Die letzte Nacht, in der ich in seinem Bett schlief
In der Nacht, in der ich begriff, dass alles erlosch, gab es weder Regen noch zugeschlagene Türen. Es gab Hitze. Eine zähe, klebrige Hitze, als hätte jemand die Luft im Zimmer schon unzählige Male eingeatmet, bevor wir es taten. Die offenen Fenster nützten nichts; draußen keuchte die Stadt, und ich keuchte mit ihr.
Damián saß auf der Bettkante, nach vorn gebeugt, die Ellbogen auf die Knie gestützt, wie ein Boxer, der gerade die letzte Runde überlebt hat. Noch hatte er nichts gesagt. Ich betrachtete seinen Rücken, diesen Rücken, den ich so gut kannte wie die Flure eines alten Hauses: Jede Rundung, jeder Schatten, jede kleine Narbe war eine Landkarte, die ich tausendmal im Dunkeln durchwandert hatte.
Der Abschied begann nicht mit Worten. Er begann mit einer Pause.
Das Schweigen zwischen uns war ein Seil, das viel zu lange gespannt worden war. Es genügte, es zu streifen, und es vibrierte voller Gewalt.
Ich stand als Erste auf. Ich ging in die Küche. Ich öffnete den Kühlschrank ohne Hunger, ohne Durst, ohne Absicht. Das weiße Licht fiel mir wie ein Verhör ins Gesicht. Ich lehnte mich gegen die offene Tür und dachte, dass die Liebe vielleicht irgendwann genau so aussah: vor etwas stehen zu bleiben, das einen nicht mehr ernährt, dessen Licht dich aber noch immer glauben lässt, dass es das tut.
Als ich zurückkam, saß er noch in derselben Haltung da. Ich näherte mich langsam, als könnte der Boden unter meinen Füßen bersten. Ich kniete mich vor ihn. Ich sagte nichts. Ich ließ die Hände langsam über seine Oberschenkel gleiten, wie jemand, der ein Laken glattstreicht und weiß, dass er es nicht noch einmal aufziehen wird. Unter meinen Fingerspitzen spürte ich den rauen Stoff seiner Hose und, weiter innen, die warme Beule seines gegen den Reißverschluss gepressten Schwanzes. Er war schon hart gewesen, bevor ich zu ihm kam. Als hätte sein Körper dem vorweggenommen, was sein Mund nicht zu sagen wagte.
Es gab keine Eile. Die Eile hatten wir an anderen Tagen, in anderen Körpern, die wir selbst gewesen waren, bereits aufgebraucht – jünger, hungriger, überzeugter davon, dass Lust alles tragen konnte.
Diese Nacht war anders.
Ich sah von unten zu ihm auf, und er senkte den Blick zu mir. In seinem Blick lag weder Traurigkeit noch Schuld. Es war eine Art aufrichtige Erschöpfung. Als wäre die Liebe ein viel zu langer Lauf gewesen und als wüssten wir beide, dass es nichts bedeutete, die Ziellinie zu überqueren.
Ich knöpfte ihm den Knopf auf. Ich zog den Reißverschluss langsam mit den Zähnen herunter und spürte das Metall an meiner Zunge. Der Stoff gab nach, und da war er: der harte, geschwollene Schwanz, der gegen mein Gesicht pochte. Ich packte ihn mit beiden Händen, hielt ihn eine Sekunde lang fest und betrachtete ihn, wie man einen vertrauten Gegenstand in einem anderen Licht betrachtet, dann nahm ich ihn ganz in den Mund.
Damián stieß ein raues Stöhnen aus und vergrub die Finger in meinem Haar. Nicht, um mich zu drücken. Um sich festzuhalten. Ich begann, ihn ruhig zu lutschen, den Mund weit geöffnet, sodass mir der Speichel über das Kinn rann. Ich bewegte mich auf und ab, presste die Lippen an der Basis zusammen und lockerte sie an der Spitze, wo ich mit der Zunge kreiste und den salzigen Geschmack der Lusttropfen kostete, die bereits aus ihm quollen. Ich spürte, wie er in meinem Mund noch größer wurde, sich gegen meinen Gaumen spannte und gegen meinen Rachen schlug, wenn ich ihn ganz hinunterschluckte. Ich würgte, und es war mir egal. Ich wollte, dass er sich so tief in mich bohrte, dass mir die Tränen kamen.
—Verdammte Scheiße —murmelte er mit gebrochener Stimme—. Genau so, so ...
Ich leckte seine Eier, eins nach dem anderen, nahm sie vorsichtig in den Mund und glitt dann an der dicken Ader, die seinen Schwanz bis zur Spitze durchzog, wieder nach oben. Ich spuckte darauf, umfasste ihn mit der Hand und begann, ihn zu wichsen, während ich ihn lutschte, in jenem Auf und Ab, das er kannte und das ihm stets dasselbe Beben entlockte. Seine Schenkel wurden hart unter meinen Ellbogen. Ich konnte spüren, wie er sich zurückhielt. Wie er gegen den Drang ankämpfte, schon in meinem Mund zu kommen.
Ich küsste ihn.
Ich stand auf, die Lippen glänzend, und küsste ihn. Es war kein Filmkuss und kein zärtlicher Kuss. Es war ein Kuss, der nach Abschied schmeckte, ohne es zu wagen, ihn beim Namen zu nennen. Ein Kuss, der versuchte, sich alles einzuprägen. Sein Mund war warm und kaum geöffnet. Ich spürte, wie sich sein Atem mit meinem vermischte, und für einen Augenblick dachte ich, dass wir vielleicht nichts anderes gewesen waren: zwei Atemzüge, die mitten im Lärm versuchten, sich zu synchronisieren. Ich gab ihm meinen eigenen Speichel, vermischt mit seinem Geschmack, und er schluckte ihn wie jemand, der ein Urteil annimmt.
Meine Hände glitten langsam über seinen Oberkörper. Als würde ich ein Buch noch einmal lesen, das ich bereits kannte, dem ich aber trotzdem noch ein neues Geheimnis entreißen wollte. Die Haut unter meinen Fingern war vertrautes Gebiet, doch in dieser Nacht schlug sie in einem anderen Rhythmus. Schwerer. Tiefer. Wie der Herzschlag eines Tieres, das weiß, dass man es zum letzten Mal betrachtet.
Ich richtete mich auf und schob ihn sanft nach hinten, bis er ausgestreckt auf dem Bett lag. Er widersetzte sich nicht. Wenn es um die Lust ging, hatte es zwischen uns nie Widerstand gegeben. Unseres war kein Kampf; es war ein gemeinsam geteiltes Feuer.
Ich zog mich aus, ohne den Blick von ihm zu nehmen. Nicht theatralisch, nicht zur Schau, sondern mit der Präzision einer Frau, die eine Rüstung ablegt, die ihr nicht mehr nützt. Jedes Kleidungsstück, das zu Boden fiel, klang wie eine Tür, die sich schloss. Als ich nackt dastand, die Titten frei und die Fotze allein davon, dass ich ihn gelutscht hatte, bereits klatschnass, musterte er mich von oben bis unten und packte seinen Schwanz mit einer Hand, drückte ihn an der Basis zusammen, damit er nicht zu früh kam.
—Komm —sagte er—. Komm hier obenher.
Ich kletterte auf allen vieren aufs Bett und schwang ein Bein über sein Gesicht. Ich setzte ihm ohne Zeremonie meine Fotze auf den Mund, und er öffnete die Lippen und stieß die Zunge in mich, als hätte er wochenlang auf diesen Augenblick gewartet. Ich stöhnte laut und warf den Kopf nach hinten. Er leckte mich hungrig, mit jener präzisen Technik, die er in den Jahren gelernt hatte, in denen er mich kennengelernt hatte: zuerst mit der ganzen, flachen Zunge von oben nach unten, dann mit der Spitze über der Klitoris kreisend, danach mit zwei Fingern, die im Rhythmus hinein- und herausglitten, von dem er wusste, dass er mich den Verstand verlieren ließ.
Ich begann, meine Hüfte auf seinem Gesicht zu bewegen und rieb meine nasse Fotze an seinem Mund, seinem Kinn, seiner Nase. Ich packte ihn mit beiden Händen am Haar und hielt ihn dort fest, zwang ihn, mich noch tiefer zu fressen. Speichel und meine Säfte liefen ihm über den Hals. Ich spürte auch seine Zunge über meinen Arsch lecken, wieder nach oben gleiten, erneut in mich eindringen, ohne Pause.
—Ich komme —sagte ich ihm, und es war keine Warnung, sondern ein Befehl.
Und ich kam. Heftig, die Beine zitternd, seinen Kopf zwischen meinen Schenkeln zusammenpressend und ihn in mir erstickend. Ich schrie etwas, das ich selbst nicht verstand. Ein elektrischer Peitschenhieb durchlief mich vom Unterleib bis zum Nacken, meine Augen schlossen sich, und mein Mund öffnete sich zu einem langen, obszönen Stöhnen, das von den Wänden des Zimmers widerhallte.
Ich sank noch immer zitternd auf ihn hinab und leckte meinen eigenen Geschmack von seinem Mund. Ich leckte sein Kinn, seinen Hals, seine Brust. Dann glitt ich wieder hinunter, bis ich seinen steinharten Schwanz fand, der auf mich wartete.
Ich setzte mich auf ihn. Ich führte ihn langsam in mich ein, packte ihn mit der Hand und lenkte ihn, bis die Spitze an der Öffnung meiner Fotze saß. Dann ließ ich mich mit einem Ruck hinunter und spießte mich ganz auf ihn. Wir stöhnten gleichzeitig. Ich spürte, wie er mich bis zu einer Tiefe ausfüllte, die seit Langem niemand mehr mit solcher Genauigkeit berührt hatte.
Ich spürte die Hitze seines Körpers, die mich durchdrang. Mehr war nicht nötig. Eile war nicht nötig. Unsere Haut erkannte einander mit einer beinahe obszönen Gewissheit. Das Gedächtnis der Berührung ist treuer als das der Worte. Der Körper vergisst nicht. Er kann so tun, kann hart werden, kann sich zurückziehen. Aber er vergisst nicht.
Anfangs bewegte ich mich langsam, hob und senkte mich, die Hände auf seine Brust gestützt. Ich spürte jede Ader seines Schwanzes, die mich von innen rieb und Punkte berührte, die ich längst auswendig kannte. Damián packte mich an den Hüften und gab den Rhythmus vor, stieß von unten nach oben und rammte ihn jedes Mal bis zum Anschlag in mich, wenn ich mich senkte. Das Geräusch unserer aufeinanderschlagenden Körper erfüllte das Zimmer. Feucht, klebrig, schmutzig.
Ich ließ die Lippen über seinen Hals gleiten, über das Schlüsselbein, über die Linie, die zur Mitte seiner Brust hinabführt. Es war kein Hunger, der mich bewegte. Es war etwas anderes. Ein Bedürfnis, jeden Zentimeter in mich einzuprägen, als würde ich danach blind sein. Ich biss in eine seiner Brustwarzen, und er stieß ein Knurren aus und drang härter, tiefer, beinahe wütend in mich ein.
—Dreh mich um —bat ich.
Mit einer einzigen Bewegung warf er mich auf den Rücken, ohne aus mir herauszugleiten. Er öffnete meine Beine mit seinen Knien und begann, mich richtig zu ficken. Lange, feste Stöße, die mich gegen das Kopfende des Bettes pressten. Er packte meine Handgelenke und drückte sie über meinem Kopf fest. Ich sah ihm in die Augen, während er mich stieß, und in diesem Blick lag alles: der Anfang, die Mitte und jenes Ende, von dem wir beide wussten, dass es näher kam.
—Sag mir, dass ich dir gehöre —bat ich, und ich weiß nicht, warum ich ihn darum bat, denn ich gehörte ihm nicht mehr.
—Du gehörst mir —sagte er mit gebrochener Stimme—. Heute Nacht gehörst du mir.
Er rammte ihn mit aller Kraft in mich, zog ihn fast vollständig heraus und stieß ihn wieder bis zum Anschlag hinein. Ich bohrte ihm die Nägel in den Rücken, biss in seine Schulter und flüsterte ihm Obszönitäten ins Ohr. Er solle ihn tiefer in mich stoßen. Er solle mich in Stücke ficken. Er solle ihn ganz in mir lassen, wenn er kam.
Seine Hände schlossen sich fest um meinen Rücken, als fürchtete er, ich könnte verschwinden. Wir wechselten erneut die Stellung. Er brachte mich auf die Knie, mit dem Gesicht ins Kissen und dem hochgereckten Arsch, und drang wieder von hinten in mich ein. Er packte mich am Haar und zog mit genau der richtigen Kraft nach hinten, sodass ich den Rücken krümmte, und fickte mich in einem neuen Rhythmus, tiefer, weniger impulsiv. Es war ein Auf und Ab, das nicht das Ende suchte, sondern die Dauer. Als wäre die Lust eine Sprache, die wir ein letztes Mal sprechen wollten, ohne Fehler zu machen.
Mit der anderen Hand strich er kreisend über meine Klitoris und stimmte die Reibung auf jeden Stoß ab. Ich biss ins Kissen, um nicht zu laut zu schreien. Die Nachbarn konnten uns hören. Es war mir egal. Sollen sie es hören. Sollen sie wissen, dass dort in dieser Nacht etwas Großes zwischen Stöhnen starb.
In dieser Intensität lag etwas Schmutziges. Nicht schmutzig wie etwas Verbotenes, sondern wie etwas Wahres. Der Schweiß, der abgehackte Atem, das feuchte Geräusch von Mündern, die sich ohne jede Eleganz suchen. Wir waren zwei Tiere, die gelernt hatten, einander zu lieben, und die nun lernten, einander loszulassen.
Als meine Hüften ihren Rhythmus fanden, spürte ich den alten elektrischen Strom meine Wirbelsäule entlanglaufen. Ich schloss die Augen. Das Zimmer verschwand. Die Stadt hörte auf zu existieren. Es blieb nur die Bewegung, wiederholt, beharrlich, in ihrer Ehrlichkeit beinahe brutal. Er stieß immer schneller in mich, atmete schwer in meinen Nacken und biss in meine Schulter.
—Ich komme —keuchte er.
—In mir —sagte ich—. Komm in mir. Ich will es spüren.
Wir machten keine Versprechen. Wir sagten nicht „für immer“. Wir erwähnten den morgigen Tag nicht.
Die Lust kam wie eine Welle, die nicht am Ufer bricht, sondern weiter draußen, wo niemand sie sieht. Sie breitete sich langsam aus wie Tinte, die ins Wasser fällt. Mein Körper zitterte an seinem. Es war keine Explosion, sondern eine Ausdehnung. Als würde ich mich von innen öffnen und alles, was ich gewesen war, ein letztes Mal mit ihm vermischen. Ich kam, presste seinen Schwanz mit meiner Fotze zusammen, in Krämpfen, die mich vom Nacken bis zu den Füßen schüttelten, und stöhnte seinen Namen ins Kissen.
Er hielt noch zwei, drei Stöße aus und explodierte mit einem tiefen, langen, beinahe schmerzhaften Stöhnen in mir. Ich spürte, wie sein Schwanz in heißen Pulsen pochte und sich in Schüben in mir entlud, mich ganz ausfüllte. Er blieb dort, bis zum Anschlag in mir versenkt, zitternd an meinem Rücken, als wollte er eine letzte Erinnerung an einem Ort hinterlassen, an den er nicht zurückkehren würde.
Er umarmte mich fest und vergrub das Gesicht an meinem Hals. Ich spürte seinen heißen, unregelmäßigen Atem. Und in dieser Umarmung lag etwas Wildes, beinahe Verzweifeltes. Nicht der Wunsch zu besitzen, sondern festzuhalten, was ihm bereits zwischen den Fingern entglitt. Als er aus mir herausglitt, rann mir ein warmer Faden Sperma über den Oberschenkel. Ich wischte ihn nicht ab. Ich ließ ihn dort. Er war der Beweis für etwas.
Danach kam das Schweigen.
Wir blieben eng aneinandergeschmiegt liegen, wie zwei Stücke von etwas, das einst ganz gewesen war. Draußen atmete die Stadt weiter mit Mühe. In der Ferne fuhr ein Auto vorbei. Eine Sirene durchbrach die Nacht. Das Leben ging weiter, gleichgültig.
***
Ich stand als Erste auf.
Ich ging ins Bad. Ich betrachtete mich im Spiegel. Mein Haar war zerzaust, meine Haut glänzte, meine Lippen waren geschwollen. Ich sah aus wie jemand, der gerade aus einem Sturm gekommen war. Ich lächelte, aber es war kein Glück. Es war Wiedererkennen. Zwischen meinen Beinen tropfte noch immer sein Sperma heraus. Ich wischte mich langsam, beinahe zärtlich, und blieb noch eine Weile stehen und betrachtete mich.
Ich kehrte ins Zimmer zurück. Damián saß wieder auf der Bettkante, genau wie am Anfang. Dieselbe Haltung. Derselbe Gesichtsausdruck. Aber etwas hatte sich verändert. Das Seil war nicht mehr gespannt. Es lag schlaff auf dem Boden.
—Es muss nicht ausgesprochen werden —murmelte er.
Ich schüttelte den Kopf.
Es musste nicht ausgesprochen werden.
Ich zog mich ohne Eile an. Jede Bewegung war präzise, beinahe feierlich. Als würde ich mich darauf vorbereiten, eine unsichtbare Grenze zu überschreiten. Er sah mich an, und in seinen Augen lag etwas, das der Dankbarkeit ähnelte. Nicht für die Lust. Für die Wahrheit.
Ich trat näher und küsste ihn auf die Stirn.
Diese Geste war inniger als alles zuvor.
—Pass auf dich auf —sagte ich.
Ich fügte nicht hinzu: „vor mir“. Ich fügte nicht hinzu: „ohne mich“. Wenn Worte überflüssig werden, werden sie vulgär.
Ich verließ die Wohnung, ohne zurückzublicken.
Im Treppenhaus traf mich der Geruch nach Feuchtigkeit mit voller Wucht. Ich stieg langsam die Stufen hinunter, als wäre jede einzelne eine herausgerissene Seite. Draußen war die Nacht noch immer schwer. Der Asphalt bewahrte die Hitze des Tages, und meine Schritte klangen hohl darauf.
Ich ging ohne Ziel. Ich ließ die Stadt mich verschlucken. Ich kam an Bars vorbei, in denen einige Paare mit einer Intensität lachten, die gespielt wirkte. Ich ging an einer Frau vorbei, die weinend an einer Straßenlaterne lehnte. Ich kam an einem Schaufenster vorbei, in dem eine Schaufensterpuppe ein rotes Kleid trug, das genauso aussah wie das erste, das ich mit ihm getragen hatte.
Alles war zu scharf.
Ich dachte daran, ihm zu schreiben. Ich dachte daran zurückzugehen. Ich dachte daran zu bleiben.
Ich tat nichts.
***
Ich betrat ein billiges Hotel in der Nähe des Busbahnhofs. Ich bat um ein Zimmer, ohne Gepäck dabeizuhaben. Der Rezeptionist sah mich mit jener professionellen Gleichgültigkeit an, die nur Menschen besitzen, die schon zu viele Abschiede an ihrem Tresen vorbeiziehen sahen.
Das Zimmer war klein. Die Laken rochen nach billigem Waschmittel. Ich zog mich wieder aus, aber nun sah mich niemand an. Ich legte mich auf das kalte Bett und schloss die Augen.
Mein Körper trug noch immer seine Spur. Nicht als sichtbares Zeichen, sondern wie ein Echo. Jeder Muskel erinnerte sich an den Rhythmus, den Druck, die Art, wie sich unsere Atemzüge ineinander verschlungen hatten. Ich berührte meinen Hals, meine Brust, meinen Unterleib. Nicht, um ihn zu wiederholen, sondern um zu begreifen, wo er endete und wo ich begann.
Die Lust war nicht verschwunden. Sie hatte sich verwandelt. Ich ließ die Hand zwischen meine Schenkel sinken und fand mich noch immer feucht, geschwollen und empfindlich vor. Ich strich mit zwei Fingern langsam kreisend über meine Klitoris. Ich führte einen Finger ein, dann zwei, in meine Fotze und bewegte sie auf der Suche nach jenem Punkt, den nur ich so gut kannte wie er. Mit der anderen Hand drückte ich eine Titte zusammen und zwickte meine Brustwarze, bis der Schmerz genau richtig war.
Ich streichelte mich ohne Eile, wie jemand, der ein gerade zurückgewonnenes Gebiet wiedererkennt, und ließ die Hitze aufsteigen und ganz für mich bleiben. Ich kam allein, biss mir auf die Lippe, die Finger bis zu den Knöcheln in mir, und dachte an seinen Schwanz, aber auch an die, die noch kommen würden. An unbekannte Münder. An Körper, die ich noch nicht berührt hatte. Der Orgasmus war trocken, kurz, egoistisch. Perfekt.
Ich drehte mich auf die Seite und betrachtete die kahle Wand. Ich dachte, dass die Liebe vielleicht nicht scheitert. Sie verändert nur ihre Form. Sie wird Erinnerung. Narbe. Erkenntnis. Antrieb für den nächsten Fall.
Ich weinte nicht.
Die Traurigkeit, die ich empfand, war nicht feucht. Sie war trocken, wie ein Riss in der Erde nach dem Sommer.
***
Am nächsten Morgen fiel das Licht herein, ohne um Erlaubnis zu bitten. Ich stand früh auf. Ich zog mich an. Ich ging hinunter auf die Straße. Die Stadt wirkte nicht mehr erstickt. Die Luft war frischer. Ich atmete tief ein.
Ich rief ihn nicht an.
Tage vergingen. Dann Wochen.
Manchmal spürte ich beim Gehen, wie mein Körper noch immer seinen Rhythmus suchte. In der U-Bahn, in der Schlange im Supermarkt, im Bett eines anderen Menschen. Aber es war anders. Da war nicht mehr diese Dringlichkeit, miteinander zu verschmelzen. Es gab Neugier. Einen neuen Hunger. Eine bewusstere, weniger naive Geilheit.
Ich lernte, dass die Lust nicht mit einer Geschichte stirbt. Sie ändert nur ihren Namen.
Eines Nachts, Monate später, kam ich wieder an seiner Straße vorbei. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht, um mich zu vergewissern, dass das Haus noch stand. Die Lichter waren ausgeschaltet. Ich wusste nicht, ob er drinnen war oder nicht.
Ich ging nicht hinauf.
Ich blieb auf dem Gehweg stehen und betrachtete die dunklen Fenster. Und in diesem Augenblick begriff ich, dass der Abschied kein sauberer Schnitt gewesen war. Er war ein Riss, der sich noch jahrelang in mir weiter öffnen würde.
Ich lächelte.
Denn in diesem Riss war auch Platz.
Platz für andere Körper, andere Nächte, andere Feuer. Platz, um dies hier zu schreiben.
Ich weiß nicht, ob sich unsere Wege wieder kreuzen werden. Ich weiß nicht, ob du diese Worte eines Tages lesen und deinen Schatten darin erkennen wirst. Ich weiß nicht, ob ich selbst sie eines Tages wieder lesen kann, ohne das Gefühl zu haben, dass sie mir etwas aus dem Inneren reißen.
Das Einzige, was ich weiß, ist, dass diese Nacht kein Ende war. Sie war eine Verwandlung.
Und ich bin noch hier.
Mit dickerer Haut. Mit schärferer Lust. Mit einem weniger naiven und wilderen Herzen.
Wenn dies ein Abschied ist, dann nicht von ihm. Sondern von der Frau, die ich an seiner Seite war.
Der Frau, die Angst hatte zu verlieren. Die glaubte, Liebe sei ein Haus. Die dachte, Lust reiche aus, um die Dächer zu tragen.
Jetzt weiß ich, dass die Liebe eher dem Feuer auf einem trockenen Feld gleicht: Sie erhellt, verwüstet, düngt und zieht dann weiter. Und was bleibt, ist keine nutzlose Asche, sondern Erde, bereit für etwas Neues.
Ich beende diese Geschichte, wie ich jene Tür geschlossen habe: ohne zurückzublicken.
Aber ich lasse die Möglichkeit offen, dass irgendwo noch eine Glut brennt.
Und wenn der Wind sie eines Tages anfacht, weiß ich nicht, was ich tun werde.
Vielleicht nichts. Vielleicht alles.