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Relatos Ardientes

Der Metzger aus der Sierra zeigte mir, was Hunger war

Iván wuchs in Punta Cala auf, einem Küstenort, in dem das Schicksal jedes Kindes in den Netzen stand, die sein Vater jede Nacht auswarf. Er war der zweite Sohn, derjenige, der zu Hause am meisten Enttäuschung auslöste. Sein Bruder fuhr bei Sonnenaufgang mit dem Boot hinaus; Iván blieb im Bett und tat so, als schliefe er, bis der zugeschlagene Türknall ihm bestätigte, dass er wieder atmen durfte.

Seine Mutter stand vor fünf Uhr auf, öffnete den Stand gegenüber dem Hafen und verkaufte, was in den Körben ankam. Tintenfische, Rotbarben, Sardinen, Muscheln. Er roch nach Salzlake, selbst nachdem sie sich dreimal die Hände gewaschen hatte. Iván lernte, Fisch zu essen, so wie er lernte zu schweigen: um niemanden zu enttäuschen.

Wirklich nicht ertragen konnte er den Geruch von frisch aufgeschnittener Stockfisch. Dieses feuchte Etwas, das sein Vater auf den Marmor fallen ließ, mit den noch zuckenden rosigen Kiemen, und darauf wartete, dass er die Finger hineinsteckte und etwas Nettes sagte. Bei seinem Bruder leuchtete das Gesicht auf. Sein Vater sah ihn stolz an. Iván sah ihn an, als sähe man einen Sohn an, dem etwas fehlt.

Als er neunzehn wurde, bekam er ein gebrauchtes Motorrad geschenkt. Es wurde mit einer unbeholfenen Schleife am Lenker im Hof abgestellt. Er begriff sofort, was beabsichtigt war: dass er die sanften Hügel rund um Punta Cala abfuhr, dieselben Hügel, auf denen sein Bruder mit seinen Freundinnen spazieren gegangen war, dieselben Hügel, auf denen ein Fischersohn nach dem familiären Drehbuch das Mädchen kennenlernte, das er heiraten würde.

Iván sagten diese Hügel nichts. Was er seit Kindertagen ansah, war die Sierra.

Sie lag weit entfernt. Ein grauer Steinwall am Ende des Horizonts, fast immer von einem weißen Dunst gekrönt, der sich zu bewegen schien, selbst wenn kein Wind wehte. Seine Mutter sagte, dort oben seien die Leute seltsam, sie lebten zwischen den Felsen, sie trieben Dinge, über die man am Tisch nicht sprach. Sein Vater stellte sich taub, wenn jemand die Sierra erwähnte. Iván blickte jede Nacht vor dem Einschlafen aus seinem Fenster auf diesen dunklen Streifen und spürte etwas in seiner Brust, das sich zusammenzog und das er nicht benennen konnte.

***

An einem Morgen im März füllte er den Tank und fuhr los, ohne jemandem etwas zu sagen. Er war zwanzig Jahre, zwei Monate und vierzehn Tage alt.

Die Straße stieg in Kurven an, die sich um sich selbst schlossen. Der Asphalt wurde schmal, ohne weiße Linie, auf der einen Seite war eine kahle Felswand, auf der anderen ein Abgrund ohne Geländer. Seine Hände schwitzten in den Handschuhen. Jedes Mal, wenn ihm ein Auto entgegenkam, musste er sich an den Fels pressen und den Atem anhalten.

Ihm fiel auf, dass es nicht mehr nach Salz roch. Die Luft war trocken geworden, mineralisch. Sie roch nach aufgewühlter Erde, nach frischem Mist, nach irgendwo verbranntem Holz. Zum ersten Mal in seinem Leben machte ihn dieser Geruch hungrig. Nach einer Art Hunger, die er nie zuvor gekannt hatte. Es war kein Hunger nach Essen. Es war etwas anderes. Er sammelte sich unter dem Nabel und zog hinab bis in die Schenkel. Er umklammerte den Lenker fester und fuhr weiter hinauf.

Das Dorf lag versteckt in einer Mulde zwischen drei Gipfeln. Es hieß Risca Alta, wie ein verrostetes Schild verriet. Es hatte einen Platz mit einem gusseisernen Brunnen und vier oder fünf Straßen, die von dort ausgingen. Er parkte das Motorrad neben dem Brunnen. Zwei alte Männer spielten auf einer Bank Karten. Sie sahen ihn unverhohlen an. Iván hängte den Helm an den Lenker und ging auf das einzige Lokal zu, dessen Rollladen geöffnet war.

Es war eine Metzgerei.

Der Metzger stand hinter der Theke. Er mochte nicht älter als achtundzwanzig sein. Seine Unterarme waren von Adern durchzogen, die weiße Schürze mit eingetrocknetem Blut beschmutzt, und sein Lächeln schien ihn schon erwartet zu haben, bevor er eintrat. Iván drückte unbeholfen die Tür auf, ließ die Glocke lauter klingen, als er wollte, und blieb atemlos vor der Auslage stehen. Ohne es zu merken, legte er beide Hände an das Glas. Er hinterließ deutliche Abdrücke.

—Du kommst von der Küste — sagte der Metzger. Das war keine Frage.

—Ja.

—Zum ersten Mal in der Sierra?

Iván nickte. Der andere kam hinter der Theke hervor. Er ging langsam, wischte sich die Hände an der Schürze ab. Er roch nach Holzfeuer, nach grobem Salz, nach etwas Metallischem, das Iván nicht einordnen konnte. Er blieb eine Handbreit vor ihm stehen. Er nahm ein Stück Griebengebäck von einem Tablett, noch warm, und führte es ihm mit den Fingern zum Mund. Iván öffnete die Lippen, ohne nachzudenken. Der Metzger steckte den Zeigefinger mit dem Stück zusammen hinein. Er ließ das Fett auf seiner Zunge zurück. Wartete.

Iván biss zu. Das Fett zerging ihm im Mund, salzig, knusprig, mit einer süßen Note darunter, die ihn die Augen schließen ließ. Als er sie wieder öffnete, sah ihn der Metzger noch immer mit demselben Lächeln an, den Finger noch immer auf Höhe seiner Lippen.

—Das ist erst der Anfang — sagte er.

***

Die erste Nacht verbrachte Iván in dem Zimmer über der Metzgerei. Der Metzger kam herauf, als er den Rollladen schon geschlossen hatte. Er kam mit zwei Flaschen Bier, einem Teller mit Wurstwaren und sonst nichts. Er machte sich nicht die Mühe zu fragen, ob er bleiben konnte. Iván bat ihn auch nicht darum.

Er hieß Diego. Er hatte große, raue Hände mit feinen Narben an den Knöcheln. Er ließ Iván die Blutwurst probieren, indem er sie mit dem Daumen auf das Brot strich, ohne ihn das Messer nehmen zu lassen. Er ließ ihn direkt von dem Stück, das er hielt, in die Chorizo beißen. Er gab ihm von seiner eigenen Flasche zu trinken, nicht von der anderen. Jede Bewegung war eine kleine Lektion darüber, wie die Dinge dort oben gemacht wurden. Iván lernte schnell. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er Hunger zu lernen.

Als Diego ihn küsste, schmeckte dessen Mund nach Gewürzen und roher Zwiebel. Er fragte nicht. Er legte eine Hand in den Nacken von Iván und zog ihn zu sich. Iván ließ sich mitziehen, als hätte er sich seit seinem zwölften Lebensjahr darauf vorbereitet. Er spürte den Bart an seinem Kinn reiben, das Gewicht der fremden Brust an seiner eigenen, den Gürtel, der sich hart in seine Hüfte bohrte. Die Hand von Diego glitt über seinen Rücken, drückte ihn gegen den Tisch, schob ihm das Knie zwischen die Beine und entriss ihm ein Stöhnen, indem er ihm nur mit der Zunge flüchtig den Mund streifte.

Iván öffnete sich ohne nachzudenken, mit dieser unbeholfenen Dringlichkeit von jemandem, der den eigenen Wunsch viel zu lange hinuntergeschluckt hat. Diego knöpfte ihm das Hemd einen Knopf nach dem anderen auf, als wolle er jeden nachgebenden Knopf hören. Dann strich er mit der Handfläche über seine Brust und drückte die Brustwarzen, bis sie hart wurden. Iván bog den Rücken durch und spürte, wie die Hitze ihm den Bauch hinaufstieg. Diego lächelte gegen seinen Hals und biss zu, erst sanft, dann härter, und hinterließ die genaue Spur, auf die er sich später im Spiegel würde anschauen wollen.

—So gefällt dir das also, Küstenjunge? — murmelte Diego mit tiefer Stimme, dicht an seinem Ohr—. Dass ich dich so anfasse?

Iván antwortete mit einem gebrochenen Laut, denn die Frage hatte ihn genau dort getroffen, wo ihm am meisten die Luft fehlte. Diego schob ihm eine Hand in die Hose, fand seinen schon harten Schwanz und schloss ihn mit unverschämter Selbstverständlichkeit in die Handfläche. Iván stieß einen langen, erniedrigenden, keuchenden Laut aus und hob die Hüften, suchte mehr. Diego merkte es und drückte fester zu, strich mit dem Daumen über die Eichel, bis er ihn zittern ließ.

—Schau dich an — sagte er. — Du bist verzweifelt.

Und das war er. Er war verzweifelt nach dieser Hand, nach diesem Mund, nach dem Geruch von Fleisch und Seife und Männer-Schweiß, der ihn umgab. Diego schob ihn, ohne ihn loszulassen, zum Bett. Er fiel rücklings auf die schmale Matratze, und der Metzger blieb einen Augenblick stehen, sah ihn an, als wüsste er bereits genau, wie alles enden würde. Dann zog er die Schürze aus, öffnete die Hose und kniete sich zwischen Iváns Beine.

Der erste Kontakt der Zunge an der Spitze seines Schwanzes entriss ihm einen erstickten Schrei. Diego hielt ihn an den Schenkeln fest, spreizte ihn weiter und begann langsam zu saugen, mit grausamer Präzision, leckte die Vorhaut, fuhr mit der Zunge über die Ader an der Unterseite, nahm ihn ganz in den Mund, bis Iván jede Ahnung von Scham verlor. Er blies ihn mit Verlangen, mit Geräusch, schluckte Speichel, ließ die Lippen über die gesamte feuchte Länge gleiten. Jedes Mal, wenn Iván sich zu bewegen versuchte, hielt Diego ihn fester und zwang ihn stillzuhalten, jeden Zentimeter dieser heißen Zunge zu spüren.

—Komm noch nicht — sagte Diego und löste sich nur eben vom ihm, um zu sprechen—. Ich will dich ganz sehen, wenn ich dich zerbreche.

Iván krallte sich mit verkrampften Fingern in die Laken. Sein Bauch bebte, die Beine schmerzten vom Spreizen, und dennoch wollte er mehr. Er wollte den Mund wieder, er wollte die Hand, er wollte Diegos Schwanz in sich, auch wenn er noch nicht wusste, wie all dieser riesige Körper in ihn hineinpassen sollte. Diego zog den Rest seiner Kleidung mit schmutziger Ruhe aus, und als er sich über ihn legte, spürte Iván das Gewicht seiner Brust, die harte Wärme seiner Schenkel, die Reibung seiner Hüften an den seinen.

Diego küsste ihn wieder, schob ihm die Zunge fast so tief hinein, dass ihm die Luft hochkam. Dann ging er tiefer, spreizte ihm mit den Händen die Beine und strich mit zwei von seinem Mund befeuchteten Fingern über die Spalte seines Arschs. Iván blieb für kaum einen Augenblick reglos, aus Reflex angespannt. Diego gab ihm einen kurzen Schlag gegen die Hüfte.

—Mach auf. Ich tu dir nicht weh, wenn du aufhörst, dich zu wehren.

Iván gehorchte. Immer hatte er gehorcht, wenn jemand sicher klang. Er spürte, wie der Finger langsam eindrang, dann der zweite, ihn mit brutaler Geduld öffnend, drängend, kreisend, den genauen Punkt suchend, bis aus dem Druck Lust wurde und aus der Lust ein brennendes Bedürfnis. Er stöhnte auf, als er spürte, wie es ihn innen streifte, wie Diego ihn Zentimeter für Zentimeter aus sich herauszog, die Lippen an seinem Hals, um ihn jedes Mal zu beißen, wenn ihm das Stöhnen lauter entwich.

Als Diego sich zwischen seine Beine schob, war Iván längst schweißnass. Er hielt ihm den Schwanz mit der Hand und führte ihn zur engen Öffnung, rieb dort ein, zwei Mal, bis er keuchend aufstöhnte. Dann drückte er zu. Erst die Spitze. Dann etwas mehr. Iván spürte das heiße Dehnen, das köstliche Brennen, das gewaltsame Aufgehen des Fleisches, während Diego langsam eindrang, mit einer bemessenen Brutalität, die deshalb nicht minder brutal war. Iván klammerte sich an seine Schultern und schrie auf, als er spürte, wie er ihn füllte, dick, tief, bis er in ihm festgenagelt blieb.

—Genau so — knurrte Diego. — So. Halt mich aus.

Und dann begann er, ihn richtig zu ficken. Erst langsam, ihn fast ganz herausziehend, um mit einem Hüftstoß wieder in ihn hineinzustoßen, der ihm einen Krampf entriss. Dann schneller, trockener, das Bett gegen die Wand knarrend. Iván spürte jeden Stoß im Bauch, im Arsch, in den Hoden, in der Kehle. Diego nahm ihm ein Bein und legte es sich auf die Schulter, veränderte den Winkel, um tiefer einzudringen. Er stieß Schlag auf Schlag, und jedes Mal sah Iván weiße Blitze hinter den Lidern. Das Zimmer roch nach verschwitzter Haut, verschüttetem Bier, nach Sperma, das im Begriff war herauszukommen.

—Sag mir, dass du es willst — sagte Diego mit zusammengebissenen Kiefern.

—Ich will es — antwortete Iván, fast ohne Stimme.

—Lauter.

—Ich will es stärker.

Diego lächelte, tierisch und zufrieden, und nahm ihm wieder den Schwanz, um ihn im Takt der Stöße zu drücken. Iván zerbrach. Das Vergnügen schoss ihm scharf, unerträglich, plötzlich den Körper hinauf, und er kam mit einem Stöhnen, das aus der Tiefe seiner Brust kam, bespritzte Bauch und Diegos Hand mit einer dicken, heißen, schmutzigen Ladung. Diego fickte ihn weiter, ohne langsamer zu werden, stieß seinen Schwanz zwischen den Spasmen immer wieder hinein und heraus, bis er unter ihm entwaffnet dalag, weinend ohne Tränen, offen, leer und lebendiger als je zuvor.

Dann stieß Diego ein kurzes Knurren aus und kam ganz tief in ihm, seine Hüften fest packend. Der ganze Körper spannte sich an. Iván spürte den heißen Schlag in sich, das tiefe Abspritzen, das ihm den Arsch mit einem zähen Gewicht füllte, das ihn von oben bis unten erzittern ließ. Diego hielt einen Augenblick still, atmete schwer auf seinen Mund, und zog sich dann langsam zurück, sodass ein Teil des Spermas an Iváns Schenkel herabrann. Beide starrten auf diese weißliche Spur, als wäre sie der Beweis für etwas, das sich nicht mehr rückgängig machen ließ.

In jener Nacht lernte Iván, was es bedeutete, einen Mann zu begehren und von einem Mann begehrt zu werden. Er lernte das Gewicht eines größeren Körpers auf dem eigenen. Er lernte, dass das erste Mal nicht so sehr weh tut, wie man sagt, wenn die Person, die es hält, weiß, was sie tut. Er lernte, die Laute nicht zurückzuhalten, weil Diego sie gern hörte und weil er es liebte, dass sie ihm gefielen.

Bei Sonnenaufgang wachte Iván allein im Bett auf. Er stieg barfuß hinunter. Diego öffnete bereits den Rollladen der Metzgerei. Er sah ihn über die Schulter an und bot ihm eine dampfende Tasse Kaffee an.

—Bleibst du? — fragte er.

—Ja.

***

Risca Alta hatte nur wenige Einwohner, aber alle schienen den Neuankömmling füttern zu wollen. Das Gerücht machte schnell die Runde. Der Metzger hatte oben einen neuen Jungen, einen Küstenjungen, der mit dem Motorrad gekommen war und nicht wieder weggefahren war. Aus Neugier wurde ein Spiel. Eine Herausforderung. Jeder wollte derjenige sein, der ihn mit etwas sattbekam.

Vicente, der Schäfer, brachte ihn eines Morgens zum Pferch. Er zeigte ihm, wie man ein Lamm zwischen den Beinen schor, das Tier an die Brust gedrückt. Er zeigte ihm noch andere Dinge, noch am selben Nachmittag, in der Scheune mit dem trockenen Heu, während die Sonne durch die Holzritzen fiel und ihnen die Haut in gelben Streifen zerschnitt. Vicente sprach kaum, während er es tat; er knurrte wie ein müdes, zufriedenes Tier. Er zog Iván dort sofort die Hose herunter, drückte ihn gegen die Bretterwand und leckte ihm erst den Mund, dann den Hals, dann den Bauch, bis er sich aus purer Notwendigkeit öffnete. Danach schob er ihm die Beine auseinander und nahm ihn mit rauer Geduld, steckte ihm die Finger in den Arsch, bis Iván keuchend gegen das Heu stieß, während er ihm mit den Handflächen die Arschbacken markierte. Die Scheune roch nach Staub, nach warmer Wolle und altem Schweiß, und jedes Stöhnen von Iván hallte an den Holzbalken wider, als würde auch das Heu zuhören. Vicente zeigte ihm, wie man sich auf ihn setzt, packte seine Hüften, um den Rhythmus vorzugeben, und kam mit einem tiefen Knurren, ohne den Blick von seinem Gesicht zu nehmen, als wolle er genau sehen, wann die Scham in ihm zerbrach.

Roque, der Mann aus der Bar, wartete ihn zur Schließzeit mit zwei eingeschenkten Gläsern Anisschnaps. Er war älter, fast im Alter von Iváns Vater, mit grauem Haar und dem breiten Nacken eines Mannes, der sein Leben lang Kisten geschleppt hatte. Er nahm ihn an der Theke, wenn niemand mehr da war, ohne das Licht auszuschalten, ohne die Tür richtig zu schließen, als sei es ihm egal, ob ihn jemand sah. Iván wurde es auch bald egal. Roque griff ihm ohne Eile an den Schritt, öffnete ihm unter dem Tresen den Hosenlatz und blies ihm den Schwanz mit einer Art langsamer Wut, als wolle er ihm die Jugend schluckweise aussaugen. Danach bog er ihn über die Theke, schob ihm das Hemd hoch und bestrafte seinen Arsch mit kurzen, lauten Stößen, die die leeren Flaschen im Regal tanzen ließen. Iván mochte die Rauheit seiner Hände, die Art, wie er ihm das Gesicht festhielt, damit er ihn ansehen musste, während er in ihn kam und ihm den Bauch mit dem strengen Geruch von Anisschnaps und Sperma beschmierte.

Toño hatte eine Mühle am Ende eines Pfades aus losem Geröll. Iván ging sonntags am späten Nachmittag hinauf, um ihn zu sehen. Er war der Schweigsamste von allen und derjenige, der am meisten verlangte, ohne ein Wort zu sagen. Er zeigte mit der Hand, wo er stehen sollte, wie er sich drehen musste, wann er anhalten sollte. Iván gehorchte ihm mit einer Gefügigkeit, von der er nicht gewusst hatte, dass sie in ihm steckte. In der Mühle übertönte das Rauschen des Wassers fast alles, aber es konnte das Keuchen nicht ganz überdecken, wenn Toño ihn bäuchlings auf Getreidesäcke legte, ihm die Arschbacken spreizte und mit trockener, harter Kraft in ihn eindrang, wie ein Mann, der daran gewöhnt ist zu befehlen, ohne die Stimme zu erheben. Danach ließ er ihn auf die Knie gehen, damit er ihm den Schwanz leckte, bis er rot und pochend war, und erlaubte ihm nicht zu kommen, bis er selbst kurz davor war, die Kontrolle zu verlieren. Dann packte er ihn am Haar und drückte ihm den Mund gegen den Schamhügel, während er einen erstickten Laut ausstieß, als er sich endlich auf seiner Zunge entlud.

Diego fragte nie, wo er gewesen war. Wenn Iván ins Zimmer über der Metzgerei zurückkehrte, fand er ein fertiges Abendessen vor. Diego wusste es. Es störte ihn nicht. Es gefiel ihm, dass das ganze Dorf das wollte, was bei ihm im Bett schlief.

Aber keiner von ihnen machte ihn satt. Iván kam immer mit diesem unentzifferbaren Hunger unter dem Nabel zurück, ungestillt, erwartungsvoll.

***

An einem Oktobertag kam ein Mann zu Fuß ins Dorf, durchnässt vom Regen, mit einem Regenschirm in der einen und einer abgedeckten Schale in der anderen Hand. Er hatte schwarzes, glattes Haar, das ihm an der Stirn klebte. Die Züge seines Gesichts erkannte Iván, bevor ihre Blicke sich trafen.

Es war Hiroshi. Der Junge, der in Punta Cala immer in der letzten Reihe seiner Klasse saß. Der nicht mit den anderen Fußball spielte. Der mit sechzehn weggegangen war, ohne sich zu verabschieden, und über den danach wenig gesprochen wurde, weil niemand genau wusste, wohin.

Er stieg zur Metzgerei hinauf. Er klopfte mit der Spitze des Schirms an die Tür. Iván öffnete.

—Man hat mir gesagt, du isst — sagte Hiroshi.

Unter dem Tuch trug er ein Porzellanblech mit einer Ente. Keine beliebige Ente. Sie war glasiert, glänzend, mit bitterer Orange und Ingwer parfümiert. Die Nachbarn, die ihn hatten eintreten sehen, lachten unten in der Metzgerei. »Damit kriegt er ihn nicht satt«, sagten sie. »Wir haben den Jungen schon ein ganzes Rinderkotelett verdrücken sehen.«

Hiroshi deckte den Tisch mit einer Tischdecke, die Diego nie benutzte. Er holte zwei Gläser hervor, die er in ein Tuch gewickelt mitgebracht hatte. Er tranchierte die Ente ohne Eile. Er zwang Iván, sich zu setzen. Er sagte ihm, er solle die Augen schließen, um den Duft zu riechen, bevor er zubeißt. Er sagte ihm, er solle nicht schlucken, ohne zu kauen. Er ließ ihn, mit nur einem Bissen, all die Aromen entdecken, die er bis dahin hastig hinuntergewürgt hatte.

Danach brachte er ihn ins Bett und zeigte ihm dasselbe, nur langsamer. Ohne Dringlichkeit. Ohne Herausforderung. Ohne den Wunsch, derjenige zu sein, der ihn hungrig zurückließ. Im Gegenteil. Er küsste jeden einzelnen Teil, als läse er ein altes Rezept. Er zog ihm die Hose mit einer Langsamkeit aus, die Iván verrückt machte. Er nahm seinen Schwanz in die Hand und streichelte ihn, bis er hart und zitternd war, beugte sich dann vor und nahm ihn in den Mund, saugte ihn mit exquisiter Ruhe, ohne ihn abrupt zu verschlucken, kostete das fiebrige Beben aus, das er ihm entlockte. Iván hielt seinen Kopf fest, nicht um ihn anzutreiben, sondern weil er ihn dort spüren musste, diese Zunge, die ihn ganz umkreiste, ihn umschloss, ihm erlaubte, dass das Vergnügen rein und ohne Schuld in ihm aufstieg.

Als Hiroshi ihn herumdrehte und mit zwei feuchten Fingern seinen Arsch berührte, war Iván schon ergeben. Er spreizte die Beine auf den Laken und ließ sich langsam vorbereiten, mit einer Zärtlichkeit, die fast mehr wehtat als die Grobheit der anderen. Hiroshi hatte es nicht eilig. Er küsste ihn in den Nacken, auf den Rücken, zwischen die Schulterblätter, und drang mit dunkler Geduld in ihn ein, schob ihm den Schwanz Zentimeter um Zentimeter hinein, bis Iván einen langen Laut ausstieß, der anders klang als alle vorherigen. Das war kein Hunger. Es war das Schwindelgefühl, etwas zu spüren, das nichts im Gegenzug verlangte.

Hiroshi nahm ihn von hinten, die Hände in seine Hüften gebohrt, mit festem, aber weichem Rhythmus, und jeder Stoß schien ihm auch in den Kopf zu gehen, als würde er alles in ihm neu ordnen, was vorher verrenkt gewesen war. Iván fasste sich an den Schwanz, während Hiroshi ihm den Arsch fickte, kam gegen die Matratze mit einem Krampf, der ihm den Mund offen stehen ließ, und Hiroshi bewegte sich weiter, bis auch er in ihm kam, tief, ohne Härte, und seinen Namen gegen seinen Nacken atmete, als wäre er ein Wort, das er seit Jahren aufgehoben hatte.

Danach drehte er ihn wieder um und küsste ihn auf den Mund, ließ Iván den Geschmack von beiden auf der Zunge spüren. Es war kein hungriger Kuss, sondern ein Pause-Kuss. Ein Kuss der Erkenntnis. Als hätte ihm endlich jemand beigebracht, dass Verlangen weder ein Schlag noch ein Wettkampf sein musste.

Als Hiroshi auf Iváns Brust eingeschlafen war, das Haar noch feucht vom Regen, spürte Iván zum ersten Mal in seinem Leben, was es bedeutete, nicht zu wollen, dass es endet.

Am nächsten Morgen ging er hinunter in die Metzgerei. Diego schärfte gerade ein Messer auf einem Stein. Er sah ihn an, ohne den Kopf zu heben.

—Gehst du mit ihm? — fragte er.

—Nein. Aber ich esse nicht mehr dasselbe.

Diego stieß ein kurzes Lachen aus, fast voller Stolz, als hätte er monatelang darauf gewartet.

Iván kehrte nie nach Punta Cala zurück. Er blieb in der Sierra. Er stieg nachts weiterhin manchmal hinauf ins Zimmer über der Metzgerei. Er ging weiterhin in Roques Bar hinunter. Er schwieg weiterhin in Toños Mühle. Aber jetzt kam Hiroshi zweimal im Monat von wo auch immer er lebte, legte seine Tischdecke auf den Tisch und erinnerte ihn daran, dass Hunger sich nicht töten lässt: Man kultiviert ihn.

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Bewerte diese Geschichte

Kommentare(6)

Matteo

boah, das hat mich kalt erwischt. einfach hammer

WeicheKnie

Bitte sag mir das da noch mehr kommt, ich kann so nicht aufhören!!

Kapiteljaeger

Dieses genaue Alter am Anfang, zwanzig Jahre zwei Monate vierzehn Tage... das hat mich sofort reingezogen. Wer so einen Einstieg schreibt weiß was er tut.

Nachtaktiv23

richtig geil!!! mehr davon

TeeUndGeschichten

Hat mich an was erinnert was ich selbst mal erlebt hab. Diese Mischung aus Neugier und... ja, Hunger trifft's eigendlich ganz gut.

FelixH

Bin neu hier und das ist schon die dritte Geschichte die ich heute lese. Glaub ich werd hier öfter vorbeischauen haha

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