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Relatos Ardientes

Der Mann, der mich bat, ihn zu zerbrechen

Die Digitaluhr in der Regie sprang mit elektrischer Kälte auf 00:00 und läutete die Morgendämmerung ein. Der letzte Rest des Tages verflüchtigte sich im fünfzehnten Stock des Mediterránea-Turms nach drei Stunden Live-Programm. Durch die Monitore sickerte die sterile Melodie der Mitternachtsnachrichten, während drinnen die Zeit stehen geblieben zu sein schien.

Die Redaktion war ein Gerippe aus leeren Stühlen und Bildschirmen im Energiesparmodus. Nur das Summen der Server und das Echo eines Autos, das die Avenida del Puerto hinunterfuhr, durchbrachen die Stille. Cervera, mit seiner Sturm-und-Drang-Energie, wäre längst über den Parkplatz gefegt. In der Regie blieben nur Bruno und sein Techniker zurück, zwei Wachen auf Posten in einem Gebäude, das schon schlief.

Bruno Vidal lehnte an der Kante der Konsole, die Hemdsärmel hochgekrempelt, die Müdigkeit schwer auf den Lidern. Iván Soler übertrug gerade die Audios der Sendung mit einer für ihn untypischen Gelassenheit. Iván war pure Effizienz, ein Mann aus Kabeln und Präzision, doch an diesem Abend waren seine Bewegungen langsam, fast absichtlich. Seine warmbraunen Augen suchten die von Bruno mit einer Ehrlichkeit, die entwaffnete: Der Blick des Technikers war ein sicherer Hafen; seiner, scharf und voller Schatten, schien in jener Ruhe zu kentern, die er nicht einmal für sich beanspruchen konnte.

—Alles ist auf dem Server, Bruno —sagte Iván und durchbrach die Stille. Seine Stimme klang dunkler als sonst.

—Danke, Iván. Du bist ein Lebensretter. Ich weiß nicht, was ich heute ohne dich gemacht hätte.

Bruno drehte sich um, um seinen Rucksack zu nehmen, aber Iván rührte sich nicht. Er stand nur wenige Zentimeter entfernt. Das Licht der Pegelanzeigen warf grüne und rote Schatten auf ihre Gesichter. Er streckte die Hand aus, angeblich um einen Stecker zu erreichen, doch seine Finger streiften auf der kalten Oberfläche des Tisches die von Bruno. Es war kein Unfall. Es war ein Halt, nach dem er seit Monaten suchte.

Bruno spürte die Berührung und wich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit nicht zurück. In Iváns Augen gab es keine Geheimnisse und keine Vertraulichkeitsklauseln; nur einen Mann, der sich um ihn kümmern wollte.

—Bruno… —flüsterte Iván und verkürzte die verbliebene Distanz.

Bruno schloss die Augen. Die Leere, die der andere in seiner Brust hinterlassen hatte, war ein schwarzes Loch, das jedes Mal weh tat, wenn er ein Foto von ihm in der Zeitung sah. Er brauchte Lärm, jemand musste diesen Raum ausfüllen, wenn auch nur für einen Augenblick, damit er nicht länger das Echo eines Telefons hörte, das nie klingelte.

Als Iván sich zu ihm neigte und ihn küsste, ließ Bruno sich in einer verzweifelten Hingabe mitreißen. Es war ein warmer, echter Kuss, ohne die schneidenden Kanten anderer Begegnungen oder diese heimliche Dringlichkeit, die ihm immer einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen hatte. Iván küsste ihn, als sei er etwas Wertvolles, nicht eine Gefahr, die man verbergen musste. Er leckte über seine Unterlippe, biss sanft hinein, und seine Zunge tauchte in Brunos Mund, suchte die seine mit geduldigem Hunger. Bruno erwiderte den Kuss reflexhaft, ließ sich überfluten und spürte, wie sich der Speichel des Technikers mit seinem mischte und seinen Gaumen wärmte.

Doch dann presste Iván seinen Körper an ihn und suchte mit der Hand die Haut unter dem Hemd. Seine warmen, sicheren Finger glitten am Hals hinab zu den Knöpfen. Als die Fingerspitzen die nackte Haut berührten, direkt über dem Brustbein, kam es zum Kurzschluss.

Bruno erstarrte. Es war keine körperliche Ablehnung, denn Iváns Körper war jung, fest und roch nach sauberer Seife, und er spürte den harten Druck von der Erektion des Technikers, die sich durch die Hose gegen seine Hüfte presste. Es war eine Invasion der Erinnerung. In diesem Mikroschlag tauchte der Geist des anderen Mannes aus den Schatten der Kabine auf und beanspruchte seinen Platz mit brutaler Gewalt. Bruno erinnerte sich an den Druck anderer Hände, viel gröber und besitzergreifender, und an das Gewicht eines Geheimnisses, das ihn daran hinderte, sich irgendetwas hinzugeben, das nicht dieser vertrauten Qual war.

—Warte… Iván, warte —murmelte er und wich sanft zurück, aber mit einer Entschiedenheit, die keinen Widerspruch zuließ.

Er legte die Stirn an die Schulter des Technikers und schloss die Augen, um die Welle der Schuld zu zügeln, die ihm in die Kehle stieg. Iván blieb reglos stehen, die Hände in der Luft schwebend.

—Habe ich etwas falsch gemacht? —fragte er, die Stimme voller Verletzlichkeit.

Bruno schüttelte den Kopf, ohne den Kopf von seiner Schulter zu heben. Er fühlte sich wie ein Hochstapler. Er hatte versucht, Iván als Schild gegen seine eigene Einsamkeit zu benutzen, und dieser Mann verdiente es nicht, irgendjemandes Schild zu sein.

—Nein… du hast nichts getan, was nicht perfekt gewesen wäre —sagte er und richtete sich mit tränennassen Augen auf—. Aber es ist besser, wenn wir hier nicht weitermachen. Ich kann nicht. Es liegt nicht an dir. Es ist nur so, dass ich hier drin nicht allein bin.

Er legte sich einen Finger an die Schläfe.

—Da ist eine Störung, die mich dich nicht hören lässt. Und es wäre nicht fair, dich zu küssen, während noch jemand anderes die ganze Bandbreite belegt.

Die Uhr sprang auf 00:05 und wirkte wie ein Zünder. Verdammt, soll dieser Tag endlich vorbei sein. Möge der zehnte November nie wiederkommen. Vor genau vier Jahren. Eine alte Baritonstimme mit ihrem überheblichen Ton hallte in seinem Kopf wider: ein privates, verborgenes Jubiläum, nur für seine Erinnerung und wer weiß, vielleicht auch für die des Mannes, der seine Gedanken besetzte.

***

Plötzlich verwandelte sich das Summen der Server in die druckvolle Stille einer Villa in Rocafort. Der Geruch von abgestandenem Kaffee wurde ersetzt durch den Duft von edlem Holz, Leder und jenem zitrischen Parfum, das immer von Darío Beltráns Haut ausging.

Er erinnerte sich an die Spannung in der Kieferpartie des Kapitäns, an die Art, wie er den Raum beherrschte, als gehörte das Wohnzimmer ihm allein, und ihn mit jeder einsilbigen Antwort, mit jeder geringschätzigen Geste gegenüber dem Aufnahmegerät hinausdrängte. Aber vor allem erinnerte er sich an den Moment, als die Maske fiel. Es geschah, als die Aufnahme stoppte und Darío neben dem Panoramafenster stehen blieb, ihm den Rücken zugewandt. Das Licht der Stadt zeichnete die Silhouette dieses Riesen nach, der die Welt zu seinen Füßen zu haben schien, dessen Schultern jedoch unter einer unsichtbaren Last eingesunken waren. Er drehte sich nicht um, um ihn hinauszuwerfen. Und Bruno machte, statt zu gehen, einen Schritt auf den Abgrund zu.

—Mach es —drängte Darío mit gebrochener Stimme—. Mach, was du gekommen bist zu tun, Vidal.

Dann erschien dieser blaue Blick, elektrisch und verwundet, den Bruno nie bei einer Pressekonferenz gesehen hatte. Er sah nicht den Star der Mannschaft; er sah einen Mann, der still schrie und der jemanden brauchte, der mutig genug war, seine Rüstung zu durchdringen und ihn daran zu erinnern, dass er noch immer aus Fleisch und Blut bestand.

Bruno überquerte die drei Meter zwischen ihnen mit zitternden Händen. Als er bei ihm ankam, hatte sich Darío schon umgedreht. Sein Hemd hing aus der Hose, halb aufgeknöpft, und die harte Wölbung eines gewaltigen Schwanzes spannte sich in seiner Hose. Er packte ihn im Nacken und schlug ihm den Mund mit einem Kuss gegen den seinen, der nach Whisky und Wut schmeckte. Er biss ihm in die Lippen, bis sie leicht bluteten, und stieß die Zunge tief in seinen Mund, während die andere Hand über der Jeans seinen Arsch suchte.

—Runter auf die Knie, Vidal —knurrte er ihm ins Ohr, mit jener Baritonstimme, die ihn seit Monaten besessen hielt—. Du hast mir die ganze verdammte Interviewzeit auf den Hosenschlitz gestarrt. Blas mir einen.

Bruno sank ohne zu zögern auf die Knie auf den teuren Teppich des Wohnzimmers. Mit ungeschickten Fingern öffnete er den Gürtel und zog ihm die Hose bis zu den Oberschenkeln hinunter. Der Schwanz des Kapitäns sprang hart, dick und schwer hervor, die Eichel gerötet und ein zäher Tropfen Lusttropfen hing an der Spitze. Er roch nach sauberem Mann und Schweiß. Bruno packte ihn mit der Hand, überrascht von seinem Umfang, und ließ die Zunge von der Basis der Hoden bis zur Spitze gleiten, schleckte den klaren Tropfen auf, der sich mit einem leicht salzigen, bitteren Geschmack an seinen Gaumen heftete.

—Verdammt… —keuchte Darío und hielt sich an der Gardine fest—. Nimm ihn ganz rein, scheiß Journalist. Halt einmal die Klappe.

Bruno öffnete die Lippen und schluckte den ganzen Schwanz, ließ ihn bis an den Rachenboden stoßen, bis ihm die Augen tränten. Er begann gierig zu blasen, auf und ab, saugte die Eichel mit kräftigem Druck, wenn er an die Spitze kam, und vergrub die Nase im dunklen Schamhaar, wenn er wieder nach unten ging. Mit der flachen Zunge leckte er die geschwollene Vene unten entlang und streichelte mit der anderen Hand die schweren, gespannten Eier. Darío packte ihn mit beiden Händen am Haar und begann, ihm ohne Rücksicht in den Mund zu stoßen, die Hüften gegen sein Gesicht drückend, ihn dazu zwingend, mehr und mehr zu schlucken.

—So, verdammt… genau so… Scheiße, Vidal, du bläst, als hinge dein Leben davon ab —zischte der Kapitän, den Rücken durchbog sich—. Niemand… niemand hat mir je so einen geblasen.

Bruno stöhnte mit vollem Mund, und diese Vibration jagte wie ein Peitschenhieb durch Daríos Schwanz. Er spürte, wie er unter seiner Zunge noch stärker anschwoll, wie er pochte, wie der Kapitän an seinem Haar zog, um ihn kurz vor dem Kommen herauszuziehen. Er zog ihn ruckartig hoch, riss ihm die Knöpfe des Hemdes ab und warf ihn rücklings auf das Ledersofa.

Mit einem trockenen Ruck riss er ihm Hose und Unterhose herunter. Auch Brunos eigener Schwanz war hart wie Stein und nässte gegen seinen Bauch. Darío spreizte ihm mit den Knien die Beine, spuckte sich in die Hand und rieb seinen Schwanz mit diesem Speichel und dem Lusttropfen ein, der unablässig aus ihm hervorquoll. Dann spuckte er erneut und schob Bruno auf einmal zwei dicke Finger in den Arsch.

—Ah, verdammt… —stöhnte Bruno und bog sich gegen die Finger des Kapitäns, die bereits innen nach der Stelle suchten, die ihn zittern ließ.

—Schau mich an, Darío —gab Bruno zurück, die Stimme gebrochen—. Keine Kameras. Nur du und ich. Lass alles raus.

—Du wirst mich zerstören —keuchte er, sein Atem brannte auf Brunos Haut, während er ihn mit den Fingern öffnete, sie drehte, ihn weitet—. Wenn jemand sieht, wie du mich hast…

—Oder vielleicht zerstörst du mich. Hör nicht auf, verdammt. Steck ihn jetzt rein.

Darío zog die Finger heraus und setzte die dicke Spitze seines Schwanzes an Brunos enge Öffnung. Er stieß unvermittelt zu, gnadenlos, und versank mit einem einzigen Ruck ganz in ihm, was Bruno einen heiseren Schrei entriss. Einen Moment lang blieb er still, den Atem an Brunos Hals, und begann ihn dann langsam zu ficken, jedes Mal bis zum Anschlag in ihn hinein, mit jener Fußballerhüfte, die die Kraft eines Rammbocks besaß.

—Ich weiß nicht, wer ich ohne den Wall bin, Bruno —suchte er ihn mit brutaler Dringlichkeit, seine Lippen stießen unbeholfen gegen die seinen zwischen den Stößen—. Lass mich nur… nicht allein.

—Ich hab dich, Darío. Ich hab dich. Fick mich härter, verdammt, härter.

Der Kapitän gehorchte, als würde ihn das befreien. Er packte Brunos Beine hinter den Knien, legte sie sich auf die Schultern und begann, ihn mit brutalen Stößen zu nehmen, die das Sofa knarren ließen. Jeder Schlag seiner Hüften gegen Brunos Arsch klang wie eine Ohrfeige. Brunos Schwanz hüpfte zwischen den beiden Bäuchen, Lusttropfen über seinen ganzen Bauch verteilend.

—Du bist… verdammt, Vidal… du machst mich heiß —flüsterte er, und für einen Augenblick spürte Bruno eine Träne oder vielleicht nur Schweiß, der seine Wange streifte—. Niemand fasst mich so an. Niemand lässt mich so hart in ihn reingehen.

—Ist doch genau das, was du wolltest, oder? —Bruno biss ihm ins Ohrläppchen und spürte den Krampf des Kapitäns, ein Zittern, das durch dessen Schwanz in seinem Arsch lief—. Dass sich endlich mal jemand traut, dich zu zerbrechen.

—Ja… —Darío biss die Zähne zusammen, sein Körper bog sich unter Bruno, oder vielmehr über ihm, hinein und hinaus in immer wilderem Rhythmus—. Zerbrich mich endlich. Lass mich vergessen, wer ich bin.

Bruno krallte seine Nägel in seinen Rücken, während der Kapitän ihm mit stadiontauglicher Wucht den Arsch fickte und seine Schenkel um seine Taille presste. Darío packte Brunos triefenden Schwanz und begann, ihn im Rhythmus seiner eigenen Stöße zu wichsen, mit seiner schwieligen, festen Handfläche. Bruno kam zuerst, spritzte dicke Schübe Sperma zwischen ihre Bäuche und presste den Arsch in krampfenden Stößen um den Schwanz des Kapitäns zusammen. Darío hielt noch drei Stöße länger durch, stöhnte ein heiseres „Verdammt, Vidal, verdammt“ zwischen den Zähnen, und kam dann in ihm mit einer langen Entladung, die Bruno tief in sich heiß pulsieren spürte.

Sie blieben aneinandergepresst zurück, schweiß- und abspritzbenetzt, Darío noch immer in ihm, ohne den Schwanz herausziehen zu wollen, mit der Stirn in seinen Hals gedrückt und atmend, als hätte er gerade eine komplette Verlängerung hinter sich. In jener kalten, klaren Nacht entdeckte Bruno, dass der „Wall“ in Wahrheit ein Mann war, dem elend kalt war. Und er entdeckte, dass er, ein junger Journalist, der nur ein Interview suchte, bereit war, sich selbst in Brand zu setzen, nur um diesem Riesen Wärme zu geben.

***

Bruno blinzelte und kehrte mit einem Ruck in die Gegenwart zurück. Iváns Hand lag noch immer dort, warm und sicher, doch für ihn war sie eine unerträgliche Störung, weißes Rauschen, das sich nicht mit der Frequenz seines Herzens synchronisieren ließ.

—Er ist es, oder? —fragte Iván leise—. Der aus der Störung. Derjenige, der dich mitten in einem Satz abschalten lässt, wenn du glaubst, niemand schaut zu.

Das Gewicht der letzten vier Jahre stürzte ihm plötzlich auf die Schultern. Bruno suchte Halt an der Glaswand des Sprecherraums und ließ den Rücken daran hinabgleiten, bis er auf dem Boden saß, die Knie angezogen und den Kopf in den Händen. Iván setzte sich wortlos ihm gegenüber, schlug die Beine übereinander und schuf eine kleine Beichtstätte in der dunkelsten Ecke des Studios.

—Du schuldest mir keine Erklärung —sagte er und legte eine Hand auf Brunos Knie—. Wir können einfach so bleiben, in Stille, wenn dir das hilft.

Bruno hob den Blick. Seine grünen Augen glänzten feucht unter dem roten Licht der Uhr.

—Ich habe einen Fehler gemacht —sagte er schließlich mit einer Stimme, die aus tiefster Tiefe zu kommen schien—. Und ich kann jetzt nicht noch einen machen, indem ich mich mit dir einlasse, Iván. Wir sind Kollegen. Morgen müssen wir da wieder reingehen.

—Du wärst nicht der Erste. Manchmal glaube ich, dieser Stock ist ein Magnet für sentimentale Katastrophen —Iván ließ ein warmes Lachen hören, das die Spannung löste—. Wer auch immer die Person ist, die dich so zurückgelassen hat, ich hoffe, sie weiß, wie verdammt glücklich sie ist. Dich schweigend zwischen einer Nachrichtensendung und der nächsten auf sie warten zu lassen, ist unbezahlbar. Seit ich dich im September letzten Jahres kennengelernt habe, sehe ich an deinem Blick, dass da jemand ist. Dieser Mann.

Bruno spürte, wie die Welt stehen blieb. Das Wort hing in der Kabine in der Luft und prallte gegen die ausgeschalteten Mikrofone.

—Dieser Mann… —flüsterte er und gab es zum ersten Mal laut vor jemandem aus dem Sender zu, der nicht Olga oder Cervera war—. Ich habe ihn gefunden.

—Und du sagst, es war ein Fehler, weil er dir offensichtlich das Herz gebrochen hat.

Bruno antwortete nicht. Er blieb stumm, eine Salzstatue unter dem roten Licht. Das Schweigen war seine beredteste Antwort.

—Und nimm es nicht wörtlich —fügte Iván hinzu—, aber der Mistkerl, der dich gebrochen hat, verdient dich vermutlich nicht. Bruno Vidal würde sich nie auf jemanden einlassen, der nicht seinesgleichen ist, selbst wenn dieser Kerl ein Idiot ist.

Bruno spürte einen Schauer. Seinesgleichen. Iván wusste nicht, dass er vom Kapitän der Mannschaft sprach, von einem Idol, aber er hatte ins Schwarze getroffen: Für Bruno war Darío nicht der Marmorkörper von den Pressekonferenzen, sondern der Mann, der in derselben Frequenz von Einsamkeit und Exzellenz vibrierte wie er selbst.

—Er ist… oder war… jemand, der mich herausgefordert hat —gestand er und sah auf seine Hände, die noch immer zitterten—. Jemand, den ich gleichermaßen gehasst und geliebt habe, mit derselben Intensität.

—Du weißt ja, was man sagt —bemerkte Iván mit einem halben Lächeln—: Von Liebe zu Hass ist es nur ein Schritt. Und wer sich streitet, begehrt einander.

Bruno dachte an den Zusammenschnitt, der in den Netzwerken kursierte, diese Parodie des ewigen Streits zwischen dem scharfsinnigen Journalisten und der unüberwindbaren Wand in der Mixed Zone. Die Welt sah einen beruflichen Konflikt; er empfand ein inneres Brennen.

—Wir haben viel gestritten. Jetzt bleibt nur noch das Schweigen.

—Manchmal heilt Schweigen —sagte Iván und lehnte sich an die Wand—. Auch wenn es nur dazu dient, Raum für Trauer zu schaffen. Und fürs Loslassen.

—Vorher… was hätte dieser Mann für dich sein können? Wenn es keine Mauern gegeben hätte.

Es senkte sich ein langes Schweigen. Bruno schloss die Augen und fühlte sich zum ersten Mal in dieser Nacht ruhig.

—Er hätte mein Zuhause sein können. Weißt du dieses Gefühl, an einen Ort zu kommen und zu wissen, dass man nicht so tun muss? Er war der Einzige, der mich zwang, besser zu sein, und zugleich der Einzige, der mir erlaubte, schwach zu sein. Zwei entgegengesetzte Pole: er, die Ordnung, und ich, das Chaos; er, die Stille, und ich, die Stimme. Zusammen hätten wir unbesiegbar sein können.

—Ein Spiegel, der mir ein Bild von mir selbst zurückgab, das mir zugleich Angst und Frieden machte. Aber jetzt ist er der Mann, der mich gebrochen hat. Und das Schlimmste ist, dass ich, obwohl er mich zerstört hat, das Gefühl habe, seine Splitter fügten sich immer noch mit meinen zusammen. Trotzdem… es ist Zeit, ihn gehen zu lassen, bevor die Stille auch mich auslöscht.

Iván nickte, drückte kurz seine Schulter und stand auf.

—Es ist eine Schande, Vidal. Eine solche Liebe findet man nur einmal, aber zu überleben ist auch ein Sieg —er streckte ihm die Hand hin, um ihn hochzuziehen—. Ich hoffe nur, dass, falls dieser Mann jemals aus seinem Bunker kommt, noch etwas von dir übrig ist, das nicht verkohlt ist. Du bist viel zu viel wert, um nur das Geheimnis von jemandem zu sein.

Er schaltete die Konsole mit einem endgültigen Klick aus, und die Stille der Kabine wurde vollkommen. Sie verließen die Redaktion und ließen die Mikrofone hinter sich, die das Geheimnis seines Geständnisses bewahrten. Als sie die Schwelle des Mediterránea-Turms überschritten, erinnerte ihn die eisige Luft der Avenida del Puerto daran, dass es nun offiziell der zehnte November war.

—Gute Nacht, Iván —sagte Bruno mit einer Stimme, die zum ersten Mal seit langer Zeit wieder nach ihm selbst klang.

—Gute Nacht, Chef. Pass auf dich auf.

***

Noch in derselben Nacht lag die Wohnung im Cabañal in Halbdunkel, das nur vom bläulichen Licht des Laptops auf dem Esstisch gebrochen wurde. Bruno hatte sich gleich nach seiner Ankunft die Radioklamotten ausgezogen; mit den dunklen Ringen unter den Augen, gezeichnet von einer Müdigkeit, die weit über das Körperliche hinausging, wirkte er jünger und zugleich sehr viel älter.

Er wusste, wo diese Datei lag. Er bewahrte sie in einem verschlüsselten Ordner auf, fernab der Server des Senders, wie jemand einen Schatz oder den Beweis eines Verbrechens verwahrt. Der Cursor zitterte, bevor er doppelt auf eine Datei mit dem Titel BELTRAN_ROCAFORT_RAW_101114.mp3 klickte.

Das Wohnzimmer füllte sich mit digitalem Zischen, und plötzlich erfüllte die Stimme eines siebenundzwanzigjährigen Darío den Raum, rauer als die heutige, von einer Spannung durchzogen, die Bruno nun als Schrei um Hilfe erkannte.

—Reden wir über dieses Wohnzimmer, Darío —hörte man sich selbst sagen, mit vierundzwanzig Jahren, gerade erst volljährig geworden—. Sie haben einen der besten Ausblicke der Stadt, aber es wirkt, als wären die Fenster nur dafür da, dass die Welt nach innen schaut. Wie geht man mit der Stille in einem so großen Haus um, wenn die Flutlichter des Stadions ausgehen?

—Die Stille ist das Schwierigste. Auf dem Feld führt dich der Lärm: Wenn sie pfeifen, störst du den Gegner; wenn sie klatschen, bist du auf dem richtigen Weg. Aber hier gibt es keine Hinweise. Niemand erklärt dir, dass die Kapitänsbinde eine Erinnerung daran ist, dass du es dir nicht leisten kannst, müde zu sein. Nicht traurig. Nicht allein.

—Fühlst du dich allein, Kapitän?

—Ich fühle mich beobachtet, was nicht dasselbe ist wie begleitet zu sein. Die wirkliche Angst ist nicht, ein Spiel zu verlieren. Es ist, dass mir eines Tages der Spiegel das Bild von jemandem zurückgibt, den ich nicht erkenne, weil ich mein Leben lang das gewesen bin, was der Klub von mir brauchte.

—Wer ist Darío Beltrán, wenn er niemanden retten muss?

—Jemand, der noch nach der Antwort sucht. Jemand, der panische Angst davor hat, dass er, wenn er eines Tages wirklich jemand anderen an sich heranlässt, entdeckt, dass die Mauer Risse hat. Und dass ich, wenn man mich an der richtigen Stelle berührt, genauso zerbrechen kann wie jeder andere auch.

Die Aufnahme ging dann in den Punkt über, an dem beide die Kontrolle verloren, das Material, das vom Rest des Interviews abgetrennt wurde und das, in der geschnittenen Fassung, Bruno zu seinem ersten großen Erfolg verhalf.

—Die Leute sehen den Kapitän. Sie sehen das Auto, das Gehalt, die Tore… —auf der Aufnahme wurde seine Atmung rauer; Bruno erinnerte sich, wie er in jener Nacht die Hand ausstreckte und den Handrücken seiner eigenen berührte, der den Stift hielt—. Niemand bleibt stehen, um zu sehen, was da ist, wenn die Scheinwerfer ausgehen. Niemand hat sich bis heute getraut, mir ins Gesicht zu sagen, dass ich ein Idiot bin, und mir im selben Atemzug aus reiner Gnade seine Arbeit zu schenken.

—Ich habe nur getan, was ich für richtig hielt.

—Ja… das Richtige. —Ein heiseres Lachen—. Aber im Moment tun wir nicht das Richtige, oder? Du bist in meinem Haus, mitten in der Nacht, nimmst ein Interview auf, das mir inzwischen genau scheißegal ist. Mach es aus.

—Den Recorder?

—Den Recorder, den Journalismus und dieses Köpfchen von dir, das einfach nicht aufhört zu kreisen. Mach alles aus, Bruno.

Noch ein paar Sekunden und die ewige Stille der Datei. Alles blieb stehen. Bruno wusste, was nach diesem Schnitt kam, denn sein eigener Körper erinnerte sich besser daran als sein Kopf: Er erinnerte sich an Daríos Hände, die ihm das Hemd vom Leib rissen, während der Recorder stumm auf dem Tisch liegen blieb; er erinnerte sich, wie der Kapitän ihn zum Panoramafenster drehte, die ganze Stadt zu seinen Füßen, und ihm die Hose bis zu den Knien hinunterzog, bevor er ihm in den Arsch spuckte und ihn nahm, ohne ein weiteres Wort zu sagen; er erinnerte sich an die Kälte des Glases an seiner Wange und an den dicken Schwanz des Kapitäns, der ihn von hinten aufschloss, während er keuchte: „Ich fick dich, bis du vergessen hast, wie man Fragen stellt“; er erinnerte sich an Daríos schwielige Hand, die ihm den Mund zuhielt, wenn er zu laut stöhnte, und an sein eigenes Sperma, das in dicken weißen Fäden das Panoramafenster bespritzte und über die Lichter Valencias rann; vor allem erinnerte er sich an die heiße Ladung des Kapitäns, die ihm innen den Arsch füllte, während er ihm in den Nacken biss und seinen Nachnamen wie ein Urteil flüsterte. Er erinnerte sich, danach mit dem Kopf an jener gewaltigen Brust eingeschlafen zu sein und gespürt zu haben, wie ein Mann, der es gewohnt war, sich von niemandem berühren zu lassen, endlich in seinen Armen zitterte.

—Du warst es, Darío —flüsterte Bruno in die leere Luft seines Wohnzimmers—. Du warst derjenige, der mich gebeten hat, dich zu zerbrechen.

Er starrte auf den Bildschirm, auf dem der Player am Ende der Datei stehen geblieben war, als wäre die Zeit eingefroren. Iván hatte recht: Bruno Vidal hätte sich nie auf jemanden eingelassen, der nicht seinesgleichen war. Das Problem war nur, dass dieser ebenbürtige Mann ihn im Dunkeln zurückgelassen hatte.

Der Cursor schwebte mehrere Sekunden über dem Papierkorb-Symbol. Er spürte ein fast brutales Bedürfnis, zu klicken und zu sehen, wie diese Megabytes an Beichten für immer verschwanden und die Störung endlich zum Schweigen gebracht wurde. Aber im letzten Augenblick blieb seine Hand still. Die Datei zu löschen hieß, den einzigen Beweis zu löschen, dass dieser eisige Riese jemals in seinen Händen zerbrochen war. Er konnte es nicht. Mit einem Seufzer der Niederlage zog er den Cursor aus der Gefahr und entschied sich einfach, nicht mehr hinzusehen.

Er schloss den Laptop langsam. Die danach eintretende Stille war dichter als zuvor, aber sie war keine Störung mehr. Sie war Trauer. Er ging zum Panoramafenster, das auf die schlafenden Straßen hinausging, und legte die Stirn gegen das kalte Glas.

Es waren nur noch wenige Stunden bis zum Morgen des zehn. November. Vier Jahre einer Liebe, die wie ein Staatsgeheimnis wirkte, und ein ganzes Leben vor sich, damit dieses Audio endlich nicht mehr sein einziger Soundtrack war.

Loslassen, flüsterte Bruno zu sich selbst, bevor er die Jalousie hinunterließ.

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