Zum Inhalt springen
Relatos Ardientes

Der Riss, den der Künstler in ihrer Ehe aufbrach

Irene bewegte sich wie die Architektur, die sie bewohnte: rechte Winkel, weiche Übergänge und kein Laut zu viel. Ihre Ehe mit Andrés war eine Verlängerung dieser Ästhetik. Er war ein Mann der Zahlen, von Popelinehemden, die sich niemals knitterten, und von geteilten Schweigen vor den Fensterfronten, die auf ein Valencia blickten, das vom Penthouse aus wie ein Modell wirkte.

An jenem Morgen war die Restaurierungswerkstatt kein Heiligtum, sondern ein Büro für Formalitäten. Das Ministerium hatte die Zusammenarbeit mit einem zeitgenössischen Künstler angeordnet, um die Fresken des Westflügels zu retten, und sie akzeptierte diese Störung mit derselben Resignation, mit der man einen Feuchtigkeitsfleck in einer tragenden Wand hinnimmt.

Bruno kam zu spät. Es war kein dramatisches Eintreten, eher ein Einsickern. Zuerst das metallische Geräusch einer Werkzeugkiste auf dem Steinboden, dann seine Silhouette, die sich gegen das Oberlicht abzeichnete. Er war ein Mann mit schwerem Knochenbau, mit Schultern, die dafür gemacht schienen, mehr Last zu tragen, als ihnen zustand. Er trug eine sonnenverblasste Leinwandjacke, deren ausgefranste Ärmel schmale Handgelenke freigaben, gezeichnet von den verschwommenen Spuren irgendeines alten Tattoos.

Er sah sich nicht die Werke an. Er sah sie an. Es war kein lüsterner Blick, sondern eine technische Inspektion, als wäre Irene Teil des Materials, das er bearbeiten sollte.

—Man hat mir gesagt, hier arbeite man mit OP-Licht — sagte Bruno. Seine Stimme hatte die Textur von feinem Schleifpapier —. Ich weiß nicht, wie ihr unter diesen Scheinwerfern die Seele von irgendetwas sehen wollt.

Irene hob den Blick von ihrem Skalpell nicht. Sie reinigte gerade eine Kalkkruste vom Gesicht eines Engels aus dem 18. Jahrhundert.

—Wir suchen hier nicht die Seele, sondern die Integrität des Pigments. Die Seele ist das, was ihr Künstler als Ausrede für euren Mangel an Technik benutzt.

Er kam näher. Er fragte nicht um Erlaubnis, in ihren Bereich einzudringen. Er blieb in einer Distanz stehen, in der sie die Wärme spüren konnte, die sein Körper abstrahlte — ein gewaltsamer Kontrast zur Klimaanlage der Werkstatt. Bruno streckte einen Arm aus und deutete auf einen Riss in der Schulter des Engels. Seine Finger waren lang, mit knotigen Gelenken und kleinen weißen Narben an den Knöcheln.

—Dieser Riss ist nicht vom Alter — stellte er fest, ohne ihren Seitenhieb zu beachten —. Das ist innere Spannung. Die Wand gibt nach, auch wenn du dich bemühst, der Oberfläche Glanz zu geben.

Irene legte das Skalpell mit einer Präzision auf das Edelstahltablett, die keinen Widerspruch zuließ. Zum ersten Mal sah sie ihm in die Augen. Sie hatten eine undefinierbare Farbe, wie Hafenwasser, trüb, aber klug.

—Die Wand wird halten — urteilte sie, mit der Kälte einer Frau, die blind auf die Materialien vertraute, mit denen sie arbeitete —. Wenn du die Entwürfe mitgebracht hast, können wir anfangen, so zu tun, als würde das hier Sinn ergeben.

—Die Entwürfe sind in meinem Kopf — antwortete er und verlagerte das Gewicht auf ein Bein mit einer Lässigkeit, die sie als Beleidigung empfand —. Mitgebracht habe ich Hunger. Wo gibt’s hier etwas Echtes zu essen, das nicht wie ein Konzept heißt?

Sie begann, die Latexhandschuhe auszuziehen und ließ sie an ihren Handgelenken knacken.

—Keine Ahnung. Ich esse mittags im Club mit meinem Mann. Deine Vorstellung von „etwas Echtem“ und meine wohnen nicht in derselben Postleitzahl.

Bruno lächelte; kaum mehr als eine Bewegung des Mundwinkels, die ein Selbstvertrauen erkennen ließ, das sie zutiefst irritierte. Irene verstaute die Werkzeuge im Samtetui und schloss den Reißverschluss mit einem Zug, der dem Gespräch ein Ende setzte.

—Viel Erfolg bei deiner Suche. Morgen um acht brauche ich diese Entwürfe auf Papier, nicht in deinem Kopf.

Sie ging, ohne auf eine Antwort zu warten, und spürte das Echo ihrer eigenen Schritte auf dem Marmorboden des Flurs.

***

Die Rückkehr nach Hause war, wie immer, eine Übung in Symmetrie. Andrés war bereits da, ohne Sakko, und prüfte auf dem sandfarbenen Sofa Dokumente auf dem Tablet. Kein Kissen lag aus der Ordnung.

—Langer Tag? — fragte er, ohne aufzusehen, doch sein Ton war warm, ein vertrauter Klang, der ihr immer als Anker diente.

—Ein Tag der Korrekturen — antwortete sie und stellte die Tasche auf der Konsole ab —. Das Ministerium hat endlich den Künstler für die Fresken geschickt. Einen gewissen Bruno.

Andrés hob den Blick. Sein Blick war klar, berechenbar, voller jener Sicherheit, die nur ein Leben ohne Erschütterungen verleiht.

—Ich hoffe, er ist professionell. Dieser Flügel ist dein größter Stolz des Jahres.

Irene legte ihm eine Hand auf die Schulter. Die ägyptische Baumwolle seines Hemds leistete keinen Widerstand. Und bei der Berührung erinnerte sie sich für einen Sekundenbruchteil an Brunos Hand, die auf dem Tisch der Werkstatt lag: die markierten Knöchel, die gegerbte Haut, diese Narbe, die von einer Geschichte zu erzählen schien, an der sie nicht teilhaben wollte.

—Ist er — log sie, oder sie überzeugte sich selbst davon.

***

Am nächsten Morgen erschien Bruno um Viertel nach acht. Er brachte nicht die Werkzeugkiste mit, sondern ein Kartonheft, mit einem Gummiband geschlossen, das seine Elastizität verloren hatte. Er legte es auf Irenes Tisch, schob dabei ihre Instrumentenschale um ein paar Zentimeter zur Seite und schlug es auf einer mittleren Seite auf.

Es waren keine technischen Skizzen. Es waren Kohlestriche, gewaltsam und schnell, die nicht das Fresko erfassten, sondern die Bewegung der inneren Struktur des Gebäudes. Linien, die durch die Engel hindurchliefen, statt ihre Form zu respektieren.

—Ich habe dir gesagt, du sollst das Werk respektieren, Bruno. Das hier ist eine Sezierung.

—Es ist die Wahrheit dessen, was darunter liegt — sagte er, so nah, dass sie bemerkte, dass er kein Parfum trug, nur den neutralen Geruch sauberer Haut und die metallische Spur der Kohle an den Fingerspitzen —. Deine Restaurierung ist eine Maske. Ich will den Kraftaufwand malen, mit dem die Wand versucht, nicht einzustürzen.

Irene drehte sich um, bereit, von ihm Genauigkeit zu verlangen, doch er sah nicht auf das Heft. Er betrachtete sie mit entwaffnender Neugier, entschlossen, die Risse zu kartieren, die sie unter dem weißen Kittel verbarg.

—Dein Mann … — begann er und ließ den Namen seltsam klingen — weiß er, dass du dich hinter diesen Engeln versteckst, um nicht hinzusehen, was draußen gerade zerbricht?

Sie wich nicht zurück, obwohl ihr plötzlich Hitze den Hals hinaufstieg.

—Mein Privatleben gehört nicht in diesen Vertrag, und meine Methoden haben dieses Kulturerbe seit zwölf Jahren aufrechtgehalten. Wenn du nicht mit der nötigen Sorgfalt arbeiten kannst, informiere ich noch heute das Ministerium.

—Sorgfalt ist nur eine andere Form von Angst, Irene. Aber ich mache dir deine Pläne. Ich hoffe, das Papier hält so viel Zurückhaltung aus.

***

Das Gerüst vibrierte, als Bruno die letzte Stufe hinaufstieg. Es war eine schmale Konstruktion, kaum ein Meter zwischen der abgeplatzten Wand und der Leere des Westflügels. Irene reinigte mit einem Wattestäbchen das Gesicht eines Putto und kniete auf einer Diele. Seine Nähe veränderte die Akustik der Ecke; sein ruhiger Atem brach die Stille des Raums.

—Geh zur Seite — sagte Bruno.

Sie hielt inne. Der Ton ließ keinen Widerspruch zu. Er streckte die Hand aus, und seine Finger streiften ihr Handgelenk, um sie wegzuschieben. Seine Haut war rau, eine schleifpapierartige Textur gegen das Latex des Handschuhs. Ohne um Erlaubnis zu bitten, drückte er den Daumen auf die abgeblätterte Farbe — eine Geste, die jedes Restaurierungslehrbuch als Sakrileg bezeichnet hätte.

—Nicht der Firnis stirbt — murmelte er —. Die Grundlage. Spür die Schwingung.

Er hielt seine Hand auf ihrer, zwang sie, die Wand zu berühren. Irene spürte die Kälte des Steins durch den Handschuh und darunter die Wärme von Brunos Handfläche, die sich um ihre schloss. Das war keine Metapher: Es war der physische Druck eines Mannes, der mit Kraft arbeitete, gegen eine Frau, die mit Feinheit arbeitete.

Sie versuchte, den Arm zurückzuziehen, doch er verstärkte den Druck. Ihre Gesichter waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt. Bruno hatte einen Grafitfleck auf der Wange.

—Lass mich los — befahl sie, obwohl ihre Stimme nicht mehr die Härte des Morgens hatte.

Er ließ sie los, entfernte sich aber nicht. Er blieb dort, drang in ihre Luft ein und beobachtete, wie sie den Kittel mit zitternden Händen zurechtrückte.

***

Die nächsten Tage waren eine langsame Erosion. Bruno brachte Steine vom Hafen mit, legte sie auf ihren makellosen Tisch und sagte, sie seien lebendiger als ihre ganze Werkstatt. Eines Nachmittags deutete er auf ihre bloßen Finger, an denen ein Rest weißen Staubs verriet, dass sie ohne Handschuhe gearbeitet hatte.

—Du hast Kalk an den Händen, Irene — flüsterte er —. Du fängst an, die Ruine zu berühren. Dir gefällt die Haptik des Zerbrechens.

Das war keine sexuelle Provokation. Es war eine Anklage. Irene sah auf ihre Hände und spürte zum ersten Mal seit Jahren, dass die Ordnung ihres Lebens nur ein Bühnenbild war, das Bruno gerade mühelos umgetreten hatte. In Andrés’ Welt sprach niemand so, dort wurden Probleme mit Renovierungen gelöst und Gefühle mit Reisen.

***

Das Krachen des Vorschlaghammers gegen den trockenen Ziegel hallte durch den Raum. Bruno schlug nicht aus Wut, sondern mit einer technischen Präzision, die sie trotz sich selbst erkannte. Jeder Aufprall löste eine Wolke feinen Staubs, die sich auf ihren Kittel und auf seine verschwitzte Haut setzte. Als der rostige Eisenträger sichtbar wurde, ließ er den Hammer fallen und kletterte an den seitlichen Rohren hinunter, bis er vor ihr stand.

Der Geruch von Bruno erreichte sie noch vor seinen Worten: körperliche Anstrengung, alter Staub, die metallische Spur korrodierten Eisens. Nichts zu tun mit dem zitrischen, distanzierten Duft von Andrés.

—Berühr es — befahl er und zog sie am Ellbogen zur geöffneten Wand.

Irene streckte die Hand nach dem freigelegten Eisen aus. Der Rost zerbröselte unter ihren Fingern wie Schuppen toter Haut. Er war warm. Bruno stellte sich hinter sie, legte seine Hand auf ihre und drückte ihre Finger gegen das raue Metall. Eine thermische Masse umhüllte sie in der Halbdunkelheit — viel wirklicher als die Wände, die sie seit Jahren zu retten versuchte.

—Spürst du das Gewicht? — flüsterte er ihr ins Ohr. Sein Atem schmeckte nach bitterem Kaffee.

Sie antwortete nicht. Sie lehnte den Kopf zurück, fand seine Schulter und akzeptierte endlich, dass das Desaster nicht länger in der Wand lag, sondern genau in der Mitte ihrer Brust. Als sie sich umdrehte, zwischen Wand und seinem Körper gefangen, legte Bruno beide Hände auf beiden Seiten ihres Kopfes an und schloss sie ein.

—Deine Glaswelt hat keine Belüftung, Irene. Du erstickst an all dem Ordnungssinn.

Er wartete nicht darauf, dass sie die Diagnose bestätigte. Der Kuss war eine Kollision der Texturen: Salz und die Dringlichkeit eines Menschen, der nichts zu verlieren hat. Irene antwortete mit einer Gier, die ihr selbst fremd war, und grub die Finger in die Leinwandjacke. Bruno hob sie kraftvoll hoch und setzte sie auf den Arbeitstisch, auf dem sie gewöhnlich mit Präzisionszangen Pigmente sortierte. Die Glasbehälter klirrten.

—Du wirst noch etwas kaputt machen — brachte sie hervor.

—Es ist schon kaputt. Wir räumen nur die Trümmer weg.

Bruno ging vor ihr zwischen ihre Schenkel auf die Knie. Seine mit Grafit befleckten Hände hielten ihre Hüften fest, während er ihren Bleistiftrock mit einer Hand bis zur Taille hochschob. Er schob den Stoff ihrer Unterhose mit brutaler Ungeduld beiseite und, bevor er sie mit dem Mund berührte, sah er sie an, als prüfe er den genauen Verlauf eines Risses. Irene atmete schon stoßweise, der Rücken auf der harten Tischkante gekrümmt. Er küsste die Innenseite ihres Oberschenkels, zuerst den einen, dann den anderen, ließ warmen Speichel auf der zitternden Haut zurück. Dann versenkte er das Gesicht zwischen ihren Beinen, leckte sie mit offener Zunge, zunächst langsam, als koste er sie, dann fester, schmutziger, hartnäckiger. Irene drückte eine Hand gegen die Wand, um nicht zu fallen, die andere fuhr in Brunos dunkles Haar, das sie büschelweise packte, und sie spürte das Ziehen an seiner Kopfhaut, während er sie mit dem Mund fickte, ohne sie an den Hüften loszulassen.

Ihr Atem wurde zu einem zerrissenen Faden. Bruno zog die Zunge kaum zurück, ließ sie keuchend zurück und drang dann wieder mit nahezu gewalttätigem Hunger in sie ein, saugte an ihrem Mittelpunkt, umkreiste die Klitoris in einem harten, präzisen Rhythmus, bis Irene sich abrupt mit einem Krampf kommen ließ, der durch ihren Bauch schoss und ihr die Luft nahm. Sie zitterte auf dem Tisch, die Beine gespreizt und die Knie angespannt, während er sie weiter langsam leckte und einsammelte, was zwischen den feuchten Falten entwich, als wolle er sie ganz auspressen.

Ohne ihr eine Pause zu gönnen, stellte Bruno sie auf die Füße und drehte sie mit dem Gesicht gegen den Tisch. Irene stützte die Unterarme auf den Kohleskizzen ab, den Oberkörper tief, und bot sich in einer Verletzlichkeit dar, die sie sich nie erlaubt hatte. Er hob ihr den Kittel am Rücken an und zog ihr mit einer einzigen Hand die Unterhose bis zu den Knöcheln hinab. Mit dem Knie spreizte er ihre Beine, tastete mit zwei Fingern nach der Feuchtigkeit und stieß ein tiefes, zufriedenes Knurren aus. Dann öffnete er seine Hose, zog den harten, dicken Schwanz heraus, dessen Spitze glänzte, und rieb ihn einen Moment lang an ihrer Öffnung, verschmierte die Lippen mit dem geschwollenen Kopf. Irene stieß einen Laut aus, als sie den ersten Stoß spürte — ein süßer Schmerz, ein kurzer Riss, der sich sofort in eine intensive, perfekte Spannung verwandelte, als er langsam in sie eindrang, bis er sie vollständig ausfüllte. Jeder seiner Stöße drückte sie gegen die Tischkante, während sie frontal auf die verwitterten Fresken blickte, stumme Zeugen ihres Falls.

—So — knurrte er dicht an ihrem Nacken —. Bleib still und lass dich ordentlich von mir ficken.

Irene krallte die Finger in die Tischplatte, die Knöchel weiß, und begann, den Rhythmus von Bruno mit verzweifelter Hast mitzugehen, suchte den Aufprall seiner Hüften gegen ihren Hintern, den tiefen Stoß, der ihr kurze, raue Laute entriss. Das Geräusch von Haut auf Haut mischte sich mit dem Rascheln der Papiere, mit dem Klimpern eines schlecht verschlossenen Glases, mit dem abgerissenen Atem beider. Er nahm sie härter, presste ihre Pobacken mit den Händen zusammen, drang mit einer Gewalt in sie, die sie zugleich vor Lust und Scham zittern ließ. Jeder Schlag lief ihr die Wirbelsäule hinunter, spannte den Bauch an, löste die Beine. Irene hörte sich selbst nach mehr verlangen, ohne ihre eigene Stimme wiederzuerkennen.

Bruno riss ihr mit einem Zug das Haar aus dem Gesicht und zwang sie, ihn über die Schulter hinweg anzusehen. Seine Stirn war feucht, der Kiefer angespannt, die Augen verdunkelt vor Verlangen.

—Sieh, wie ich dich aufmache — sagte er und stieß weiter in sie hinein —. Sieh, wie du aufhörst, aus Porzellan zu sein.

Sie konnte den Blick nicht von den Engeln wenden. Der zweite Höhepunkt traf sie mit tieferer Gewalt, eine Erschütterung, die ihr die Kehle zuschnürte und den Rücken über den Tisch bog. Bruno bemerkte ihr Beben, beschleunigte das Tempo und ließ einen abgerissenen Atemzug hören, bevor er sich mit einer Reihe heißer, dicker Pulse in ihr entlud, die ihr Inneres füllten, während er weiter bis zum Anschlag in sie stieß. Irene spürte, wie sich sein Samen in ihrer Scheide ergoss, klebrig hinabrann, als er sich nur ein Stück zurückzog, um noch ein paar Mal wieder einzudringen, als wollte er seine Spur in jeder Ecke hinterlassen. Beide verharrten für einige Sekunden reglos, keuchend, während sich das Holz in Irenes Rippen drückte und der Geruch von Staub, Schweiß und Sex den Raum wie eine neue Präsenz füllte.

***

An jenem Abend schenkte Andrés einen kühlen Weißwein in Gläser ein, so dünn, dass sie mit dem Besteck zu vibrieren schienen. Irene kostete kaum vom Essen.

—Du bist sehr still. Ist es mit dem Träger so schlimm? — fragte er.

—Wir müssen vom Kern her sanieren — antwortete sie und vermied seinen Blick —. Die Oberfläche reicht nicht.

—Ich vertraue deinem Urteil. Du wusstest schon immer, wo die Grenze zwischen dem liegt, was zu retten ist, und dem, was ersetzt werden muss.

Das Wort „Grenze“ klang wie ein Schuss. Unter dem Tisch verschränkte Irene die Beine und spürte das Reiben des Stoffes an ihren noch empfindlichen Schenkeln, noch gezeichnet von Brunos Druck. Der Kontrast war unerträglich: die samtige Stimme ihres Mannes gegen das Knurren in ihrem Nacken; die Sauberkeit des Speisezimmers gegen den Geruch von Eisen, der ihrer Meinung nach noch immer aus ihren Poren aufstieg.

***

Zwei Tage später flog die Ordnung in die Luft, aber nicht in der Werkstatt. Irene und Andrés besuchten die Eröffnung einer Galerie, ein Ereignis mit Etikette, Seidenkleidern und Canapés auf Silberplatten. Das war ihr Terrain, der Ort, an dem ihre Selbstbeherrschung eine wertvolle Währung war. Bis sich die Tür öffnete und Bruno eintrat.

Er trug keinen Smoking. Er trug dunkle Hosen, ein schlecht zugeknöpftes schwarzes Hemd und dieselbe Leinwandjacke, die in dieser Umgebung wie ein Akt ästhetischen Terrors wirkte. Er durchquerte den Raum mit seinem schweren Gang, ignorierte die Blicke und blieb schließlich einen Meter vor dem Paar stehen.

—Irene — sagte er. Es war kein Gruß, sondern ein Anspruch.

Andrés hob eine Augenbraue mit der Neugier dessen, der ein seltsames Exemplar betrachtet, und reichte ihm eine makellose Hand.

—Bruno, richtig? Der Künstler des Ministeriums. Irene sagt, du seist … impulsiv mit Strukturen.

Bruno schüttelte ihm nicht die Hand. Er zog ein Stück Kohle aus der Tasche und legte es auf den Rand einer Vitrine, neben Irenes Champagnerglas.

—Ich bin gekommen, um dir zu sagen, dass der Träger heute Nachmittag endgültig nachgegeben hat — sagte er und hielt den Blick fest auf Irenes Augen —. Morgen wird der Westflügel aus Sicherheitsgründen gesperrt. Wenn du das Desaster sehen willst, bevor man es abstützt, komm heute Nacht.

—Heute Nacht? Für technische Inspektionen ist es spät — warf Andrés ein.

—Für manche Dinge ist der Tag zu hell, Señor Andrés — erwiderte Bruno und ging davon, wobei er eine Spur Kohlenstaub auf dem makellosen Glas hinterließ.

Irene umklammerte den Stiel ihres Glases so fest, dass sie fürchtete, es könnte brechen.

—Es ist ein struktureller Notfall — sagte sie zu ihrem Mann, und ihre Stimme klang fest, als hätte sie diese Lüge ihr Leben lang geprobt —. Wenn der Flügel einstürzt, wird mich das Ministerium zur Verantwortung ziehen. Ich muss hin.

—Jetzt? Wir sind mitten beim Dinner mit den Direktoren …

—Es dauert eine Stunde. Entschuldige mich bei den Gastgebern.

***

Das Gebäude des Ministeriums war ein imposanter Schatten. Irene trat mit ihrem Generalschlüssel durch die Seitentür ein. Das Notlicht tauchte die Korridore in ein schwaches Rot. Im Westflügel gab es keine Arbeiter, nur Bruno, der auf dem Boden zwischen den Trümmern der Wand saß, die er selbst bearbeitet hatte, während die Taschenlampe lange Schatten über die Engel warf, die nun zu weinen schienen aus Staub.

—Du bist gekommen — sagte er, ohne aufzustehen.

Sie blieb einige Meter entfernt stehen. Ihr grünes Seidenkleid hob sich wie eine Anomalie aus dieser Ruinenlandschaft ab.

—Du hast gesagt, er hätte nachgegeben.

Bruno stand auf und strich mit dem schwarzen Daumen über ihre Unterlippe, löschte die perfekte Linie des Lippenstifts aus.

—Ich meinte nicht den Träger, Irene. Andrés wartet auf dich in einem Saal voller toter Leute. Und du bist hier zwischen den Trümmern, weil das der einzige Ort ist, an dem du dich lebendig fühlst.

Sie schloss die Augen und packte die Revers seiner Jacke. Der Seidenstoff ihres Kleides beschmutzte sich beim Zusammenstoß mit der Arbeitskleidung, doch das Rascheln der Stoffe löste in ihr ein fast schmerzhaftes Vergnügen aus.

—Sei still — sagte sie, und diesmal war sie es, die ihn suchte, ihre Lippen mit einer Gewalt auf seine presste, die nach Verzicht und Freiheit schmeckte.

Bruno schob seine Zunge ohne Sanftheit in ihren Mund, beherrschte den Kuss, biss kaum in ihre Unterlippe, bis sie keuchte. Irene klammerte sich an seine Schultern, spürte die Härte seiner Muskeln unter dem Hemd, glitt drängend über seinen Oberkörper hinab und fand den Gürtel. Sie kniete sich ohne nachzudenken auf den Kies, ignorierte das Brennen in den Knien und öffnete ihm mit fahrigen Fingern die Hose. Sie holte den Schwanz hervor, schon geschwollen und pochend, und nahm ihn mit einer Gier in den Mund, die sie nie etwas Lebendigem entgegengebracht hatte. Sie leckte ihn von der Basis bis zur Spitze, saugte zuerst langsam, dann tiefer, nahm Brunos Kopf so weit auf, bis ihre Wangen sich füllten und sich der Mundwinkel befeuchtete. Er packte ihr Haar zu einer Faust und bestimmte damit den Rhythmus der Stöße seiner Hüfte gegen ihre Zunge.

—So, verdammt noch mal — knurrte er —. Sieh mich an, wenn du ihn mir lutschst.

Irene hob den Blick, die Augen glänzend, und nahm ihm den Schwanz wieder bis an die Kehle. Sie spürte das Beben, das ihn durchlief, als sie die Bewegung von Zunge und Hand beschleunigte, die Basis fest umschloss und mit Hartnäckigkeit an seinem Frenulum leckte. Bruno stieß ein tiefes Stöhnen aus, spannte sich abrupt an und kam in ihrem Mund mit mehreren heißen Pulsen. Sie verharrte einen Moment lang reglos und spürte das dicke Sperma auf ihrer Zunge, bevor sie sich nur ein wenig zurückzog, damit ein Teil des Samens an ihrem Mundwinkel hinabrann und ihr das makellose Make-up verschmierte, das sie ihrem Mann gegenüber getragen hatte, und die Maske der Perfektion auslöschte.

Ohne ihr Zeit zum Atemholen zu lassen, hob Bruno sie an der Taille hoch und legte sie auf den Arbeitstisch, zwischen Pläne und Staub. Er schob ihr Kleid bis zur Taille hoch und riss ihr mit einem Zug den schwarzen Tanga weg. Er spreizte ihre Beine weit auseinander und beugte sich hinunter, um sie noch einmal zu lecken, diesmal tiefer, mit obszöner Geduld, die sie sich winden und an das Holz klammern ließ. Dann drang er mit einem einzigen Stoß in sie ein, tief und trocken, bis er ganz in ihrer feuchten Muschi versank. Irene öffnete den Mund, auf der Suche nach Luft, die ihr aus der Lunge entwichen war. Er nahm sie mit animalischer Vehemenz, wechselte die Stöße mit trockenen Schlägen auf ihre Pobacken ab, die unter dem roten Licht aufleuchteten. Sie kam keuchend, den Blick ins abgeplatzte Deckengewölbe verloren, während Bruno den Schwanz immer wieder in sie hineintrieb, durchnässt von ihren Säften.

Doch Bruno war noch nicht fertig. Er zog sein Glied zurück, von ihrer Feuchtigkeit geschmiert, und setzte die Spitze an eine Grenze, die sie immer verschlossen gehalten hatte. Als sie den Druck des Kopfes gegen ihren Analansatz spürte, stieß Irene einen Schrei aus und versuchte, die Beine zusammenzupressen, aber er spreizte ihre Schenkel mit einer festen Hand.

—Da nicht … — protestierte sie und drückte mit den Händen gegen das Holz.

Er überging ihr Klagen und drang mit unerbittlichem Stoß langsam in sie ein, bis der Widerstand gewaltsam nachgab und der erste Schmerz sich in einen brutalen, unerträglichen und auf seltsame Weise köstlichen Druck verwandelte. Irene ließ einen erstickten Keuchlaut hören, krallte die Finger in den Tisch und spürte, wie jeder Vorstoß Brunos ihr ein Ganzes Beben aus dem Unterbauch bis in die Kehle entriss. Er bewegte sich in schwerem Rhythmus, schlug ihr mit dem Schambein gegen den Hintern, beschmierte die Haut mit Schweiß und Speichel, zeichnete sie mit einem Gebrauch, der sie mit Scham und einer Erregung füllte, die sie zittern ließ. Der Schmerzensschrei löste sich allmählich in ein abgerissenes Stöhnen auf, als sie begann zu antworten, selbst den Rhythmus suchte, nach hinten drückte, wortlos mehr verlangte.

Bruno packte ihre Hüften mit beiden Händen und beschleunigte, sodass der Tisch unter ihrem Gewicht quietschte. Irene suchte mit zwei Fingern ihre Klitoris, während er ihr weiter mit brutaler Entschlossenheit den Hintern fickte. Der Orgasmus explodierte plötzlich in ihr, eine gewaltsame Erschütterung, die ihr den Kopf leerte und die Beine weich werden ließ. Sie spürte, wie das Vergnügen in Pulsen ihre Wirbelsäule entlanglief, und gleichzeitig, wie Bruno hinter ihr sich anspannte, einen abgerissenen Atemzug ausstieß und sich ebenfalls kam, den Samen in ihr mit mehreren heißen, dicken Schlägen freigab. Er stieß noch ein paar Mal tief in sie hinein, um sie zu füllen, und dann sanken beide erschöpft auf den Tisch, zwei geschlagene Körper inmitten der Ruinen dessen, was einst eine vorbildliche Restaurierung gewesen war.

***

Das Wasser der Dusche lief in genau der Temperatur, die der Haut entsprach, eine flüssige Grenze, die Werkstatt und Zuhause voneinander trennen wollte. Irene rieb sich mit einem Schwamm ab, nicht aus Verzweiflung, sondern mit der Methodik einer Frau, die eine überschüssige Lackschicht entfernt. Sie betrachtete die roten Spuren an ihren Hüften mit derselben Kälte, mit der sie einen korrodierten Träger beurteilen würde. Kollateralschäden. Nichts, was ein guter Primer aus Schweigen nicht verbergen könnte.

Andrés las im Bett unter dem gerichteten Licht einer Lampe, die keine Schatten zuließ.

—Alles unter Kontrolle? — fragte er, ohne den Blick vom Buch zu nehmen.

—Ja. Die Struktur ist stabil. Sie brauchte nur eine drastische Korrektur.

Sie glitt zwischen die Leinenlaken und spürte den Kontrast zwischen der Weichheit des Stoffs und der Erinnerung an das raue Holz. Andrés legte eine Hand auf ihre Taille, eine warme, besitzergreifende Geste, die sie mit vollkommener Regungslosigkeit hinnahm.

Von jener Nacht an perfektionierte Irene ihre Technik. Die Lüge wurde zu ihrem besten Restaurierungswerk. In der Werkstatt war Bruno die rohe Kraft, die das Blut zirkulieren ließ; zu Hause war Andrés der Endfirnis, die makellose Oberfläche, die das Werk vor der Welt schützte. Sie lernte, mit beneidenswerter Präzision zwischen beiden Zuständen zu wechseln.

Sie begriff, dass eine perfekte Struktur nicht die ist, die keine Risse hat, sondern die, die versteht, sie unter einer meisterhaften Stucco-Schicht zu verbergen. Ihre Ehe war keine Farce: Sie war eine historische Fassade, die eine geheime, innere Zersetzung brauchte, um nicht unter dem Gewicht ihrer eigenen Langeweile zusammenzubrechen.

Beim nächsten Gala-Dinner trug Irene ein schwarzes Kleid, hochgeschlossen bis zum Hals, ein Stück, das keinen Millimeter der Spuren verriet, die Bruno ihr noch am selben Nachmittag hinterlassen hatte. Während sie ihr Glas hielt und Andrés über Investmentfonds sprechen hörte, spürte sie den dumpfen Pulsschlag ihres Körpers, ein Echo der Strafe, das noch immer in ihr wohnte. Sie lächelte mit beinahe heiliger Gelassenheit. Sie sah ihren Mann an und dann die Gäste, im Bewusstsein, dass sie die einzige wahre Künstlerin in diesem Saal war. Die anderen lebten in Gebäuden, die sie für solide hielten; sie bewohnte eine schöne Ruine, abgestützt von Verrat und getragen von der absoluten Meisterschaft ihrer eigenen Lüge. Es gab nichts zu retten, denn der Schaden, richtig verwaltet, war das Einzige, was sie real fühlen ließ.

Alle Geschichten aus Seitensprung ansehen

Bewerte diese Geschichte

Kommentare

Sei der Erste, der kommentiert.

Hinterlasse einen Kommentar

Anmelden oder Konto erstellen

Wähle, wie du fortfahren möchtest.