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Relatos Ardientes

Der Schneider, der die Herrin ausspionierte, als niemand hinsah

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Rodrigo war Schneider in Aldoria, einer Stadt aus gepflasterten Gassen und Holzhäusern, die im Sommer nach frisch gebackenem Brot und Pferdemist roch. Er war zweiundvierzig Jahre alt, hatte eine Frau namens Marta, drei Kinder und die geschicktesten Hände der Zunft. In jeder nur denkbaren Hinsicht war er ein gewöhnlicher Mann. Und doch würde ihn das, was er an jenem Julinachmittag tat, zu etwas machen, das er nie zu benennen wagte.

Der Graf Mauricio herrschte in Aldoria mit eiserner Hand und unersättlicher Gier. Die Steuern hatten sich in zwei Jahren verdreifacht. Die Bauern zahlten ihre Ernte ab, bevor sie auch nur ein Korn für ihre Kinder beiseitelegen konnten. Die Handwerker, wie Rodrigo, mussten vor dem ersten Maravedí einen Teil jedes Auftrags an den Steuereintreiber abgeben. Das Elend war so alltäglich, dass die Leute aufgehört hatten, sich darüber zu beklagen. Das Schweigen des Hungers ist das beredteste von allen.

Doña Alondra war die Ehefrau des Grafen. Man hatte sie mit achtzehn aus einer adligen Familie des Nordens hergebracht, und mit vierunddreißig war sie noch immer die schönste Frau der ganzen Gegend. Doch es war nicht nur das. Sie besuchte die Kranken, verteilte an Festtagen Brot und stellte sich ihrem Mann mit einer Festigkeit entgegen, die die Diener lächeln ließ, wenn sie glaubten, niemand sehe sie. Sie war die einzige Person, die es wagte, dem Grafen in seinem eigenen Saal zu widersprechen.

Seit Monaten hatte sie ihn angefleht, die Steuern zu senken. Monate von Verhandlungen, die mit krachend zuschlagenden Türen endeten. Und dann, an einem Sonntagabend, sah Graf Mauricio sie über seinen Weinkelch hinweg an und sprach die Worte aus, die die Geschichte Aldorias verändern würden.

—Wenn dir so viel daran liegt, reite am helllichten Tag nackt durch die Stadt. Von dem Brunnen auf dem Platz bis zu den Toren des Schlosses. Und ich gewähre dir, was du verlangst.

Er sagte es mit dem Lächeln eines Mannes, der auf eine Wette setzt, die er nicht verlieren kann. Doña Alondra sah ihn lange schweigend an, mit diesen grünen Augen, die nie zitterten, und antwortete:

—Ich bin einverstanden.

Die Nachricht verbreitete sich in Aldoria binnen Stunden. Doña Alondra hatte es unmissverständlich angeordnet: Am Samstagmittag sollte das ganze Dorf Türen und Läden schließen. Niemand würde schauen. Ihr Opfer sollte mit dem Respekt empfangen werden, den es verdiente. Im Gegenzug: die Senkung der Steuern für alle.

Die Leute schlossen ihre Läden. Zogen die Rollläden herunter. Einige gingen in die Kirche, um nicht in Versuchung zu geraten. Es war ein stilles Abkommen, ein Akt kollektiver Dankbarkeit, der den Charakter dieser Stadt über Generationen prägen würde.

Rodrigo hätte es ebenfalls getan. Er hätte es tun sollen.

Doch in der Nacht des Freitags schlief er schlecht.

Er lag mit offenen Augen im Bett, während Marta neben ihm gleichmäßig atmete, und sein Kopf kreiste um etwas, das er sich zu benennen weigerte. Es sei keine Lust, sagte er sich. Es sei Neugier. Eine beinahe philosophische Neugier. Wie konnte eine Frau, die an Protokoll und Verbeugungen gewöhnt war, so etwas tun? Woher kam dieser Mut? Welchen Ausdruck würde ihr Gesicht haben?

Lüge.

Unter der Decke war sein Schwanz steinhart, seit Stunden pochte er gegen seinen Bauch. Er dachte an Alondras Brüste, die im Trab des Pferdes auf und ab wippten, an ihre Möse, offen gegen den Pferderücken gepresst, an das dunkle Haar, das zwischen ihren Schenkeln hervorlugen würde, und sein Glied antwortete mit einem brutalen Schlag, der ihn nicht tief durchatmen ließ. Marta schlief mit dem Rücken zu ihm. Er war versucht, sie von hinten zu nehmen, an seiner Frau das abzuladen, was wegen einer anderen in ihm kochte, aber es schien ihm ein doppelter Verrat, und er blieb reglos liegen, die rechte Hand in das Laken gekrallt, um sie nicht zwischen die Beine zu führen.

Er stand um drei Uhr morgens auf und ging hinunter in die Werkstatt. In der Schublade, in der er die feinen Werkzeuge aufbewahrte, lag der kleine Bohrer, den er für die Knopflöcher der Mäntel benutzte. Er nahm ihn zwischen die Finger. Seine Hände zitterten nicht, und genau das erschien ihm am beunruhigendsten von allem: die Gelassenheit, mit der er etwas tat, von dem er wusste, dass er es nicht tun durfte.

Er fand den Eichenladen zur Hauptstraße hin und musterte ihn in der Dunkelheit, nur mit dem Licht, das durch die Ritzen drang. Er wählte einen Astknoten im Holz, eine Stelle, an der das Brett dicker war und jedes Loch wie ein Unfall aussehen würde. Er setzte die Bohrspitze an. Er drückte langsam, lautlos.

Das Loch war nicht größer als eine Erbse. Aber es reichte.

***

Der Samstag kam mit einer Julisonne, die die Steine der Straße so aufheizte, dass sie glänzten. Ganz Aldoria war fest verschlossen. Es war die seltsamste Stille, die Rodrigo je erlebt hatte: ein Dorf mit sechshundert Seelen, still wie ein Friedhof. Kein Hund bellte. Kein Kind rannte durch die Gassen.

Rodrigo saß an der Werkbank, die Hände auf den Knien. Seit dem Loch hatte er den Laden nicht mehr berührt. Er sagte sich, dass er es nicht tun würde. Dass er den Fehler begangen hatte, das Holz zu durchbohren, aber nicht den Fehler begehen müsse, hineinzusehen.

Dann kam das Geräusch.

Ein gemessener, feierlicher Schritt. Die Hufe eines Pferdes auf dem Pflaster, einer nach dem anderen, ohne Eile. Ein so regelmäßiger Rhythmus, dass er die Zeit zu messen schien, statt sie zu durchqueren.

Rodrigo spürte, wie sein Puls schneller wurde. Er blieb drei Sekunden lang still. Vier. Fünf.

Dann stand er auf.

Er durchquerte die Werkstatt in vier Schritten und presste das Auge an das Loch.

***

Das Erste, was er sah, war das Pferd. Ein silbergraues Tier, riesig, mit geflochtener Mähne und schweißglänzenden Flanken. Es schritt mit einer Ruhe voran, die vom Reiter auf seinen Rücken überzugehen schien.

Und dann sah er Doña Alondra.

Er war nicht darauf vorbereitet. Kein Mann hätte es sein können.

Sie war unter der Mittagssonne vollkommen nackt, und die Sonne ergoss sich mit der vollkommenen Gleichgültigkeit dessen über sie, der nicht zwischen dem Heiligen und dem Profanen unterscheidet. Ihre Haut war von der Farbe hellen Honigs, warm und gleichmäßig, ohne Kleidungsabdrücke oder Sonnenbrandflecken. Rodrigo hielt den Atem an und spürte, wie sich sein Schwanz im Nu in der Unterhose aufblähte, gespannt, schmerzhaft, sich von selbst nach oben schiebend, bis er den Bund berührte.

Sie saß aufrecht, den Rücken gerade und die Schultern zurück, in einer Haltung, die nichts von Scham hatte. Ihre Arme hielten die Zügel mit einer Sicherheit, die nicht angestrengt wirkte. Ihre Hände, klein und feingliedrig, zitterten nicht. Es war die Haltung eines Menschen, der eine Entscheidung getroffen hat und sie bis zum Ende trägt, ohne zurückzublicken.

Ihr Hals war lang, und darin war der Puls zu sehen, eine kleine rhythmische Bewegung, die das einzige war, was verriet, dass sie Fleisch war und nicht Marmor. Ihre Schultern waren weich, rund, mit einer natürlichen Eleganz, die keiner Zierde bedurfte, um Eindruck zu machen. Das Schlüsselbein zeichnete eine feine Linie, die sich zur Brust hinabzog, mit einer Geometrie, die Rodrigo sein Leben lang nicht vergessen sollte.

Ihre Brüste waren zugleich üppig und fest. Sie waren keine Darstellung irgendeiner Statue: Sie waren lebendiges Fleisch, mit dem Gewicht und der Wärme von etwas Reellem. Der Warzenhof war dunkel, fast braun im Kontrast zum goldenen Ton der umgebenden Haut, breit wie eine Silbermünze, und die Brustwarze, von der Morgenluft aufgerichtet, zeigte dick und trotzig nach vorn, als fordere sie jeden heraus, der es wagen würde hinzusehen. Rodrigo stellte sich vor, sie zu lutschen, sie zwischen die Zähne zu nehmen, daran zu ziehen, bis dieser Frau, die so gelassen zu Pferde ritt, ein Stöhnen entfuhr, und sein Schwanz zuckte so heftig, dass er leise gegen das Holz aufkeuchte.

Das Pferd machte einen Schritt. Dann noch einen. Und dann entdeckte Rodrigo etwas, das kein Mann in Aldoria sehen würde: die Bewegung.

Mit jedem Schritt des Tieres nahm ihr Körper den Trab auf und verwandelte ihn. Ihre Brüste schwangen in einer weichen, aber unmöglich zu ignorierenden Kadenz, wiegten sich leicht von einer Seite zur anderen, aneinanderreibend mit der Intimität von etwas, das nie von außen betrachtet werden sollte. Das Fleisch bebte schwer und lebendig, hob und senkte sich mit jedem Hufschlag auf das Pflaster, und die Brustwarzen zeichneten zwei dunkle Kreise in die Luft, die ihn bei seinem Namen zu rufen schienen. Es war eine Mechanik so einfach und so vernichtend, dass Rodrigo sich am Laden abstützen musste, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Unbemerkt hatte er die Unterhose bis zu den Knien heruntergezogen und hielt seinen Schwanz in der Hand, nass von einer klaren Flüssigkeit, die an der Spitze hervorquoll.

Ihr Bauch war flach, mit der sanften Wölbung des Nabels und der Linie, die klar und bewusst hinabführte bis zu dem dunklen, spärlichen Haar, das den Anfang ihrer Möse markierte. Es war nicht dicht und nicht undurchsichtig: Es war fein, fast dekorativ, als hätte die Natur sie andeuten, nicht verbergen wollen. Zwischen ihren Beinen, wenn das Pferd leicht bog oder sie ihre Haltung anpasste, konnte Rodrigo die Falte ihres Geschlechts erkennen, jene rosige Spalte, die ihre Lippen trennte und sich mit jeder Bewegung des Tieres ein wenig mehr öffnete, für einen Augenblick den feuchten Glanz im Inneren preisgebend, ein dunkleres, saftigeres Rosa, das gegen den warmen Pferderücken zu atmen schien. Rodrigo sah das Fleisch gegen die Mähne gedrückt, sah, wie das Haar des Tieres zwischen diese Lippen geriet, jedes Mal wenn sie sich im Sattel zurechtrückte, und seine Hand am Schwanz begann aus reinem Verlangen zu zittern. Er stellte sich vor, wie sie sich auf seiner Werkbank mit gespreizten Beinen öffnete, diese perfekte Möse dargeboten und tropfend, und er musste die Zähne zusammenbeißen, um nicht dort und dann zu kommen.

Ihre Hüften waren breit, weiblich, der perfekte Rahmen für lange, trainierte Beine, die sich über den Pferderücken erstreckten. Die Muskeln ihrer Oberschenkel spannten und entspannten sich bei jedem Schritt des Tieres auf subtile Weise, ein Wechsel von Kraft und Hingabe, der auch ihr eigener Rhythmus war. Rodrigo dachte daran, den Kopf zwischen diese Schenkel zu stecken, das Haar mit der Zunge beiseite zu schieben und ihre Möse zu fressen, bis sie auf dem Sattel zitterte, daran, wie sich diese harten Schenkel um seine Ohren schließen würden, während sie stöhnte, ohne den Blick von vorn zu nehmen. Ihre nackten Füße ruhten selbstverständlich in den Steigbügeln, und wenn das Pferd den Takt wechselte, schlossen sich ihre Zehen reflexhaft um das Metall, was Rodrigo aus unerfindlichem Grund wie die intimste Geste der ganzen Szene erschien, als zögen sich diese Zehen vor zurückgehaltener Lust zusammen, jedes Mal wenn das Fleisch ihres Geschlechts kräftiger am Pferderücken rieb.

Ihr Haar war dunkelbraun und offen, fiel ihr in einer mit dem Wind wogenden Kaskade über den Rücken. Manchmal verdeckte es die Rundung ihrer Arschbacken; manchmal schob der Wind es beiseite und legte sie frei, zwei feste, weiche Hemisphären, die sich im Rhythmus des Pferdes mit einer Vollkommenheit bewegten, die keine Zeugen brauchte, um zu existieren. Rodrigo wollte ihr von hinten unbedingt den Schwanz hineinstoßen, sie an dieser braunen Mähne packen und ziehen, bis sie sich durchbog, während er sie gegen die Flanke des Tieres fickte. Ihr Arsch öffnete sich bei jedem Trab ein wenig, ließ den dunklen Schatten zwischen den Backen erkennen, und er stellte sich vor, diese Haut mit den Daumen zu spreizen, das Gesicht dort zu vergraben, ihr das Arschloch zu lecken, bis sie ihn anflehte. Er wichste bereits im Takt des Pferdes, hob und senkte die Hand im selben Rhythmus wie die schwingenden Brüste, und sein Schwanz verfärbte sich violett vor lauter Schwellung.

Doch was Rodrigo endgültig erstarren ließ, war Alondras Gesicht.

Sie sah nicht zu den Seiten. Sie suchte weder die geschlossenen Fenster noch die Augen, die sie vielleicht beobachteten. Sie blickte nach vorn, mit den grünen Augen auf einen Punkt geheftet, den Rodrigo von seinem Loch aus nicht sehen konnte, und ihr Ausdruck war von einer absolut unerschütterlichen Ruhe. Es war nicht die Ruhe dessen, der keine Angst empfindet. Es war die Ruhe dessen, der Angst empfindet und beschlossen hat, dass es keine Rolle spielt. Die leicht geöffneten Lippen gaben den feuchten Glanz der Zunge preis, und Rodrigo stellte sich diesen Mund einer Gräfin vor, diesen schmalen, gebildeten Mund, wie er seinen Schneider-Schwanz umschloss, ihn bis zum Anschlag lutschend, während sie mit derselben unmöglichen Gelassenheit fortfuhr. Der bloße Gedanke presste ihm die Eier mit einem Krampf zusammen, der ihm den Rücken hinabfuhr.

Es war der erregendste Gesichtsausdruck, den Rodrigo je in seinem Leben gesehen hatte. Und zugleich der unerreichbarste.

Er wichste nun schnell, die Stirn gegen das Holz gepresst und das rechte Auge fest auf das Loch gedrückt, ohne auch nur eine Sekunde verpassen zu wollen, ohne auch nur blinzeln zu wollen. Die Faust glitt mit brutaler Geschwindigkeit an seinem Schwanz auf und ab, die Spitze tropfte und benetzte seine Finger, und sein Atem brach stoßweise gegen den Eichenknoten. Jeder Schritt des Pferdes war ein Peitschenhieb. Jedes Schwingen von Alondras Brüsten entriss ihm ein zwischen die Zähne gepresstes Stöhnen. Als sie genau vor seinem Fenster vorbeikam, so nah, dass Rodrigo die kleinen Schweißtropfen sehen konnte, die auf ihrer Brust glänzten und ihren Bauch hinab zum Schamhaar liefen, explodierte sein Orgasmus aus den Hoden mit einer Gewalt, die er noch nie in seinem Bett gespürt hatte. Dicke Strahlen Samen spritzten aus seinem Schwanz und besudelten seine Hand, die Hose, das Holz des Fensterladens. Er biss sich in den Unterarm, um nicht zu schreien. Sein Schwanz pochte noch Sekunden, die endlos schienen, und stieß den letzten Rest gegen seine zitternden Finger aus, während Doña Alondra weiterging, als wäre nichts geschehen, aufrecht und gelassen unter der Sonne, mit den Brüsten, die noch immer im Takt des Trabs tanzten, und der gegen den Rücken des grauen Pferdes offenliegenden Möse.

Doña Alondra passierte die Werkstatt in der Zeit, die ein Mann braucht, um die Luft aus den Lungen auszuatmen. Dann ging sie weiter, ohne zu wissen, dass jemand sie gesehen hatte, ohne zu wissen, dass jemand beim Anblick von ihr gekommen war. Das Geräusch der Hufe wurde immer ferner, immer gemessener, bis es am Ende der Straße verschwand.

***

Rodrigo bewegte sich lange Zeit nicht. Er hatte die Stirn gegen das Holz des Fensterladens gelegt und die Augen geschlossen. Das Pochen seines Herzens spürte er an den Schläfen, in der Kehle, in den Handgelenken, in dem Schwanz, der zwischen seinen Schenkeln noch halb hart und tropfend hing. Der Geruch des Samens stieg ihm in die Nase und verursachte ihm einen würgenden Anflug von Scham. Er wischte sich die Hand mit einem Schneiderlappen ab, zog die Unterhose hoch und rieb das Holz mit Speichel und Staub, bis die weißlichen Flecken vom Eichenholz verschwunden waren. Dann trat er vom Fenster zurück und setzte sich auf die Werkbank.

Die Stille Aldorias blieb vollkommen. Niemand wusste etwas. Niemand würde es je wissen.

Und doch wusste er es.

Am späten Nachmittag zog der Vogt des Grafen mit der Stimme eines Ausrufers durch die Straßen:

—Volk von Aldoria! Graf Mauricio hält sein Wort! Die Steuern werden ab der nächsten Ernte gesenkt!

Der Ausbruch der Freude, der darauf folgte, war so plötzlich und so heftig, dass Rodrigo sich am Rand der Bank festhalten musste. Die Leute kamen auf die Straße, riefen, weinten, umarmten einander. Jemand begann in der Schenke an der Ecke eine Laute zu spielen. Die Kinder rannten zwischen den Beinen der Erwachsenen hindurch.

—Danke an Doña Alondra! Danke an unsere Herrin!

Rodrigo blieb in seiner Werkstatt sitzen, die Tür geschlossen.

***

Die folgenden Tage waren seltsam. Die Leute grüßten ihn mit besonderer Wärme, als ahnten sie etwas Tugendhaftes in ihm, ohne genau zu wissen, was. Ein Nachbar drückte ihm auf der Straße die Schulter und sagte:

—Du bist ein guter Mann, Rodrigo. Ein Mann, auf dessen Wort Verlass ist. — Und ging fort, bevor er antworten konnte.

Er verstand es erst, als er an jenem Abend in der Schenke das Gespräch am Nebentisch hörte.

—Die Handwerker der Hauptstraße sind die ehrlichsten in ganz Aldoria — sagte ein stämmiger Bauer mit halb geleertem Krug —. Der Schneider, der Schuster Heliodoro, die Stickerin Eugenia. Sie lebten zwei Meter vom Weg unserer Herrin entfernt und öffneten nicht einen Spalt. Sie sind das moralische Rückgrat dieses Dorfes.

—Das stimmt — nickte der Wirt. — Dank Männern wie ihnen war das Opfer von Doña Alondra rein, ohne Makel.

Rodrigo trank einen langen Schluck. Das Bier schmeckte nach Asche.

Er ging früh nach Hause. Er kam am Loch vorbei, ohne hinzusehen. Er legte sich in der Dunkelheit hin und starrte an die Decke, Marta neben sich im Schlaf. Lange dachte er darüber nach, ob er es jemandem gestehen sollte. Einem Priester. Einem Freund aus Kindertagen.

Er tat es nicht. Und das war vielleicht der schlimmste Teil.

In jener Nacht wachte Marta halb auf und suchte unter der Decke nach seiner Hand. Sie strich ihm mit der offenen, noch verschlafenen Handfläche über den Schwanz und flüsterte ihm ins Ohr, dass er sie seit Wochen nicht mehr angefasst habe. Rodrigo drehte sich um, kam auf sie und öffnete ihr schweigend die Beine. Er stieß in sie hinein, die Augen geschlossen, mit dem Bild von Alondras Möse, die sich gegen den Pferderücken öffnete, fest hinter seinen Lidern. Marta stöhnte überrascht von seiner Härte, bog den Rücken durch und klammerte sich an seine Schultern. Er lutschte ihre Brustwarzen mit einer Gier, die sie an ihm nicht kannte, biss sie in den Hals, brachte sie auf alle viere und fickte sie von hinten, während er die Rundung ihres Hinterns im Mondlicht ansah und sich vorstellte, es sei der andere, der verbotene, der der Gräfin. Er kam mit einem erstickten Knurren in ihr, presste die Zähne zusammen, um nicht den falschen Namen zu schreien, und brach neben ihr zusammen, mit feuchten Augen vor einer Scham, die Marta, glücklich und gesättigt, niemals ahnen würde.

***

Die Zeit verging mit der ihr eigenen Gleichgültigkeit. Rodrigo schnitt weiter Stoffe zu und maß Körper aus. Er hatte in jenem Herbst gute Aufträge. Seine Kinder wurden größer. Das Leben ging mit derselben genauen Normalität weiter wie immer.

Aber das Bild verschwand nicht.

Es kehrte in den unerwartetsten Momenten zurück. Wenn er einen Stoff aus hellem Leinen zuschnitt, erinnerte ihn die Farbe an Alondras Haut unter der Sonne. Wenn ein Pferd im Trab durch die Straße zog, brachte ihn das Hufklappern zurück in die Werkstatt, zum Loch, zum an das Holz gepressten Auge, zum Schwanz in der Hand und dem Samen, der ihm zwischen den Fingern herunterlief. In Träumen kehrte das Bild mit brutaler Klarheit zurück: die Brüste, die sich im Takt des Trabs schaukelten, die offene und glänzende Möse zwischen ihren Beinen, der Ausdruck unzerstörbarer Ruhe auf ihrem Gesicht, während er sich bis zu den Eiern in sie versenkte und sie zum ersten Mal stöhnen hörte. Er wachte mit hartem Schwanz und hämmerndem Herzen auf, und viele Nächte musste er in die Werkstatt gehen, sich dort auf der Werkbank den Schwanz herausnehmen und schweigend an sie denkend auf einen alten Lappen wichsen, bis er kam. Mit dem Orgasmus kam die Schuld, eine kalte Angst, die Stunden brauchte, um zu vergehen.

Er wurde reizbar und abweisend. Marta fragte ihn, ob er krank sei, ob ihn Sorgen plagten. Er konnte nur den Kopf schütteln, gefangen in seinem namenlosen privaten Kerker.

Viele Jahre später, als Rodrigo alt war und seine Hände über der Nadel zitterten, schlug er ein dickes Eisen in das Loch. Es war keine symbolische Geste. Er tat es, weil durch dieses Loch im Winter Kälte eindrang und seine Finger den Luftzug nicht mehr ertrugen. Aber während er das Holz vernagelte, erlaubte er sich zum letzten Mal mit einer gewissen Ruhe, an das zu denken, was er an jenem Julinachmittag gesehen hatte.

Er bereute nicht, es gesehen zu haben. Das wäre gelogen. Es war die klarste Erinnerung seines Lebens, lebendiger als die Geburt seiner Kinder, deutlicher als seine Hochzeitsnacht. Ein so vollkommenes Bild, dass die Zeit es nicht um ein Jota hatte abschleifen können.

Aber er konnte auch nicht sagen, dass es ihn nichts gekostet hätte. Die Lust jenes Augenblicks und der Verrat, den sie bedeutete, waren gemeinsam gewachsen, untrennbar, und er wusste nicht mehr, wie er das eine vom anderen unterscheiden sollte.

Doña Alondra starb viele Jahre vor ihm an einem Herbstfieber, und das Dorf errichtete ihr auf dem Hauptplatz eine kleine Statue. Rodrigo sah sie jedes Mal, wenn er über den Platz ging. Die Bronzefigur stellte sie bekleidet dar, mit ausgestreckter Hand in einer Geste der Großzügigkeit und den Augen auf den Horizont gerichtet.

Doch er sah sie anders.

Er sah sie auf dem grauen Pferd aufgerichtet, die Mittagssonne auf ihren nackten Körper gegossen, die Brüste im Rhythmus des Trabs schwingend und die Möse offen gegen den Pferderücken, mit diesem Frieden nach vorn blickend, den er in keinem anderen menschlichen Gesicht je fand. Er sah sie frei, vollkommen frei, in dem einzigen Augenblick, in dem er es nicht war.

Und das war, mehr noch als jede göttliche Strafe, seine Verdammnis.

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