Ich verlor das Gold, doch gewann ihren Blick auf der Bahn
Das Gemurmel auf den Tribünen war noch immer nicht verklungen. Obwohl der Gefecht zwischen Valentina und Renata beendet war, vibrierte die Elektrizität des Augenblicks weiter in der Luft, als hätte niemand recht verstanden, was er gerade mit angesehen hatte.
Die Bahn leerte sich schweigend. Während im benachbarten Bereich bereits der Männer-Degenkampf vorbereitet wurde, richteten die Organisatoren die Siegerehrung der Frauen her.
Daniela saß am Rand des Technikbereichs, ein Handtuch im Nacken und die Augen auf Valentina geheftet, die den Brustpanzer noch immer nicht ganz abgelegt hatte. Sie hatte sie Angriffe setzen sehen, die sie vor Publikum nie benutzte, Bewegungen so geschliffen und tödlich, dass ihr die Haut kribbelte. Niemand musste es ihr erklären: Valentina hatte an diesem Nachmittag mit der Seele gekämpft, und sie tat es nicht für die Medaille. Nicht dieses Mal.
Neben ihr trank Renata wortlos Wasser, der Atem noch immer gehetzt, aber mit einem Lächeln, das nicht mehr wich. Sie hatte nicht gewonnen, und doch wusste etwas in ihr — eine kleine, störrische Gewissheit —, dass auch diese Niederlage ein Schritt nach vorn war. Erst recht, nachdem Tomás ihr mit schlecht verhohlener Aufregung bestätigt hatte, dass ihre Mutter das ganze Gefecht über dort gewesen war und sie angesehen hatte.
Ihr Herz setzte für eine Sekunde aus.
Renata war damit aufgewachsen, allein anzutreten, in der Hoffnung, dass ihre Mutter sie eines Tages sehen könnte. Und ausgerechnet heute, als sie der Person gegenüberstand, die sie ihr Leben lang am meisten bewundert hatte, war sie da. Sah sie.
Während sie auf die Siegerehrung warteten, lief der Oberst mit gerunzelter Stirn hinter den Kulissen umher, sichtlich verärgert über die Umarmung, die die beiden Fechterinnen sich am Ende gegeben hatten. Er trat auf Valentina zu, die Worte ziehend, in jenem kühlen Ton, den alle kannten.
—Wir sind nicht hier, um eine Show zu liefern, Major —fauchte er—. Ich erinnere Sie daran, dass Sie die Armee vertreten, nicht eine Telenovela.
Valentina sah ihn an, noch immer keuchend, die Jacke offen und die Augen vom Schweiß und Adrenalin glänzend. Doch diesmal war ihr Schweigen nicht unterwürfig.
—Mit allem Respekt, Herr Oberst —sagte sie mit fester, ruhiger Stimme—, ich habe keine Show geliefert. Ich habe gewonnen, wie man es mir befohlen hat. Und ich habe es mit dem Herzen getan, das ich jahrelang nicht benutzen durfte.
Der Oberst erstarrte, ohne zu wissen, was er erwidern sollte.
Daniela, die die Szene aus der Ferne beobachtete, lächelte kaum merklich. Valentina kehrte endlich zurück. Aber nicht als die kalte Soldatin, zu der man sie formen wollte, sondern als die Frau, die geliebt, verloren und gelernt hatte, selbst mitten im Kampf weiterzulieben.
Der Oberst drehte sich um, ohne etwas hinzuzufügen, und ging, um den Männerkampf zu überprüfen.
***
Wenige Minuten später wurden die Lichter etwas gedimmt und markierten den Beginn der Zeremonie. Die Namen wurden einer nach dem anderen ausgerufen.
—Bronzemedaille, Paula Cordero.
Der Applaus war kräftig. Paula von der Militärföderation stieg mit ruhigem Schritt auf das Podest und grüßte mit einer leichten Verbeugung.
—Silbermedaille, Renata Salas.
Renata ging hinauf, das Herz bis zum Hals klopfend, noch immer den Nachhall der letzten Treffer spürend. Sie suchte ihre Mutter auf den Tribünen. Sie fand sie. Ihre Blicke kreuzten sich, und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie das Gefühl, dass ihre Geschichte gerade erst begann, geschrieben zu werden.
—Goldmedaille, Valentina Ríos.
Valentina stieg ohne Überheblichkeit hinauf. Sie tat es mit Würde, mit dem Gewicht eines Lebens voller Duelle auf den Schultern. Die Menge applaudierte, und die Kamerablitze explodierten wie Feuerwerk. Und während die Medaillen wie erfüllte Versprechen an ihnen hingen, wussten beide, dass der Kampf längst hinter ihnen lag, dass aber das, was auf der Bahn geweckt worden war, gerade erst anfing.
Ihre Blicke trafen sich wieder. Für einen Augenblick schrumpfte die Welt auf die beiden zusammen, auf die Wärme dieses kleinen Sieges zwischen persönlichen Niederlagen.
—Danke —flüsterte Valentina.
Renata nickte wortlos. Manchmal misst sich Fechten nicht nur in Punkten, sondern in den Narben, die es hinterlässt, und den Türen, die es öffnet.
***
In den Frauenumkleiden hatte Renata die Uniformjacke noch immer offen, saß vor ihrem aufstehenden Spind, die Hände leicht zitternd auf den Knien. Sie wusste nicht, ob es an der Adrenalinschübe des Gefechts lag oder an der Mischung aus Gefühlen, die sie innerlich durcheinanderwirbelten: die Freude, so weit gekommen zu sein, der süße Schmerz des Verlierens, die Intensität jener Umarmung und dieses Blicks, die sie noch immer nicht vergessen konnte.
—Darf ich reinkommen? —hörte man von der Tür.
Renata hob den Kopf und stand beim Anblick sofort auf.
—Mama?
Ihre Mutter stand dort, die Tasche quer über der Brust, die Augen glänzend und das Lächeln kaum zurückgehalten. Nie hatte sie sie bei einem Turnier gesehen. Nie. Und für einen Augenblick zweifelte Renata, ob sie träumte.
—Ach, mein Schatz… —mehr brachte sie nicht hervor, bevor sie sich näherte und sie umarmte.
Renata, die während der ganzen Siegerehrung die Tränen zurückgehalten hatte, spürte, wie diese einfache Geste die Barriere brach. Sie klammerte sich an ihre Mutter und ließ das Weinen frei herabstürzen, der Atem stockend zwischen Schluchzern.
—Ich bin so stolz auf dich —flüsterte die Frau—. So, so stolz, mein Mädchen. Für mich hast du gewonnen.
Renata schüttelte den Kopf und wischte sich unbeholfen das Gesicht.
—Aber ich habe verloren… Ich war so nah dran, Mama.
—Und? Schau dir an, wie weit du gekommen bist. Ohne Protektion, ohne Sponsoren, ohne das Studium zu vernachlässigen, ohne mir zu Hause nicht zu helfen. Weißt du, was das wert ist? Es gibt Athletinnen, die bekommen den Weg ausgelegt. Deiner war gepflastert, und trotzdem bist du angekommen.
Renata sah sie mit noch feuchten Augen an.
—Danke, dass du gekommen bist. Ich wusste nicht, dass du hier sein würdest.
—Ich habe das seit einem Monat geplant. Ich habe mir auf der Arbeit freie Tage genommen, ein paar Sachen verkauft, die ich nicht brauchte, und mich irgendwie durchgeschlagen. Glaubst du, ich hätte mir den Tag entgehen lassen, an dem meine Tochter gegen ihre große Liebe antritt?
Renata spürte, wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzog. Ihre Mutter wusste es.
—Mama… —flüsterte sie und senkte den Blick.
—Du musst mir nichts sagen. Ich bin deine Mutter, ich kenne dich besser, als du glaubst. Und was ich heute gesehen habe… diese Art, wie ihr euch angesehen habt, diese Umarmung… das ist nicht nur Bewunderung.
Renata schwieg und schluckte.
—Und das ist okay —fügte ihre Mutter zärtlich hinzu—. Wenn du das fühlst, dann schweig nicht länger darüber. Ich will nur, dass du glücklich bist. Wenn sie dir das bedeutet, dann such sie. Lade sie zum Essen ein. Oder, wenn du dich traust, bring sie für ein Wochenende mit nach Hause. Mal sehen, ob sie die Hühner im Hof mag.
Renata lachte unter Tränen, ungläubig, das zu hören.
—Ernsthaft, du hast kein Problem damit?
—Ich habe mit allem kein Problem, was dich lächeln lässt. Es war nicht leicht, weder für dich noch für mich. Aber wenn das der Anfang von etwas Schönem ist, dann soll es anfangen, mein Schatz. Du musst mir nur eines versprechen.
—Was?
—Dass du dich vor dir selbst nicht versteckst.
Renata nickte und umarmte sie noch fester. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie das Gefühl, mit ihrem Wunsch, Valentina zu suchen, nicht allein zu sein. Vielleicht war es Zeit.
***
Unterdessen hallten in den Umkleiden der weiblichen Militärmannschaft Lachen und Umarmungen laut wider. Paula hielt ihre Bronzemedaille hoch, als sei sie aus Gold, während die Jüngeren um sie herum hüpften. Einige filmten mit ihren Handys, andere machten Witze darüber, was sie sich an diesem Abend zum Essen wünschen würden.
Valentina stand noch immer da, die Jacke bis zum Hals geschlossen, das Haar in ihrem typischen Pferdeschwanz, die Hände vor dem Körper verschränkt. Sie lächelte dezent, als passiere all das jemand anderem. Doch tief in ihr drinnen zitterte etwas.
Sie hatte gewonnen. Wieder. Aber diesmal war es nicht nur ein sportlicher Sieg gewesen.
—Und dieses Gesicht, Hauptmann? —Daniela trat mit einem Handtuch um den Hals und lebhaftem Blick zu ihr—. Hast du gar nicht gemerkt, wie du da draußen gestrahlt hast?
Valentina zog ein leichtes Lächeln an.
—Ihr auch. Es freut mich, dich so glücklich zu sehen, Dani.
Daniela senkte die Stimme, ohne das Funkeln in den Augen zu verlieren.
—Und du? Wann erlaubst du dir endlich, wirklich zu lächeln?
Valentina sah sie von der Seite an und verstand, wohin das Gespräch führte, sagte aber nichts.
—Komm schon, Val. Es ist noch früh. Du könntest sie zum Essen einladen, spazieren gehen, irgendetwas. Heute hast du Geschichte geschrieben, und sie auch. Ihr habt euch eine Pause verdient.
—Ich habe Arbeit, Dani. Du weißt, wie die Lage ist, und ich will mich nicht noch weiter aufhalten —antwortete Valentina, ohne lange nachzudenken—. Es gibt einen Einsatz an der Straße. Ein pensionierter Oberst wurde getötet, und wir sind dran. Ich muss die Voruntersuchung machen.
Daniela runzelte die Stirn. Mit den Banden lief es im Land alles andere als gut.
—Und du glaubst, ich kann dich nicht für ein paar Stunden vertreten? Komm schon, Val. Hör auf wegzurennen.
Bevor Valentina antworten konnte, flog die Umkleidetür mit einem trockenen Schlag auf, und alle wandten sich um, als ein imposanter Mann in makelloser Uniform, begleitet von zwei Offizieren, eintrat.
—Ist hier die Party? —fragte er mit fester, aber warmer Stimme.
—General Acosta! —riefen mehrere Athletinnen und standen auf.
Valentina richtete sich sofort auf, ihr trainierter Körper reagierte augenblicklich. Der General kam mit festen Schritten näher und legte ihr ohne Vorwarnung eine Hand auf die Schulter.
—Major Ríos. Ausgezeichnete Leistung, wie immer.
—Danke, Herr General.
—Ich habe jeden Treffer gesehen. Sogar die, die sonst niemand verstanden hat —fügte er mit einem schmalen Lächeln hinzu—. Sie haben dieses erstaunliche Seitwärtsverschieben genutzt. Das, das Mariana Ihnen beigebracht hat, richtig?
Valentina nickte schweigend und senkte für einen Moment den Blick.
—Sie wäre stolz auf Sie. Und Ihre Eltern ebenfalls. —Es entstand eine bedeutungsvolle Pause—. Sie auch nicht zu vergessen, Leutnant Cordero.
—Es ist mir eine Ehre gewesen —erwiderte Paula.
—Und Sie erst recht nicht, Leutnant Vega. Dieser Ausfall, mit dem Sie das Gold geholt haben, war schlicht perfekt.
—Ich habe nur umgesetzt, was ich von Ihnen gelernt habe, Herr General —sagte Daniela mit vor Stolz schwerer Stimme.
—Und zu Ehren dieses Tages hat das Oberkommando beschlossen, den heute angetretenen drei Tage Urlaub zu gewähren. Ihr habt ab sofort bis Montag früh frei.
Ein emotionales Murmeln breitete sich wie Pulver aus. Daniela grinste boshaft. Valentina hob den Blick und versuchte, Haltung zu bewahren.
—Herr General, ich danke Ihnen sehr für den Urlaub, aber ich habe noch eine offene Angelegenheit. Wenn Sie erlauben, würde ich lieber…
—Nein —die Stimme des Generals war nicht hart, aber endgültig—. Das Leben besteht nicht nur aus Pflichten, Ríos. Sie verdienen es mehr als jeder andere, auszuruhen. Und ich dulde keinen Widerspruch: Wenn ich erfahre, dass Sie die Kaserne betreten haben, muss ich Sie wegen Befehlsverweigerung suspendieren. Und ich mache keine Witze.
Valentina presste die Lippen aufeinander, wohl wissend, dass sie keinen Spielraum zum Diskutieren hatte. Der General sah sie noch einige Sekunden lang an. In seinem Blick lag etwas Vaterliches, vielleicht weil er einst an der Seite ihrer Eltern gedient hatte, oder weil er sie immer als Fortsetzung jenes Erbes gesehen hatte, das auch ihm selbst fehlte: Seine eigene Familie war ebenfalls Opfer des Konflikts geworden, der das Land ausblutete.
—Genießen Sie das Wochenende, Valentina. Tun Sie etwas, das nichts mit dem Tod zu tun hat. Und wenn Sie können, tun Sie es mit jemandem, der Ihnen das Leben zurückgibt —sagte er schließlich, ehe er sich an den Rest des Teams wandte—. Herzlichen Glückwunsch an alle! Und denkt daran: Es gibt keinen Ruhm ohne Opfer, aber auch keinen Sieg ohne Freude.
Die Tür schloss sich hinter ihm. Valentina stand noch einige Sekunden reglos da, bis sie Daniela neben sich spürte.
—Hast du immer noch Ausreden?
Valentina antwortete nicht. Aber etwas in ihr begann sich zu öffnen, wie ein verrostetes Schott, das endlich dem Durchfluss einer neuen Strömung nachgibt. Und zum ersten Mal seit langer Zeit wusste sie nicht, ob sie Angst oder Hoffnung empfand.
***
Als die anderen lachend und mit Feierplänen davongezogen waren, stand Valentina mit klarer Entschlossenheit auf. Sie fragte einen der Helfer, ob Renata noch in den Umkleiden sei; er nickte beiläufig, und sie ging mit langsamen Schritten in jene Richtung.
Als sie der Tür näher kam, hörte sie Renatas Stimme, warm und weich, mit jenem Tonfall von jemandem, der nie hatte lauter werden müssen, um gehört zu werden.
—Mama, wirklich… auch wenn ich kein Gold gewinne, für mich wirst du immer mein Gold sein. Immer —sagte sie, zwischen unterdrücktem Lachen—. Mir hat es gereicht zu wissen, dass du immer für mich da warst.
Valentina blieb stehen, an die Wand neben dem Eingang gelehnt. Sie wollte nicht unterbrechen, nur hören. Denn in diesen Worten lag alles, was sie selbst nie gehabt hatte: eine präsente Mutter, bedingungslose Liebe, eine Kindheit ohne Angst. Sie schloss für einen Moment die Augen, atmete tief durch und sammelte den Mut, anzuklopfen. Dann hörte sie Schritte neben sich. Es war Daniela, die lächelte, als wüsste sie genau, was ihr durch den Kopf ging.
—Willst du weiter spionieren oder traust du dich endlich, sie einzuladen?
Valentina sah sie an, erschlagen von den tausend Gedanken, die ihr durch den Kopf schossen.
—Ich weiß nicht, wohin ich sie bringen soll. In einem vollen Restaurant fühle ich mich nicht wohl. Und ich kann sie auch nicht zu mir nach Hause bringen. Ich weiß nicht, ob ich bereit bin.
Daniela legte sanft ihre Hand um ihren Unterarm, und ihre Worte waren Balsam.
—Dann komm mit uns. Meine Familie organisiert etwas bei uns zu Hause. Es gibt Essen, Musik und, das Beste: Ruhe. Niemand wird jemanden stören. Du kannst sie ganz ohne Druck einladen.
Valentina zögerte, aber nur eine Sekunde. Sie nickte leicht und öffnete, von Daniela geführt, endlich die Tür zur Umkleide.
Renata hob den Blick, als sie sie sah. Ihre Augen glänzten noch immer von Tränen, aber das Lächeln kam sofort. Ihre Mutter, die neben ihr saß, musterte sie mit Respekt.
—Valentina —sagte Renata mit jener Schlichtheit, die sie von allem anderen unterschied.
—Entschuldigung, falls ich störe… —Valentina schluckte—. Ich wollte nur wissen, ob ihr Lust hättet, uns zu begleiten. Daniels Familie hat zu Hause eine kleine Feier organisiert. Es gibt Essen, Ruhe. Ihr könntet beide kommen, wenn ihr wollt.
Renatas Mutter antwortete als Erste, mit überraschender Herzlichkeit:
—Das würden wir sehr gern, obwohl ich heimfahren muss, die Reise, die mir bevorsteht, ist lang. Danke, dass Sie an uns gedacht haben. Aber du kannst mitgehen, Tochter.
—Nein, Mama, wie kannst du nur? Ich lasse dich doch nicht allein fahren —fügte Renata hinzu, wohl wissend, dass der Bus fast drei Stunden unterwegs war, und sich widerwillig anschickte, das einzige abzulehnen, was sie wirklich wollte: Zeit mit Valentina zu verbringen.
—Darum müssen Sie sich keine Sorgen machen, wir fahren Sie und Renny gern —rief Daniela aus—. Darf ich dich so nennen?
—Natürlich —antwortete Renata, auch wenn ein Anflug von Traurigkeit mitschwang—. Ich danke euch wirklich sehr, aber ich will keine Umstände machen.
—Das wäre keine Umstände —fügte Valentina hinzu, in der Hoffnung, sie würde zustimmen—. Wenn Sie erlauben, bringe ich Sie persönlich hin, egal zu welcher Uhrzeit oder an welchen Ort. Ich möchte lieber sichergehen, dass Sie sicher ankommen.
Renatas Mutter lächelte mit jenem Lächeln, das nur Mütter schenken können, wenn sie entdecken, dass ihre Kinder von Menschen umgeben sind, die sie schätzen. Und mit einem Schmerz, der in ihrer Stimme bebte, willigte sie ein. Auch sie wollte, dass ihre Tochter den kleinen Kreis verließ, in dem sie lebte, und neue Möglichkeiten erkundete.
Keine der drei konnte ihr Glück verbergen; ihre Gesichter verrieten es.
***
Das Haus der Vega lag in einem von der Stadt entfernten Wohnviertel, umgeben von hohen Bäumen und gepflegten Gärten. Es war geräumig und doch behaglich, mit sanften Lichtern, Instrumentalmusik und einer Küche, die nach Zuhause roch.
Valentina jedoch schaffte es nicht, sich ganz zu entspannen. Auf der Kante der hinteren Veranda sitzend, beobachtete sie die Leute beim Lachen, Daniela im Gespräch mit ihrer Mutter, Renata, wie sie sich unter die anderen mischte, als wäre sie dazu geboren, Freude zu bewohnen. Doch sie blieb angespannt. Jedes Geräusch ließ sie den Kopf drehen. Jeder Schatten spannte sie an.
Bis Renata sich neben sie setzte, ohne ein Wort zu sagen.
—Alles gut? —fragte sie schließlich, kaum mehr als ein Flüstern.
Valentina nickte, sah sie aber nicht an.
—Ich bin es nicht gewohnt —sagte sie nach einer Weile—. Das hier. Dass Frieden herrscht.
Renata schwieg, und dann streckte sie die Hand aus. Sanft nahm sie Valentinas Hand. Es war eine einfache Geste, aber etwas in ihr brach zusammen. Die Temperatur veränderte sich. Die Welt wurde langsamer. Und Valentina fühlte zum ersten Mal seit Jahren, dass sie nicht laufen musste.
Renata sah ihr direkt ins Gesicht.
—Ich weiß nicht, in welchem Moment ich angefangen habe, das zu fühlen —sagte sie mit kaum zitternder Stimme—. Vielleicht, als ich dich so hart kämpfen sah. Oder als ich merkte, dass hinter deiner Härte eine Traurigkeit lag, die nie verschwand. Und genau deshalb habe ich dich noch mehr bewundert. Aber es ist keine Bewunderung mehr. Es ist etwas anderes. Ich will nichts überstürzen oder annehmen, dass du dasselbe fühlst, aber wenn du es tätest, wäre das das Beste, was mir passieren könnte.
Valentina öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch Renata kam ihr zuvor. Sie beugte sich langsam vor und küsste ihre Lippen mit ehrfürchtiger Zartheit, wie jemand, der nichts Heiliges zerbrechen will.
Und Valentina floh nicht.
Sie erwiderte den Kuss. Schloss die Augen. Und in diesem Augenblick war sie weder die Militärische noch die Gerichtsmedizinerin noch die Championin. Sie war nur sie selbst. Eine lautlose Träne glitt ihr über die Wange.
Renata löste sich nur ein wenig, die Stirn an ihre gelegt.
—Lass mich bleiben. Nur das bitte ich dich. Du musst nicht die ganze Zeit stark sein. Lass mich einfach bleiben.
Valentina drückte die Hand, die sie noch immer hielt. Atmete tief ein. Und sagte nichts, doch sie stand auf, ohne sie loszulassen. Daniela, die sie aus der Ferne mit einem Glas in der Hand beobachtete, verstand sofort. Sie überquerte den Hof, trat nur so weit näher, wie nötig war, und flüsterte Valentina mit verschwörerischem Lächeln ins Ohr.
—Hinten am Flur, die letzte Tür rechts. Das ist das Gästezimmer. Niemand wird hochkommen. Nimm den Schlüssel, wenn du abschließen willst.
Valentina nickte, ohne sie anzusehen, die Kehle trocken. Renata folgte ihr ohne zu fragen. Sie stiegen die Treppe langsam hinauf, die Hände ineinander verschränkt und das Herz bis zum Hals klopfend. Als sie das Zimmer betraten, badete das Licht einer bernsteinfarbenen Lampe ihre Gesichter. Valentina schloss die Tür ab. Drehte sich um. Und Zweifel gab es keine mehr.
—Komm —sagte sie mit tieferer Stimme als sonst.
Renata ging die zwei Schritte zwischen ihnen und ließ sich umfassen. Diesmal war der Kuss nicht ehrfürchtig. Er war hungrig. Valentina packte ihren Nacken mit fester Hand, mit derselben Präzision, mit der sie den Florett führte, und biss in ihre Unterlippe, bis sie ein kurzes Stöhnen hervorlockte. Renata öffnete sich ohne Widerstand ihrem Mund, spürte Valentinas Zunge eindringen, sie beherrschen, sie markieren. Ihre Knie zitterten.
—Die ganze Zeit… —flüsterte Renata an ihrem Mund—. Die ganze Zeit habe ich darüber nachgedacht, wie es wohl wäre.
—Sei still —murmelte Valentina, halb lächelnd—. Jetzt wirst du es erfahren.
Sie zog am Saum ihres Shirts und streifte es ihr in einer einzigen Bewegung über den Kopf. Renata stand vor ihr, der Sport-BH eng am Körper, die Wangen glühend und die Brustwarzen bereits unter dem Stoff abgezeichnet. Valentina ließ den Blick über sie gleiten, ohne Eile, wie jemand, der ein Terrain wiedererkennt, das er sich tausendmal vorgestellt hatte.
—Du bist wunderschön, verdammt noch mal —sagte sie, und sie meinte es ernst.
Sie ließ die Hände über ihre Rippen gleiten, stieg bis zu ihren Brüsten hinauf und drückte beide über dem BH. Renata schloss die Augen und bog den Rücken durch. Valentina riss ihn ohne Umstände auf, und als diese dunklen, erigierten Brustwarzen sichtbar wurden, zögerte sie nicht: Sie beugte sich hinab und nahm eine ganz in den Mund. Sie saugte langsam, dann kräftig, wechselte mit flachen Zungenlecken ab. Renata stieß einen langen Atemzug aus und grub die Finger in Valentinas hochgestecktes Haar, zerrte an ihrem Zopf, bis er sich löste.
—Ja… genau so, bitte…
Valentina wechselte zur anderen Brustwarze, knabberte gnadenlos daran und öffnete mit der freien Hand den Knopf ihrer Hose. Mit einem Ruck zog sie sie ihr bis zu den Knien hinunter. Renata stand in weißen, dünnen Höschen da, in der Mitte bereits sichtbar feucht. Valentina strich mit einem Finger über den Stoff und spürte die Nässe an ihrer Fingerkuppe.
—Du bist schon klatschnass —flüsterte sie an ihrem Hals—. Alles meinetwegen?
—Alles für dich —antwortete Renata atemlos—. Seit Jahren.
Valentina schob sie sanft bis zum Bett. Renata fiel rücklings hin und streifte die Hose mit den Füßen ganz ab. Valentina stellte sich am Fußende der Matratze vor ihr auf und begann sich ohne Hast auszuziehen. Sie streifte das Hemd ab. Den schwarzen BH. Die Hose. Renata sah, wie sie in Höschen dastehen blieb, der ganze Körper von Jahren der Disziplin gezeichnet, die Arme definiert, der flache Bauch, die feste Brust, ein paar kleine Narben, die eine Geschichte erzählten, die sie eines Tages ganz hören würde. Ihr wurde trocken im Mund.
—Mein Gott —sagte sie, unfähig, das zu verbergen.
—Mach dich auf —erwiderte Valentina und kletterte aufs Bett—. Ich will dich sehen.
Renata spreizte ohne Zögern die Knie. Valentina setzte sich zwischen ihre Beine, und statt ihr die Höschen sofort auszuziehen, leckte sie durch den Stoff hindurch, mit breiter Zunge, genau dort drückend, wo ihre Muschi am heißesten war. Renata zuckte zusammen und erstickte ein Stöhnen mit der Hand.
—Nicht zuhalten —befahl Valentina und schob ihre Hand beiseite—. Ich will dich hören. Alles.
—Die hören uns…
—Sollen sie doch. Schrei.
Sie riss ihr die Höschen seitlich weg, ohne Rücksicht, und blieb den Anblick von Renatas Muschi betrachtend zurück: rosig, glänzend, mit gestutztem Haar, vor Verlangen geschwollen. Sie beugte sich hinab und gab ihr einen langen Leck von unten nach oben, bis sie schließlich die Klitoris mit der Spitze ihrer Lippen saugte. Renata stieß einen Schrei aus, den sie halb in ihre Schulter hinein verschluckte.
—Oh, verdammt, Valentina…
Valentina gab ihr keine Pause. Sie öffnete die Lippen ihrer Muschi mit zwei Fingern und fraß sie ganz, mit der Zunge tief drin, mit den Lippen, die an der Klitoris saugten, mit dem Kinn, das vor Nässe glitt. Sie schob zuerst langsam einen Finger hinein und spürte, wie sich das Innere um ihn zusammenzog wie eine heiße Faust. Dann einen zweiten. Und begann sie mit der Hand zu ficken, während sie weiter an ihrer Klitoris saugte.
—So, so —keuchte Renata und drückte ihr mit den Schenkeln den Nacken—. Nicht aufhören, bitte hör nicht auf…
Valentina hob die Augen, ohne sie loszulassen. Sie so zu sehen, mit den Brüsten, die sich hoben und senkten, dem geöffneten Mund, den glasigen Augen, dem auf das Kissen gestreckten Hals, entzündete etwas tief in ihrem Unterleib, das sie seit Jahren nicht mehr gespürt hatte. Sie begann, die Finger schneller zu pumpen, sie nach innen zu krümmen, auf der Suche nach diesem rauen Punkt, der einen den Verstand verlieren lässt. Als sie ihn fand, zuckte Renata heftig.
—Dort, dort, dort, verdammt…
—Komm —sagte Valentina mit rauer Stimme, ohne ihre Klitoris aus dem Mund zu lassen—. Komm mir ins Gesicht, Renata. Jetzt.
Renata explodierte mit einem langen Stöhnen, das sie nicht mehr unterdrücken konnte. Sie presste Valentinas Kopf mit beiden Händen gegen ihre Muschi, während ihre Hüften sich von selbst von der Matratze hoben. Valentina spürte, wie sie zitterte, sich innen an ihren Fingern zusammenzog, ihr den ganzen Mund nass machte. Sie ließ sie erst los, als sie sie erschlaffen fühlte. Als sie schließlich hochkam, das Kinn glänzend, strich sie Renata mit den Lippen über den Mund, damit sie sich selbst kosten konnte.
—Du bist verrückt —keuchte Renata und küsste sie verzweifelt, sich selbst in Valentinas Mund ableckend.
—Ich bin noch nicht fertig mit dir.
Valentina zog sich selbst die Höschen aus und setzte sich über sie, rittlings, auf ihren Bauch. Renata spürte die Hitze und Nässe von Valentinas Muschi auf ihrer Haut und war fast tot. Sie hob die Hände und nahm ihre Brüste, drückte sie, knetete sie, richtete sich gerade genug auf, um sie zu saugen, eine dann die andere, mit demselben Hunger, mit dem sie zuvor angegriffen worden war. Valentina warf den Kopf zurück und stöhnte zum ersten Mal in dieser ganzen Nacht, ein tiefes, seit Jahren zurückgehaltenes Stöhnen.
—Hoch —bat Renata an ihrer Brust—. Setz dich mir ins Gesicht. Ich will dir alles zurückgeben.
Valentina dachte nicht lange nach. Sie kroch nach vorn, bis ihre Muschi genau über ihrem Mund lag. Renata packte sie mit beiden Händen an den Arsch und zog sie hinunter, bis ihre Lippen gegen ihr Fleisch lagen. Sie begann, sie langsam zu lecken, zuerst unbeholfen und dann hungrig, lernte den Rhythmus mit jedem Stöhnen Valentinas. Sie schob die Zunge tief hinein. Leckte mit der ganzen Spitze über die Klitoris. Saugte eine Lippenfalte nach der anderen.
Valentina klammerte sich mit beiden Händen ans Bettkopfteil und begann sich darüber zu bewegen, ritt ihr ohne Rücksicht den Mund. Der Zopf längst gelöst, das Haar ins Gesicht fallend, die Schenkel, die Renata den Kopf zusammendrückten. Die Soldatin, die Kalte, die Unantastbare, ritt mit ihrer Zunge die Frau, die sie besiegt hatte, ohne zu gewinnen.
—Tiefer… so… beiß ein bisschen drauf…
Renata gehorchte. Sie biss mit den Lippen nur leicht in die Klitoris, saugte kräftig daran, grub zwei Finger unter ihrem Kinn hinein, ohne aufzuhören, sie zu fressen. Valentina begann in ihrem Mund zu zittern. Ihr Atem stockte. Der Rhythmus ihrer Hüften geriet ins Wanken.
—Ich komme, Renata, ich komme…
—Komm mir in den Mund —antwortete Renata und drückte ihr die Pobacken zusammen—. Alles.
Valentina kam mit einem langen, erstickten Stöhnen, biss sich in den Unterarm, um nicht zu schreien. Sie machte Renatas Mund nass, ihr Kinn nass, brach nach vorn zusammen, die Hände an der Wand abgestützt, die Stirn an das Holz gepresst, keuchend, als hätte sie gerade den längsten Kampf ihres Lebens beendet.
Als sie hinunterkam, ließ sie sich an ihrer Seite fallen, noch immer mit zitternden Schenkeln. Renata drehte sich zu ihr und schmiegte sich an ihren Körper, die Wange auf ihrer Brust, das Pochen von Valentinas Herz wie eine Trommel unter ihr.
—Ich will auch mehr —flüsterte Renata an ihre Haut und ließ eine Hand über ihren Bauch gleiten, langsam nach unten.
—Gib mir eine Sekunde —lachte Valentina, müde, glücklich, seltsam berührt davon, so zu empfinden—. Eine Sekunde, und ich bin wieder bei dir.
—Nein —Renata richtete sich auf, die Augen glänzend und mit einem neuen Lächeln—. Jetzt lass mich.
Sie glitt zwischen Valentinas Beine, öffnete ihr die Schenkel mit den Händen und fraß sie ohne Hast, mit der ganzen Zunge, lernte jede Falte, jeden Atemzug. Sie leckte sie langsam, quälte sie mit Geduld, schob zwei Finger hinein und bewegte sie im gleichen Rhythmus, mit dem Valentina sie zuvor markiert hatte. Valentina hielt nicht lange durch. Sie kam zum zweiten Mal mit den Händen in Renatas Haar verkrallt, stöhnte leise immer wieder ihren Namen, wie jemand, der betet.
Als es vorbei war, lagen sie sich ineinander verschlungen in den Armen, schweißnass, die Laken um ihre Beine verheddert, die bernsteinfarbene Lampe noch immer an, das ferne Murmeln der Feier unten wie eine Welt, die sie längst nicht mehr interessierte. Valentina strich Renata mit den Fingerkuppen über den Rücken, langsam, und konnte kaum glauben, dass sie so dalagen.
—Du hast gewonnen —flüsterte sie ihr ins Ohr.
—Was?
—Heute. Du hast gewonnen. Auch wenn die Anzeige etwas anderes sagte.
Renata lachte gegen ihren Hals und biss ihr kaum merklich in die Haut.
—Unentschieden, Hauptmann. Unentschieden.
Das war mehr als ein Kuss, mehr als ein Fick. Es war ein Versprechen von Nähe, von Begleitung und von einem neuen Anfang. Die wertvollste Medaille des Tages hing nicht an ihrem Hals, sondern ruhte in den Armen der Frau, die endlich beschlossen hatte, nicht mehr wegzulaufen.