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Relatos Ardientes

Sie zwangen mich im Park auf die Knie

4.5(4)

Clara war so eine Frau, die das schon mit fünfzehn wusste. Dass sich etwas verändert, wenn sie durch eine Tür tritt. Die Luft spannt sich an. Gespräche stocken einen halben Herzschlag lang, bevor sie weitergehen. Blicke weichen aus, ohne dass es jemand anordnet.

Mit achtunddreißig, blond, eins siebzig groß und mit einem Körper, den sie mit zwei Trainings pro Woche und großer Disziplin am Esstisch in Form hielt, hatte Clara dieses Bewusstsein in eine Art Kunst verwandelt.

Jeden Morgen um acht Uhr zehn führte sie Lola, ihren Border Collie, in den Park des Viertels aus. Die Uhrzeit war bewusst gewählt. Dann kamen die Eltern mit den Kindern zum Unterricht in die Schule gegenüber. Die Männer im Anzug, gehetzt, mit Kaffee in der Hand. Die Mütter in Gruppen, mit den Kids an einer Hand und dem Handy in der anderen.

Clara ging durch den Park, und die Ehemänner sahen ihr nach. Sie wusste es und tat nichts, um es zu verhindern. Eher im Gegenteil.

Es hatte mit wenig angefangen: ein ganz bestimmtes Lächeln, nur für sie reserviert. Dann der Gang. Dann in den letzten Monaten etwas Direkteres. Sich bücken, um Lola zu versorgen, genau in dem Moment, in dem einer von ihnen in die Nähe kam, wohlwissend, dass der Ausschnitt ihres Tops aufklaffte und ihre Titten bis zu den Nippeln freigab. Marcos zu fragen — dem Typen im blauen Sakko, dem mit der Tochter in der dritten Klasse —, wann der neue Kiosk aufmache, und das seitlich, mit dem Gesicht ganz nah, dabei eine Brust wie zufällig an seinen Arm zu drücken, genau wissend, wie sich seine Latte gegen die Hose abzeichnete.

Die Ehefrauen bemerkten es. Natürlich bemerkten sie es.

In den ersten Wochen waren es Blicke. Dann leise Kommentare, die noch keine Beleidigungen waren. Dann sagte Verónica, die mit dem braunen Haar und den immer müden Augen, ihr eines Morgens laut etwas, während ihre Männer direkt daneben standen. Clara sah sie an, lächelte und ging weiter, schwang dabei den Arsch ein bisschen mehr als nötig.

Das hätte sie nicht tun sollen.

***

Am darauffolgenden Donnerstag ging sie wie immer um acht Uhr zehn los. Lola zerrte begeistert an der Leine. Der Himmel war weiß, bedeckt, mit dieser schwülen Hitze, die Gewitter verspricht und das Versprechen nie ganz einlöst.

Sie erreichte den Bereich mit den Zementtischen, wo sie immer anhielt, um ihre Nachrichten am Handy zu checken, und genau dann spürte sie die Hand.

Es war nicht brutal. Es war präzise. Eine Hand im Nacken, fest, die sie packte, gerade bevor sie reagieren konnte.

—Lola geht’s gut — sagte eine Frauenstimme hinter ihr —. Eine von uns hat sie.

Sie versuchte sich umzudrehen, doch man hielt sie fester.

—Schrei lieber nicht — sagte dieselbe Stimme —. Im Park sind viele Leute.

Sie hatte recht. In zwanzig Metern schob eine Mutter einen Kinderwagen. Ein Rentner machte an den Geräten Dehnübungen. Ein Mädchen lief mit Kopfhörern.

—Was wollt ihr? — sagte Clara. Ihre Stimme klang kontrolliert, obwohl irgendwo ganz tief in ihr etwas zitterte.

Niemand antwortete. Stattdessen wurde ihr etwas über den Mund gezogen und hinter dem Kopf festgebunden: ein breiter Knebel aus Gummi, der sie zwang, den Mund halb offen zu halten und ihr das Sprechen blockierte. Sie konnte nicht schreien. Sie konnte kaum noch Laute von sich geben.

Sie brachten sie ins Innere des Parks, hinter die Büsche am Rand des alten Brunnens. Es waren vier Frauen. Clara erkannte sie alle: Verónica, die mit dem braunen Haar. Daniela, die Größte, die immer die Zwillinge an sich hängen hatte. Paula, die nie viel redete, aber immer genau hinsah. Und eine vierte, die sie nicht kannte, jünger, mit einem schwarzen Rucksack, aus dem sie Dinge holte, ohne dass Clara genau sehen konnte, was es war.

—Willkommen — sagte Verónica mit einer Ruhe, die bedrohlicher wirkte als Wut —. Wir wollten schon lange mit dir reden.

***

Sie zwangen sie auf die Knie.

Nicht mit einem Schlag, nicht mit unnötiger Gewalt. Sie legten ihr die Hände auf die Schultern und drückten sie nach unten, bis ihre Knie das Gras berührten. Der Boden war kalt unter dem dünnen Denim der Hose, die sie an diesem Tag, zu ihrem Glück oder Unglück, statt eines Rocks gewählt hatte.

—So ist besser — sagte Paula. Es war das erste Mal, dass Clara sie sprechen hörte.

Daniela holte etwas aus dem Rucksack: eine breite Lederleine mit einem Metallring. Sie legte sie mit effizientem, weder grausamem noch zärtlichem Handgriff um Claras Hals und befestigte sie mit einem kleinen Schloss an einem nahen Baum.

Clara konnte nicht sprechen. Sie konnte nicht aufstehen, ohne zu ersticken. Das Einzige, was sie tun konnte, war da zu bleiben, auf den Knien im Gras, während vier Frauen von oben auf sie herabsahen.

—Monatelang — sagte Verónica —. Monatelang hast du dich vor unseren Männern zur Hure gemacht. Vor unserer Nase. Hast ihnen den Arsch ins Gesicht gewackelt, als wären sie Hunde.

Das kann nicht passieren.

—Dachtest du, wir merken nichts? Oder dachtest du, wir merken es und würden nichts tun?

Clara versuchte etwas zu sagen. Es kam nur ein formloser Laut heraus.

—Nein, jetzt bist nicht du dran zu reden.

Die vierte Frau, die Clara nicht kannte, zog ein Handy heraus und begann zu filmen. Sie versteckte es nicht: Sie hielt es offen, mit auf sie gerichteter Kamera.

—Wir haben viele Follower, die dich kennenlernen wollen — sagte Daniela mit einem Lächeln, das nicht freundlich war —. Der Livestream hat schon hundertfünfzig Leute.

Sie filmen mich. Sie streamen mich live.

Paula ging von hinten in die Hocke und riss ihr mit einem Zug das Top von oben nach unten auf, vom Nacken bis zur Taille. Clara spürte die kalte Luft auf dem Rücken und dann das Knacken, als der BH nachgab. Ihre Titten fielen nackt aufs Gras, als man sie nach vorne drückte und zwang, das Gesicht auf den Boden zu legen, den Arsch in der Luft.

—Schaut euch diese Titten an, Mädels — sagte Daniela, sich neben sie hockend. Sie griff eine Brust mit der ganzen Hand, drückte sie, wog sie ab, als würde sie auf dem Markt Obst prüfen —. Kein Wunder, dass die Idioten da sabbern bleiben. Hart wie Stein. Hast du sie machen lassen, Schlampe?

Clara schüttelte den Kopf gegen den Knebel. Daniela zwickte ihr mit zwei Fingern fest in die Brustwarze, so stark, dass Clara leise stöhnte.

—Natürliche also. Noch schlimmer.

Verónica ging vor ihr in die Hocke, packte ihr Gesicht mit einer Hand und strich ihr mit falscher Zärtlichkeit das Haar hinter das Ohr, was mehr Angst machte als Schläge.

—Wir zeigen der Kamera mal, wofür dein kleines Maul gut ist, okay? Außer dafür, dich mit fremden Ehemännern aufzuspielen.

Sie nahm ihr den Knebel für einen Moment ab. Bevor Clara etwas sagen konnte, schob Verónica ihr den Daumen in den Mund, bis tief in den Rachen, und bewegte ihn langsam, zwang sie daran zu lutschen.

—Lutsch. So wie du Marcos jeden Morgen mit Blicken gelutscht hast. Mit Gier.

Clara lutschte. Sie hatte keine Wahl. Sie schmeckte Haut und Salz, und etwas in ihr zerfiel auf eine Weise, die sie nicht benennen konnte.

—Gut — sagte Verónica und zog den Finger mit einem feuchten Geräusch heraus —. Schnell gelernt, die Kleine.

***

Was dann folgte, hatte eine eigene, fast rituelle Logik.

Zuerst sollte sie auf allen vieren zum Trinkbrunnen krabbeln, etwa fünfzehn Meter entfernt. Die Leine locker, aber präsent, die Titten frei unter dem zerrissenen Shirt hängend, feuchtes Gras an Handflächen und Knien. Sie kam langsam voran, wissend, dass das Handy ihr folgte und ihren straff unter dem Denim gezeichneten Arsch filmte. Auf halber Strecke rutschte sie aus und fiel zur Seite, sodass die Titten nackt am Gras klebten. Das Lachen kam sofort.

—Nochmal. Von vorn. Und diesmal wackel mit dem Arsch, los, zeig den Tausend, die zuschauen, wie die Königin des Parks sich bewegt.

Sie ging zurück zum Baum. Tat es noch einmal, wackelte beim Krabbeln mit den Hüften, das Gesicht brannte ihr.

Als sie den Brunnen erreichte, packte Verónica sie mit einer Hand an den Haaren und drehte mit der anderen das Wasser auf.

—Bitte.

Clara sagte nichts.

—Bitte um Wasser, Clara.

Eine lange Pause.

—Wasser — sagte Clara mit der fremden Stimme von jemandem, der lange nicht mehr richtig gesprochen hatte.

—Höflicher.

—Bitte.

Eine lachte. Man hielt ihr die Hand unter den Mund wie eine Schale und goss ihr Wasser hinein. Clara trank. Sie hatte keine Wahl. Das Wasser war kalt und schmeckte nach Eisen und Demütigung.

Daniela stellte sich hinter sie, schob beide Hände unter das zerfetzte Shirt und griff ihr von hinten an die Brüste, drückte sie fest, ließ sie für die Kamera wippen.

—Schaut, meine Herren. Schaut euch an, was diese Schlampe ihren Männern da gezeigt hat. Schaut, wie ihr die Nippel hochgehen, wenn man sie anfasst. Sie mag’s. Die verdammte Hure mag’s.

Und es stimmte. Claras Nippel standen hart wie Kugeln, unmöglich zu verbergen, und sie wusste es und konnte nichts dagegen tun. Zwischen ihren Beinen breitete sich Hitze aus, die sie mitten entzwei schnitt. Sie betete, dass die Nässe durch den Denim nicht zu sehen war.

Verónica merkte es. Verónica merkte alles.

Sie schob eine Hand zwischen Claras Beine, über die Hose, und drückte mit der flachen Hand genau dort. Clara bog den Rücken unwillkürlich durch.

—Uuuh, Mädels. Schaut euch das an. Sie ist nass. Die Schlampe läuft aus.

Verónicas Finger bewegten sich in engen Kreisen über dem Denim, genau über der Klitoris. Clara biss auf den Knebel. Sie wollte nicht. Sie wollte nicht stöhnen. Aber der Körper gehorchte ihr nicht, und etwas zwischen ihren Beinen spannte sich langsam gegen ihren Willen an, während die vier Frauen sie anstarrten und die Kamera jede Zuckung in ihrem Gesicht festhielt.

—Gut — sagte Verónica und nahm die Hand gerade noch rechtzeitig weg —. Das war gut. Mit dir werden wir viel Spaß haben.

***

Sie brachten sie zurück in die Mitte des Weges. Sie waren nicht mehr hinter den Büschen: Sie waren auf einem Seitenpfad, von mehreren Seiten aus sichtbar. Der Rentner von den Geräten hatte sie gesehen und sich umgedreht. Die Mutter mit dem Kinderwagen ging langsamer als nötig vorbei.

Niemand griff ein.

Niemand wird mir helfen, dachte Clara. Und diesmal war es nicht furchteinflößend. Diesmal war es etwas anderes, schwerer zu benennen.

Paula kam von hinten an sie heran und zog ihr mit einem Ruck die Hose bis zu den Knien herunter. Der Slip — ein weißer String aus Spitze — war für alle sichtbar, mit einem exakt markierten feuchten Fleck in der Mitte.

—Schaut, schaut den Fleck an — lachte die Jüngste und hielt das Handy näher heran, um zu zoomen —. Die ist sich im Gras schon selbst gekommen.

Sie banden ihr ein Stück Stoff um die Knöchel über der heruntergezogenen Hose, kurz genug, damit sie nur mit ganz kleinen Schritten gehen konnte. Sie ließen sie aufstehen — die Beine zitterten, die Titten waren nackt, der String deutlich markiert — und so weitergehen, in kleinen, langsamen Schritten, während Daniela die Leine hielt und die anderen um sie herumgingen.

—Wink der Kamera — sagte die vierte Frau.

Clara sah direkt ins Handy. Nicht, weil sie wollte. Weil es das Einzige war, was sie tun konnte.

—So — sagte die Frau —. Dieser Blick. Der ist echt. Ohne die High Heels und das Lächeln, was bleibt dann?

Was blieb, war eine achtunddreißigjährige Frau mit aufgeschlagenen Knien, der Leine am Hals, nackten Brüsten und Augen, die langsam feucht wurden.

—Hey, die weint ja — sagte Paula.

—Dann soll sie halt — sagte Verónica, ohne Wut —. Ist doch nichts.

Verónica kam von hinten an sie heran und schob den String zur Seite. Ohne Vorwarnung drang sie ein: zwei Finger, bis ganz nach innen, in Schalenhaltung. Clara krümmte sich zusammen, ein von der Maske ersticktes Stöhnen im Hals.

—Hört euch das an, Mädels — sagte Verónica und bewegte die Finger langsam und gezielt in ihr —. Hört, was für ein Geräusch das macht. Schmatz, schmatz. Sie ist klatschnass. Die Schlampe ist nasser als das Gras.

Sie zog die glänzenden Finger heraus. Hielt sie der Kamera hin. Strich sie dann über Claras Mund und verschmierte ihre eigenen Feuchtigkeit an ihren Lippen.

—Probier mal. Probier mal, wie du innen bist. Mal sehen, ob dir das gefällt.

Clara hatte den Mund voller ihres eigenen Geschmacks, und die Scham mischte sich mit der Hitze, die weiter aus ihren Beinen hochstieg und sich nicht stoppen ließ. Ihr entglitt ein weiteres Stöhnen, und diesmal wusste sie nicht mehr, ob es Demütigung war oder etwas anderes.

—Schaut, schaut, wie sich ihre Titten bewegen — sagte Daniela und gab einer Brustwarze einen sanften Klaps, um zu sehen, wie sie zurückzuckte —. Sie steht gleich kurz vorm Kommen. Die kommt ganz allein, Mädels. Die Schlampe kommt ganz allein.

Verónica steckte ihr die Finger wieder rein. Jetzt drei. Jetzt schneller, der Daumen auf der Klitoris, mit der erschreckenden Präzision einer Frau, die genau weiß, wie sie sich selbst zum Kommen bringt.

—Komm. Komm vor allen. Vor tausend Leuten, die live zusehen. Komm, wie die Schlampe, die du bist.

Clara schüttelte den Kopf. Nein. Nicht vor ihnen. Nicht gefilmt. Nein.

Aber der Körper tat, was er wollte. Verónicas Finger fanden eine exakte Stelle und bewegten sich mit einer Geschwindigkeit und einem Druck, den Clara sich selbst nie hatte geben können. Sie spürte, wie ihr der Atem stockte. Wie die Knie nachgaben. Wie sich ihr ganzer Körper um diese drei Finger zusammenzog und eine Welle vom Nabel bis in die Kehle hochstieg, unaufhaltsam, lang, beschämend und perfekt.

Sie kam mit geschlossenen Augen, der Knebel voll Speichel, die Titten nackt und die Beine zitternd, und stöhnte gegen den Gummi mit einem Geräusch, das sie in ihrem ganzen Leben noch nie gemacht hatte.

Verónica nahm die Finger erst heraus, als die letzte Kontraktion vorbei war. Dann zog sie sie langsam heraus und strich sie über Claras Wange, markierte sie.

—So — sagte sie —. Jetzt ist es soweit. Jetzt gehörst du uns.

***

So blieb sie fast zwei Stunden lang.

Die Demütigungen waren vielfältig und kalkuliert. Nie brutal im physischen Sinn, aber in allem anderen schon. Man ließ sie Sätze wiederholen: Ich bin eine Schlampe, ich bin eine verdammte Schlampe, ich steh drauf, wie eine Schlampe behandelt zu werden. Man ließ sie sich bedanken. Man zwang sie, jeder von den vier Frauen einzeln den Daumen zu lutschen, vor der Kamera. Man ließ sie ein Stück des Weges auf allen vieren kriechen, während die vier aus verschiedenen Winkeln filmten, die Titten schaukelnd und der String deutlich markiert. In einem Moment kamen drei weitere Frauen dazu, Freundinnen der anderen, die sich ringsum aufstellten, zusahen und untereinander kommentierten, mit der Gleichgültigkeit von Leuten, die etwas miterleben, womit sie ohnehin gerechnet hatten. Eine von ihnen — dünn, älter, mit Locken — ging in die Hocke, steckte Clara ohne zu fragen zwei Finger zwischen die Beine, zog sie heraus, roch daran und wischte sie an Claras Hose ab.

—Läuft immer noch — sagte sie, und die anderen lachten.

Clara hatte aufgehört, sie auseinanderzuhalten.

Sie kam noch zweimal, bevor es vorbei war. Einmal mit Paulas Hand, die sich überraschend als sehr erfahren erwies. Ein andermal allein, mit dem Knebel im Mund und ohne dass sie jemand berührte, nur wegen des Drucks der Blicke und des Handydings, das aufnahm, und wegen etwas sehr Dunklem in ihr, das sie nicht länger leugnen konnte.

Was sie aufrecht hielt, war nur ein einziger, fester, kalter Gedanke: Das wird vorbeigehen.

Und dann, tiefer unten, noch einer: hoffentlich noch nicht.

Verónica beugte sich in einem Moment der Pause zu ihrer Höhe hinunter, als man ihr den Knebel abgenommen hatte, damit sie wirklich Wasser trinken konnte.

—Verstehst du, was hier passiert? — sagte sie leise, damit nur Clara es hörte —. Es geht nicht darum, dass du uns so wichtig wärst. Es geht darum, dass du zu weit gegangen bist. Du hast eine Linie überschritten, die du nicht hättest überschreiten dürfen.

Clara nickte.

—Und wenn du sie nochmal überschreitest?

—Ich werde nicht nochmal — sagte Clara. Ihre Stimme klang gebrochen, aber vollständig.

—Wie bitte?

—Ich werde sie nicht nochmal überschreiten.

Verónica sah sie einen langen Moment an. Dann strich sie ihr mit zwei Fingern ganz langsam über die Lippen, fast zärtlich.

—Gelogen. Du wirst es wieder tun. Und wir werden hier sein.

Sie richtete sich auf und machte den anderen ein Zeichen.

***

Sie nahmen ihr die Leine ab. Den Knebel nahmen sie heraus. Sie lösten die Knöchel. Sie warfen ihr eine alte Jacke über, damit sie sich bedecken konnte, bevor sie hinausging. Clara blieb eine Weile im Gras sitzen, eine Zeit, die sie nicht zu beziffern vermochte, und sah auf ihre eigenen Hände mit den roten Abdrücken auf den Handflächen, während sie zwischen den Beinen eine klebrige Nässe spürte, die nicht nur ihre eigene war.

—Lola ist an der Eiche am Eingang angebunden — sagte Daniela, ohne sie anzusehen und Dinge in den Rucksack packend —. Es geht ihr gut.

Die vier gingen weg. Sie liefen gemeinsam zum Ausgang, ohne Eile, ohne Streit, ohne diese nervöse Erleichterung, die Menschen haben, wenn sie etwas getan haben, das sie unbehaglich macht. Sie taten es mit der Gelassenheit von Leuten, die eine Aufgabe erledigt hatten, die schon lange anstand.

Clara wartete, bis sie zwischen den Bäumen verschwunden waren.

Dann ging sie zur Eiche, löste Lola und verließ den Park mit der Jacke bis zum Hals geschlossen und dem String immer noch zur Seite geschoben in der Hose.

***

Den Rest des Nachmittags verließ sie die Wohnung nicht. Sie duschte lange, betrachtete ihre Knie, fuhr mit den Fingern zwischen ihren Beinen entlang und merkte, dass sie geschwollen war und die Reibung ihr weiterhin gefiel. Sie machte sich einen Tee, den sie nicht trank. Sie setzte sich aufs Sofa, Lola schlief an ihren Füßen, und starrte aus dem Fenster auf den Park, den man vom vierten Stock aus sehen konnte.

Sie sollte wütend sein. Sie sollte jemanden anrufen: eine Freundin, einen Anwalt, die Polizei.

Sie rief niemanden an.

Es gab etwas, das ihr nicht aus dem Kopf ging. Etwas, das sie irgendwann während der zwei Stunden im Park gespürt hatte, mitten in Demütigung und Angst und Wut, und das zu nichts davon passte. Ein Gefühl, das sie von woanders kannte. Von einsamen Nächten mit der Hand in der Unterwäsche, von Fantasien, die sie immer als zu extrem eingestuft hatte, um sie laut zuzugeben, von Momenten, in denen sie sich zum Kommen gebracht hatte, indem sie sich Dinge vorstellte, die ähnlich waren — ein fremder Mund, viele Hände, eine Kamera —, aber nie, nie so echt.

Sie schob eine Hand unter den Morgenmantel, spreizte auf dem Sofa die Beine und berührte sich, während sie an Verónica dachte. An die drei Finger. An den Daumen im Mund. An das schmatzende Geräusch, das ihr Körper vor tausend Fremden gemacht hatte. Sie kam in weniger als zwei Minuten, biss sich auf die Lippe, um kein Geräusch zu machen, während Lola zu ihren Füßen schlief.

Das hätte mir nicht gefallen dürfen.

Aber da war der Gedanke, klar und ohne um Erlaubnis zu fragen.

Lola hob den Kopf, sah sie einen Moment an und schlief wieder ein.

Clara blieb dort sitzen, mit dem kalten Tee in der Hand und der Hand noch feucht, und sah vom vierten Stock auf den leeren Park hinunter.

—Morgen gehe ich nicht raus — sagte sie sich.

Und dann, ganz leise, fast gegen ihren Willen:

—Gelogen.

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