Das Geständnis, das ich in meiner Nachtschicht nie geschrieben habe
Die Lobby roch nach gewachstem Holz und nach dem Kaffee, den Daniela sich drei Stunden zuvor eingeschenkt hatte und der inzwischen kalt in der Tasse stand. Es war fast elf Uhr nachts, ihre liebste Zeit der Schicht: Die Gäste waren in ihren Zimmern eingeschlossen, das Summen der Klimaanlage war ihre einzige Gesellschaft, und die Wanduhr ging wie immer zwei Sekunden pro Stunde vor.
Sie arbeitete seit achtzehn Jahren in der Hotelbranche, die letzten vier davon in diesem Haus. Sie kannte den Rhythmus der Nacht so gut wie ihren eigenen Atem. Deshalb bemerkte sie sofort, dass etwas vom Gewohnten abwich, als ein trockenes Klacken von Absätzen die Stille des Marmors durchbrach.
Klack. Klack. Klack.
Sie hob den Blick und vergaß für einen Moment, wie man höflich lächelte. Die Frau, die durch die Lobby ging, bewegte sich, als gehöre ihr der Boden. Kurzes schwarzes Kleid aus elastischem Stoff, der bei jedem Schritt knirschte. Rote High Heels. Lippenstift in derselben Farbe, offenbar frisch aufgetragen. Sie kaute Kaugummi mit der Gelassenheit einer Frau, die wusste, dass man sie ansah.
—Guten Abend —sagte Daniela und rückte ihre Krawatte über dem weißen Hemd zurecht—. Wie kann ich Ihnen helfen?
—Bei sehr vielem kannst du mir helfen, Süße —antwortete die Frau. Sie hatte eine raue Stimme und zog die S-Laute in die Länge—. Ich bin hier, um Herrn Sebastián Carrasco zu sehen.
Daniela tippte den Nachnamen ein. Auf dem Bildschirm erschien der Hinweis: »Der Zutritt einer Begleitperson zu Zimmer siebenundvierzig ist gestattet.«
—Perfekt. Für das Besuchsregister brauche ich noch Ihren Namen.
—Die Nutte —sagte die Frau, ohne mit der Wimper zu zucken.
Daniela blinzelte. Ihre Ohren wurden schlagartig heiß.
—Wie bitte?
—Ich sagte, ich bin die Nutte, die Sebas bestellt hat —wiederholte sie mit einem schiefen Lächeln—. Oder sehe ich etwa nicht danach aus?
—Ich … ich meinte den Namen für das System —stammelte Daniela und versuchte, ihren professionellen Ton wiederzufinden.
—Verzeih mir, Schöne. Ich heiße Camila —sagte die Frau und schloss genau in diesem Moment die Lippen, um eine Kaugummiblase platzen zu lassen. Das Plopp hallte wie ein Startschuss durch die leere Eingangshalle—. Und du?
—Daniela —antwortete sie flüsternd.
—Schöner Name … und noch schöner ist die, die ihn trägt. Bringst du mich hin? In solch eleganten Läden verlaufe ich mich sofort.
Daniela nickte, ohne ihrer Stimme zu trauen. Sie kam hinter dem Empfang hervor, nahm die Generalkarte und ging zum Aufzug. Dabei hörte sie unfreiwillig die ungleichmäßige Sinfonie: ihre flachen Loafer gegen Camilas rote Absätze, die den Puls einer Nacht markierten, die gerade erst begann.
Der Aufzug fuhr mit einem hydraulischen Schnurren nach oben. Die Kabine war eng, und Daniela konnte Camilas ruhigen Atem hören, das leise Reiben ihrer Tasche am Stoff des Kleides.
—Arbeitest du schon lange hier? —fragte Camila. Ohne den Lärm der Lobby klang ihre Stimme tiefer, beinahe wie ein Schnurren, das vom Stahl widerhallte.
—Vier Jahre in diesem Hotel —antwortete Daniela, ohne den Blick von den digitalen Zahlen zu nehmen—. Aber insgesamt bin ich seit achtzehn Jahren in der Branche.
Camila pfiff leise, ein Luftzug zwischen den Zähnen.
—Achtzehn Jahre —wiederholte sie und trat einen Schritt näher. Das Klacken ihrer Absätze auf dem Metallboden war scharf und deutlich—. Das sind eine Menge Menschen, die du bedient hast, Daniela. Ich nehme an, nach all der Zeit erkennst du, wann jemand ein Hotel betritt und ganz genau weiß, wonach er sucht, nicht wahr?
Camila schmiegte sich an ihren Rücken. Daniela hörte das Knarren der Ledertasche und den Kaugummi, den Camila auf Höhe ihres Ohres kaute.
—Achtzehn Jahre lang ein braves Mädchen gewesen, immer schön nach den Regeln —flüsterte Camila, und ihr heißer Atem ließ Danielas Nacken prickeln—. Heute Nacht möchte ich, dass du nur dem Klang meiner Stimme folgst.
Der Aufzug stieg weiter. Camila löste sich ein wenig von ihr und musterte sie von oben bis unten.
—Aber du bist ja ein richtiges Kind —sagte sie und streckte die Hand aus, um ihr mit einer beinahe mütterlichen, doch eindeutig absichtsvollen Geste in die Wange zu kneifen.
—Ich bin achtunddreißig —antwortete Daniela mit fester Stimme.
—Dann hast du dich gut gehalten. Für wie alt hältst du mich?
—Ich meinte nicht Ihr Alter. Ich habe nach Ihrem Beruf gefragt.
Die Türen öffneten sich, bevor Camila antworten konnte. Sie trat als Erste auf den Flur hinaus, und das Geräusch ihrer Absätze auf dem Teppich war alles, was man hörte, bis sie sich zu einer Antwort entschloss.
—Seit ich ein Mädchen bin, arbeite ich als Hure —sagte sie mit einer Natürlichkeit, die Daniela den Atem nahm—. Und ich bediene nicht nur Männer, falls du irgendwann neugierig wirst.
Sie erreichten Zimmer siebenundvierzig. Daniela klopfte zweimal kurz. Die Tür öffnete sich, und Sebastián erschien: zweiundvierzig Jahre alt, frisch rasiert, das weiße Haar im Kontrast zu seinem schwarzen Seidenbademantel.
—Na endlich —sagte er. Seine Stimme war tief und herrisch.
—Was gut ist, braucht eben seine Zeit, Süßer —schnurrte Camila und trat ein, als wäre sie die Hausherrin.
—Komm rein.
Daniela machte Anstalten zu gehen.
—Gut, ich lasse Sie dann allein. Einen schönen Abend noch.
—Warte, meine Liebe —hielt Sebastián sie zurück—. Bring uns bitte eine Flasche Champagner hoch. Der Hauschampagner reicht.
—Natürlich.
Die Tür schloss sich mit einem endgültigen Klicken, und Daniela blieb einen Moment im Flur stehen, an die Wandverkleidung gelehnt, während ihr eine diffuse Hitze den Hals hinaufstieg.
***
Der Servicebereich war eine andere Welt des Hotels: eine offene Küche, weißes Neonlicht, der Dampf der Grillplatten und das unaufhörliche Klirren des Bestecks.
—Tomás, kannst du eine Flasche in die Siebenundvierzig bringen?
—Unmöglich, Dani —antwortete der Kellner, ohne seinen Schritt zu verlangsamen—. Ich muss sofort die Bestellung für die Achtunddreißig aufnehmen.
Das Metall der Abzugshaube über dem Teller hallte mit einem trockenen Klonk wider. Daniela seufzte.
—Schon gut. Ich bringe sie selbst.
Sie nahm den silbernen Sektkühler. Das Klirren des Eises an der Flasche begleitete sie durch den Servicegang, mit dem Angestelltenaufzug hinauf und bis zum Korridor der Premiumzimmer, wo der bordeauxrote Teppich jedes Geräusch dämpfte und nur die gedämpften Lichter sowie das Gefühl blieben, dass der Rest der Welt schlief.
Sie blieb vor der Tür von Zimmer siebenundvierzig stehen. Sie hob die Fingerknöchel, um zu klopfen.
Und erstarrte.
Durch das dünne Holz —es war dünn, das wusste sie besser als jeder andere, sie wusste es von den Beschwerden, die ständig aus Zimmer achtundvierzig kamen— waren die Geräusche unmissverständlich. Das Schmatzen von Speichel. Das rhythmische, gierige Saugen eines Mundes, der einen Schwanz bis zum Hals bearbeitete. Sebastians heisere Stöhner prallten gegen die Tür, als wollten sie hinaus. Das Knarren der Matratze. Camilas kurzes, vibrierendes Lachen, unterbrochen von einem sanften Würgen, als hätte sie gerade den ganzen Schwanz geschluckt und müsse Luft holen.
Daniela schloss die Augen. Sie umklammerte den Griff des Kühlers. Das Klirren des Eises erschien ihr lächerlich, ein winziges Geräusch im Vergleich zu dem Sturm auf der anderen Seite.
Sie konnte nicht gehen, ohne die Bestellung abzuliefern. Aber jetzt konnte sie auch nicht klopfen.
Oder zumindest redete sie sich das ein.
Ich bleibe nur, bis sie fertig sind, und liefere sie dann schnell ab, dachte sie. Das ist kein Voyeurismus. Das ist Vorsicht.
Der zweite Gedanke war eine so große Lüge, dass sie selbst ihn nicht glaubte.
***
Drinnen änderte sich der Rhythmus. Daniela hörte, wie Camila sich mit einem feuchten Klicken der Lippen von dem Schwanz löste, einem dieser obszönen Plopps, die nur entstehen, wenn eine Eichel aus einem speichelvollen Mund gleitet. Dann kamen kurze Küsschen über die gesamte Länge, schmatz, schmatz, schmatz, hinunter zu den Eiern. Die breite Zunge leckte vom Ansatz bis zur Spitze, ein langes, unverschämtes Schluuurp. Dann eine heiser gemurmelte Anweisung:
—Mach die Beine weiter auf, Süßer. Lass mich deine Eier richtig lutschen.
—Ganz dein, kleine Schlampe —knurrte Sebastián.
Ein Schluuurp, dann noch eins, danach das unverkennbare Geräusch eines Mundes, der Hoden saugte, als wären sie Bonbons. Sebastians Atem stockte in abgehackten Keuchen. Daniela hörte, wie Camila wieder am Schwanz nach oben glitt, ihn mit den Lippen umschloss und ihn diesmal ganz verschluckte, bis der Grund ihrer Kehle ihr ein kehliges Würgen entriss, ghhhk, gefolgt von einem zufriedenen Lachen.
—Du hast einen so leckeren Schwanz, Papi. Davon muss ich sabbern.
—Blas mir einen bis zum Schluss, lass keinen Tropfen draußen.
Das Schmatzen wurde gleichmäßig. Schlop, schlop, schlop. Ein obszöner, speichelgeladener Rhythmus, während Camila zwischen jedem Saugen mit vollem Mund schmutzige Dinge flüsterte.
—Schau, wie ich ihn ganz in den Mund nehme, mein Schatz. Schau, wie ich wegen dir sabbere.
—Mein Gott, hast du eine Hurenfresse.
—Heute Nacht ganz für dich.
Daniela legte die Stirn an den Türrahmen. Der Kühler lag noch immer in ihrer Hand und ließ ihre Finger am Metall gefrieren. Plötzlich fühlte sich ihre Uniform zwei Größen zu klein an. Ohne nachzudenken lockerte sie ihre Krawatte. Der Knoten gab mit einem seidenen Flüstern nach. Sie spürte, wie ihr Slip schwer, nass und klebrig gegen ihre Schamlippen wurde.
Drinnen änderte sich der Rhythmus erneut. Sie hörte Camila aufstehen, das Frush von Stoff, der zu Boden fiel, und die Matratzenfedern, die sich unter zwei Körpern senkten.
—Komm, setz dich hier oben hin. Ich will, dass du mich mit diesen Titten zerfickst —sagte Sebastián mit noch rauerer Stimme.
—Ach, Süßer, wie du meine Titten liebst.
Das stetige Reiben. Ein feuchtes, rhythmisches Gleiten. Das sanfte Klatschen von Haut auf Haut. Daniela musste nicht sehen, was geschah: Camila hatte sich über Sebastián gebeugt und seinen Schwanz zwischen ihren Brüsten eingeklemmt, rauf und runter, wobei die Eichel oben aus dem Tal zwischen ihren Brüsten hervorschaute, damit sie sie jedes Mal lecken konnte, wenn sie auftauchte.
—So lecker, mein Schatz. Was für eine Wonne. Spuck drauf, los, spuck drauf, damit er besser gleitet.
Ein hörbares, langgezogenes Pttuh. Danach wurde das Schmatzen flüssiger, lauter, ein rhythmisches Splosh, splosh nasser Titten, die einen Schwanz bis zum Ersticken ritten.
—So, Papi, so. Steck ihn mir ganz zwischen die Titten. Fick meine Titten, fick sie richtig hart.
—Verdammte Scheiße, Camila, was hast du für einen Arsch und was für Titten? Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst zugreifen soll.
Sebastians Stimme kam tief aus seiner Kehle. Es war die Art Stimme, die ein Mann nur hat, wenn er jede Möglichkeit verloren hat, zu entscheiden, was er sagt.
Dann herrschte im Zimmer eine Pause. Und dann:
—Fick mich wie eine Hündin —sagte Camila mit einem Keuchen, halb Bitte, halb Befehl—. Steck ihn mir bis tief in die Muschi, ich will ihn in meiner Kehle spüren.
Daniela biss sich auf die Lippe. Sie spürte, wie etwas in ihr schmolz, tief unter dem engen Rock, eine flüssige Hitze, die sie die Schenkel zusammenpressen ließ.
Das Platsch, platsch, platsch setzte fast sofort ein. Seine Hüften gegen ihren Hintern. Das Bett knarrte in einem Rhythmus, der keinen Widerspruch duldete. Camilas Schreie —ein hysterisches, lustvolles Lachen— mischten sich mit Sebastians kehligem Knurren.
—Was für einen harten Schwanz du hast, du Hurensohn! Du zerreißt mir die Muschi!
—Nimm das, kleine Schlampe! Nimm es! Nimm meinen ganzen Schwanz, dafür bist du doch gekommen!
—Ja, Papi, ja! Härter, härter! Fick mich härter!
—Gefällt es dir, wenn ich ihn dir so reinramme? Gefällt es dir, meine Hure zu sein?
—Ich bin deine Hure, deine Hure, deine teure kleine Hure!
Daniela spürte jedes Wort wie einen Peitschenhieb. Die nächsten zwanzig Minuten brachten sie ihrem Wunsch, mitten in der Schicht ihren Arbeitsplatz zu verlassen, näher als alles zuvor in ihrem Leben.
Sie stellte den Kühler auf einen Beistelltisch im Flur, auf dem eine kleine Vase mit Trockenblumen stand. Ihre Hände zitterten zu sehr, um ihn gerade abzustellen. Sie lockerte ihre Krawatte vollständig und öffnete die ersten drei Knöpfe ihres Hemdes. Das Klicken jedes einzelnen Knopfes klang für sie wie ein Versprechen.
Der Flur war menschenleer. Die Kameras im Korridor der Vierzig zeigten auf den Aufzug; genau dort, direkt vor Zimmer siebenundvierzig, befand sich ein toter Winkel. Sie wusste es, weil sie die toten Winkel in ihrem ersten Monat selbst kartiert hatte. Jede Nachtrezeptionistin kennt sie.
Sie presste ihr Ohr an die Tür. Der Rhythmus änderte sich wieder. Sie trennten sich. Es gab ein Schubladenklicken, das Geräusch eines Plastikbehälters, ein Froush von Gel, das verteilt wurde.
—Was ist das? —fragte Camila keuchend.
—Das, was jetzt kommt. Ich werde ihn dir in den Arsch stecken.
—Das kostet extra, Süßer.
—Ich bezahle es. Egal, was es kostet. Ich will dein Arschloch zerficken.
Daniela presste die Zähne zusammen. Ihre Ohren rauschten. Sie spürte, wie sich ihr eigener Atem mit dem der beiden auf der anderen Seite synchronisierte. Sie hörte das Schluckgeräusch des Gels, das Camilas Arsch einrieb, den Finger, der hinein- und wieder herausglitt, das klebrige Squick des Schmiermittels, das schaumig wurde.
—Langsam, ja? —bat Camila—. Du bist groß, Papi. Steck ihn mir ganz vorsichtig rein.
—Keine Angst, kleine Schlampe. Ich mache langsam. Mach deinen Arsch schön weit für mich.
—Ah, aaah, aaaah … so, so, noch ein bisschen, noch ein bisschen …
Der neue Klang ihrer Stimme —höher, erwartungsvoller, der Atem von dem Druck unterbrochen, mit dem der Schwanz sich seinen Weg bahnte— riss bei Daniela den letzten Faden des Anstands. Sie schob ihren engen Rock bis zur Taille hoch. Die Reibung des Synthetikstoffs an ihren Schenkeln klang wie ein Fusch. Ihre Finger glitten unter den Gummibund des Slips und fanden, was sie längst erwartet hatte: die triefend nasse, heiße Muschi, die im Rhythmus der Stöhner auf der anderen Seite pulsierte. Die inneren Schamlippen waren angeschwollen, die Klitoris unter der Kuppe ihres Mittelfingers hart wie ein Knopf.
—Los, Papi, steck ihn mir ganz rein! Fick mir den Arsch kaputt! —schrie Camila, schrill und klar, durchzogen von etwas, das nicht nur Lust war.
Daniela schloss die Augen. Zunächst langsam, dann immer schneller bewegte sie ihre Finger in Kreisen und übernahm einen Rhythmus, der nicht ihrer war, als gehöre er ihr allein, weil sie ihn gehört hatte. Mit zwei Fingern drang sie in ihre Muschi ein, spürte, wie sie die Finger umschloss und wieder losließ, während ihr Daumen weiterhin ihre Klitoris bearbeitete. Mit der anderen Hand drückte sie ihre Brust über dem Spitzen-BH, kniff durch den Stoff in ihre Brustwarze, bis es schmerzte. Ihre Brustwarzen taten weh, hart und unerträglich.
—Aaaa-pa-pa-pa! Du hast ihn mir ganz reingestoßen! Ganz, Papi, ganz! —Camilas nächster Schrei war zugleich zerrissen und triumphierend, der Jubel einer Frau, die gefunden hatte, wonach sie gekommen war.
Das Platsch, platsch, platsch setzte mit neuer Gewalt wieder ein, tiefer und feuchter, begleitet vom klebrigen Squelch des Schmiermittels, das zwischen zwei Körpern aufgeschlagen wurde. Das Bett schrie unter ihnen. Sebastián knurrte bei jedem Stoß Obszönitäten.
—Was für einen engen Arsch du hast, verdammt, du melkst mir den Schwanz aus.
—Mach ihn kaputt, mach ihn kaputt, mach ihn kaputt!
—So gefällt es dir, Schlampe? So gefällt es dir, meine Arschhure zu sein?
—Ja, ja, jaaaa!
Daniela biss sich in den Handrücken, um nicht mit ihrer eigenen Stimme einzustimmen. Ihre Feuchtigkeit platschte gegen ihre Finger, ein rhythmisches Schlap, schlap, das sich unter anderen Umständen im gesamten Flur hätte hören lassen, hier aber von der größeren Sinfonie aus Zimmer siebenundvierzig übertönt wurde. Sie schob einen dritten Finger hinein, streckte dann die Hand und berührte mit dem kleinen Finger auch ihr Arschloch, nur ganz leicht, und der elektrische Schlag, der ihre Wirbelsäule hinaufschoss, hätte sie beinahe auf die Knie sinken lassen.
Sie war kurz davor. Sie spürte, wie es sich wie eine Flut von ihren Schenkeln zum Bauchnabel hinaufwälzte. Sie biss die Zähne zusammen. Sie schloss die Augen so fest, dass es wehtat. Ihre Finger flogen nun über die geschwollene Klitoris, ein wahnsinniges Reiben, während ihre Muschi im Slip tropfte und einen klebrigen Faden die Innenseite ihres Schenkels hinunterlaufen ließ.
—Ich komme! —schrie Sebastián drinnen—. Ich komme gleich, ich spritze, ich spritze!
—Wohin, Papi? Wohin willst du ihn spritzen?
—Auf deine Titten! Zieh ihn raus und geh auf die Knie, ich will auf deine Titten und in dein Gesicht kommen!
—Komm, Papi, gib mir deine ganze Milch, bade mich darin!
Die kurze Stille danach —Camila, die sich hinkniete; Sebastián, der sich mit kurzen, blasbalgartigen Keuchen den glitschigen Schwanz wichste; das trockene Fap, fap, fap seiner Hand über dem eingeschmierten Schaft— war der Moment, in dem auch Daniela zerbrach. Ihr ganzer Körper spannte sich wie eine Violinsaite. Ein langes, stummes Stöhnen, an ihre Handfläche gedrückt, entwich ihrer Kehle. Sie spürte den langen Krampf, wie ihre Muschi die Finger in Wellen zusammenpresste, und die Hitze, die ihre Hand bis zum Handgelenk durchnässte, während der heiße Saft über ihre Handfläche rann. Auf der anderen Seite hörte sie Sebastians kehliges Brüllen beim Kommen, aaaghhh!, und Camilas köstliche Laute, während sie die dicken Spritzer empfing, das unverkennbare Splot, splot des Spermas, das auf warme Haut klatschte, und ihr obszönes Lachen, mit dem sie nach mehr, mehr, mehr verlangte, bis zum letzten Tropfen.
—Wie lecker, Papi, sieh nur, wie du mich zugerichtet hast. Mein ganzes Gesicht, meine ganzen Titten … es läuft mir bis auf den Bauch.
—Leck es dir vom Finger, los.
—Mmm … köstlich.
Und der Flur drehte sich für einen Moment um Daniela.
Sie blieb an das Holz gelehnt stehen, die Stirn gegen die Tür gepresst, und hörte, wie der Sturm auf der anderen Seite ebenfalls abebbte: ein rhythmisches Tschick, tschick, tschick —die letzten Tropfen eines Schwanzes, der bis zum Ende ausgepresst wurde—, Camilas leises Lachen, Sebastians tiefer Seufzer und danach nur noch das Summen der Klimaanlage sowie der Schlag ihres eigenen Herzens, der in ihren Ohren wie eine ferne Trommel widerhallte.
***
Sie brauchte ein paar Minuten, um wieder sie selbst zu werden. Sie richtete ihren Rock, zog ein Taschentuch aus der Tasche und wischte ihre klebrige Hand ab, wobei sie trotzdem spürte, wie ihr eigener Geruch an den Fingern haften blieb. Sie knöpfte das Hemd mit Fingern zu, die nicht mehr ganz so stark zitterten. Sie band sich die Krawatte neu und betrachtete ihr verschwommenes Spiegelbild in einer Metallplatte des Flurs. Sie hob den Kühler auf. Das Klicken des Eises an der Flasche bestätigte ihr, dass die professionelle Daniela wieder an ihrem Platz war.
Sie klopfte zweimal kurz.
Klopf, klopf.
Die Tür öffnete sich. Sebastián erschien noch immer in seinen Seidenbademantel gehüllt, das Haar leicht zerzaust und das Gesicht entspannt in jenem Ausdruck, den nur Männer haben, die gerade bedient worden sind.
—Na, du hast aber lange gebraucht, meine Liebe —sagte er mit entspannter, beinahe freundlicher Stimme. Er nahm den Kühler, und das Metall stieß gegen seinen Ring—. Danke.
—Genießen Sie ihn —antwortete Daniela mit ihrem professionellen Lächeln, das sie seit achtzehn Jahren perfektionierte.
Die Tür schloss sich hinter ihr. Sie ging den Flur entlang, die Schultern hochgezogen, die Hände still, das Herz noch immer gegen ihre Rippen hämmernd, als wolle es aus ihr heraus.
***
Die Wanduhr zeigte zwanzig nach eins, als die roten Absätze wieder die Stille der Lobby durchbrachen.
Klack, klack, klack.
Camila ging zum Ausgang und sah makellos aus, als hätten die vergangenen zwei Stunden nie stattgefunden. Der Lippenstift war frisch nachgezogen. Das Haar nur ein wenig zerzauster. Ihre selbstsichere Haltung war unverändert.
Als sie am Empfang vorbeikam, blieb sie stehen. Sie legte eine Karte auf den Marmor. Der sanfte Schlag der Pappe auf die kalte Theke war das einzige Geräusch.
—Und was ist das? —fragte Daniela und betrachtete den aufgedruckten Namen.
—Falls du mich anrufen willst. Meine persönliche Karte. Ich bediene auch Frauen, erinnerst du dich? Und ich habe eine Zunge, die Wunder wirkt. Muschis schmelzen mir im Mund, Püppchen.
Daniela spürte ein Kribbeln im Magen, das nichts mit Professionalität zu tun hatte. Unter dem Empfang presste sie die Schenkel zusammen und spürte, wie die Feuchtigkeit, die sie für getrocknet gehalten hatte, wieder hervortrat.
—Danke —murmelte sie.
—Ach ja, und nimm das. —Camila zog zwei grüne Scheine aus ihrer Tasche und schob sie über die Theke. Das Knirschen des Papiers klang nach etwas, das Daniela noch nicht zu benennen bereit war.
—Was ist das?
—Für die Betreuung, Püppchen —flüsterte Camila mit einem verschwörerischen Lächeln—. Du warst ein ausgezeichnetes Publikum. Beim nächsten Mal bist du an der Reihe, auf der Innenseite der Tür zu sein. Ich werde dir die Muschi lecken, bis du mich bittest aufzuhören.
Daniela hob den Blick. Camila sah sie mit absoluter Gewissheit an, derselben Gewissheit, mit der sie vor zwei Stunden das Hotel betreten hatte. Sie wusste es. Sie wusste ganz genau, dass Daniela auf der anderen Seite der Tür gewesen war, die Hand im Slip, und gekommen war, während sie mit den beiden zusammen stöhnte. Vielleicht hatte sie es schon im Aufzug gewusst, vielleicht noch früher.
—Ich weiß nicht, was ich sagen soll —gestand Daniela.
—Sag gar nichts. Ruf mich an. Und komm bereit, denn ich lasse dich nicht schlafen, bevor ich dich nicht fünfmal zum Kommen gebracht habe.
Camila warf ihr einen Kuss zu —ein lautes, verspieltes Muack— und ging auf die Drehtür zu. Die roten Absätze verloren sich im fernen Lärm der Straße.
Daniela blieb stehen und betrachtete die Karte. Ein Name, eine Handynummer, eine E-Mail-Adresse. Mehr nicht. Als sie die Scheine unter der Schublade verstaute —technisch gesehen waren sie nicht für sie, aber in dieser Nacht hatte jede Technik schon vor langer Zeit aufgehört zu existieren—, zitterten ihre Finger wieder. Sie rochen noch immer nach ihr selbst.
Sie setzte sich wieder hin. Das Summen der Klimaanlage und das rhythmische Vorgehen der Wanduhr gaben ihr die Nacht zurück. Fünf Stunden Schicht lagen noch vor ihr, achtzehn Jahre hinter ihr und eine Karte in der Tasche ihrer Weste.
Ruf sie morgen an, dachte sie. Oder übermorgen. Oder nie.
Das mit dem Nie glaubte sie sich selbst nicht.