Was Vera ihr vor dem letzten Gefecht gestand
Der Besprechungsraum des Sportkomplexes hatte ein weißes Licht, das an diesem Morgen härter wirkte als je zuvor. Es war kurz nach sieben, und niemand sprach. Man hörte nur das Rascheln der Trainingsjacken und das Klicken einer sich öffnenden Mappe. Oberst Vargas ging auf und ab, als hätte er vor sich einen Trupp vor einem Einsatz.
—Hört mir gut zu —sagte er schließlich mit jener Stimme, die keinen Widerspruch duldete—. Heute sind wir nicht nur wegen einer Medaille hier. Dieses Finale ist kein gewöhnlicher Kampf.
Sein Blick blieb auf Renata liegen. Nicht hart, sondern mit etwas Schlimmerem: Erwartung.
—Heute kann eine nationale Athletin zum ersten Mal direkt das Olympiaticket lösen. Wisst ihr, was das für den Verband bedeutet? Für das Land?
Ein kurzes, unangenehmes Murmeln ging durch den Raum.
—Und du, Duarte —fuhr er fort, ohne Umschweife, und deutete mit dem Zeigefinger auf sie, als wäre sie ein Ziel—, hast keine Wahl. Diesmal wirst du gewinnen. Wiederhole nicht den Fehler von vor fünf Jahren, und schon gar nicht den von vor ein paar Tagen.
Renata hob den Blick und hielt sich zurück. Ihr Herz schlug mit vertrauter Wut. Sie wusste genau, worauf er anspielte: das Turnier nach Dafnes Tod, als sie wie auf Autopilot focht, gewann und dann zwei Saisons lang verschwand.
—Damals bist du zusammengebrochen und als Feigling zurückgetreten —fuhr er gnadenlos fort—. Wofür? Wegen eines Todesfalls? Hast du damit etwas verändert?
Die Frage strich über sie wie eine scharfe Klinge. Renata blinzelte nicht. Sie antwortete nicht. Sie wusste, wenn sie es täte, würden Wut oder Schmerz ihr aus den Augen entweichen.
—Du bist nur zurückgekommen, weil dein Vater dich dazu gezwungen hat, und trotzdem hat das Land wieder auf dich vertraut. Heute kämpfst du nicht für dich. Du kämpfst für uns. Zu gewinnen ist deine Pflicht.
Er schloss die Mappe und ging zur Tür.
—Macht euch bereit. Das Finale ist in zwei Stunden. Und du, Duarte … wenn du diesmal nicht gewinnst, kommst du nicht mehr ins Team zurück.
Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss. Der Raum erstarrte in eisiger Stille. Renata atmete tief durch. Ihre Teamkameraden mieden ihren Blick. Niemand wagte etwas zu sagen. Sie schluckte trocken, nicht aus Angst zu verlieren, sondern aus Angst, dass Gewinnen bedeutete, weiterhin jemand zu sein, den sie selbst nicht mehr erkannte.
***
Eineinhalb Stunden später, bereits zum Aufwärmen angezogen, die Jacke offen und der Florettgriff auf dem Rücken, ging Renata durch einen der Gänge nahe der Übungszone. Ihr Kopf war ein Strudel aus den Worten des Obersts, Erinnerungen an die Vergangenheit und dem unverwechselbaren Schatten Dafnes.
Da sah sie Vera.
Allein, auf einer Betonbank sitzend, die Bänder ihres Schuhs zurechtrückend. Sie wirkte ruhig, obwohl Renata wusste, dass das reine Fassade war. Das Herz einer Fechterin vor einem Finale tanzt immer am Rand des Abgrunds.
Als Vera sie bemerkte, hob sie den Blick und lächelte. Nicht arrogant, sondern mit jener scheuen Wärme, die Renata mehr aus dem Gleichgewicht brachte als jeder Frontalangriff.
Renata zögerte einen Moment. Dann ging sie auf sie zu. Vera stand auf. Einen Augenblick sagte keine von beiden etwas.
—Ich freue mich unheimlich, dass ich es mit dir bis hierher geschafft habe —sagte Vera schließlich mit weicher, aber fester Stimme—. Ich wollte dir vor dem Kampf noch etwas sagen.
Renata sah sie schweigend an.
—Ich weiß nicht genau, wie ich es erklären soll, aber ich versuche es. —Sie seufzte—. Vor Jahren, beim ersten Mal, als ich dich kämpfen sah, bewunderte ich alles an dir. Ich bin immer zu deinen Kämpfen gegangen, wenn ich konnte. Damals warst du noch nicht die Beste, weil es da jemanden gab, der dich immer wieder schlug.
Sie machte eine Pause, als sie sah, wie sich Renatas Gesicht veränderte. Sie wusste, es lag nicht an der Niederlage, sondern daran, wer sie verursacht hatte.
—Einmal kam diese Person auf mich zu —fuhr sie fort—. Sie sah mich an, während ich dich beobachtete, und setzte sich neben mich, während du fochtest. Sie fragte mich, ob du mein Idol oder meine unerreichbare Schwärmerei seist. Es war mir peinlich, dass sie das so direkt sagte.
Renata spürte, dass der Name, der gleich kommen würde, wie ein verbotener Nachhall war.
—Sie hieß Dafne —sagte Vera und sah, wie Renata den Kiefer anspannte—. Sie lachte über mein rotes Gesicht und sagte: „Alle lieben sie auf der Bahn.“ Und dann noch etwas.
Sag ihren Namen nicht so, dachte Renata, unterbrach sie aber nicht.
—Sie sagte: „Am Ende merkt man, dass man sich nicht nur in ihre Art zu kämpfen verliebt. Man verliebt sich in sie als Ganzes, in ihre Gefühle … selbst wenn sie sich Mühe gibt, sie zu verbergen.“ Sie hatte so großes Vertrauen in dich. Sie war sicher, dass du weit kommen würdest, aber sie sagte, du müsstest erst lernen, aus Liebe zu kämpfen, nicht aus Pflichtgefühl.
Renata senkte den Blick. Diese Erinnerung tat weh wie ein sauberer Schnitt. Die Worte waren so sehr Dafne, dass sie in einem anderen Mund etwas tief in ihrer Brust aufrissen.
Vera trat noch einen Schritt näher. Sie nahm ihre Hand, genau dort, wo der Handschuh die Haut noch nicht bedeckte, und strich mit dem Daumen über ihren Handrücken. Sie berührte ihr Handgelenk und ließ die Finger bis in die Handfläche gleiten, drückte langsam zu. Renata spürte, wie die Wärme dieser Hand ihr den Arm hinaufstieg, unter die Jacke kroch und sich dort unten, zwischen den Schenkeln, mit einer Offenheit einnistete, für die sie keinen Namen fand.
—Ich wollte dir nur heute daran erinnern. Kämpf nicht für die, die dich etwas fordern, und nicht für die, die dich unbesiegbar sehen wollen. Tu es für dich. Oder … für sie.
Dann hob Vera ohne zu fragen langsam die andere Hand. Renata wich nicht zurück. Vera strich ihr über die Wange, damit sie den Blick hob. Mit dem Daumen fuhr sie ganz langsam über die Unterlippe, bis sie sich gerade eben öffnete. Renata spürte, wie sich ihr Bauch zusammenzog, wie ihre Möse unter dem enganliegenden Stoff feucht wurde, wie sich ihre Brustwarzen unter dem Sport-BH verhärteten.
Diese Berührung war wie ein Stromstoß. Beide spürten es.
Vera blickte über die Schulter. Der Gang war leer. Am Ende stand eine halb geöffnete Tür, ein stillgelegter Wartungsraum. Ohne ein Wort zog sie Renata an der Hand mit sich hinein. Die Tür schloss sich mit einem trockenen Klicken. Es roch nach Chlor, kaltem Metall und alten Handtüchern. Eine einzige gelbe Glühbirne hing von der Decke.
—Vera, das Finale ist in … —begann Renata mit brüchiger Stimme.
—Vierzig Minuten —antwortete Vera und drückte sie gegen die Kacheln—. Das reicht.
Sie küsste sie. Es war kein zögerlicher Kuss: ein Mund, der sich ganz öffnete, eine Zunge, die die andere suchte, Zähne, die sich streiften. Renata stöhnte in diesen Mund hinein, überrascht von sich selbst, und erwiderte den Kuss mit derselben Wut, mit der sie auf der Bahn angriff. Sie griff Vera in den Nacken und zog sie an sich, bis sie ihre Brüste gegen die ihren gepresst spürte.
—Ich stelle mir das seit Jahren vor —keuchte Vera gegen ihren Hals, während sie den Reißverschluss der Aufwärmjacke herunterzog—. Jahrelang, Renata.
—Red nicht —murmelte Renata—. Jetzt nicht mehr.
Vera zog ihr die Funktionswäsche mit einem Ruck bis zur Taille herunter. Darunter zeichnete der weiße Sport-BH zwei dunkle, gespannte Brustwarzen ab, die durch den Stoff schimmerten. Vera schob mit den Fingern das Gummiband beiseite und befreite ihre Titten: klein, fest, mit vor Kälte und Verlangen gerunzelten Warzenhöfen. Sie beugte sich hinunter und nahm eine Brustwarze in den Mund, zuerst langsam saugend, dann gieriger, bis Renata heiser aufstöhnte und ihr die Fingernägel in die Schultern grub.
—Verdammt —flüsterte Renata—. Verdammt, Vera …
Vera wechselte zur anderen Brustwarze, biss leicht hinein, leckte sie mit der Zungenspitze, sog sie ganz ein. Renata spürte, wie ihr die Beine weich wurden. Vera ließ die Hand über ihren flachen Bauch wandern, verweilte am Nabel und glitt weiter hinab, bis sie unter die Funktionshose griff. Renata stöhnte mit offenem Mund, als diese Finger ihre durchnässte Möse fanden, ohne Unterwäsche darunter, über bereits geschwollene Lippen gleitend.
—Du trieftest ja nur so —sagte Vera und sah ihr in die Augen, während ihre Finger kreisend über die Klit rieben.
—Halt den Mund —keuchte Renata—. Mach weiter.
Vera schob zwei Finger ganz hinein. Renata warf den Kopf zurück gegen die Kacheln und stieß einen erstickten Schrei aus. Die Finger kamen mit einem nassen, obszönen Geräusch hinein und heraus, das im leeren Umkleideraum widerhallte. Vera biss ihr in den Hals, während sie sie fickte, während der Daumen unablässig mit wahnsinniger Präzision über die Klit rieb.
—Genau so, nicht aufhören —stöhnte Renata und bewegte die Hüfte gegen diese Hand—. Tiefer.
Vera schob einen dritten Finger hinein. Renata stöhnte lauter, und Vera legte ihr die freie Hand über den Mund.
—Ruhe, Kapitänin —flüsterte sie ihr ins Ohr, mit einem Lächeln, das Renata nicht an ihr kannte—. Sonst hört euch noch jeder.
Renata biss in die Handfläche und ritt weiter auf den Fingern, die sie öffneten. Ihre Möse spannte sich um Veras Knöchel, und Vera krümmte die Finger nach oben, suchte den Punkt, der sie zum Zittern brachte. Als sie ihn fand, entfuhr Renata ein langer, fast schmerzlicher Laut, und ihr ganzer Körper bebte.
—Ich komme gleich —keuchte sie—. Vera, ich komme gleich …
—Komm —antwortete Vera, mit dem Mund an ihrem Ohr—. Komm auf meinen Fingern.
Renata kam mit einem Zittern, das von den Schenkeln bis in den Nacken schoss. Ihre Möse pulste und umschloss Veras Finger, durchnässte ihre Hand bis zum Handgelenk. Sie hielt den Schrei zurück, indem sie sich auf die Lippe biss, bis sie blutete. Vera hielt sie an der Wand, ließ sie vom Orgasmus herunterkommen und zog die Finger ganz langsam heraus.
Vera führte die Finger zum Mund und leckte sie einzeln ab, während sie sie ansah.
—Du schmeckst köstlich —sagte sie.
Renata keuchte noch immer. Sie sah sie an, und etwas in ihr wehrte sich gegen die Passivität. Sie packte sie im Nacken, drehte sie um und drückte ihr nun selbst den Rücken gegen die Kacheln. Sie zog den Reißverschluss ihres Trainingsanzugs herunter, riss ihr das Unterhemd mit einem Ruck vom Leib. Vera hatte größere Brüste als sie, weiß, mit rosigen Brustwarzen, die hart wurden, sobald sie die kalte Luft berührte. Renata biss ohne Zurückhaltung hinein, erst in die eine, dann in die andere, saugte mit nachholendem Hunger daran, zog mit den Zähnen, bis Vera ein helles Stöhnen entfuhr.
—Du hältst jetzt den Mund —sagte Renata.
Sie kniete sich auf den Fliesenboden. Sie zog ihr die Trainingshose und den Slip mit einem Griff gleichzeitig herunter. Veras Möse war rasiert, feucht glänzend, mit dick und rosig hervorquellenden inneren Schamlippen. Renata spreizte ihre Beine mit den Händen und versank mit offenem Mund darin. Sie fuhr mit der ganzen Zunge von unten nach oben, vom nassen Eingang bis zur Klit, und glitt wieder hinab, saugte jede Falte ein.
—Oh, Renata —stöhnte Vera und packte ihren Kopf—. Oh ja, genau so …
Renata stieß die Zunge in ihre Spalte, zog sie heraus und wieder hinein, dann saugte sie die geschwollene Klit mit den Lippen, mit flacher Zunge. Vera hatte ein Bein auf einer Seitenbank abgelegt, um sich weiter zu öffnen, und mit der anderen Hand presste sie eine Brust, drehte die Brustwarze zwischen den Fingern. Renata sah von unten zu ihr hoch, das Kinn glänzend von ihren Säften, und schob zwei Finger in sie hinein. Vera bog den Rücken durch.
—Mehr —keuchte sie—. Noch tiefer.
Renata schob drei hinein. Vera stöhnte so laut, dass Renata die freie Hand hochnehmen und ihr den Mund zuhalten musste. Die Finger kamen mit einem Gluckern aus Veras Möse hinein und heraus, das den Raum füllte. Renata leckte ihre Klit im selben Rhythmus, in kreisenden Bewegungen, mit flacher Zunge. Sie spürte, wie Vera sich um ihre Finger herum zusammenzog, immer enger wurde.
—Ich … —begann Vera mit geschlossenen Augen—. Ich komme, Renata, verdammt, hör nicht auf …
Renata hörte nicht auf. Sie krümmte die Finger nach vorn, saugte kräftiger an der Klit, und Vera kam mit einem Schlag, drückte die Hüfte gegen ihren Mund und spritzte ihr über das Kinn. Ein erstickter Schrei entwich ihr zwischen den Fingern, mit denen Renata ihr den Mund zuhielt. Ihre Möse zog sich zusammen und ließ wieder los, pulsierte, stieß Feuchtigkeit aus. Renata leckte alles weg, keinen Tropfen ließ sie zurück.
Als sie aufstand, war ihr Gesicht durchnässt. Vera zog sie an sich und küsste sie, kostete sich in ihrem Mund selbst, ganz ohne Scham. Sie umarmten sich einen Moment, Brust an Brust, beide zitternd. Dann senkte Vera die Hand und schob sie wieder unter Renatas Funktionsstoff.
—Noch mal —sagte sie—. Schnell. Gegen die Bank.
Sie schob sie zu einer an der Wand stehenden Holzbank, setzte sie darauf und zog ihr die Funktionswäsche bis zu den Knöcheln herunter. Renata saß mit gespreizten Beinen da, nach hinten auf die Ellenbogen gestützt. Vera kniete sich zwischen diese Beine und vergrub das Gesicht in ihrer Möse. Renata stieß ein nervöses Lachen aus, fast ein Schluchzen, als diese Zunge begann, mit wahnsinniger Geschwindigkeit über die Klit rauf und runter zu gleiten, und sie im nächsten Moment um den Verstand brachte.
—Oh, du verdammte Hure —keuchte Renata und griff in ihre Haare—. Wie machst du das …
Vera saugte die Klit mit den ganzen Lippen, zog sie heraus und schob sie wieder in den Mund, biss kaum merklich zu. Sie schob wieder zwei Finger hinein, und Renata begann sofort zu zittern. Es fiel ihr schwer, still zu bleiben. Sie legte ihre eigene Hand auf den Mund und biss hinein, während sie sich zum zweiten Mal kam, auf der Bank durchgebogen, die Möse explodierte um diese Finger herum.
Sie sackte nach hinten, keuchend. Vera küsste ihre zitternden Schenkel, den Bauch, die Hüfte. Dann zog sie ihr die Funktionswäsche langsam wieder hoch, richtete den BH und schloss die Jacke.
—Jetzt wirst du gewinnen —sagte sie und sah ihr in die Augen—. Mit genau dem hier im Körper.
Renata lachte heiser.
—Du bist eine Betrügerin.
—Das wusstest du doch schon.
Vera zog sich hastig an. Sie kämmte sich mit den Fingern vor einem kleinen, zerbrochenen Spiegel die Haare zurück. Renata sah sie an, noch immer schwer atmend, mit dem Geruch von beiden an der Haut unter der Sportkleidung.
—Außerdem, vergiss nicht, dass ich da sein werde, bei dir —murmelte Vera. Ein kleines Lächeln legte sich auf Renatas Lippen.
—Wir sehen uns auf der Bahn —fügte sie mit einem Hauch zurückgehaltener Emotion hinzu.
—Ja —antwortete Renata endlich—. Diesmal … werde ich ganz da sein.
Sie ließ ihre Hand los, und beide blieben einander ansahen. Nicht als Rivalinnen. Nicht als Teamkolleginnen. Sondern als zwei Frauen, die, ohne es zu wissen, seit Jahren durch Erinnerung, Bewunderung und selbst durch eine Wunde miteinander verwoben waren.
Als sie in entgegengesetzte Richtungen davongingen, klarte der Himmel über dem Komplex langsam auf. Die Sonne zeigte sich schüchtern zwischen den Wolken. Es war kein gewöhnlicher Tag. Dieser Kampf würde nicht nur entscheiden, ob Renata zu den Olympischen Spielen fahren würde: Er würde etwas viel Gefährlicheres für sie auf die Waage legen, die reale Möglichkeit, wieder fühlen zu können.
***
Kurz vor zehn fielen die Scheinwerfer der Halle wie Feuerlanzen auf die Metallbahn. Die Stille war beinahe heilig. Nicht einmal die Schritte der Kampfrichter oder das Murmeln des Publikums vermochten sie ganz zu brechen.
An einem Ende richtete Vera ihre Maske. Sie atmete in einem gemessenen Rhythmus, doch ihre Hände zitterten leicht. Nicht aus Angst, sondern wegen dessen, was auf dem Spiel stand. Nicht eine Medaille. Nicht das Olympiaticket. Es war Renata. Ihre Möse brannte noch immer davon, dass sie zweimal gegen die Zunge und die Finger der Frau gekommen war, gegen die sie nun mit dem Florett focht.
Auf der anderen Seite wirkte Renata wie eine Statue: die Funktionskleidung makellos, die Haltung aufrecht, das Florett wie eine Verlängerung ihres Arms. Doch unter der Jacke hämmerte ihr Herz gegen die Brust, und zwischen den Beinen spürte sie noch immer den heißen Pulsschlag von dem, was eben geschehen war. An ihrer Haut trug sie die Kette mit dem Ring, der Dafne gehört hatte, und sie spürte, dass so auch sie anwesend sein würde.
—Finalkampf. Erste Runde —verkündete der Kampfrichter.
Sie salutierten. Das Berühren der Floretts war fast ein Flüstern zwischen den Metallen. Dann die Schritte zurück. Das Zeichen.
—En garde! Prêt! Allez!
Vera stürmte vor. Renata nahm sie sicher auf und blockte den ersten Treffer. Sie war nicht länger die verlorene Fechterin der vergangenen Tage. Sie war wieder sie selbst: konzentriert, wild, lebendig.
Die ersten Gefechte waren schnell, angespannt, sauber. Der Punktestand wechselte Punkt für Punkt. Zwei zu zwei. Drei zu drei. Fünf zu fünf. Jeder Treffer war ein gefährlicher Tanz, jeder Atemzug ein Echo von etwas Tieferem als Sport.
Bei einer Aktion drängte Vera vor, und Renata ging zurück, rollte sich ab, um dem Treffer zu entgehen. Als sie sich aufrichtete, lächelte sie. Ein leichtes Lächeln, eines, das sie seit Jahren nicht mehr gezeigt hatte. Sie genoss den Kampf.
Vera sah es und lächelte ebenfalls. Sie war zurückgekommen. Renata war zurück.
Auf der Tribüne für das Betreuungspersonal ballte Noa die Fäuste. Ihre Augen glänzten, weil sie endlich ihre Freundin ganz sah.
Doch der Kampf stoppte nicht. Renata änderte das Tempo und begann zu drücken. Ihre Geschwindigkeit wurde beinahe unerbittlich. Vera wich zurück, ohne nachzugeben; sie würde nicht aus Nostalgie gewinnen, sie würde mit Würde gewinnen oder gar nicht.
Acht zu acht. Neun zu neun. Zehn zu zehn. Es blieben dreißig Sekunden der ersten Hälfte. Beide keuchten, schweißnass.
Renata suchte hinter der Maske Veras Augen. Dieser honigfarbene Blick war nicht der von Dafne. Er war einzigartig. Er war ihr eigener.
—Bist du bereit? —fragte sie und durchbrach zum ersten Mal die Stille.
—Immer —antwortete Vera.
Sie stürmten gleichzeitig los. Der Zusammenprall war sauber, elegant, beinahe brutal. Das Geräusch des Treffers war klar zu hören, und ein Licht am Anzeigetafel leuchtete auf. Der Punkt ging an Renata.
Ende der ersten Runde. Beide senkten die Waffen und nahmen gleichzeitig die Maske ab. Und dann geschah etwas, das nicht in den Regeln stand.
Vera machte einen Schritt und umarmte sie wortlos.
Renata erstarrte einen Augenblick. Dann erwiderte sie die Umarmung ganz langsam. Sie legte die Stirn an Veras Schulter und spürte etwas, an das sie sich seit Beginn des Duells nicht erinnert hatte: eine Kapitulation ohne Wunde. Sie kämpften nicht darum, besser zu sein. Sie kämpften darum, sich zu verdienen.
Auf der Tribüne presste Noa die Lippen zusammen. Jahrelang hatte sie Renata Trophäen hochhalten, Kameraden verabschieden und Gefühle vortäuschen sehen. Diese Geste war nicht vorgetäuscht. Da war Zärtlichkeit. Da war Leben.
—Ich hätte nie gedacht, das noch einmal zu sehen —flüsterte sie vor sich hin.
Aber nicht alle nahmen es gleich auf. Aus dem Bereich des Verbandes stand Oberst Vargas mit finsterem Gesicht auf. Seine Stimme fiel, ohne dass er sie erheben musste, wie ein Befehl herab.
—Kapitänin Duarte, das hier ist keine Theateraufführung! Konzentrieren Sie sich!
Renata drehte nur leicht den Kopf und nahm die Maske ganz ab. Sie sprach ruhig, fest, ohne einen Hauch von Respektlosigkeit.
—Ich bin konzentriert, mein Oberst. Darum bin ich hier. Und wenn ich heute gewinne, dann für mich. Nicht für Sie und nicht für das, was Sie glauben, dass ich sein sollte.
Der Mann presste die Kiefer zusammen, widersprach ihr aber nicht. Vera lächelte, stolz. Noa ebenfalls, auch wenn sie es verbarg.
Die zweite Runde begann mit elf zu zehn, Vorteil Renata. Sie kehrten auf die Bahn zurück mit anderen Gesichtern: weder Hass noch Rivalität, nur Respekt und eisernen Willen.
Vera stellte ihre Deckung ein. Sie hatte etwas bemerkt: Renata griff anders an. Das Tempo, der Winkel, sogar die Schritte. Das war nicht ihr Stil von immer.
—Allez!
Das Gefecht war heftig. Vera griff vor, Renata wich aus, drehte sich um die eigene Achse und attackierte aus einem umgekehrten Winkel. Touché. Zwölf zu zehn.
Noa schlug sich die Hand vor den Mund. Sie erkannte diese Bewegung. Renata hatte sie mit Dafne geübt, in der Intimität des Trainings, und sie nie im Wettkampf eingesetzt. Bis jetzt.
Vera wich zurück, schüttelte erstaunt den Kopf und lächelte.
—Betrügerin —murmelte sie—. Du zeigst mir das, was du niemandem gezeigt hast.
—Wolltest du mich nicht wirklich kennenlernen? —antwortete Renata und hob leicht eine Augenbraue.
Vera versuchte einen schnellen Gegenangriff, doch Renata wechselte im letzten Augenblick die Richtung. Touché. Dreizehn zu zehn. Veras Erregung war deutlich: Sie hatte jahrelang jede Bewegung Renatas studiert, und zu entdecken, dass sie noch andere hatte, faszinierte sie nur noch mehr.
Dann erkannte sie mitten im Lärm eine Stimme.
—Komm schon, Tochter, du schaffst das! Gib nicht auf!
Vera drehte sich für einen Augenblick um. Und da stand sie in der letzten Reihe, aufrecht: die Frau, die sie jahrelang nicht hatte begleiten können, bei der sie manchmal bezweifelt hatte, ob sie ihre Leidenschaft verstand. Und doch war sie da, weinte leise und sah sie an.
Vera schloss die Augen. Sie spürte, wie sich etwas in ihrer Brust entzündete. Die nächste Aktion war brutal: Sie setzte einen sauberen Treffer. Dreizehn zu elf. Das Publikum brach in Jubel aus.
Beide atmeten, als trügen sie das Gewicht der Welt. Es blieben Sekunden.
—Allez!
Der nächste Treffer war gleichzeitig. Doppelt. Vierzehn zu zwölf. Matchball.
Renata hob das Florett und blickte Vera an. In diesem Bruchteil einer Sekunde erinnerte sie sich an Dafnes Stimme an einem fernen Nachmittag: „Eines Tages wirst du jemanden finden, der dich nicht herausfordert, weil du gewinnst, sondern weil du du selbst bist.“
Vera ging keuchend ein letztes Mal in die Guard.
—Wenn du mich schlagen willst, dann mit allem, was du bist —sagte sie.
—Dann mach dich bereit —antwortete Renata.
Der Angriff war sauber, präzise, unerwartet und vor allem elegant. Renata vollführte einen unmöglichen Angriff: diagonal, tief, mit rotierendem Oberkörper. Eine Technik, die sie nie zuvor im Turnier verwendet hatte. Dafne nannte sie „den Puls“, weil man sie nur richtig ausführen konnte, wenn man den genauen Moment spürte, als würde das Herz die Hand führen.
Touché. Fünfzehn zu zwölf. Sieg für Renata.
Die Anzeige leuchtete auf, der Kampfrichter hob den Arm, und das Publikum brach aus. Vera senkte den Kopf, keuchend, und lächelte dann. Sie war besiegt, aber nicht vernichtet. Sie hatte alles gegeben. Und tief drinnen wusste sie, dass sie Teil der Wiedergeburt von jemandem gewesen war, der viel zu lange erloschen war.
Renata trat zu ihr.
—Danke —sagte sie.
—Wofür? —fragte Vera.
—Dafür, dass du mich nicht hast fliehen lassen.
Und diesmal war es Renata, die zuerst umarmte. Sie sprach leise an ihrem Ohr vorbei, damit nur sie es hörte.
—Und heute Nacht —flüsterte sie— bist du unten.
Vera lachte an ihrem Hals. Sonst niemand hörte es.
Auf der Tribüne weinte Noa still. Und Veras Mutter, die die Tasche fest umklammerte, sah ihre Tochter unter Tränen lächeln. Nicht weil sie verloren hatte, sondern weil sie etwas gefunden hatte. Auf dieser Bahn ging es nicht nur um ein Finale: Es ging um die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, um den Mut zu lieben und um das Recht, wieder fühlen zu dürfen. Und die beiden gewannen, in verschiedenen Sprachen.
***
Anmerkung der Autorin: Dieses Kapitel habe ich nicht mit den Händen geschrieben, sondern mit dem Puls. Ich wollte, dass Renata aufhört, unbesiegbar zu sein, und beginnt, real zu werden, dass der Kampf nicht nur körperlich, sondern auch emotional ist, eine Schlacht zwischen Pflicht und dem Wunsch zu fühlen. Im Grunde trat sie nicht gegen Vera an, sondern gegen alles, was sie begraben hatte, um weiteratmen zu können.
Darum ist jeder Treffer in diesem Finale mehr als eine Technik: Er ist Erinnerung, Verlust, Bewunderung und diese Lücke, die sich öffnet, wenn die Liebe mitten in der Anforderung auftaucht. Danke fürs Lesen und dafür, das mit mir zu fühlen. Wir sehen uns im nächsten Kampf.
—Vania R.