Zum Inhalt springen
Relatos Ardientes

Der Spiegel von Solange zeigte mir, wer ich war

Es gibt Orte, die man nicht findet: Orte, die warten. Das Velo ist einer davon.

Von der Straße aus sieht es aus wie nichts weiter als ein müdes Gebäude mit abblätternder Farbe und einer roten Laterne, die über der Tür flackert. Kein Schild. Keine Musik, die auf den Gehweg hinausschlüpft. Aber wer diese Ecke passiert, spürt es trotzdem, wie eine warme Hand, die von innen streift und eine unbeantwortete Frage zurücklässt.

Drinnen hat Solange Verdier das Sagen, die manche einfach Velours nennen. Groß, mit goldener Haut, immer in den Tönen gekleidet, die die Nacht bevorzugt: Spitze, Samt, ein Fall von Tüll, der das Licht einfängt. Ihr champagnerblondes Haar fällt in langsamen Wellen. Die Lippen mattrot. Der französische Akzent ist ihr nie ganz abhandengekommen, auch wenn ihre Lieblingssprache seit Jahren die ist, die man mit geschlossenen Augen spricht.

Solange ist keine Gastgeberin wie die anderen. Sie singt nicht. Sie tanzt nicht für irgendwen. Sie verführt nicht mit den üblichen Tricks. Was sie tut, ist etwas anderes, leiser und gefährlicher: Sie blickt in jene hinein, die mit ihrem Schatten auf dem Rücken hereinkommen. Die sich ganz hinten hinsetzen. Die nicht sprechen. Die erstarren, wenn jemand ihren Blick eine Sekunde zu lange hält.

Diese erkennt sie. Und diese ruft sie zu sich.

Sie kommen nicht aus Lust zu ihr. Sie kommen, um sich an ein altes, vergrabenes Verlangen zu erinnern, das noch keinen Namen hat. Sie kommen, um neu geboren zu werden.

***

In jener Nacht leerte sich Das Velo langsam, als er eintrat.

Grauer Anzug, tadellos. Glänzende Schuhe, die dennoch eine feine Staubschicht trugen, als wäre er lange gelaufen, bevor er sich dazu durchrang. Er sah niemanden an. Er ging, als würde ihm die Haut schwer auf den Schultern liegen, als müsste jeder Schritt etwas aus ihm herausreißen.

Solange sah ihn sofort. Sie lehnte in ihrem schwarzen Samtdivan, eine schmale Zigarette zwischen den Fingern und ein Perlmutt-Mundstück, das ihre Lippen streifte. Sie beobachtete ihn schweigend. Wartete, bis er sie bemerkte. Als sich ihre Blicke kreuzten, blieb der Mann wie angewurzelt stehen und schluckte. Sie erhob sich ohne Eile und ging auf ihn zu, die Absätze markierten den Boden wie Tropfen auf Marmor.

Bonsoir. Du bist gekommen — sagte sie, und ihre Stimme klang tief, fast wie ein Dank —. Du hast dich verspätet, aber ich verstehe dich. Es gibt Wünsche, die sich nicht trauen, sich in Worte zu kleiden, oui?

Er senkte den Kopf. Murmelte etwas, das kaum zu hören war.

—Ich weiß nicht, ob ich kann.

Solange neigte den Kopf, amüsiert, ohne Spott.

—„Ich weiß nicht, ob ich kann“ — wiederholte sie —. Hör zu, mon chéri, wenn du diese Tür durchschritten hast, dann deshalb, weil du es leid bist zu fliehen. Du hast dich aufgegeben. Dir selbst. Und das, glaub mir, ist das Schönste, was ich die ganze Nacht gesehen habe.

Sie bot ihm die Hand an. Er zögerte einen endlosen Augenblick und nahm sie dann. Sie führte ihn zum hinteren Ende des Salons, hinter einen schweren Vorhang, bis zu einer Tür, die niemand vermutet hätte. Sie stiegen eine mit Samt ausgekleidete Wendeltreppe hinunter. Jede Stufe hinab war eine Stufe tiefer in ihn hinein.

***

Die Kammer im Keller war eine andere Welt. Ein fensterloser Raum, nur von zwei Lampen mit bernsteinfarbenen Schirmen schwach erhellt. Die Luft roch nach Leder, Moschus und Blumen, die langsam getrocknet waren. In der Mitte stand ein hoher alter Spiegel mit schwarzem Eisenrahmen. Davor ein schmales Divan. Zur Seite ein Kleiderständer voller Stücke: Korsetts, lange Handschuhe, Unterröcke, Strapse, ein Paar Absätze, die der Schwerkraft zu trotzen schienen.

Solange drehte sich zu ihm um. In ihren Augen glänzte eine feste Zärtlichkeit, ohne auch nur ein Gramm Weichheit.

—Setz dich, mon doux — sagte sie —. Hier wirst du nicht spielen. Hier wirst du dich ansehen. Und das, verspreche ich dir, ist sehr viel schwieriger, als sich auszuziehen.

Er setzte sich steif hin, den Blick auf das Glas geheftet. Er sah aus wie immer: der Anzug, die steifen Schultern, der verkrampfte Kiefer eines Mannes, der aushält. Aber er sah auch jenes andere Etwas, das er jahrelang zusammengehalten hatte, jenes Spiegelbild von dem, was er sich nie zu sagen getraut hatte.

—Sag mir etwas — murmelte Solange und kniete sich neben ihn —. Wenn du träumst, dass dich jemand ohne Angst berührt, welchen Körper hast du dann? Ist es ein anderer? Weichere Haut? Vielleicht Kurven?

Er antwortete nicht sofort. Die Hände zitterten auf den Knien. Schließlich brachen ihm die Worte heraus wie ein Wasserfaden.

—Ja. Ich habe es immer geträumt. Einen kurvigen, weiblichen Körper. Brüste, Hüften. Mich weich zu fühlen. Begehrt zu werden für das, was ich bin, nicht für das, was ich tue. Aber das… ist doch nicht richtig, oder?

Solange nahm sein Gesicht mit einer Zärtlichkeit zwischen beide Hände, die etwas Befehlsmäßiges hatte.

—Hör mir gut zu, mon ange. Was du begehrst, kann nicht falsch sein, wenn es dir Leben gibt. Das ist kein Wahnsinn. Das ist deine Wahrheit, die darauf wartet, dass jemand sie will. Lass sie mich sehen. Nur ein wenig.

Sie ging zum Kleiderständer und wählte etwas Einfaches: ein schwarzes Spitzen-Bustier, leicht, kaum mehr als eine Streicheleinheit aus Stoff. Dazu nahm sie ein Paar lange Netzhandschuhe. Sie kam langsam zurück und hielt die Teile, als trüge sie ein Geheimnis.

—Das ist kein Kostüm — sagte sie —. Es ist ein Schlüssel. Wenn du mich lässt, setze ich ihn dir an. Nur das, heute Nacht, nichts weiter. Aber du wirst ihn erst ausziehen, wenn du dich fertig angesehen hast.

Er nickte schweigend. Solange half ihm, den Sakko auszuziehen. Dann das Hemd. Die Haut des Mannes trug Sonnenflecken, Jahre, gewonnene und verlorene Schlachten. Und doch schien unter ihren Fingern alles wie neu.

Sie legte ihm das Bustier mit geduldiger Präzision an. Nicht, um irgendetwas vorzutäuschen: sondern damit er es spürte, um genau dieses Beben in ihm auszulösen. Sie zog ihm die Handschuhe über, spannte das Netz über seine Arme, während ihr selbst ein Seufzen entwich, das sie gerade noch unterdrückte. Das Reiben des Gewebes gegen die Armhaare riss ihm ein Zittern heraus, das bis in den Nacken stieg.

Dann sah er sich an.

Und zum ersten Mal in seinem Leben sah er sich nicht als Witz. Er sah sich als ein Versprechen.

***

—Und wenn es mir gefällt? — flüsterte er mit gebrochener Stimme.

Solange trat von hinten an ihn heran. Sie legte ihre nackten Arme um seinen Hals und schmiegte das Kinn auf seine Schulter. Ihr schwerer, warmer Duft hüllte ihn ganz ein. Im Spiegel waren sie zu zweit: der Mann, der er gewesen war, und das Spiegelbild, das gerade erst zu atmen begann.

—Dann werde ich dich noch viel geiler ficken — sagte sie ihm ins Ohr, und das rohe Wort schabte wie eine Zunge über seine Haut —. Weil du dich getraut hast. Weil du die Blüte wachsen lässt, wo vorher nur Angst war.

Sie strich mit einem langsamen Fingernagel über den Rand der Spitze, über seine Brust, und er schloss die Augen. Nicht die Berührung zerlegte ihn. Es war die Erlaubnis. Zum ersten Mal sagte ihm jemand, dass es in Ordnung war, zu fühlen, was er fühlte, dass die Hitze, die in ihm nach oben stieg — und im Schwanz, bereits hart und gegen die Hose drängend — sich nicht im Dunkel seines Zimmers verstecken musste.

—Sieh dir deine Hände an — befahl Solange leise —. Mit den Handschuhen. Fühlen sie sich nicht anders an?

Er hob sie vor den Spiegel. Das Netz zeichnete Spitze auf seine Haut, und für einen Augenblick stellte er sich diese Hände auf einem Körper vor, seine und ihre miteinander vermischt. Er spürte, wie sich etwas in seiner Brust löste, ein Seil, das jahrzehntelang gespannt gewesen war.

Solange drehte ihn sanft, damit er ihr gegenüber stand. Sie strich ihm mit der Fingerspitze über die Lippen, ohne ihn zu küssen, prüfte, wie viel er aushielt.

—Willst du, dass ich aufhöre? — fragte sie —. Ich kann sofort aufhören. Aber wenn du es mir in dieser Sekunde nicht sagst, werde ich deinen Schwanz lutschen, bis du deinen alten Namen vergisst. Du wirst wiederkommen. Eine Nacht und noch eine und noch eine. Und jedes Mal wirst du ein bisschen mehr du selbst sein.

Er schüttelte den Kopf. Er weinte lautlos, die Tränen liefen ihm über die Handschuhe und durchnässten das Netz. Es war keine Traurigkeit. Es war die brutale Erleichterung von etwas, das endlich ans Licht kam.

—Hör nicht auf — sagte er —. Bitte.

Solange lächelte. Sie küsste seine Stirn, dann die Schläfe, dann den Winkel des Kiefers und arbeitete sich mit einer Langsamkeit nach unten, die fast Grausamkeit war. Jeder Kuss landete auf einer Haut, von der er nie geglaubt hatte, dass sie so zittern könnte. Als sie an den Halsansatz kam, entfuhr ihm ein Laut, den er nicht als den eigenen erkannte, schrill, gierig.

—Genau so — murmelte sie —. Diese Stimme gehört auch dir. Du hast sie versteckt. Die Hurenstimme, die du in dir hast.

Sie legte ihn mit einer festen Hand auf die Mitte der Brust auf den Divan. Der Stoff des Bustiers zeichnete sich mit jedem hastigen Atemzug stärker ab. Solange setzte sich an den Rand, ein Bein über das andere geschlagen, und betrachtete ihn wie jemand ein gerade vollendetes Werk betrachtet. Sie beeilte sich nicht. Sie ließ ihn verstohlen in den Spiegel sehen, damit er sehen konnte, was er war: ein hingegebener Körper, weich unter der Spitze, mit aufgerichteten Nippeln, die gegen das Netz drückten, und einer obszönen Erektion, die die Hose spannte, wartend.

—Weißt du, was das Schwerste daran ist? — sagte sie, während sie mit zwei Fingern über seinen Bauch strich —. Nicht, die Spitze anzuziehen. Sondern zu begehren, dass man dich ansieht, während du sie trägst. So begehrt werden zu wollen, wie ein Mädchen. Und du willst es. Ich sehe es. Ich habe es da unten, in deiner Hose, deutlich markiert.

Sie umschloss seinen Schwanz mit der offenen Hand, durch den Stoff hindurch. Er bog den Rücken nur leicht durch, ein Stöhnen zerbrach ihm in der Kehle. Solange lächelte, öffnete ohne Eile seinen Gürtel und zog ihm die Hose bis zur Mitte des Oberschenkels hinunter. Der Schwanz sprang heraus, hart, dick, die Spitze bereits perlend. Gegen das Schwarz des Bustiers und das Schwarz des Netzes an seinen Händen wirkte er brutal, beinahe fremd, und diese Brutalität ließ ihn stärker zittern.

Regarde-toi — sagte sie und drehte ihm mit zwei Fingern das Gesicht zum Spiegel —. Sieh dich an. Dieser Schwanz gehört dir und heute gehört er mir. Du wirst ihn die ganze Nacht für mich hart haben. Und du wirst ihn nicht anfassen. Ich fasse ihn an.

Sie umschloss die Basis mit den behandschuhten Fingern. Das raue Netz auf der gespannten Haut riss ihm ein Keuchen heraus, das wie eine Bitte klang. Langsam begann sie die Hand nach oben zu schieben, drückte zu, drehte das Handgelenk an der Spitze leicht, der Faden von Speichel sammelte sich an ihrem Daumen, als sie den Zeigefinger ableckte und über die Eichel strich. Er hörte auf zu atmen. Sie sah ihm durch den Spiegel in die Augen, ließ ihn nicht los, und sprach dabei weiter.

—So, mon ange. Schau dir dieses Gesicht an. Mit der Spitze an und dem Schwanz draußen. Du bist wunderschön. Du bist eine hübsche kleine Schlampe, die darauf wartet, benutzt zu werden. Sag es.

—Ich bin… — er schluckte —. Ich bin eine Schlampe. Deine.

Bien. Noch einmal.

—Deine. Fick mich, wie du willst.

Solange lachte leise, zufrieden. Ohne die Hand von seinem Schwanz zu nehmen, beugte sie sich vor und spuckte ihm langsam auf die Spitze. Der Speichel lief am Schaft hinab, und sie verteilte ihn mit dem Netz-Handschuh, drückte, drehte, bis er begann, die Hüften gegen ihre Faust zu bewegen, in einem unbeholfenen, verzweifelten Wiegen. Dann ließ sie den Schwanz los, kniete sich zwischen seine geöffneten Knie und nahm ihn in einem einzigen Zug ganz in den Mund.

Er schrie auf. Ein hoher, weiblich klingender Schrei, der von den ausgekleideten Wänden zurückprallte. Solange hielt seine Hoden in der behandschuhten Hand und den Mund bis zum Rachen voll, die Zunge platt gegen die Unterseite des Schwanzes gedrückt, schluckte in Schüben, ohne Würgereiz, mit der Sicherheit der Geübten. Als sie den Kopf hob, verband ein dicker Faden Speichel ihre rot geschminkten Lippen mit dem geschwollenen Schwanz. Sie wischte sich mit dem Daumen über den Mundwinkel und lächelte, ohne sich zu säubern.

—Lecker, oui? — murmelte sie —. Hat dir noch nie jemand so in die Augen geschaut, während er dir einen bläst, oder? Hat dir noch nie jemand gesagt, was du bist, während er dir den Schwanz gelutscht hat.

Er schüttelte den Kopf, unfähig zu sprechen. Solange ging wieder hinunter. Sie blies ihn langsam und tief, atmete durch die Nase, grub ihre Nase bei jedem Abwärtszug ins Schamhaar. Sie leckte ihm die Hoden einzeln, nahm sie in den Mund, glitt dann mit flacher Zunge wieder am Schaft hoch, blieb am Frenulum hängen, um daran zu saugen, als wäre es ein Bonbon. Er klammerte sich an den Rand des Divans, das Netz der Handschuhe scheuerte gegen den Samt, der Mund zu einem stummen „O“ geöffnet.

—Ich werde… — keuchte er —. Solange, ich werde…

Sie zog seinen Schwanz abrupt aus dem Mund und drückte die Basis mit zwei Fingern zusammen, um den Orgasmus jäh abzuschneiden. Er wimmerte, ein tierischer Laut, und zuckte gegen den Divan. Solange schnalzte mit der Zunge.

—Noch nicht, mon amour. Noch nicht. Das erste Mal, dass du dich in Frauenkleidern abspritzt, passiert nicht in meinem Mund. Es passiert in mir.

Sie erhob sich. Sie öffnete ihr Kleid an der Seite und ließ es zu Boden fallen wie einen flüssigen Schatten. Sie trug kein Bustier. Ihre Brüste waren rund, schwer, die Brustwarzen dunkel und bereits hart. Strümpfe, Strapse und Absätze behielt sie an. Sie kam langsam zum Divan zurück, mit dem Lächeln derjenigen, die die Szene besitzt, und setzte sich rittlings auf ihn, die warme Feuchtigkeit ihrer Muschi direkt über seinem Schwanz, ohne ihn noch hineinzulassen. Sie rieb sich einmal, zweimal, dreimal über den Schaft, machte ihn ganz nass von ihrem Saft. Er stöhnte und krallte sich mit den Netzfingern in ihre Strümpfe.

—Bitt’s mir — befahl sie.

—Bitte. Steck ihn mir rein. Bitte, Solange.

—Bitte was.

—Bitte fick mich. Fick mich, ich will deine sein.

Sie hob sich einen Zentimeter, nahm den Schwanz mit dem behandschuhten Hand in die Hand und ließ ihn langsam in sich gleiten, während sie ihn ansah. Es war ein langsames Hinabgleiten, millimetergenau, ein Zentimeter und runter, noch einer und runter, bis sie ganz auf ihm saß und ihre Muschi sich wie eine heiße Faust um die Basis schloss. Ihm entfuhr ein gebrochener Laut. Solange hielt einen Moment still, genoss ihn in sich, und begann dann, sich zu bewegen.

Sie ritt ihn nicht: Sie melkte ihn aus. Sie sank mit den Hüften, spannte die inneren Muskeln an, hob den halben Schwanz wieder an und fiel dann wieder ganz hinunter. Das nasse Geräusch füllte die Kammer. Ihre Brüste hüpften auf Höhe seines Gesichts, und er streckte die Zunge aus, um bei jedem Abwärtszug eine Brustwarze zu erwischen, saugte wie ein Ertrinkender, biss sie sanft. Solange klammerte sich an der Rückenlehne des Divans hinter seinem Kopf fest und beschleunigte, nahm ihn mit der ganzen Hüfte, ihr Arsch schlug gegen seine Schenkel wie ein nasser Applaus.

—Schau — keuchte sie ihm ins Ohr —. Schau in den Spiegel. Sieh dich an, wie du mit dem Bustier an fickst. Sieh dich an.

Er drehte den Kopf. Und da war es: das Spiegelbild. Ein Körper in schwarzer Spitze, mit den Netzhandschuhen in die Hüften einer blonden Frau vergraben, die ihn fickte, als hätte er ihr schon immer gehört. Und das Gesicht, das Gesicht mit Tränen und offenem Mund, war ein glückliches Gesicht. So hatte er sich noch nie gesehen. Nie gewusst, dass er sich so sehen konnte.

—Solange — weinte er —. Solange, ich komme gleich.

—Komm — biss sie ihm ins Ohrläppchen —. Komm in mich rein. Mach mich voll. Wie ein braves kleines Mädchen.

Er spannte den ganzen Körper an. Die Ejakulation stieg ihm aus den Hoden hoch, dick, heftig, und entlud sich in Solanges Muschi in Stößen, die er einzeln pulsieren fühlte, jeder begleitet von einem hohen Stöhnen, das ihm inzwischen egal war, weil es weiblich klang. Solange bewegte sich weiter auf ihm, langsamer, melkte den letzten Tropfen aus ihm heraus, bis er leer zurückblieb, zitternd, die Haut schweißglänzend und das Netz der Handschuhe auf ihren Brüsten abgezeichnet.

Solange bewegte sich nicht. Sie blieb aufgespießt sitzen, den Schwanz in sich, der weicher wurde, und fuhr mit einer Hand zwischen ihre eigenen Schenkel. Sie rieb sich mit zwei Fingern schnell, ohne Zeremonie, am Kitzler und kam ebenfalls, presste ihn mit Zuckungen in sich zusammen, die ihm ein letztes Stöhnen entrissen. Dann brach sie auf seiner Brust zusammen, Mund auf der Spitze, atmend.

***

Später, als das Zittern nachließ und sich der Atem des Mannes beruhigte, blieb Solange schweigend an seiner Seite. Sie strich ihm mit absoluter Zärtlichkeit über das Haar, ohne Eile, wie jemand, der etwas hütet, das gerade erst zu existieren lernt. Er hatte die Augen geschlossen, ihr Samenerguss lief ihm noch immer am Oberschenkel hinab und mischte sich mit seinem, und auf den Lippen lag ein kleines, ungläubiges Lächeln.

—Diese Nacht war nur das Bustier und die Handschuhe — sagte sie schließlich —. Beim nächsten Mal vielleicht die Strümpfe. Und dann, les talons. Und eines Tages, mon amour, wird dir keine Maske mehr richtig passen. Alle werden dir zu groß sein.

Er öffnete die Augen und sah sie an. Nichts vom steifen Mann, der die Treppe hinabgekommen war, war übrig geblieben. An seiner Stelle war jemand Leichteres, beinahe Leuchtendes, als hätte man ihm ein Gewicht abgenommen, von dem er nicht einmal gewusst hatte, dass er es trug.

—Komme ich wieder? — fragte er, obwohl er die Antwort schon kannte.

—Du wirst wiederkommen — sagte Solange —. Alle kommen wieder. Aber nicht wegen mir. Wegen diesem hier. — Sie streifte sein Spiegelbild mit dem Blick —. Wegen dem da, der gerade erst beginnt.

Sie half ihm, die Handschuhe mit derselben Ruhe auszuziehen, mit der sie sie ihm angezogen hatte, und faltete sie wie Reliquien. Sie ließ ihn das Bustier unter dem Hemd anbehalten, verborgen an der Haut, ein Geheimnis, das jetzt nur ihm gehörte. Als er sich wieder anzog, wirkte der graue Anzug nicht mehr wie eine Rüstung. Er wirkte nur noch wie ein geliehener Mantel für den Weg zurück auf die Straße.

—Eine Sache noch — sagte er an der Tür der Kammer und drehte sich um —. Warum machst du das?

Solange schaltete eine der Lampen aus. Das Halbdunkel machte ihre Züge weicher.

—Weil jemand es einmal für mich getan hat — antwortete sie —. Und weil es nichts Schöneres gibt, als zu sehen, wie ein Mensch aufhört, sich dafür zu entschuldigen, dass er existiert.

Sie begleitete ihn die Wendeltreppe hinauf zurück. Oben war Das Velo schon fast leer, die Stühle auf die Tische gestellt, die Luft still. Er trat auf die Straße, ohne zurückzuschauen, mit einem anders schlagenden Herzen, mit der warmen Spitze an der Brust und ihrem Sperma, das ihm an der Hüfte trocknete wie eine Unterschrift.

Solange kehrte in den Salon zurück. Sie löschte die rote Laterne am Eingang. Doch bevor sie ganz schloss, blieb sie einen Augenblick in der Dämmerung stehen und murmelte zu niemandem, oder zur ganzen Nacht:

—Noch einer, der sich an seinen Namen erinnert hat. Je suis prête pour le prochain.

Alle Geschichten aus Trans ansehen

Bewerte diese Geschichte

Kommentare

Sei der Erste, der kommentiert.

Hinterlasse einen Kommentar

Anmelden oder Konto erstellen

Wähle, wie du fortfahren möchtest.