Er lernte auf die harte Tour, dass er nicht der Größte war
Helena beobachtete Octavio vom Beckenrand aus mit jener Mischung aus Müdigkeit und fremdschämender Peinlichkeit, die sie nach sechs Jahren Ehe meisterhaft zu verbergen gelernt hatte. Ihr Mann lief nackt am Rand der Fliesen entlang, die Brust aufgebläht, der Schwanz halbsteif, als wäre die Quinta eine Bühne und er der einzige Schauspieler auf dem Spielplan. Es war Sonntag, die Luft stand schwül und schwer in der Januarglut, und die Routine wiederholte sich mit der Präzision eines Rituals.
—Jetzt reicht’s, Helena —murmelte Selene von der Liege neben ihr, ohne den Blick von dem Buch zu heben, das sie nur zum Schein las—. Das ist längst nicht mehr lächerlich, das ist nur noch eklig. Vor vier Jahren fandest du es vielleicht noch amüsant, wenn er sich zur Schau stellte. Jetzt ist es nur noch Lärm. Lärm und ein Schwanz, der nicht aufhört zu grüßen.
Helena legte die Zeitschrift auf den Boden und seufzte. Selene hatte Haut in der Farbe von verbranntem Karamell, eine schwarze Lockenmähne bis zu den Schulterblättern und dunkle Augen, die sich bei ihrem Urteil über Menschen nur selten irrten. Sie waren seit dem Studium befreundet, die einzigen Menschen auf der Welt, denen sie alles sagen konnten, ohne auch nur das Geringste zu beschönigen.
—Und was soll ich denn machen? —sagte Helena leise und vergewisserte sich, dass Octavio sie nicht hörte—. Jedes Mal, wenn ich ihn auf etwas hinweise, wird es nur schlimmer. Er hält das für ein Kompliment. Er hat sich eingebildet, dass das hier —sie machte eine unauffällige Geste in Richtung der erigierten Silhouette ihres Mannes— genau das ist, was jede Frau morgens sehen will.
Selene schloss das Buch und legte es auf ihren Oberschenkel. Zwischen ihnen hatte es immer schon eine elektrische Spannung gegeben, eine Anziehung, die sie nie ausgesprochen hatten, die aber in jeder Umarmung zur Begrüßung vibrierte, in jedem Blick, der einen Moment zu lang anhielt. An diesem Nachmittag schien Selene einen Entschluss gefasst zu haben.
—Ich weiß, was ich will —sagte sie—. Und ich weiß auch, wie man einem Angeber die Luft aus den Segeln nimmt. Vertrau mir. Ich hab dir vor einer Woche gesagt, dass etwas passieren würde. Und es wird passieren.
Helena verstand es noch nicht.
***
Octavio hatte es sich in einer Hängematte bequem gemacht, der Schwanz immer noch hart, und beobachtete die beiden Frauen mit der Zufriedenheit eines Besitzers, der über sein Lehen spaziert. Selene trug einen winzigen smaragdgrünen Bikini, der nur dazu da zu sein schien, anzudeuten, was er verbarg. Helena, in ein weißes Seidentuch gehüllt, tat betont gleichgültig.
Das Geräusch des aufschwingenden Tores unterbrach die Trägheit. Zwei hochgewachsene Gestalten erschienen, dunkelhäutig, breite Schultern, ein gelassener Gang. Damián, Selenes Mann, ging voran, die Sonnenbrille am Hals des Badeanzugs baumelnd. Dahinter sein bester Freund Bastian, ebenso imposant, mit jener Ruhe, die Männer haben, die nichts mehr beweisen müssen.
—Mein Schatz —grüßte Selene und stand auf. Sie ging auf Damián zu und küsste ihn lang, tief, demonstrativ, als öffentliche Erklärung von Besitzanspruch.
Octavio runzelte die Stirn und richtete sich halb auf.
—Was geht, habt ihr nicht gesagt, dass ihr kommt?
Damián sah ihn nicht einmal an. Seine Augen suchten die von Helena, und als er sie fand, zwinkerte er ihr mit einer Ruhe zu, die ihr die Haut aufstellte.
Was danach geschah, ließ sich nicht mehr rückgängig machen. Damián und Bastian streiften sich die Badehosen ohne Eile ab, wie jemand, der sich beim Nachhausekommen die Krawatte löst. Und die Luft rund um den Pool veränderte ihre Dichte. Octavio wurde blass.
Was zwischen den Oberschenkeln der beiden Neuankömmlinge hing, noch im Ruhezustand, spielte in einer anderen Liga. Schwer, dick, dunkel: Damiáns und Bastians Schwänze ließen Octavios prahlerische Erektion wie das maßstäbliche Modell eines nie vollendeten Projekts wirken. Worte waren nicht nötig. Die Rechnung war brutal und lautlos.
—Was zur Hölle ist das? —Octavio begann zu stammeln, seine Erektion verlor zum ersten Mal seit langem an Kraft.
Selene trat zu Damián und nahm seine Hand. Helena erhob sich vom Boden, zögerte einen Sekundenbruchteil und ging dann zu ihnen hinüber. Sie sah ihren Mann nicht an. Sie sah Damián an.
—Helena, komm sofort her! —brüllte Octavio.
Helena kniete sich vor Damián, ohne Eile. Sie hob den Blick zu ihm, dann zu Octavio. Und dann öffnete sie, den Blick unverwandt auf ihren Mann gerichtet, den Mund.
Helenas Zunge umschloss Damiáns Eichel zuerst mit langsamer, beinahe herausfordernder Sanftheit, dann mit einer gierigen Entschlossenheit, die ihm den Atem veränderte. Sie leckte seinen Schaft, umfasste ihn mit der Hand, nahm ihn mit einem feuchten, obszönen Laut bis tief in den Mund, ohne Octavio aus den Augen zu lassen, als würde sie ihm ins Gesicht spucken. Damián legte eine Hand in Helens Nacken, nicht um sie zu zwingen, sondern um ihr den Rhythmus vorzugeben, und sie folgte ihm bereitwillig, öffnete sich weiter, schluckte ihn, während sich ihre Kehle bei jedem Abtauchen spannte. Selene löste neben ihnen den Bikini mit zwei Fingern und legte ihre festen Brüste frei, die Nippel hart vor Hitze und Erregung des Augenblicks, während sie sich mit einem scharfkantigen Lächeln zu Octavio hinunterbeugte.
—Schau genau hin —flüsterte sie—. Schau, was eine Frau macht, wenn sie es wirklich will.
Octavio brüllte. Es war ein heiserer, aus dem Tierreich stammender Schrei eines in die Enge getriebenen Tiers, vermischt aus Wut, Demütigung und jener urtümlichen Eifersucht, die er nie zuvor gespürt hatte. Er versuchte vorwärtszugehen.
Bastian hatte genau auf diese Bewegung gewartet. Er benutzte nicht die Fäuste. Ein tiefer, trockener, technischer Tritt traf ihn mit der Präzision, die nur Training verleiht, zwischen die Beine. Octavios Lunge leerte sich in einem erstickten Wimmern. Der Schmerz krümmte ihn in der Mitte und warf ihn auf der Hängematte erst auf den Hintern, dann nach hinten, gelähmt, die Welt hinter einem gelblichen Schleier wahrnehmend.
Bastian beugte sich über ihn und packte ihn am Haar, nicht brutal, nur fest genug, um ihn dazu zu zwingen, das Gesicht zu heben. Seine Stimme blieb ruhig, beinahe höflich.
—Damián hat mir Dinge über dich erzählt, Bruder. Von dem Macker, der mit der Ware draußen herumstolziert. Von dem, der seiner Frau erklärt, wie und wann. Von dem, der glaubt, der Schwanz sei ein Trophäe. —Er brachte sein Gesicht dicht an Octavios, der keuchend rang—. Schau sie dir jetzt an. Vergleiche.
Durch die Tränen, die ihm die Sicht verschleierten, sah Octavio seine Frau. Helena, die Frau, die er für fügsam gehalten hatte, war aufgestanden und klammerte sich jetzt an Damiáns Hüfte, während er sie über die Liege beugte. Damián riss ihr das Pareo mit einem Zug weg und legte Helens nasse, glänzende, vor Verlangen geöffnete Muschi frei. Er strich ihr mit zwei Fingern über den Spalt, zuerst langsam, dann tiefer, drang hinein, bis sie laut aufstöhnte und den Rücken durchbog. Er ließ die Badehose nur ein Stück weit herunter, holte den harten, schweren Schwanz hervor, legte ihn zwischen Helens Lippen, rieb ihn einen Moment an ihr, und dann stieß er ihn mit einem einzigen, langsamen, aber unaufhaltsamen Druck ganz hinein, bis er vollständig in ihr steckte. Helena entrang sich ein abgebrochenes Keuchen und sie klammerte sich an Selenes Hände, die ihre Hüften hielten und devot ihren Hals küssten.
—Du lässt dir gern einen blasen, was, Macho? —sagte Bastian und ließ ihn los—. Probier doch mal deinen eigenen eine Weile.
Noch bevor Octavio reagieren konnte, schlug Bastian ihm mit seinem Glied ins Gesicht. Ein dumpfer, fast komischer Laut, der absolut nichts Komisches hatte. Dann zwang er ihm mit zwei Fingern den Kiefer auf.
Was Octavio in diesem Augenblick fühlte, glich keiner Demütigung, die er je erlebt hatte. Die Größe, der bittere Geschmack, die Kontrolle, mit der der andere Mann den Druck dosierte, alles sagte ihm, dass sein Platz in der Welt sich mit einem Schlag verändert hatte. Er versuchte sich loszureißen. Es gelang ihm nicht. Bastian musste nichts erzwingen; es genügte, dass er verstand, dass es keinen Ausweg gab. Die Spitze strich ihm über die Zunge, füllte seinen Mund, drückte seinen Nacken nach vorn, während er ihn zwang, in einem Rhythmus zu lutschen, der ihn gleichzeitig erstickte und entflammte. Octavio würgte trocken, brach in Tränen der Wut aus und blieb dennoch gefangen, gedemütigt von diesem Fleischpendel, das ihm die Kehle markierte.
Während er zwischen Würgereiz und Luftschlucken rang, hörte er Helens Stöhnen, immer intensiver. Damián hatte sie mit dem Bauch nach unten auf die Liegefläche gelegt und nahm sie mit einer großen, festen Hand an den Hüften. Jeder Stoß ließ das Holz erzittern. Die Schreie, die aus Helens Kehle kamen, waren Laute, die Octavio ihr nie hatte entlocken können, nicht ein einziges Mal in sechs Jahren gemeinsamer Bettgeschichte. Selene spreizte hinter ihr die Arschbacken auseinander und sah zu, wie sie sich mit jedem Hüftstoß öffneten und schlossen, verschmiert von Schweiß und Speichel, erregt von der Szene und von Octavios Niederlage. Helena stöhnte lauter, als Damián den Winkel veränderte, und die Spitze seines Glieds riss ihr ein weiteres tiefes Beben aus dem Leib, das ihr den ganzen Rücken erschütterte.
***
Selene trat zu Bastian und deutete mit dem Kinn auf den verbogenen Körper Octavios. Ein dickes, dunkles Verstehen überquerte den Kopf des Mannes, der in der Hängematte lag.
—Nein… —murmelte er—. Nein, bitte, nicht.
Selene beugte sich über ihn und umschloss mit einer Hand seine Hoden. Es war ein fachkundiger Griff, ohne sichtbare Gewalt, der ihm die ganze verbliebene Kraft raubte. Mit der anderen streichelte sie Octavios Wange, fast zärtlich.
—Ganz ruhig —flüsterte sie—. Man sagt, alles sei nur eine Frage der mentalen Einstellung. Du hast doch immer gesagt, dass Frauen ihren Teil beitragen müssen, nicht?
Octavio weinte ohne jede Scham, ohne jene männliche Beherrschung, die er sein ganzes Leben lang wie eine Rüstung getragen hatte, als er die kalten, mit Gel gleitenden Finger hinter sich spürte, die ein Terrain vorbereiteten, das er sich nie hätte vorstellen können anzubieten. Der Druck war unerträglich. Das Gefühl des Öffnens, der erzwungenen körperlichen Hingabe, war ein neuer Schmerz, vermischt mit der Scham, von seiner Frau gesehen zu werden, von der Freundin seiner Frau, von zwei Männern, die er vom ersten Augenblick an verachtet hatte.
Er schrie. Seine Stimme verlor sich zwischen den keuchenden Lauten des Quartetts auf der anderen Seite des Pools. Bastian drang ohne Eile in ihn ein, mit derselben Technik, mit der er den ersten Tritt gesetzt hatte: jede Bewegung war eine Lektion in Dingen, die Octavio immer vermieden hatte zu lernen. Eine Geografiestunde über den eigenen Körper, geschrieben in einer Sprache, die er absichtlich nicht hatte studieren wollen.
Die Zeit verlor ihre Konturen. Für Octavio war es eine Ewigkeit aus Hitze, Scham und einem körperlichen Empfinden, für das sein Wortschatz nicht vorbereitet war. Für die anderen war es das natürliche Ende eines Plans, der seit Monaten in Kaffeegesprächen, in geteilten Geständnissen, in gekreuzten Blicken vor sich hingeköchelt hatte. Bastian kam mit einem tiefen Knurren, löste sich von ihm und ging zum Pool hinüber, ohne ihn noch einmal anzusehen.
***
Helena, Selene und Damián machten es sich am anderen Ende des Wassers bequem, umarmt, leise lachend. Es war nicht jenes grausame Lachen, das Octavio erwartet hätte. Es war ein freies, fast jugendliches Lachen, die stille Feier von etwas, das viel zu lange keinen Namen gehabt hatte.
Danach stiegen die beiden Männer ins Wasser. Sie schwammen ein paar Bahnen. Als sie wieder herauskamen, taten sie genau dasselbe, was Octavio schon hundertmal getan hatte. Sie spazierten nackt am Beckenrand entlang, die schweren Schwänze im Schritt schwingend, Schultern entspannt, mit ruhigen Lächeln. Helena und Selene klatschten, pfiffen, lachten schallend. In diesem Lachen lag kein bösartiger Spott: Es war die Feier einer poetischen Gerechtigkeit, die um Jahre verspätet eintraf.
Octavio blieb zusammengerollt in der Hängematte zurück, die Tränen zeichneten Linien über sein Gesicht, zwischen den Beinen ein dumpfer, heißer Schmerz und das unmissverständliche Gefühl von fremdem Samen in seinem Körper. Von dort aus, mit verschwommener Sicht, sah er die Szene auf der anderen Seite an. Helena schmiegte sich an Damiáns Schulter, Selene strich ihrem Mann über den Hals, und die vier teilten eine Vertrautheit, die er nie gelernt hatte aufzubauen.
Noch in derselben Nacht, als er unter dem heißen Wasser schweigend duschte, spürte Octavio zum ersten Mal etwas, das einer klaren Scham ähnelte. Nicht die Scham darüber, beim Maß unterlegen gewesen zu sein, nicht darüber, in Kraft besiegt worden zu sein, nicht einmal darüber, penetriert worden zu sein. Eine tiefere Scham: die, jahrelang geglaubt zu haben, der Körper sei eine Trophäe, die Partnerschaft ein Publikum, das Verlangen der Frau an seiner Seite eine Nebensache.
Octavio veränderte sich. Nicht von einem Tag auf den anderen, nicht vollständig, aber er veränderte sich. Nie wieder stolziierte er nackt über seine Quinta. Nie wieder unterbrach er Helena, wenn sie sprach. Nie wieder erwähnte er an einem Tisch mit Freunden die Größe irgendetwas. Er lernte, wie Selene dachte, als sie ihn an jenem Nachmittag hinkend in die Dusche gehen sah, den genauen Preis der Arroganz. Und auch sein Körper lernte die Lektion.