure —sagte sie mit heiserer Stimme—. Meine Fotze ist verschlossen, weil sie mir nicht gehört. Mein Arsch ist bereit für jeden, der ihn benutzen will. Mein Mund existiert, um zu schlucken, was man mir gibt.
Jedes Wort schabte an ihrer Kehle, als würde es etwas abreißen, das lange Zeit verborgen gewesen war. Während sie sie wiederholte, stieg eine warme Spannung in ihrer Brust auf und vermischte ihre Röte mit einer zähen Feuchtigkeit, die unter dem Stahl des Gürtels hervorzusickern begann. Sie spürte, wie ihr Geschlecht gegen das Metall anschwoll, eingeklemmt, brennend, ohne jeden möglichen Ausweg. Es war Scham, ja, aber auch eine flüssige, schmutzige Lust, die in ihrem Unterleib wuchs. Eine alte Spannung begann sich zu lösen, als wären diese Sätze Schlüssel, die von innen versiegelte Türen öffneten. Es ist, als würde ich die Kleidung, die ich mich nie zu tragen getraut habe, in die Sonne hängen, dachte sie. Sie spürte, wie die Luft atembarer wurde, wie ihr Körper sich nicht länger wehrte. Als sie sich selbst hörte, fühlte sie sich endlich benannt. Endlich gesehen.
Die Frau im blauen Kleid bat sie, ihr die High Heels zu schließen, ohne den Blick zu heben, mit geschlossenen Knien und geradem Rücken. Daniela tat es unbeholfen, aber ohne zu murren. Das Korsett, fest wie ein Schwur, erlaubte ihr nicht, sich ohne Berechnung zu beugen, und zwang sie, sich mit einer angespannten, beinahe liturgischen Anmut zu bewegen. Das leichte Reiben des Leders auf dem Marmor gab den Takt ihres Lernens vor: Es ging nicht darum, zu gehorchen, sondern zu lernen, wie man gehorcht. Während sie die letzte Schnalle schloss, spreizte die Frau die Beine ein wenig und legte ihr den spitzen Absatz an die Kehle.
—Streck die Zunge heraus —befahl sie.
Daniela gehorchte. Die Frau senkte den Fuß und ließ sie langsam die Spitze des Absatzes, dann den nackten Spann lecken. Danielas Zunge fuhr über das Fußgewölbe dieses feinen Fußes und kostete den salzigen Geschmack der Haut, während ihr Speichel vom Kinn tropfte. Die Frau lächelte und öffnete, ohne den Fuß wegzunehmen, ihre Beine weiter und zeigte ihr nur den Rand des Oberschenkels, wo der Strumpf in einem schwarzen Strumpfhalter endete.
—Jetzt hoch. Leck dort, wo der Strumpf endet. Ohne Zähne.
Daniela schob ihren Mund über die Wade, über die warme Mulde hinter dem Knie bis zum Rand des Strumpfhalters. Langsam und hungrig leckte sie den weißen Oberschenkel, roch das Parfüm, vermischt mit dem intimen Schweiß dieser Haut. Ihre Zunge verkrampfte vom vielen Lecken, doch sie hörte erst auf, als die Frau es ihr mit einem leisen Fingerschnippen erlaubte.
Céline korrigierte sie sanft, ohne die Stimme zu heben.
—Die Haltung ist alles, ma chère. Ohne sie zerfällt die Form.
Viktor hingegen verlangte nichts. Er sah sie nur an. Er verfolgte sie mit den Augen, während sie den Wein einschenkte, während sie das Brot reichte. Sein Blick war ein Gewicht, ein Urteil, das keine Worte brauchte. Bis er eines Tages, als sie ihn bediente, zum ersten Mal sprach.
—Sieh mich an.
Sie hob die Augen.
—Halte meinen Blick. Ohne zu blinzeln.
Sie tat es. Für einige Sekunden, die kein Ende zu nehmen schienen. Ohne den Blick von ihr abzuwenden, führte Viktor eine Hand in seinen Schoß und richtete den Wulst seiner Hose. Nun zeichnete sich sein Schwanz in voller Länge ab, lang und dick, und spannte den schwarzen Stoff. Daniela spürte, wie ihre Beine nachgaben. Der Keuschheitsgürtel zog sich plötzlich enger: Ihre Fotze war darin angeschwollen, feucht, und suchte nach einem Ausweg.
Und als sie den Blick schließlich senkte, murmelte Viktor nur:
—Gut.
Das Wort war knapp, aber ausreichend. Es war weder Drohung noch Kompliment. Es war ein Urteil. Und es prägte sich irgendwo in ihr ein.
Das Dinner ging schweigend weiter. Leere Teller, beinahe volle Gläser, und mittendrin sie. Nicht mehr dieselbe, die hereingekommen war. Sie spürte den Druck des Keuschheitsgürtels als ständige Erinnerung, nicht an das, was sie verloren hatte, sondern an das, was sie endlich war. Das Korsett presste ihr den Atem ab, doch es hielt auch etwas anderes in ihrem Inneren zusammen, als wäre jede Schnalle eine heilige Grenze. Die Nägel machten sie ungeschickt, aber diese Ungeschicklichkeit hatte nun einen Sinn: Sie war nicht für Effizienz gemacht, sondern dafür, betrachtet, geführt und dargeboten zu werden.
Jeder Schritt, jede schwierige Geste, jeder gehaltene oder gemiedene Blick offenbarte ihr etwas Neues. Sie war nicht gefangen. Sie war gestaltet. Es war kein blinder Gehorsam: Es war eine Form der Hingabe. Keine Bestrafung: Es war Definition. Sie trug keine fremde Identität mehr. Sie trug ihre eigene, mit Präzision errichtet, mit Gehorsam geschmückt und mit Sinn gekrönt. Ihr Platz war nicht neben den Gästen, sondern zu ihren Füßen, beim Dienen. Und diese Gewissheit war ihr nicht aufgezwungen worden: Sie hatte sie gewählt. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sie sich vollständig.
***
Als der letzte Trinkspruch gesprochen war und die Stille wieder am Tisch Platz genommen hatte, gab Céline ein Zeichen. Die Gäste standen auf und gingen einer nach dem anderen mit gemessener Eleganz auf eine andere Seitentür zu. Céline sah Daniela schweigend an. Doch die Botschaft war eindeutig: Bleib.
Daniela gehorchte. Sie stand neben dem Tisch, reglos, allein. Von ihrem Platz aus konnte sie kaum die Silhouetten der Gäste und Célines erkennen, die einen kleineren Salon betraten, dessen Türen sich sanft schlossen.
Die Atmosphäre blieb schwebend. Nur das leise Klirren der Gläser, ein undeutliches Lachen und gemurmelte Sätze drangen durch die Tür. Daniela bewegte sich nicht. Das Korsett drückte gegen ihre Rippen, der Gürtel begann schwer zu werden, und die Absätze machten jede Sekunde zu einer Opfergabe des Gleichgewichts. Die langen Nägel machten es unmöglich, irgendetwas zu richten. Sie konnte nichts anderes tun, als dort zu bleiben. Schön. Nützlich. Mit Absicht vergessen.
Und doch begehrte sie nichts anderes. Ihre Fotze pochte unter dem Stahl, angeschwollen und lautlos triefend. Sie spürte, wie die Feuchtigkeit an der Innenseite des Gürtels hinabrann, den Rand ihrer Pobacken benetzte und die innere Naht ihres Höschens durchtränkte. Jeder Schlag ihres Geschlechts war ein trockener Stoß gegen das Metall, das sie einschloss. Sie presste die Schenkel zusammen. Die Reibung entriss ihr ein Zittern, das bis zu ihren vom Korsett zusammengedrückten Titten hinaufstieg. Eine Liebkosung, ein Finger, eine Berührung hätten genügt, um auf der Stelle zu kommen. Aber sie konnte es nicht. Und diese Unmöglichkeit, dieses erzwungene Warten, erregte sie mehr als jeder Orgasmus.
Die Zeit löste sich auf. Sie wusste nicht, ob eine Stunde oder eine Minute vergangen war. Bis sich die Tür endlich wieder öffnete. Céline trat allein heraus. Sie gab ihr kein Zeichen. Sie sah sie nur tief an.
—Komm.
Die Stimme war leise, aber endgültig.
Daniela überschritt die Schwelle. Als sie eintrat, begriff sie es: Eine Prüfung stand noch aus.
Der Salon wurde vom lebhaften Tanz des Feuers in einem Kamin erhellt, dessen Flammen vibrierende Schatten auf die Mauern warfen, als tanzten sie zum Takt einer geheimen Musik. Die Gäste saßen im Halbkreis auf tiefen Sesseln aus dunklem Samt, in beinahe ehrfürchtiger Erwartung. Im Hintergrund, als erwiese das Feuer selbst ihr die Ehre, beherrschte Céline die Szene von einem breiten, schwarz bezogenen Sessel aus, der durch eine unauffällige Stufe gerade so weit erhöht war, dass er ihre Distanz markierte.
Sie saß mit gemeißelter Haltung da, den Rücken gerade wie ein Urteil, das Kinn erhoben. Die gekreuzten Beine ließen unter dem Rock die Geometrie ihrer Netzstrümpfe erkennen und weiter oben, vom Halbdunkel nur angedeutet, das dunkle, gestutzte Haar ihres nackten Venushügels. In einer Hand hielt sie eine lange Zigarettenspitze mit einer brennenden Zigarette, aus der ein langsamer, dichter, beinahe choreografierter Rauchfaden quoll. Die andere Hand ruhte entspannt auf der Armlehne des Sessels, doch ihre Herrschaft war spürbar. Ihr Gesichtsausdruck war ruhig und absolut, die Lippen kaum zu einem Versprechen von Urteil oder Gnade gekrümmt. Sie musste nicht sprechen, um den Raum zu füllen.
Zu ihren Füßen lagen zwei in Latex gekleidete Gestalten wie lebende Statuen hingestreckt. Die linke küsste mit langsamen Gesten Célines behandschuhte Hände, als wären sie Reliquien. Die rechte, mit völliger Hingabe gebeugt, verehrte ihre Absätze und ihre in Netz verhüllten Waden, fuhr mit der Zunge über das Fußgewölbe und langsam hinauf bis zum Knöchel, als wäre jeder Kontakt ein Segen. Sie sprachen nicht. Sie atmeten kaum. Sie existierten nur, um Tribut zu zollen. Sie waren Teil des Altars.
In der Mitte des Salons, Daniela gegenüber, stand auf einem niedrigen Tisch aus schwarzem Marmor ein Tablett aus poliertem Silber. Darauf lagen drei Gegenstände: eine abgenutzte Armbanduhr —die geliehene Zeit, die Stunden, die sie in einer Haut gelebt hatte, die ihr nicht mehr gehörte—; eine Brieftasche aus gealtertem Leder —die Mittel, die Entscheidungen, die unter einem Namen getroffen worden waren, den sie nicht mehr aussprach—; und ein Ausweisdokument —das Sinnbild einer aufgezwungenen Bezeichnung, eines Namens, der niemals ihre Wahrheit widergespiegelt hatte. Es waren keine einfachen Gegenstände. Es waren die Anker einer Identität, die kurz vor dem Erlöschen stand, und sie lagen dem Feuer wie ein noch ausstehendes Opfer gegenüber.
Céline sprach mit einer sanften, schneidenden Stimme, einer Liebkosung mit einer Klinge.
—Das ist deine letzte Entscheidung.
Der Satz blieb in der Luft hängen und musste nicht vervollständigt werden. Die Luft selbst schien zu wissen, dass die Wahl schon lange vor diesem Augenblick getroffen worden war. Céline trat an das Tablett und ließ ihre Finger langsam über die drei Gegenstände gleiten.
—Du kannst diese Reliquien nehmen und diesen Tempel ohne Ketten verlassen. Niemand wird dir den Weg versperren. Oder du kannst sie dem Feuer opfern und zulassen, dass deine neue Haut keinen Schatten mehr trägt.
Die Stille war vollkommen. Nur das Knistern des Feuers durchbrach die dichte Luft.
Daniela sah die Gegenstände an und spürte ein Schaudern. Ihre Uhr, die Zeit, die ihr nicht mehr gehörte. Ihre Brieftasche, die Mittel eines Lebens, das sie nicht länger begehrte. Ihr Ausweis, ein Name, der niemals ihr eigener gewesen war. Sie sah Céline an, beeindruckend wie eine in Nacht gekleidete Göttin; dann das Feuer, das knisterte, als wüsste es, was es gleich empfangen würde; und schließlich sich selbst, nicht mit den Augen der Vergangenheit, sondern mit dem neugeborenen Blick einer Person, die gerade eine unumkehrbare Schwelle überschritten hatte. In ihren Pupillen zitterte der Schatten der Angst, aber auch ein neuer Glanz, das Spiegelbild einer Wahrheit, die sie mit ihrem Fleisch und nicht nur mit ihren Gedanken angenommen hatte.
Mit einem zittrigen Seufzer hob sie die Hand. Sie nahm die drei Gegenstände. Sie ging zum Kamin. Die Hitze liebkoste ihre Haut wie ein Vorzeichen. Als sie das Feuer erreichte, zögerte sie nicht mehr. Das Papier krümmte sich mit einem letzten Seufzer, das Leder wurde schwarz, als ergäbe es sich, und das Metall sprühte kurz auf, bevor es erlosch. In diesem Augenblick löste sich auch etwas in ihr auf. Es blieb keine Leere zurück, sondern Raum. Ein sauberer Raum, in dem sie neu geboren werden konnte.
Während die Flammen ihre Vergangenheit verschlangen, fühlte Daniela vor allem eines: Freiheit.
Céline nickte langsam und lächelte stolz. Sie stieg mit choreografierter Langsamkeit aus dem Sessel, als gewährte sie der Welt die Gnade ihrer Nähe. Der Rauch ihrer Zigarette zog eine Spirale über ihre Schulter. Sie blieb vor Daniela stehen, die Absätze gaben einen langsamen Takt vor, und sah sie mit einer Intensität an, die unsichtbare Schilde zu Fall brachte. Sie neigte den Kopf kaum merklich, berührte mit den Lippen Danielas eben geläuterte Wange und flüsterte mit einer Stimme, die zugleich liebkoste und beherrschte:
—Willkommen, ma chère.
Dann führte sie langsam eine Hand an ihren Hals, wo der kleine Stahlschlüssel noch immer glänzend über dem Schwarz des Korsetts hing. Sie nahm ihn mit ehrfürchtiger Langsamkeit ab und hielt ihn Daniela entgegen, zwischen ihnen schwebend, als wäre er mehr als ein Gegenstand: zugleich eine Frage und ein Versprechen.
—Du weißt bereits, was zu tun ist.
Daniela nahm mit einer Mischung aus Zittern und Klarheit in den Augen den Schlüssel. Nicht wie jemand, der ihn empfängt, sondern wie jemand, der ihn wiedererkennt. Sie drehte sich ruhig um und ging, ohne etwas zu sagen, auf Viktor zu. Sie kniete sich vor ihm nieder, den Kopf gesenkt, und hob die Hand mit dem Schlüssel auf der geöffneten Handfläche.
Viktor sah sie schweigend an. Er nahm nicht nur den Schlüssel an, sondern alles, was er symbolisierte. Er schloss den kleinen Gegenstand in den Fingern ein und bestätigte ohne ein Wort mit seinem Blick, dass sie ihm gehörte. Dann steckte er ihn ebenso ruhig in die Tasche seines Jacketts. Er öffnete die Gürtelschnalle, zog den Reißverschluss ein Stück hinunter und holte seinen Schwanz heraus. Er war hart, dick und lang, die breite Eichel glänzte im Feuerschein, die mittlere Ader pochte sichtbar unter der gespannten Haut. Daniela öffnete den Mund, ohne dass man es ihr befehlen musste. Viktors Schwanz war schwer und roch nach Mann, sauberer Haut und warmer Feuchtigkeit.
—Blas —sagte er mit tiefer Stimme—. So, wie man es dir beigebracht hat.
Daniela nahm seine Eichel in den Mund und leckte sie langsam, umkreiste mit der Zunge den Rand und kostete den salzigen Geschmack der Lusttropfen, die bereits herauszusickern begannen. Der Schwanz war so dick, dass er ihre geschminkten Lippen auseinanderdrückte und die Mundwinkel spannte. Sie senkte den Mund so weit sie konnte, bis sie spürte, wie die Spitze gegen ihren Rachen stieß. Sie würgte, Tränen sprangen ihr in die Augen und ließen ihre Wimperntusche verlaufen, doch sie wich nicht zurück. Viktor legte ihr eine Hand in den Nacken und begann, sie selbst zu bewegen, gab den Rhythmus vor. Hinein, heraus, hinein, heraus. Jeder Stoß gegen ihren Rachen ließ sie Speichel und Sabber schlucken, der ihr über das Kinn lief, ihre vom Korsett zusammengedrückten Titten benetzte und in dicken Tropfen auf den polierten Boden fiel.
Céline trat hinter sie und hob ihren Rock. Mit zwei Fingern ließ sie das kleine Schloss des Keuschheitsgürtels aufspringen, und der Stahl öffnete sich mit einem metallischen Klicken. Daniela spürte zum ersten Mal seit Wochen die kalte Luft gegen ihre angeschwollene, feuchte Fotze schlagen. Das nackte Geschlecht pochte und tropfte von dickem Saft, der an den gestutzten Schamhaaren hing und über ihre Schenkel rann. Céline spreizte ihre Pobacken mit der behandschuhten Hand und fuhr mit zwei Fingern durch ihre Spalte, von der Klitoris bis zum Arschloch, und nahm all ihre Säfte auf.
—Seht, wie diese Hündin tropft —murmelte Céline und hob die glänzenden Finger, um sie den Gästen zu zeigen—. Seit Monaten wartet sie darauf.
Daniela stöhnte, während Viktors Schwanz noch immer ihren Mund durchstieß. Céline schob ihr die beiden Finger auf einmal bis zum Knöchel in die Fotze. Daniela bäumte sich auf, presste die Schenkel zusammen und spürte, wie ihr so lange verschlossenes Geschlecht sie von innen biss. Céline fingerte sie präzise, suchte nach dem genau richtigen Punkt, während ihre Handfläche bei jedem Stoß gegen Danielas Klitoris schlug.
—Komm —befahl sie ihr ins Ohr—. Jetzt. Mit Viktors Schwanz im Mund. Komm wie die Hure, die du bist.
Daniela konnte nicht länger standhalten. Die gesamte über Wochen angestaute Lust explodierte mit einem Mal. Sie kam mit einem von Viktors Schwanz erstickten Schrei, riss die Hüften gegen Célines Hand und bespritzte den roten Handschuh und den Boden. Der Orgasmus dauerte so lange, dass sie die Krämpfe nicht mehr zählen konnte. Viktor hielt nicht inne. Er fickte ihren Mund weiter, stieß immer tiefer hinein, bis seine Eichel anschwoll und die erste Spermawelle ihren Hals füllte. Daniela schluckte so gut sie konnte und würgte, während weitere dicke Schübe sie erreichten. Sie quollen ihr aus den Mundwinkeln, liefen über Kinn und Dekolleté und tropften auf ihre zusammengedrückten Titten.
Als Viktor sich zurückzog, war sein Schwanz noch immer hart, glänzend von Speichel und Sperma, und er berührte mit der Eichel ihre geschminkten Lippen.
—Mach ihn sauber.
Daniela streckte die Zunge heraus und leckte seinen gesamten Schwanz ab, vom Ansatz bis zur Spitze, und nahm jeden Tropfen auf. Viktor nickte langsam und zufrieden.
Céline zog ihre Finger aus der Fotze und führte sie Daniela zum Mund. Sie ließ sie einen nach dem anderen ablecken und ihren eigenen Saft vermischt mit dem Sperma Viktors kosten, das noch auf ihrer Zunge lag. Die Gäste applaudierten kaum merklich, ein leiser, aber vollständiger Applaus. Die beiden Latexgestalten am Fuß des Sessels sahen sie mit dem Hunger von Menschen an, die eine Schwester erkennen.
Die Hingabe war vollständig. Und der Tempel versiegelt.
***
In jener Nacht verzehrte das Feuer nicht nur einige Gegenstände. Es verzehrte Namen, Masken und ganze Strukturen. An ihrer Stelle blieb eine neue Gestalt zurück, definiert nicht durch das, was sie verloren, sondern durch das, was sie gewählt hatte. Céline kehrte in ihren Sessel zurück, umgeben von der Stille, die einem vollzogenen Ritus folgt. Die Latexgestalten nahmen ihre Plätze wieder ein. Und Daniela, noch immer auf den Knien, mit auf ihrer Haut trocknendem Sperma und noch immer pochender nackter Fotze, hob den Blick. Sie suchte keine Erlaubnis mehr. Sie zweifelte nicht mehr. Sie wurde angesehen. Sie gehörte dazu. Sie war Wahrheit.
Draußen nahm die Nacht ihren Lauf. Doch drinnen, im Le Voile, war es hell geworden.



