Mein Freund spielte Liebe vor, während er mich auf einen anderen schob
Camila verließ Marcos Wohnung am Sonntagnachmittag noch immer mit vibrierendem Körper und einem Lächeln, das nicht verschwinden wollte. Das Wochenende war intensiv, anstrengend und vor allem viel lustvoller gewesen, als sie sich je erlaubt hätte sich vorzustellen. Es war nicht nur der Sex — obwohl der schon alles übertraf, was sie je erlebt hatte —, es war die Art, wie er sie ansah, ihr zuhörte, mit ihr lachte, sie danach umarmte, als wolle er sie nicht loslassen. Bei Marco fühlte sie sich gesehen, begehrt, lebendig. Und genau das verwirrte sie am meisten.
Als sie in ihre Wohnung kam, ließ sie sich aufs Bett fallen, ohne sich auszuziehen. Die Schuld lastete nicht mehr so schwer wie früher; jetzt war sie nur noch eine kleine, müde Stimme, die sie an ihre Verlobung mit Esteban erinnerte. Aber diese Stimme tat ihr kaum noch weh. Weh tat ihr vielmehr der Gedanke, in eine Beziehung zurückzukehren, in der sie sich eher wie eine Mitbewohnerin als wie eine Freundin fühlte.
Sie berührte die Haut an ihrem Hals, wo in der Nacht zuvor Zähne sie langsam gebissen hatten, und musste unwillkürlich lächeln. Ihre Oberschenkel brannten von innen, ein wohliges, fast nasses Brennen davon, stundenlang die Beine gespreizt gehabt zu haben. Ihre Brüste trugen rosige Fingerabdrücke, die Brustwarzen waren noch empfindlich an der Reibung des Stoffes. Ihre Möse pochte, geschwollen, als bewahre sie die Erinnerung an jeden einzelnen Stoß. Sie schob fast ohne nachzudenken die Hand unter den Rock, strich über die Lippen durch den Slip hindurch und spürte die klebrige Feuchtigkeit, eine Mischung aus ihm und ihr, die schon wieder neu aufgekeimt war, nur weil sie daran dachte. Sie seufzte, stand auf und stellte sich unter das heiße Wasser. Sie seifte sich langsam ein, und als sie mit den Fingern zwischen die Schenkel glitt, spürte sie das süße Brennen der Bisse innen, die winzigen Blutergüsse, die Marcos Mund ihr hinterlassen hatte, nachdem er sie minutenlang geleckt hatte. Das Wasser entspannte ihre Muskeln, aber nicht ihre Gedanken. Sie schloss die Augen und sah ihn wieder über sich, verschwitzt, den Schwanz bis zum Anschlag in ihr vergraben, wie er ihr ins Ohr sagte: „So, Schlampe, drück mich zusammen.“ Unter dem Wasserstrahl entwich ihr ein leises Stöhnen, und sie musste sich an den Fliesen abstützen, um nicht genau dort zu kommen.
Am selben Nachmittag, gegen sechs, tauchte Esteban unangekündigt auf. Er kam mit seinem Schlüssel herein, wie immer, mit einer kaffeebraunen Jacke und diesem neutralen Ausdruck, der sich fast nie veränderte. Er hatte die Aktentasche in einer Hand und das Handy in der anderen, schaute noch auf den Bildschirm, bevor er den Blick hob.
—Hola —sagte er, stellte die Tasche im Eingang ab und gab ihr einen trockenen Kuss auf die Lippen—. Ich war in der Gegend und dachte, ich schaue kurz bei dir vorbei.
Camila stand vom Sofa auf und versuchte normal zu klingen, obwohl ihr das Herz einen Satz gemacht hatte.
—Hola… ich dachte schon, du kommst nicht mehr.
Er hängte die Jacke an den Garderobenständer und kam näher, setzte sich aber nicht dicht neben sie. Er ließ einen vernünftigen Abstand zwischen ihnen, als wäre es ein formeller Besuch.
—Wie geht’s dir? —fragte er mit ruhiger, fast professioneller Stimme.
Sie setzte sich neben ihn und zog die Knie an sich. Sie wollte reden. Sie wollte verstehen, warum sich mit ihm alles so lau, so fern anfühlte.
—Esteban… kann ich dich etwas fragen? —sagte sie leise.
—Natürlich. Frag.
Camila holte tief Luft und spielte mit dem Saum ihres T-Shirts.
—Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir eher wie Freunde sind als wie ein Paar. So, wie du mit mir umgehst, fühlt es sich an, als würde etwas fehlen. Und wenn wir reden, ist es, als wärst du ganz woanders. Ist irgendwas? Mache ich etwas falsch?
Sie bemerkte, wie er sich für einen Moment versteifte: Die Schultern spannten sich an, die Finger drückten sich fester aufs Knie. Doch gleich darauf hatte er seine übliche Ruhe wieder.
—Es ist nichts —sagte er—. Ich bin nur sehr gestresst wegen der Arbeit. Du weißt doch, wie die Firma meiner Familie ist: ständig gibt es etwas zu lösen. Und du bist genau so perfekt, Camila. Ich mag es, dass du unabhängig bist, dass du mich nicht wegen jeder Kleinigkeit fragst. Das gibt mir Ruhe. Nicht jeder kann mir das geben.
Sie runzelte die Stirn. Das war nicht die Antwort, die sie erwartet hatte. Sie wollte fühlen, dass auch er mehr brauchte, dass auch er sie wirklich vermisste.
—Aber… findest du das nicht seltsam? Willst du nicht mehr Nähe? Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin immer diejenige, die anfängt, und du reagierst nur, wenn ich dich suche.
Esteban lächelte schief, ein höfliches, kaltes Lächeln, das seine Augen nicht erreichte.
—Mach dir da nicht so viele Gedanken. Zuneigung muss nicht immer körperlich sein. Manchmal reicht es, einfach da zu sein, zu wissen, dass der andere da ist. Und du bist da. Das ist es, was ich schätze.
Camila nickte langsam, auch wenn sie nicht zufrieden war. Irgendetwas stimmte nicht, aber sie wusste nicht, wie sie es in Worte fassen sollte. Sie hatte keine Erfahrung mit Beziehungen; sie wusste nicht, ob das normal war oder nicht. Vielleicht war er einfach so: verschlossen, praktisch, wenig ausdrucksstark. Vielleicht war sie diejenige, die zu viel erwartete.
—Okay… —murmelte sie—. Ich wollte nur wissen. Manchmal fühle ich mich einfach ein bisschen allein, mehr nicht.
Er stand auf, kam zu ihr und gab ihr einen schnellen Kuss auf die Stirn, wie man eine Schwester küsst.
—Mach dir keine Sorgen. Alles ist gut. Ruh dich aus. Ich melde mich wegen des Abendessens mit meinen Eltern.
Er ging kurz darauf wieder, und ließ sie mit noch mehr Fragen zurück als zuvor. Camila starrte eine ganze Weile auf die geschlossene Tür. Sie ahnte nichts Konkretes. Sie spürte nur eine Leere, die sie nicht erklären konnte. Und diese Leere sammelte sich zu ihrem Entsetzen zwischen ihren Beinen: Sie war seit zwei Tagen so durchgefickt worden wie noch nie, und ihr Verlobter hatte sie nicht einmal berührt. Er hatte nicht einmal versucht, ihr über der Kleidung eine Brust anzufassen. Sie legte sich ins Bett, die Hand zwischen den Schenkeln, und presste die Möse mit der Handfläche, als könnte sie das Verlangen so zerquetschen.
Sie hielt fünf Minuten durch. Dann zog sie sich die Unterhose mit einem Ruck herunter, spuckte auf die Finger und begann, sich zu befriedigen, während sie an Marco dachte. An Marcos dicken Schwanz, der langsam in sie eindrang, an seine Zunge, die ihren Kitzler leckte, bis sie schrie, an seine raue Stimme, die sagte: „Komm mir in den Mund, Landpomeranze.“ Sie schob sich zwei Finger hinein, dann drei, mit der anderen Hand zwickte sie eine Brustwarze, machte den Rücken hohl und biss ins Kissen, damit sie nicht zu laut stöhnte. Sie kam, durchnässte das Laken, mit offenem Mund und Tränen in den Augen, und im Orgasmus war das Wort, das ihr entglitt, nicht Esteban.
***
Am nächsten Tag, am Nachmittag, klingelte ihr Handy. Es war Marco.
—Hola, Landpomeranze —sagte er mit seiner wie immer warmen, verspielten Stimme.
Camila lächelte trotz allem und setzte sich aufs Bett.
—Hola, Idiot.
—Wie geht’s dir nach dem Wochenende? Tut dein kleines Körperchen noch weh?
Sie lachte leise, ein angenehmes Wärmegefühl stieg ihr in die Brust.
—Ein bisschen. Aber gut. Und dir?
—Ich vermisse dich schon. Ohne dass du mir die Decke klaust, ist das Schlafen nicht dasselbe.
—Lügner. Du bist derjenige, der tritt.
Marco schwieg einen Moment und senkte dann die Stimme, ernster.
—Hör mal… und wann willst du wieder zur „Therapie“?
Camila tat empört, auch wenn man ihr das Lächeln in der Stimme anhörte.
—Therapie? Was wir machen, ist alles andere als Therapie, Marco. Ich bin manchmal vielleicht ein bisschen blöd, aber nicht so blöd.
—Das weiß ich —sagte er, und senkte die Stimme noch mehr, fast zu einem heiseren Flüstern—. Was wir machen, ist dich so durchzuficken, dass du keine Stimme mehr hast. Und trotzdem kriege ich Hunger, wenn ich an dich denke. Gestern Nacht habe ich mir einen runtergeholt, weil ich mich daran erinnert habe, wie deine Beine gezittert haben, als ich dich von hinten genommen habe. Ich bin gekommen wie ein Teenager, Camila. Nur weil ich dich im Kopf hatte.
Sie biss sich auf die Lippe und spürte, wie ihre Möse schon wieder feucht wurde, so schnell, dass es sie beinahe wütend machte.
—Sag mir sowas nicht —flüsterte sie—, ich bin allein zu Hause.
—Gerade deshalb sage ich es dir. Hast du eine Hand frei, Landpomeranze?
—Marco…
—Zieh dir den Slip aus. Ich will dich hören.
Camila schloss die Augen. Sie hätte auflegen sollen. Aber sie lehnte sich zurück, spreizte die Beine und ließ eine Hand zu ihrer nassen Möse hinabgleiten. Sie berührte sich langsam, die Zähne zusammengebissen.
—Jetzt habe ich ihn unten —keuchte sie leise—. Ich hab ihn nicht mehr an.
—Braves Mädchen —knurrte er am anderen Ende—. Jetzt reib deinen Kitzler. Langsam, in Kreisen, so wie ich ihn dir mit der Zunge mache. Erinnerst du dich?
—Ja… —stöhnte sie—. Ich erinnere mich…
—Steck dir zwei Finger rein. Denk, es wäre mein Schwanz. Ganz tief, bis dir die Zehen krumm werden.
Sie gehorchte. Sie schob sich die Finger bis zum Anschlag hinein, spürte, wie ihre Möse sich um sie zusammenzog, nass und brennend, und begann, sie rein und raus zu stoßen, während sie mit dem Daumen den Kitzler rieb. Ihr entwich ein langes Stöhnen.
—Genau, so, nicht aufhören —sagte Marco, seine Stimme heiser vor Erregung—. Ich hab den Schwanz in der Hand, Camila. Ich bin hart, nur vom Zuhören. Sag mir, wie er sich anfühlt.
—Groß… dick… dehnt mich ganz aus… —keuchte sie, schon ohne nachzudenken.
—Und wer hat dort das Sagen, sag?
—Du… du hast das Sagen, Marco…
—Sag es richtig. Sag, wem diese Möse gehört.
—Dir… sie gehört dir… ganz dir…
Ihr Atem ging stoßweise. Sie wechselte von zwei auf drei Finger, schob sie tiefer hinein, bewegte die Hand so schnell, dass das nasse, platschnasse Geräusch durch das Telefon zu hören war. Marco stöhnte am anderen Ende, atmete schwer, und sie wusste, dass auch er sich gerade kam.
—Komm mit mir, Landpomeranze —murmelte er mit gebrochener Stimme—. Jetzt, jetzt, jetzt…
Camila bog sich ganz durch, presste die Schenkel um ihre Hand und kam, indem sie seinen Namen stöhnte, durchnässte ihre Finger, biss sich in den Arm, um nicht zu schreien. Sie hörte Marcos gedämpftes Knurren am anderen Ende, den abgehackten Atem, und wusste, dass auch er gekommen war.
Beide schwiegen, atmeten nur. Dann ließ er ein leises Lachen hören.
—Verdammt, Camila. Du wirst mich umbringen.
—Idiot —flüsterte sie mit einem müden Lachen, immer noch zitternd.
Es entstand eine kurze Stille. Als er wieder sprach, klang er wirklich nervös.
—Camila… du bist nicht blöd. Du bist unglaublich. Süß, neugierig, mutig. Du machst mich wahnsinnig, und nicht nur körperlich. Wegen der Art, wie du redest, wie du lachst, wie du still wirst und nachdenkst. Ich will nicht, dass du glaubst, mich interessiert nur eine Sache. Du bist mir wirklich wichtig.
Sie spürte eine Wärme in der Brust, mit der sie nicht gerechnet hatte. Sie biss sich auf die Lippe.
—Ich denke das nicht… —flüsterte sie—. Du gefällst mir auch sehr. Mehr, als sollte. Viel mehr.
Noch eine Stille, länger, aufgeladen.
—Also… wann? —fragte er fast schüchtern.
—Bald… ich sag dir Bescheid. Ich brauche ein paar Tage zum Nachdenken.
—Okay. Pass auf dich auf. Und wenn du reden musst, weißt du ja, wo ich bin.
Sie verabschiedeten sich liebevoll. Camila legte auf, das Herz klopfte ihr heftig, die Finger noch immer klebrig, und starrte eine Weile auf den Bildschirm, mit einem kleinen, verwirrten Lächeln.
***
In derselben Nacht überkam sie ein Impuls. Sie konnte nicht schlafen. Die Zweifel erstickten sie. Sie entschied, dass sie mit allem Schluss machen musste: mit der Therapie, mit Marco, mit den Lügen. So konnte es nicht weitergehen. Sie zog eine Jacke an, schnappte sich die Schlüssel und ging ohne Vorwarnung zu Aníbals Büro. Es war spät, aber sie wusste, dass er manchmal bis tief in die Nacht dort blieb und Notizen durchging.
Sie kam am Gebäude an. Das Licht im Büro war an. Mit klopfendem Herzen stieg sie die Treppe hinauf. Als sie die Tür erreichte, hörte sie Stimmen. Zwei Stimmen. Eine gehörte Aníbal. Die andere erkannte sie nicht gut.
Sie trat vorsichtig an das kleine Fenster in der Tür, um keinen Laut zu machen. Sie wollte schon wieder gehen —sie wollte nicht stören—, da hörte sie ihren Namen. Sie blieb stehen, an das Holz gepresst, und lauschte. Die Worte kamen gedämpft durch das Echo des Flurs, aber sie waren deutlich.
—Es funktioniert perfekt —sagte Aníbal in ruhigem Ton—. Sie ist angefixt. Sie glaubt, das alles sei wegen ihrer Ehe. Sie ahnt nichts.
Die andere Stimme, kalt und beherrscht, antwortete:
—Gut. Aber stell sicher, dass das so bleibt. Ich brauche sie ruhig. Danach… sehen wir weiter.
Camila versagten die Beine. Sie hielt sich die Hand vor den Mund, um keinen Laut zu machen. Sie redeten über sie. Über einen Plan. Darüber, sie abzulenken. Mit dem Herzen in den Ohren beugte sie sich noch ein Stück vor und sah durchs Fenster.
Dort saß Aníbal auf seinem Stuhl. Und ihm gegenüber, mit dem Rücken zur Tür, saß ein Mann, den sie sofort erkannte.
Esteban.
Die Welt blieb stehen. Sie konnte nicht atmen, sich nicht bewegen. Langsam, zitternd, wich sie zurück, während drinnen das Gespräch weiterging.
—Gestern ist etwas passiert, das mir nicht gefallen hat —sagte Esteban und trommelte mit den Fingern auf die Armlehne des Sessels—. Sie hat mich mit unangenehmen Fragen überfallen. Sie sagt, sie habe das Gefühl, dass wir eher wie Freunde als wie ein Paar sind, dass ich distanziert wirke.
—Und was hast du ihr gesagt? —Aníbal zündete sich eine Zigarette an, trotz des Rauchverbots dort.
—Das Übliche. Dass ich gestresst bin, dass die Familienfirma ein Chaos ist, dass sie perfekt ist, weil sie unabhängig ist und nicht zu viel fragt. Dass Zuneigung nicht körperlich sein muss. —Er machte eine Pause und sah zum dunklen Fenster—. Sie ist still geblieben. Ich habe sie nicht ganz überzeugt. Sie ist naiv, aber manchmal doch nicht so sehr.
Aníbal stieß ein leises Lachen aus und blies Rauch aus.
—Das ist ihre beste Eigenschaft. Sie stellt nichts infrage. Sie will nur glauben, dass alles in Ordnung ist.
Esteban beugte sich vor und senkte die Stimme.
—Ich brauche, dass du sie davon überzeugst, dass unsere Sache normal ist. Sag ihr, viele Paare seien so: verschlossen, praktisch, ohne so viel Feuer. Dass wahre Liebe Stabilität ist, nicht Leidenschaft. Dass sie nur mehr erwartet, weil die Therapie sie verwirrt hat. Da sie so naiv ist, wird sie es glauben. Ich will nicht, dass sie gerade jetzt zweifelt, so kurz vor der Hochzeit.
—Kein Problem —nickte Aníbal und drückte die Zigarette aus—. In der nächsten Sitzung nehme ich sie beiseite. Ich rede mit ihr über „gesunde Beziehungsmodelle“, darüber, dass reife Liebe keine Beweise braucht. Ich sage ihr, dass das, was sie mit Marco fühlt, nur „kontrollierte Erkundung“ ist, aber dass du die stabile Basis bist, die sie braucht. Sie schluckt das ohne Weiteres. Das macht sie immer.
Esteban stand auf und richtete seine Jacke.
—Das hoffe ich. Halt sie weiter abgelenkt. Und stell sicher, dass Marco nicht über die Stränge schlägt. Ich will nicht, dass sie sich in ihn verliebt. Wenn es kompliziert wird, sag ihm, dass ich ihn nicht mehr brauche.
—Keine Sorge. Marco macht, was ich ihm sage. Und sie will nur glauben, dass sie das Richtige tut.
Die Hintertür schloss sich mit einem leisen Klick. Aníbal blieb allein zurück und blickte in den leeren Raum.
—Naiv… und dumm —murmelte er vor sich hin und blies den letzten Rauchfaden zur Decke.
Draußen im dunklen Flur war Camila längst die Treppe hinunter verschwunden, mit dem Herz in den Ohren und Tränen auf den brennenden Wangen.
***
Sie stolperte fast die letzte Stufe hinunter. Der Flur war nur von einer flackernden Glühbirne schwach beleuchtet, die die Schatten bewegte, als würden sie ihr folgen. Ihre Beine fühlten sich fremd an. Nur eine Kälte stieg aus dem Magen bis in den Hals und zog ihr die Brust schmerzhaft zusammen.
Sie trat auf die Straße. Die Nachtluft war frisch, doch ihr kam sie eisig vor. Sie ging schnell, ohne Ziel, die Jacke um sich geschlungen. Die Straßen waren fast leer. Ihre Schritte wurden von selbst schneller, als wollte der Körper fliehen, bevor der Verstand begreifen konnte.
Warum? Die Frage schlug immer wieder in sie ein. Aníbal, der Mann, dem sie vertraut hatte, der ihr versprochen hatte, alles sei „wegen ihrer Ehe“… der mit Esteban redete, als gehöre er zu einem Drehbuch. Der davon sprach, sie bis zur Hochzeit abzulenken.
Sie blieb an einer Ecke stehen und lehnte sich an eine Straßenlaterne. Die Tränen liefen ihr still über die Wangen. Jetzt fügte sich alles auf schreckliche Weise zusammen: die vagen Ausreden, die Nächte, in denen er „wegen der Arbeit“ spät kam, die höfliche Distanz. Das war kein Stress. Das war ein Plan. Er benutzte sie. Und der Gedanke kam mit einer Welle von Ekel: Esteban hatte um ihre Hand angehalten, um eine Tarnung zu haben, und sie hatte sich monatelang kalt, fehlerhaft und schuldig gefühlt, weil sie mehr wollte. Monatelang hatte sie sich nachts allein angefasst und geglaubt, sie sei die Merkwürdige. Monatelang hatte sie den Hunger hinuntergeschluckt.
Aber am meisten tat ihr Marco weh.
Marco, der sie mit seinen schlechten Witzen zum Lachen brachte. Der sie umarmte, nachdem er in ihr gekommen war, als wolle er sie nicht loslassen. Der ihr in die Augen gesehen hatte, durchnässt von Schweiß und von ihm, um ihr zu sagen, dass sie ihm wirklich wichtig sei. War auch er Teil der Lüge? Sie erinnerte sich daran, wie er still geworden war, nur um ihr zuzuhören, wie sie von ihrem Dorf erzählte, wie er sie langsam geküsst hatte, nachdem er ihre Möse zum Weinen geleckt hatte. War das alles falsch? Jeder Laut, jedes „du gehörst mir“, jede heiße Ladung in ihr nur bezahlte Arbeit? Ein Werkzeug, um sie „abgelenkt“ zu halten?
Sie setzte sich auf den Bordstein und schlang die Arme um die Knie. Die Straße war kalt, aber sie spürte es nicht. Nur die Leere in ihrer Brust wurde größer. Sie bereute, der Therapie geglaubt zu haben, den gelehrten Worten über „sich auf die Ehe vorbereiten“. Sie bereute, sich aus Lust, aus Neugier, aus dem Gefühl, begehrt zu werden, hatte aufmachen lassen. Sie bereute, Dinge gestöhnt zu haben, die sie nie zuvor gesagt hatte, vor Marco auf Knien seinen Schwanz gelutscht zu haben, während sie ihm in die Augen sah, und ihn gebeten zu haben, ihr ins Gesicht zu kommen. Sie bereute, so verdammt naiv zu sein.
Aber am meisten bereute sie Marco. Denn mit Esteban hatte sie nie wirkliche Wärme gespürt. Mit Marco schon. Und wenn auch das eine Lüge war, was blieb dann noch echt?
Sie stand langsam auf, die Beine zitterten, und ging zu ihrer Wohnung, als würde jeder Meter mehr kosten als der vorherige. Vor der Tür blieb sie mit dem Schlüssel in der Hand stehen, ohne sich hineinzutrauen. Sie sah auf ihr Handy: Eine Nachricht von Marco, seit einer Stunde.
Ich denke an dich. Ruh dich aus, Landpomeranze.
Sie starrte darauf, bis der Bildschirm von selbst erlosch. Sie antwortete nicht.
Sie ging hinein, schloss ab und ließ sich an der Tür zu Boden sinken. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie wusste nicht, wem sie glauben konnte. Sie wusste nur, dass zum ersten Mal in ihrem Leben alles, was sie aufgebaut hatte — ihre Verlobung, ihr Vertrauen, ihre Zukunftsillusion und vor allem ihre Gefühle — in Stücke zerbrochen war.
Und dass im Mittelpunkt dieser Stücke der größte Schmerz nicht Estebans Verrat war. Es war die Möglichkeit, dass auch Marco sie benutzt hatte. Camila schlang die Arme um die Knie und weinte lautlos in der Dunkelheit ihrer kleinen Wohnung, während die Stadt draußen weiterlief, gleichgültig gegen alles.

