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Relatos Ardientes

Die Sklave am Pfahl und die Hand, die ihn rettete

Die Türen des Saals der Verdammten öffneten sich mit einem metallischen Ächzen, das in den steinernen Gewölben widerhallte. Der Geruch kam dem Anblick zuvor: ein säuerlicher Knoten aus Rauch, kaltem Schweiß und etwas Dunklerem, Animalischerem, das sich an die Kehle heftete und nicht mehr losließ. Catalina, die Oberste Heilerin des Schlosses, trat mit festem Schritt ein. Hinter ihr trug Elena, ihre Lehrling, zwei überquellende Lederkoffer voller Salben, Verbände und chirurgischer Instrumente.

Catalina stand seit dreizehn Jahren im Dienst von Königin Isolda. Sie hatte gelernt, dass Mitgefühl in diesem Schloss ein Werkzeug wie jedes andere war: nützlich, wenn man es im richtigen Moment einsetzte, und ein unmöglicher Luxus zu jeder anderen Zeit. Sie war keine Frau der Gefühle, sondern der Diagnosen.

Der Anblick, der sich vor ihnen erstreckte, hätte jeden gelähmt, der weniger an die Launen der Krone gewöhnt war.

Nahe dem Eingang lag Clara auf dem Boden aus grauen Steinplatten. Bis zu diesem Morgen war sie königliche Wache gewesen. Jetzt war sie eine Gefangene mit verbrannter rechter Wange: Das Zeichen des königlichen „I“ war ihr ins Fleisch gebrannt worden und hatte die Haut in einen geschwärzten Krater verwandelt, aus dem noch immer Rauch aufstieg. Ihr linker Arm lag in einem unmöglichen Winkel. Sie atmete, doch unregelmäßig vor dem Schmerz der Bewusstlosigkeit. Die Uniform der Wache war vom Hals bis zum Bauchnabel aufgerissen, und ihre großen Titten lagen offen, die dunklen Nippel von der Kälte der Steinplatten erigiert und mit Tropfen getrockneten Blutes besprenkelt.

Weiter hinten, dort, wo das Licht der Fackeln spärlich wurde, stand der Pfahl der Verdammten. Und daran Rodrigo.

Der Sklave war seit vor Sonnenaufgang angekettet, völlig nackt. Eine dicke Kette band ihn am Hals an einen Ring oben am Pfahl, mit mathematischem Sadismus berechnet: Seine nackten Zehen berührten kaum den Boden. Nur die Spitzen. Jedes Mal, wenn seine Beine nachgaben, zog sich das eiserne Halsband zusammen. Man hatte ihm die Hände auf dem Rücken gefesselt, und zwischen seinen Schenkeln hing ein Block aus dunklem Holz, eine Vorrichtung, die dazu bestimmt war, den Hodensack zusammenzupressen und an den Eiern mit einem gleichmäßigen Gewicht zu ziehen, das weiche Fleisch gegen die Basis seines Schwanzes zu quetschen und die Durchblutung zu unterbrechen, ohne ihn bewusstlos zu machen. Jedenfalls nicht sofort.

An die hintere Wand gelehnt, die Arme verschränkt und mit dem Ausdruck einer Frau, die ein gutes Schauspiel genießt, stand Nora. Sie war die neue Favoritin der Königin: jung, hart, mit jener ruhigen Grausamkeit, die man nur lernt, wenn man ohne Angst vor Strafe aufgewachsen ist. Aufmerksam beobachtete sie Rodrigo, maß Sekunde für Sekunde seine Widerstandskraft, und hin und wieder leckte sie sich mit der Zungenspitze über die Lippen, langsam wie jemand, der das Leiden eines anderen auskostet, als wäre es Wein.

Catalina sah sie nicht an. Sie ging direkt zu Clara auf den Boden.

— Die Wache zuerst —sagte sie—. Elena, den linken Koffer. Alkohol und Seide.

Die Lehrling gehorchte, obwohl ihre Hände zitterten.

Während der folgenden vierzig Minuten arbeiteten Catalina und Elena mit der lautlosen Effizienz von Menschen an Clara, die dies schon viel zu oft getan hatten. Sie reinigten die Verbrennung mit einer Lösung aus Kräutern und Alkohol und ignorierten das Stöhnen der Bewusstlosen. Sie renkten den Arm mit einem trockenen Knacken ein, das Elena blass werden ließ. Sie nähten die Ränder des Brandzeichens mit in Mohnsaft getränktem Seidenfaden zusammen und verabreichten ihr einen dicken, dunklen Sirup, der sie in einen tiefen, erholsamen Schlaf sinken ließ.

Hinter ihnen hielt Rodrigo unterdessen durch.

Oder versuchte es.

Seine Waden standen seit Stunden unter maximaler Spannung. Die angesammelte Milchsäure war so intensiv, dass die Muskeln ohne Vorwarnung krampften: kleine Zuckungen, die seine Unterschenkel schüttelten und ihn das Gleichgewicht verlieren ließen. Jedes Mal, wenn seine Fersen sich zu senken versuchten, spannte sich die Kette. Das Halsband zog sich zusammen. Ein ersticktes Gurgeln drang aus seiner Kehle, und die Angst vor dem Ersticken zwang ihn, sich wieder auf die Zehenspitzen zu heben. Seine auf dem Rücken gefesselten Hände zerrten nutzlos. Der Holzblock zog weiter an seinen geschwollenen, violetten Eiern. Und zog. Und zog. Sein Schwanz, gewaltsam in einen geriffelten Metallkatheter gezwängt, hing schlaff und bläulich verfärbt herab; an der Spitze tropfte ein trüber Faden aus Blut und Eiter, der ihm an der Innenseite des Oberschenkels hinabrann.

Stille Tränen liefen über seine rußverschmierten Wangen. Er flehte stumm jeden Gott an, der seine Qual verkürzen oder ihm erlauben würde, das Bewusstsein zu verlieren.

Schließlich war Catalina mit Clara fertig. Sie richtete sich auf, wischte sich die Hände sauber und drehte sich zum hinteren Ende des Saals. Ein kalter Funke trat in ihre Augen, als sie die Lage einschätzte. Die Haut des Sklaven hatte jenen gräulichen Ton angenommen, den Catalina erkannte, ohne sich ihm nähern zu müssen: die Farbe unmittelbar vor dem Kreislaufkollaps. Seine Lippen waren bläulich. Seine Beine vibrierten mit einer Gewalt, die drohte, den Muskel von innen zu zerreißen. Der vom Block zerquetschte Hodensack war krankhaft violett geworden, an der Spitze beinahe schwarz.

Wenn in den nächsten zwanzig Minuten niemand eingriff, würde er sterben. Oder dauerhaft unbrauchbar werden, was für Königin Isolda genau dasselbe bedeutete.

Catalina ging auf den Pfahl zu.

— Elena, das Jod —befahl sie.

Doch noch bevor ihre Finger das kalte Metall des Schlosses berührten, hielt etwas sie auf.

Nora stellte sich ihr in den Weg. Sie bewegte sich schnell, mit der geschulten Präzision einer Jagdhündin. Sie zog den Dolch halb aus der Scheide und ließ ihn auf Augenhöhe vor Catalinas Gesicht aufblitzen.

— Du wirst diese Kette nicht anfassen —sagte sie mit einer Ruhe, die selbst eine Drohung war.

Catalina blieb stehen. Sie sah auf den Stahl. Dann in Noras Augen.

— Die Königin hat ausdrücklich befohlen, dass er auf den Zehenspitzen hängen soll —fuhr Nora fort—. Das war ihre letzte Anweisung. Ihn herunterzulassen wäre der Ungehorsam gegenüber einem direkten königlichen Befehl, Heilerin.

Formal hatte Nora recht. Das wusste Catalina. Sie wusste auch, dass Nora Freude daran hatte, sie in dieser Lage zu sehen. Was die Wache nicht einkalkulieren konnte, war, dass Catalina seit dreizehn Jahren durch die verdrehte Logik Königin Isoldas navigierte und man dafür keinen Dolch brauchte. Man brauchte Geduld.

— Steck den Stahl weg —sagte Catalina. Ihre Stimme war flach, ohne Dringlichkeit, als spräche sie über das Wetter—. Ich werde den Befehl der Königin nicht infrage stellen.

Nora verengte die Augen.

— Aber ich werde dich bitten, darüber nachzudenken, was du Ihrer Majestät morgen früh sagen wirst —fuhr Catalina fort—. Wenn du ihr erklärst, warum ihr Sklave heute Nacht an Erstickung gestorben ist, bevor sie zurückkommen konnte, um ihn erneut zu ficken. Ein kaputtes Spielzeug taugt nicht zum Spielen. Ein toter Schwanz wird nicht steif, und verfaulten Eiern kann niemand eine Muschi füllen.

Schweigen. Nora umklammerte den Griff des Dolches, zog ihn jedoch nicht weiter.

— Die Königin hat befohlen, dass er auf den Zehenspitzen hängen soll —wiederholte Nora, wenn auch mit weniger Überzeugung als zuvor.

— Und er wird weiterhin auf den Zehenspitzen hängen —sagte Catalina und trat mit einer Autorität vor, die keine Waffen brauchte—. Die Königin vertraut mir die Unversehrtheit ihrer Besitztümer an. Aber wenn ich die Halskette nicht senken kann, werde ich eben den Boden anheben.

Nora blinzelte. Sie verstand es nicht sofort. Das genügte.

Catalina wandte sich ohne eine Antwort abzuwarten ihrer Lehrling zu.

— Elena. Geh zum Podest dort hinten. Bring alles, was du findest: dicke Decken, Felle, große Kissen. Alles. Schnell.

Die junge Frau rannte hinaus. Weniger als zwei Minuten später kehrte sie mit einem Haufen schwerer Stoffe und Samtkissen zurück. Catalina wies sie an, sie sorgfältig direkt unter Rodrigos nackten, zitternden Füßen zu stapeln.

Schicht um Schicht kam hinzu. Eine gefaltete Decke. Ein Kissen. Ein dickes Fell. Die Plattform wuchs Zentimeter um Zentimeter, bis die Füße des Sklaven, die sich auf den Zehenspitzen quälend abmühten, festen Stoff berührten.

Rodrigo ließ die Fersen sinken.

Seine Knie beugten sich. Seine Waden hörten zum ersten Mal seit Stunden auf zu schreien.

Doch als er diese wenigen Zentimeter nach unten ging, spannte sich die Kette an seinem Hals mit Gewalt. Das Halsband zog sich fest zusammen, und Rodrigo begann wirklich zu ersticken, die Augen weit aufgerissen, die Hände nutzlos hinter dem Rücken.

— Die Riemen! —befahl Catalina.

Sie öffnete den zweiten Koffer und holte breite Ledergeschirre hervor, dieselben, die sie in der Krankenstation benutzte, um Patienten in schweren Krisen festzuhalten. Gemeinsam schoben sie sie unter Rodrigos Achseln hindurch, kreuzten sie über seinen Rücken und befestigten sie an dem oberen Ring des Pfahls, an dem auch die Halskette hing. Sie zogen daran und stellten sie mit eisernen Schnallen so eng ein, bis der Körper in der Schwebe hing.

Das Ergebnis war ein improvisiertes Hängegeschirr.

Nun ruhte das Körpergewicht Rodrigos auf den Riemen unter seinen Achseln, statt an seinem Kehlkopf zu hängen. Das Halsband blieb an seinem Platz, eng und bedrohlich, doch es würgte ihn nicht mehr. Seine Füße ruhten auf den Kissen. Seine Beine konnten endlich ausruhen.

Technisch gesehen hing er weiterhin auf den Zehenspitzen. Nur war der Boden zu ihm emporgestiegen.

Rodrigo atmete aus. Ein langer, gebrochener Laut, der zugleich ein Schluchzen und der erste wirkliche Atemzug seit Stunden war. Sein Kopf sank nach vorn. Sein Kinn schlug gegen seine Brust.

— Ein technischer Kompromiss —sagte Catalina und sah Nora an—. Er ist weiterhin angekettet. Er hängt weiterhin am Pfahl. Aber heute Nacht stirbt er nicht.

Nora schnaubte. Mit einer schroffen Bewegung steckte sie den Dolch weg. Ihr gefiel die Lösung nicht. Aber die Heilerin hatte weder das Schloss an seinem Hals berührt noch die Anordnung der Kette verändert. Sie hatte mit den Regeln gespielt und gewonnen.

Catalina wartete nicht auf Zustimmung. Sie kniete sich vor Rodrigo, genau auf Höhe seines Schritts. Der violett verfärbte Schwanz des Sklaven hing eine Handbreit vor ihrem Gesicht, und sie betrachtete ihn mit derselben Kälte, mit der ein Schmied ein fehlerhaftes Werkstück untersucht.

Als Erstes entfernte sie die hölzerne Vorrichtung. Sie lockerte die seitlichen Schrauben, und als sich die Blöcke voneinander lösten, fielen Rodrigos Eier schwer und violett herab, fast doppelt so groß wie gewöhnlich, gespannt wie reife Früchte kurz vor dem Platzen. Das gestaute Blut kehrte schlagartig in das ischämische Gewebe zurück. Diese Rückkehr war paradoxerweise eine Qual. Rodrigo wand sich im Geschirr und stöhnte, während sein Hodensack mit jedem Herzschlag pochte. Tausend eingebildete Nadeln; alle Nerven des stundenlang zerquetschten Sacks erwachten gleichzeitig. Doch es war notwendig. Zehn Minuten länger, und das Hodengewebe hätte unwiderruflich zu sterben begonnen, und kein Mann überlebte mit verfaulten Eiern.

Catalina nahm seine Eier ohne Zeremonie in die Handfläche und tastete sie einzeln ab. Rodrigo heulte unter dem Beruhigungsmittel, das noch nicht wirkte. Sie drückte mit den Fingern zu und suchte nach Knoten, Rissen und inneren Verletzungen. Die Eier rollten heiß und geschwollen zwischen ihren Fingern, und die Haut des Hodensacks war so gespannt, dass die dunklen Adern darunter sichtbar waren. Nora beobachtete sie von oben mit einem schiefen, halb spöttischen Lächeln.

— Du drückst sie, als wüsstest du, was du tust, Heilerin.

— Ich weiß, was ich tue —antwortete Catalina, ohne aufzusehen—. Mehr, als man von derjenigen sagen kann, die diesen Block angebracht hat.

Elena reichte eine Schale mit einem dicken, dampfenden Aufguss: Baldrian, Weidenrinde, Lotusblüte. Catalina zwang den Sklaven, den Kopf zu heben, und goss die bittere Flüssigkeit in seine Kehle. Rodrigo schluckte reflexhaft. In wenigen Minuten würde das Beruhigungsmittel zu wirken beginnen. Doch eine Aufgabe konnte nicht warten, bis es wirkte.

Catalina betrachtete die Harnröhrenvorrichtung, die Rodrigos Schwanz zusammendrückte. Es war ein geriffelter Metallkatheter von der Dicke eines Fingers, der mit Gewalt durch die Harnröhrenöffnung bis fast zur Blase eingeführt worden war. Das Eisen war mit getrocknetem Blut und gelblicher Kruste beschmutzt. Aus dem Ende sickerte eine trübe, rosafarbene Flüssigkeit, die nichts Gutes bedeuten konnte. Der Schwanz selbst, gegen das Metall gepresst, war krankhaft violett verfärbt, und die Vorhaut war an der Stelle eingerissen, an der der Katheter ohne Gleitmittel hineingezwungen worden war.

— Der Katheter wurde unsteril eingeführt —sagte Catalina, mehr zu Elena als zu irgendjemand anderem—. Die Rillen haben den gesamten Harnkanal vom Eingang bis zur Prostata mit kleinen Rissen übersät. Wenn diese Infektion die Blase und die Nieren erreicht, wird dieser Mann in drei Tagen an seinem eigenen vergifteten Blut sterben. Der Kanal muss gespült werden. Der ganze Kanal.

Elena wurde sichtlich blass.

— Zuerst muss ich den Katheter herausziehen —fuhr Catalina fort—. Langsam. Wenn ich zu schnell ziehe, reiße ich die an dem Metall haftenden Schleimhautreste ab und verursache eine Blutung, die ich nicht stoppen kann.

Sie nahm den violett verfärbten Schwanz zwischen Daumen und Zeigefinger und hielt ihn mit klinischer Festigkeit an der Basis. Rodrigo stöhnte, mehr aus Angst als vor Schmerz. Mit der anderen Hand packte Catalina das äußere Ende des Katheters und begann, ihn langsam zu drehen, jedes Mal eine Vierteldrehung, wobei sie die Kruste aus geronnenem Blut löste, die das Metall an die Wände der Harnröhre geklebt hatte. Mit jeder Drehung trat am Rand der Harnröhrenöffnung ein dünner Faden frischen Blutes hervor, und Rodrigo bebte im Geschirr, die Schenkel vor unfreiwilliger Qual zitternd.

Als sie spürte, dass der Katheter nachgab, zog sie ihn mit berechneter Langsamkeit heraus. Zentimeter um Zentimeter kam das geriffelte, blutige Metall zum Vorschein und riss dunkle Klumpen abgestorbener Schleimhaut und Blutgerinnsel mit sich. Rodrigos nun leere Harnröhre klaffte als blutender Mund an der violett verfärbten Spitze seines Schwanzes, und aus ihr begann ein ununterbrochener Strom aus Blut und gelblichem Eiter zu fließen.

— Es ist schlimmer, als ich dachte —murmelte Catalina—. Die Infektion ist bereits aufgestiegen. Nora, halte ihn fest. Jetzt richtig.

Zum ersten Mal sprach sie die Wache direkt mit ihrem Namen an. Nora trat widerwillig näher, als wäre dies eine Niederlage, und schlang ihre Arme um die Schenkel des Sklaven, um sein Becken am Pfahl zu fixieren. Ihre Finger gruben sich in das Fleisch der Innenschenkel, und Catalina bemerkte, dass Nora die Gelegenheit nutzte, scheinbar beiläufig die Basis der geschwollenen Eier zu streifen.

— Wenn du ihm das jetzt herausreißt —warnte Catalina, ohne sie anzusehen—, darfst du selbst die Sauerei beseitigen.

Nora lachte leise, zog aber die Finger zurück.

Catalina öffnete ein Metalletui und holte eine alte Spritze heraus: ein Zylinder aus dickem Glas, ein Kolben aus Stahl und eine lange, stumpfe Kanüle, die für tiefe Spülungen entwickelt worden war. Sie füllte sie mit einer dunklen Flüssigkeit von rötlich brauner Farbe, die das Glas verfärbte. Konzentriertes Jod, vermischt mit adstringierenden Stoffen aus Eichenrinde. Ein brutales Desinfektionsmittel, dazu bestimmt, jedes Bakterium bei Kontakt zu vernichten, dessen Nebenwirkung ein brennendes Stechen auf gesundem Gewebe war. Auf aufgerissenem Gewebe war es etwas völlig anderes.

Wieder packte sie den Schwanz des Sklaven an der Basis, hob ihn fest an, um den Harnkanal auszurichten, und führte die stumpfe Spitze der Kanüle an die aufgerissene Harnröhrenöffnung. Langsam schob sie sie zwei, drei, fünf Zentimeter in die rohe Harnröhre. Rodrigo weinte jetzt offen, den Mund zu einem stummen Heulen geöffnet, während ihm Speichel von der Unterlippe hing.

— Das hier —murmelte Catalina— wird mehr wehtun als das Brandzeichen.

Und sie drückte den Kolben.

Ein kalter Schwall konzentrierten Jods wurde mit Druck in die verletzte Harnröhre gepumpt. Die dunkle Flüssigkeit überflutete den Kanal, drang in jeden kleinen Riss und jeden Millimeter aufgerissenen Gewebes ein, stieg durch den Gang bis zur Blase auf und reagierte mit dem angesammelten Blut und den Bakterien.

Die Wirkung war katastrophal.

Rodrigos Schrei glich nichts Menschlichem. Er war das Geräusch eines Tieres, das bei lebendigem Leib gehäutet wird. Sein ganzer Körper bäumte sich mit einer Kraft auf, die das Geschirr knarren ließ. Die Fesseln schnitten in seine Handgelenke. Seine Füße rutschten von den Kissen. Sein Schwanz, von der Kanüle durchbohrt, wurde plötzlich steif, nicht vor Erregung, sondern durch den qualvollen Krampf aller Beckenmuskeln, die sich gleichzeitig zusammenzogen. Nora musste ihr gesamtes Gewicht einsetzen, damit das Becken ihrem Griff nicht entkam, und spürte, wie die geschwollenen Eier des Sklaven bei jeder Zuckung gegen ihren Unterarm schlugen.

Das Jod brannte. Es ätzte. Es spülte.

Catalina pumpte gnadenlos eine zweite Dosis hinein, dann eine dritte. Die braune Flüssigkeit stieg im Inneren des Schwanzes des Sklaven wie eine vergiftete Flut auf und ab und riss Eiter, Gerinnsel und Fetzen abgestorbener Schleimhaut mit sich. Aus der Harnröhrenöffnung quoll die Mischung hervor, rann dick über die violett verfärbte Eichel, glitt über die geschwollenen Eier und tropfte auf die unter seinen Füßen aufgestapelten Kissen.

Der Schrei brach in ein gurgelndes Röcheln. Seine Stimmbänder versagten unter der Gewalt des Lautes. Rodrigos Augen verdrehten sich, und eine Sekunde später erschlaffte sein ganzer Körper, als hätte man die Fäden durchtrennt.

Die Bewusstlosigkeit forderte ihn zurück.

Catalina zog die Kanüle mit derselben Bedächtigkeit heraus, mit der sie sie eingeführt hatte. Die leere Spritze legte sie beiseite. Eine bräunliche, schäumende Flüssigkeit begann langsam aus der leblosen Spitze des Schwanzes zu tropfen und die Steinplatten mit einer wachsenden Pfütze zu beflecken.

— Das war’s —stellte sie fest.

Langsam richtete sie sich auf. Sie verstaute die Spritze mit langsamen, methodischen Bewegungen im Koffer. Sie reinigte ihre Hände an einem Leinentuch und rieb die mit Blut und Jod verschmierten Finger ab. Dann betrachtete sie das Ergebnis ihrer Arbeit ohne jeden besonderen Ausdruck im Gesicht.

Rodrigo hing schlaff im Ledergeschirr. Das Kinn lag auf seiner Brust. Seine Atmung war flach, aber regelmäßig. Das eiserne Halsband lag noch immer bedrohlich, doch passiv um seinen Hals. Seine Füße ruhten lose auf dem Stapel aus Decken und Kissen. Der nun vom Katheter befreite Schwanz hing schlaff zwischen seinen Schenkeln und tropfte noch immer von den Resten der Spülung. Der vom Block befreite Hodensack hatte wieder eine annähernd normale rötliche Farbe angenommen. Das Jod würde im Inneren des Kanals noch stundenlang brennen, selbst in der Bewusstlosigkeit, doch das Gewebe war sterilisiert. Er würde leben.

Nora ließ die Schenkel des bewusstlosen Sklaven los und verschränkte die Arme. Sie betrachtete das Geschirr. Die Decken. Den tropfenden Schwanz. In der Dämmerung schnaubte sie und strich sich langsam an der Innenseite des eigenen Oberschenkels entlang, über das Leder ihres Rocks, eine beinahe unbewusste Bewegung.

— Ich verabscheue deine Logik, Heilerin.

— Ich weiß.

— Er hat eine Ruhepause bekommen, die er nicht verdient hat.

— Er hat die Nacht überlebt —sagte Catalina—. Genau das wird Königin Isolda wollen, wenn sie morgen hier eintrifft. Ein unversehrtes Spielzeug. Einen Schwanz, der steif wird, wenn sie sich auf ihn setzt. Keine verfaulte Masse auf dem Boden ihres Saals.

Nora antwortete zunächst nicht. Sie betrachtete das langsame Tropfen des Jods auf die Steinplatten. Sie hörte den unregelmäßigen Atem des ohnmächtigen Sklaven. Dann fügte sie mit schwerer Stimme, beinahe zu sich selbst, hinzu:

— Wenn er aufwacht, will ich sein Gesicht sehen, während die Königin ihn fickt. Den Moment, in dem sein Schwanz auf Befehl einer anderen hart wird und er weiß, dass sein eigener Körper ihn verrät. Dieser Moment gefällt mir besser als das Brandzeichen.

Catalina kommentierte es nicht. Wider Willen wusste sie, dass die Wache in einer Sache recht hatte: Der Sklave würde noch viele weitere Nächte dienen. Und sie würde ihn nach jeder einzelnen wieder reparieren müssen.

Catalina hob ihre Koffer auf und winkte Elena zu. Die Lehrling folgte ihr schweigend zum Ausgang.

***

Elena wartete, bis sie sich im Korridor befanden, weit entfernt von dem Geruch und den Fackeln, bevor sie sprach.

— Warum hast du es getan? —fragte sie leise—. Wenn sie ihm morgen wieder dasselbe antun. Wenn die Königin ihm morgen erneut den Katheter hineinschiebt und ihn so lange kommen lässt, bis er blutet, und ihn wieder an den Eiern aufhängt.

Catalina blieb stehen. Einen Moment lang dachte sie über die Frage nach.

— Weil es nicht meine Aufgabe ist zu entscheiden, wer es verdient zu leben. Meine Aufgabe ist, zu verhindern, dass sie heute Nacht schlecht sterben.

— Aber er ... —Elena senkte die Stimme noch weiter—. Ist dir denn egal, was sie ihm antun? Ich habe gesehen, wie sie ihn angesehen hat. Wie sie seinen Schwanz angesehen hat. Wie sie sich die Lippen geleckt hat.

— Was mir wichtig ist: Wenn er heute Nacht stirbt, wird die Königin jemandem die Schuld geben. Und diese Jemanden werden wir sein. Und sie würden uns nicht an den Eiern aufhängen, weil wir keine haben. Sie würden uns an den Titten aufhängen, mit Angelhaken, und ich versichere dir, Elena, in dieser Nacht würdest du dir wünschen, als Mann geboren worden zu sein.

Elena nickte langsam und schluckte, obwohl in ihren Augen noch etwas lag, das nicht ganz Überzeugung war. Unbewusst verschränkte sie die Arme vor der Brust und bedeckte sich.

Catalina bemerkte es. Sie sagte nichts mehr.

Es gab Dinge, die die Medizin nicht lehrte. Und Dinge, die man besser nicht allzu früh lernte.

Sie gingen weiter durch den steinernen Korridor. Hinter ihnen, im Saal der Verdammten, tropfte das Jod weiter auf die Steinplatten, vermischt mit dem Blut und dem Eiter, die aus dem Schwanz des bewusstlosen Sklaven geronnen waren. Langsam. Geduldig. Wie eine Uhr, die es nicht eilig hatte.

Königin Isolda würde im Morgengrauen eintreffen, ihre Muschi unter den Seiden bereits vor Erwartung feucht. Und dann würde mit ihrem geheilten Spielzeug, das auf Befehl steif wurde, und dem Katheter, der sich erneut in die soeben verätzte Harnröhre senken sollte, der wahre Spaß wieder beginnen – der Schmerz, den kein Elixier lindern konnte.

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