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Relatos Ardientes

Die Pension, in der brave Mädchen sich verlieren

Rosario Fuentes hatte den Instinkt jener Menschen, die zu lange am Rand gelebt haben. Vor zwanzig Jahren hatte sie von einer alten Jungfer eine heruntergekommene Kolonialvilla im alten Stadtzentrum geerbt: drei Stockwerke mit feuchten Zimmern, einen Innenhof, in dem der Efeu wuchs, ohne jemanden um Erlaubnis zu bitten, und eine Rezeption, die permanent nach kaltem Tabak und abgestandenem Wasser roch. Sie zögerte keine Woche, daraus eine Pension zu machen.

Sie riss die Heiligen von den Wänden. Die Nägel blieben stecken, tief im Lehmgeflecht, und widerstanden jedem Versuch, sie herauszuziehen. Den Altar der Immerwährenden Hilfe ersetzte sie durch einen dunklen Holztresen, auf dem nun um sechs Uhr abends ihre Tasse Tinto stand, und in jedem Zimmer hängte sie abgeschrägte Spiegel auf, deren Ecken abgesplittert waren. An die Fenster kamen Vorhänge aus billigem Samt, und am Eingang brachte sie ein handbemaltes Schild an: ZIMMER STUNDENWEISE.

Das genügte. Niemand kam in die Pension El Claustro, um lange auszuruhen.

Sie kamen, um sich selbst zu suchen, was nur eine andere Art zu sagen war, dass sie für eine Weile verloren gehen wollten. Und Rosario verkaufte ihnen diese Zeit, ohne nach Namen zu fragen, ohne Dokumente zu verlangen, ohne die Brauen mehr zu heben als unbedingt nötig. Ihr Geschäft war nicht die Moral. Ihr Geschäft war die Zeit.

Sie hatte alles gesehen. Paare, die einander ansahen, als hätten sie sich gerade erst kennengelernt, obwohl sie seit fünfzehn Jahren verheiratet waren. Bürofrauen, die noch die Krawatte eines Mannes in der Handtasche zusammengerollt mit sich trugen. Männer, die allein hineingingen und mit einem anderen Schritt wieder herauskamen, leichter oder schwerer, je nachdem, was sie gefunden hatten. Ausländer, die Geografie mit Liebe verwechselten. Nichts überraschte sie mehr.

Aber Neulinge amüsierten sie immer.

An jenem Dienstagnachmittag kamen zwei Frauen.

Die vordere stieß die Tür mit der Sicherheit einer Frau auf, die schon einmal an solchen Orten gewesen war – oder zumindest so wirken wollte. Kurzes Haar, schwarze Lederjacke, die Hände mit einstudierter Lässigkeit in den Taschen. Mitte dreißig, genauer schwer zu sagen. Augen, die erst die Ecken absuchten, bevor sie auf dem Tresen zur Ruhe kamen.

Hinter ihr kam die andere.

Rosario sah sie und erkannte den Typ sofort. Es gab sie in jeder Stadt, in jedem Viertel mit einer Kirche an der Ecke: das Mädchen aus gutem Hause, das etwas Anständiges studierte, weil ihre Mutter es so beschlossen hatte; die mit der bis zum Hals zugeknöpften Bluse, den kurzen Nägeln und der Ledertasche, die in diesem Alter noch immer geliehen wirkte. Sie war auf die denkbar unangenehmste Weise hübsch – eine Schönheit, die nicht wusste, wohin mit sich. Ihr Blick war auf die Fliesen des Eingangs geheftet, als schuldeten die gebrannten Tonplatten ihr eine Erklärung.

Die mit der Lederjacke stellte sich vor den Tresen.

—Ein Zimmer. Drei Stunden —sagte sie. Es war keine Frage.

Rosario sah sie an. Dann sah sie die andere an, die noch immer den Boden studierte.

—Zimmer sechs. Zweiter Stock. —Sie reichte ihr ohne weitere Umstände den Schlüssel.— Handtücher im Bad. Das Warmwasser funktioniert, aber den Hahn musst du langsam aufdrehen.

Die mit der Lederjacke nickte. Sie legte ihrer Begleiterin die Hand auf den unteren Rücken und führte sie zur Treppe. Eine Geste von jemandem, der daran gewöhnt ist, zu führen, das Tempo vorzugeben, die Entscheidungen zu treffen.

Dieser Typ glaubt immer, alles unter Kontrolle zu haben, dachte Rosario.

Neulinge hatten diese Illusion. Sie glaubten, sie hätten jemanden überzeugt, verführt, bis hierher geschleppt, der diese Tür sonst niemals durchquert hätte. Sie verstanden nicht, dass niemand aus Versehen an Orte wie das Claustro kam, nicht aus Druck oder Gefälligkeit. Man kam, weil man schon lange hatte kommen wollen und noch keinen Weg gefunden hatte, es sich selbst laut zu sagen.

Rosario trug die Ankunftszeit und die Zimmernummer ins Register ein, sonst nichts. Dann wandte sie sich wieder ihrem Tinto zu.

***

Oben hörte sie Schritte auf dem Fliesenflur. Eine Tür. Das metallische Klicken des vorgeschobenen Riegels.

Dann Stille.

Zehn lange Minuten vergingen. Rosario trank ihren Tinto aus, spülte die Tasse im kleinen Waschbecken hinter dem Tresen und wollte gerade das Radio einschalten. Doch irgendetwas an dieser Stille stimmte nicht. Neulinge machten Lärm. Nervosität erzeugte Ungeschicklichkeit, und Ungeschicklichkeit erzeugte Lärm: abgebrochene Lacher, Murmeln, die ungewollt lauter wurden, das eilige Knarren von jemandem, der sich in einem Raum, der ihm nicht gehörte, nicht zu bewegen wusste.

Dieses Stockwerk war zu still.

Sie nahm ein gefaltetes Handtuch aus dem Regal – ihre übliche Ausrede, wenn die Neugier unerträglich wurde – und stieg langsam hinauf. Der Flur mit den roten Fliesen lag im Halbdunkel; das einzige Fenster am Ende ging auf eine Mauer hinaus, und um diese Uhrzeit fiel nicht mehr genug Licht herein.

Sie blieb vor Zimmer sechs stehen.

Keine Stöhner. Nicht das hastige Schauspiel von jemandem, der etwas zum ersten Mal ausprobierte. Da waren Stimmen. Ein leises Gespräch, in jenem besonderen Rhythmus von Menschen, die es nicht eilig haben, die wissen, dass die Zeit bezahlt ist und es auf der Welt keinen Grund zur Eile gibt.

Und dann hörte sie deutlich die Stimme des Mädchens mit der zugeknöpften Bluse.

Aber es war nicht dieselbe Stimme.

—Nicht so. Langsam. Von oben.

Es war kein Flehen. Es war eine Anweisung. Präzise, ohne Zögern, mit der Sicherheit einer Frau, die genau weiß, was sie will, und bereits beschlossen hat, es sich an diesem Nachmittag zu geben.

Rosario blieb reglos stehen.

—So. Jetzt ja. —Eine Pause.— Zieh das aus, du fühlst dich darin unwohl, und man sieht es.

Sie hörte Stoff, der über Haut glitt, ein Kleidungsstück, das zu Boden fiel, den Seufzer eines Menschen, der endlich die Luft ausstieß, die er seit Jahren angehalten hatte. Das Bettgestell knarrte, als eine der beiden sich vorsichtig setzte, und knarrte gleich darauf tiefer, als die andere sich über sie beugte. Es war nicht das hastige Rattern einer improvisierten Begegnung. Es war etwas anderes: eine langsame, abgeschlossene Choreografie, als wäre jede Bewegung im Kopf der einen einstudiert worden, bevor sie den Körper der anderen berührte.

—Sieh mich an —sagte die mit der Bluse, und Rosario hörte in dieser Stimme den exakten Temperaturwechsel, der entsteht, wenn das Verlangen aufhört, um Erlaubnis zu bitten.

Es folgte eine kurze, gespannte Pause, in der die Luft sich zu verdicken schien.

—So. Dreh das Gesicht nicht weg.

Das Bettgestell antwortete mit einem Knarren. Die Matratze nahm das Gewicht zweier Körper auf, die sich aneinander schmiegten. Rosario stellte sich gegen ihren Willen die Szene in ihrer einfachsten Form vor: die Lederjacke, die hereingekommen war, um ihr Revier zu markieren, nun mit über dem Laken festgehaltenen Handgelenken; das Mädchen mit der Bluse, deren Haltung als anständige Tochter sich am Bettrand auflöste; der Mund der einen, der am Hals der anderen hinabglitt und ihr einen Laut entriss, der nicht nach Scham, sondern nach Erleichterung klang.

—Nein, fass mich da noch nicht an —spie die mit der Bluse aus, und der Satz kam mit unerwarteter Derbheit heraus.— Erst will ich dich still liegen sehen.

Rosario verspürte einen Anflug von Belustigung. Das war kein verängstigtes Mädchen. Das war eine Frau, die sich Schicht für Schicht auszog und ein fremdes Leben abstreifte wie einen alten Verband.

—Gefällt dir das so? —fragte die mit der Lederjacke, nun ohne den sicheren Ton von zuvor, rauer, tiefer, als würde ihr Gehorsam unter der Haut einen neuen Ort öffnen.

—So. Jetzt komm.

Dann kam das feuchte Geräusch eines langen Kusses, mit Zunge, ohne jede Zartheit. Rosario hörte einen kleinen Stoß gegen das Kopfteil. Danach noch einen, sanfter. Der Atem der beiden zerfiel in kurze Stücke; eine stieß ein ersticktes Lachen aus, die andere brachte es mit Mund und Körper zum Schweigen. Die Bluse musste in diesem Moment zu Boden gefallen sein, denn das Reiben von Stoff auf Stoff brach abrupt ab, und übrig blieb nur Haut, die an Haut rieb, das Bett, das bei jedem kleinen, gemessenen, beharrlichen Wiegen protestierte.

—Spreiz die Beine —sagte die mit der Bluse.

Der Befehl fiel klar und ohne Zittern.

—Weiter. Ich will Platz.

Rosario schluckte. Nicht weil sie das skandalös fand – in diesem Stadium gab es für sie keinen Skandal mehr –, sondern weil sie anhand der Geräusche den Grundriss des Zimmers erkannte: Eine beherrschte aus der Ruhe heraus, indem sie das Tempo bestimmte; die andere lernte nachzugeben, ohne ihre Schärfe zu verlieren. In dieser Sparsamkeit der Gesten lag etwas Wildes. Keine kitschige Zärtlichkeit. Keine Verwirrung. Nur das genaue Bedürfnis, sich zu öffnen, sich anzubieten und mit derselben Präzision genommen zu werden, mit der man eine Anweisung erteilt.

Das Kopfteil schlug einmal gegen die Wand, dann noch einmal. Nägel kratzten über das Laken. Ein höheres Stöhnen, halb von einer Hand über dem Mund erstickt.

—So, jetzt nicht schlappmachen —murmelte die mit der Bluse.— Ich will dich ganz spüren.

Und dann hörte Rosario, was sie bis zu diesem Augenblick nicht hatte hören wollen: das unverkennbare Geräusch eines sich öffnenden Reißverschlusses, das ungeschickte Rascheln einer aufgeknöpften Hose, den ersten Kontakt feuchter Haut, die nach Haut suchte. Die Lederjacke stieß einen gebrochenen Atemzug aus, als die andere sie auf den Rücken in die Matratze drückte und sich entschlossen auf sie setzte, ohne um etwas anderes zu bitten als um den Raum, das zu tun, was sie längst beschlossen hatte. In dieser Frau war kein Zweifel; da war Hunger. Hunger nach Zunge, nach Händen, die Hüften festhielten, nach Fingern, die dorthin drangen, wo die Bluse zuvor eine Mauer aus Knöpfen gewesen war und nun als zerknittertes Stoffknäuel auf dem Boden lag.

—So. Genau da —sagte die mit der Lederjacke, ihre Stimme nun nicht mehr unter Kontrolle.— Hör nicht auf.

Die mit der Bluse gehorchte, als würde dieses Wort etwas in ihrer Kehle entzünden. Rosario hörte den Atemstoß, als die Finger den genauen Mittelpunkt des Lustgefühls fanden, zuerst vorsichtig, dann mit festem, feuchtem Druck, immer schneller. Der Körper oben bewegte sich mit brutaler Geduld; der unten bog sich, spannte sich an, ergab sich in Wellen. Ein Knie schlug gegen die Steppdecke. Das Bett quietschte stärker. Es gab auch einen Geruch, obwohl Rosario ihn nicht sehen konnte: teures Parfum vermischt mit Schweiß, die Hitze zweier Körper, die den Raum von innen verschlossen, die animalische Elektrizität einer Frau, die die Beine spreizte, während eine andere mit dem Mund, mit den Fingern, mit beinahe grausamer Hartnäckigkeit in sie eindrang.

—Du machst mich völlig nass —murmelte die Lederjacke, halb zerbrochen, halb über sich selbst lachend.

—Das will ich —antwortete die andere, und ihr Ton war nun weder elegant noch schüchtern noch respektabel.— Ich will, dass du an nichts anderes denkst.

Rosario stützte sich mit einem Ellbogen auf den Tresen, das Handtuch vergessen in ihrer Hand. Die Szene hinter der Tür war selbst ohne sie zu sehen vollkommen klar geworden: zitternde Beine, die sich öffneten, ein Mund, der nach Brustwarzen suchte, das Geräusch von Fingern, die geduldig hinein- und herausglitten, das Zischen einer Frau, die mit einem dünnen Stimmfaden „mehr, mehr“ sagte – mit einer Stimme, die ihr zu Beginn des Nachmittags noch nicht gehört hatte und die nun geboren schien, um zu bleiben.

Und dann plötzlich die Stille einer Sekunde vor dem Absturz.

Ein längeres, tieferes Stöhnen, der endgültige Bruch, als der Körper sich mit einem Mal hingab. Dann noch eines, tiefer, flüssiger, als hätte eine von ihnen vollständig den Boden unter den Füßen verloren und die andere hielte sie an der Taille, ohne sie ganz entkommen zu lassen. Das ganze Zimmer schien bei dieser dumpfen Explosion zu erzittern, und Rosario wusste am ungleichmäßigen Rhythmus der Atemzüge, dass eine der beiden gerade heftig gekommen war und sich gegen die andere presste, als wolle sie unter deren Haut kriechen.

—Beweg dich nicht —sagte die mit der Bluse, jetzt fast ohne Luft.— So, bleib so. Lass mich spüren, wie du zitterst.

Die Lederjacke antwortete mit einem Laut, der kein Wort, sondern reine Hingabe war. Rosario stellte sich die verschwitzte Stirn an der Schulter vor, die Hand, die sich ins Laken krallte, den ganzen Körper, reduziert auf einen krampfartigen, glücklichen Puls. Es lag etwas Obszönes und Schönes in dieser Art von Aufgeben: eine Frau, die hereingekommen war und geglaubt hatte, am Ende alles zu führen, und nun entdeckte, dass sie von derjenigen durchdrungen, geöffnet und abhängig war, die einen Augenblick zuvor noch wie die Zerbrechlichere gewirkt hatte.

Ein paar Minuten lang waren nur noch langsame Atemzüge zu hören, kaum vernehmbare Murmellaute und Kleidung, die sich auf der Decke bewegte. Dann das leise Geräusch eines ruhigen Kusses, länger und zärtlicher als die vorherigen, als käme nach der Härte eine Art Pakt. Rosario hörte ein leises Lachen, dann eine Hand, die vorsichtig über einen nackten Rücken strich. Danach das kleine Geräusch von jemandem, der aufstand, um etwas vom Boden zu holen – wahrscheinlich die Bluse, wahrscheinlich den verlorenen Knopf der Anständigkeit.

Rosario stieg mit dem Handtuch noch immer in der Hand die Treppe hinunter, ohne es irgendjemandem gegeben zu haben.

***

Sie setzte sich hinter den Tresen. Sie schaltete den Standventilator ein, der wie eine riesige Motte brummte, und sah auf die Wanduhr, ohne sie wirklich wahrzunehmen.

Immer dasselbe, dachte sie, ohne Ironie. Immer dieselbe Geschichte mit anderem Umschlag.

Diejenige, die mit gesenktem Blick hereinkam, wusste, wo sie stand. Die, die verloren wirkte, trug die Karte bei sich. Rosario hatte es Dutzende Male gesehen, doch bei Männern war es leichter zu lesen: klare Zeichen, offensichtliche Gesten, eine Grammatik des Begehrens, die sie mühelos zu entziffern gelernt hatte. Bei Frauen war es subtiler. Vorsichtiger. Frauen lernten früh, sich zu verstecken, nur wohldosiert zu zeigen, was sie preisgaben, und Schichten von Normalität über das zu bauen, was sie wirklich wollten.

Die mit der Bluse hatte diese Architektur so vollkommen gemacht, dass sie unsichtbar geworden war.

Die Ledertasche. Der gesenkte Blick. Die Knöpfe bis oben. Die Haltung einer Frau, die nie über Grenzüberschreitung nachgedacht hatte. All das war eine so gut getragene Verkleidung, dass sogar die andere sie geglaubt hatte und überzeugt ins Claustro gekommen war, sie sei es, die die Tür öffnete, den Weg bestimmte und die Zügel dieses gestohlenen Nachmittags in der Hand hielt.

Nein. Es war umgekehrt. Es war immer umgekehrt gewesen.

Eine Stunde später kam die mit der Lederjacke als Erste herunter. Ihr Haar war zerzaust, und ihr Gesichtsausdruck war einer, den Rosario gut kannte: der Ausdruck eines Menschen, der gerade etwas über sich selbst verstanden hatte, was er lange nicht hatte verstehen wollen. Es war keine Reue. Eher Erstaunen. Die Überraschung darüber, dass die Person, die man an der Hand hergeführt zu haben glaubte, in Wirklichkeit einen selbst geführt hatte.

—Kann ich Ihnen etwas dalassen? —sagte sie und legte einen gefalteten Geldschein auf den Tresen.— Für die Umstände.

Rosario nahm ihn, ohne hinzusehen.

—Das Bad ist hinten am Flur, falls Sie es brauchen.

Das Mädchen nickte und ging wieder hinauf.

Weitere zwanzig Minuten vergingen. Unten drehte sich der Ventilator. Die Straße schickte ihren üblichen Lärm herein: Motorräder, Stimmen, der ferne Lautsprecher eines Bekleidungsgeschäfts. Das Claustro hatte seinen eigenen Rhythmus, langsamer, unterirdisch, den Rhythmus von Menschen, die einen Augenblick anhalten müssen, um jemand anderes zu sein, bevor sie zu sich selbst zurückkehren.

Als die beiden gemeinsam herunterkamen, trug die mit der Lederjacke das Kleidungsstück über der Schulter, und die andere hatte einen Knopf ihrer Bluse falsch geschlossen, nur einen einzigen versetzten Knopf – ein kleiner Fehler, den niemand bemerkte, wenn er nicht danach suchte. Sie blieben kurz an der Rezeption stehen. Keine sagte viel. Die mit der Lederjacke hängte den Schlüssel an den Haken. Die andere hob zum ersten Mal, seit sie hereingekommen war, den Blick vom Boden.

Rosario sah sie an.

Sie waren ungefähr gleich alt, doch die Augen dieses Mädchens gehörten einer Frau, die lange eine Gewissheit mit sich herumgetragen hatte, für die sie keinen Namen wusste. Nun waren sie nicht mehr gesenkt. Sie waren ruhig, zufrieden, mit jenem besonderen Glanz von jemandem, der eine lange Schuld bei sich selbst beglichen hatte.

—Danke —sagte die mit der Lederjacke in Richtung Tresen.

—Bis zum nächsten Mal —antwortete Rosario, ohne den Blick vom Register zu heben.

Sie hörte die Tür. Schritte auf dem Kopfsteinpflaster draußen. Das Geräusch der Straße, das die Leere füllte, die sie hinterlassen hatten.

***

Sie ging hinauf, um das Zimmer zu machen.

Die Laken rochen nach teurem Parfum, nach etwas, das man im zweiten Stock einer heruntergekommenen Pension nicht erwartete. Auf dem Nachttisch standen zwei Plastikgläser – niemand hatte sie bestellt, also mussten die beiden sie von draußen mitgebracht haben, was bedeutete, dass sie es geplant hatten –, und der abgeschrägte Spiegel an der Wand trug im unteren linken Winkel Fingerabdrücke.

Rosario wischte den Spiegel mit dem Lappen ab.

In diesen Abdrücken lag etwas, das ihr mehr sagte als jedes Geräusch, das sie vom Flur aus hätte hören können. Jemand hatte dort die Hand aufgelegt, während er sich betrachtete. Jemand hatte sich sehen wollen, sich vergewissern wollen, dass das alles wirklich war, einen kleinen, anonymen Beweis dafür hinterlassen wollen, dass er während dieser Stunden existiert hatte.

Das war keine Unschuld. Es war genau das Gegenteil.

Sie faltete die Laken, öffnete das Fenster, damit die Nachmittagsluft hereinkam, und ging zum Tresen hinunter.

Sie füllte sich eine weitere Tasse Tinto und blieb hinter dem Bleiglas der Rezeption stehen, den Blick auf die Straße gerichtet. Die Pension El Claustro war noch immer das, was sie immer gewesen war: ein Ort ohne echten Namen für Menschen, die einen Platz ohne Fragen brauchten. Eine Klammer. Ein Raum, in dem der Abstand zwischen dem, was man war, und dem, was man sein wollte, für ein paar Stunden begehbar wurde.

Rosario verstand das. Deshalb verurteilte sie niemanden, fragte nie nach, sah nie länger hin als nötig.

Und deshalb erzählte das Zimmer, wenn die Menschen gegangen waren, immer seine eigene Version der Geschichte. Die nackten Nägel in den Wänden, die Spiegel mit den Fingerabdrücken, der versetzte Knopf an der Bluse. All das war die wahre Sprache des Claustro, eine Sprache, die niemand übersetzen musste.

An jenem Dienstagnachmittag sagte diese Sprache dasselbe wie immer: Dass die Person, von der man glaubt, man habe sie an der Hand mitgebracht, manchmal schon lange darauf wartet, dass man kommt, um sie zu suchen.

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