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Relatos Ardientes

Das Geheimnis des Kapitäns, der einen anderen Mann liebte

Das Büro von Dr. Irene Castro in der Sportstadt des Vereins sollte kein Zufluchtsort sein, sondern ein Hochleistungslabor für Emotionen. Es hatte die aseptische Atmosphäre aller Einrichtungen von El Pinar: Wände in chirurgischem Weiß, minimales Mobiliar und ein technisches Licht, das keinen Platz für Schatten ließ. Dennoch hatte Irene sich bemüht, diesen Glaskubus zu vermenschlichen – mit einem Wollteppich, zwei Pflanzen, die die Klimaanlage überlebten, und einem zarten Duft nach Ingwertee. Für Bruno Valverde, Kapitän und Leitfigur der Mannschaft, war dies der einzige Ort der Welt, an dem ihm das Wappen nicht zwanzig Kilo wog.

Bruno überschritt die Schwelle mit langsamen Schritten. Seit einem halben Jahr war er nicht zu seiner Sitzung erschienen und hatte damit die Routine gebrochen, die sie seit seiner Rückkehr in die Stadt zehn Jahre zuvor pflegten. Irene kannte ihn, seit er ein zweiundzwanzigjähriger Junge war, der aus dem Ausland zurückkehrte, den Kiefer verkrampft und mit der Angst zu scheitern im eigenen Haus. Sie hatte ihn Stück für Stück wieder zusammengesetzt.

Die Ärztin erwartete ihn sitzend hinter einem Tisch aus hellem Eichenholz. Sie war eine Frau, die schon ohne laute Stimme Eindruck machte, von schlichter Eleganz, mit kurzem aschblondem Haar und blauen Augen hinter randlosen Brillengläsern. Sie hatte diesen Blick, der nicht urteilte, aber entkleidete, fähig, eine Lüge zu entdecken, bevor der Patient sie zu Ende formuliert hatte.

Vor ihr wirkte Bruno wie ein Riese, gefangen in einer Schuhschachtel. Er setzte sich in den Ledersessel, die Schultern blockiert, die Hände fest auf den Oberschenkeln und dieses unablässige Klopfen der Fersen gegen den Boden, ein Morsecode der Angst, der durch den ganzen Raum hallte.

—Gut, Bruno… —Irene legte den Stift auf den Tisch und lehnte sich zurück—. Wie sind diese Monate deiner Abwesenheit verlaufen?

Für einen Augenblick verschwand das Büro. Bruno spürte wieder die Kälte des polierten Betons im Loft am Hafen, den Geruch von Salzluft und Leder, Teos Hände, die sich in seinen Rücken gruben, das Ringen, das kein Kampf mehr war, sondern Hunger. Der Aufprall der beiden Körper gegen die Wand, eine Explosion jahrelang aufgestauter Not, die ihn zitternd zurückgelassen hatte, leer, erschrocken über das, was er gerade über sich selbst entdeckt hatte. Er blinzelte. Er war abrupt wieder da, mit Schweiß, der ihm unter dem offiziellen Trainingsanzug den Nacken benetzte.

—Gut, gut. Viel Arbeit — begann er und schleuderte die Worte mit künstlicher Geschwindigkeit heraus, als läse er einen Bericht—. Sehr stark auf Leistung fokussiert. Die Erholungswerte sind optimal, aber im dritten Viertel fehlt mir Aggressivität in der Deckung. Ich arbeite mit den Physios an der hinteren Muskelkette und ich glaube, die Ernährung hilft mir bei der Entzündung…

Er redete sich in eine technische Tirade hinein, flüchtete in Prozentzahlen und Trainingsbelastung, sprach über sich selbst wie über einen Motor, der eine Schraubenjustierung brauchte, und vermied jedes persönliche Pronomen.

Irene unterbrach ihn nicht. Sie beobachtete ihn, den Kinn auf die Hand gestützt, sah, wie der Kapitän sich hinter einer Mauer aus Statistiken versteckte, analysierte das Zittern seiner Unterlippe und diese Art, das Wort „fühlen“ zu umgehen.

—Und außerhalb der Arbeit? —hakte sie nach, wobei sie den Kopf kaum neigte, als justiere sie die Schärfe eines Mikroskops. Sie interessierte sich nicht für den Kapitän; sie suchte den Mann, der sich dahinter verbarg.

Das Klopfen der Ferse verstummte abrupt. Eine körperliche Stille, die schmerzte.

—Außerhalb? —wiederholte er, um Zeit zu gewinnen.

—Du hast ein sehr aktives soziales Leben, Bruno. Oder zumindest vermittelst du das —Irene verschränkte die Finger auf dem Tisch—. Die offiziellen Abendessen, die Veranstaltungen, die Fotos mit Nadia in jedem sozialen Netzwerk. Ein Katalog makellosen Glücks. Wie fühlt es sich an, ständig live zu sein, ohne auch nur eine Minute im Abseits?

Bruno stieß ein trockenes, humorloses Lachen aus.

—Das gehört zum Gehalt, Irene. Nadia ist großartig, versteht diese Welt besser als jeder andere, hilft mir mit dem Kalender, mit dem Image…

—Ich habe dich nicht nach der Logistik deines Kalenders gefragt —unterbrach sie ihn, wobei sie den Ton senkte, bis er schwer wurde—. Ich habe dich gefragt, wie du selbst damit klarkommst. Denn wenn du über dein Privatleben sprichst, benutzt du dieselben Worte wie bei einem Sponsor. Wie eine vertragliche Pflicht.

Er bohrte den Blick in einen verlorenen Punkt an der weißen Wand.

—Mein Leben ist nun mal so. Trainieren, spielen, erfüllen und schlafen.

—Schläfst du, Bruno? Oder schließt du die Augen und wartest darauf, dass der Morgen kommt, damit du die Maske wieder aufsetzen kannst? Denn dieses soziale Leben, von dem alle reden, riecht für mich nach Flucht. Sag mir eines: Wann hast du dich zuletzt als Herr deines eigenen Schweigens gefühlt?

Bruno spürte einen Kloß im Hals. Die Erinnerung an Teo, an seinen heiseren Atem dicht an seinem Ohr, an die brutale Freiheit jener heimlichen Begegnung drohte, die Fassung des Büros zu sprengen. Er schloss die Augen. Und das Summen der Klimaanlage wurde zum Rauschen des Windes zwischen den Pinien seines Hauses in den Hügeln von Vallnova.

***

Es war ein Morgen vor drei Jahren. Bruno erwachte langsam, nicht mit dem Schreck des Sportlers, der um neun Training hat, sondern wie aus der tiefsten Ruhe auftauchend. Zum ersten Mal seit Monaten tat ihm nichts weh. Er spürte die kalten Laken und neben sich einen Wärmepunkt, der ihn an die Wirklichkeit band.

Er drehte sich auf die Seite. Da lag Teo, ins Kissen eingesunken, mit zerzaustem schwarzem Haar und dem gleichmäßigen Atem eines Menschen, der sich sicher fühlt. Das Morgenlicht fiel gefiltert durch die Jalousien herein und zeichnete goldene Linien über seinen nackten Rücken und die Muttermale, die seine helle Haut übersäten. Bruno blieb ihn anstarren, fasziniert von der Architektur dieses Körpers.

Mit beinahe sakraler Langsamkeit streckte er die Hand aus und begann mit den Fingerspitzen Teos Wirbelsäule entlangzufahren, zählte jeden Wirbel wie einen Schatz. Seine große, vom Feld verhärtete Hand stand in Kontrast zur Weichheit dieser Haut. Er glitt hinunter bis zur Hüftkurve, genoss die Berührung und ließ die Hand weitergleiten, um die Handfläche über eine feste Pobacke zu legen, sie mit einem Hunger zu drücken, der schlecht verborgen unter den Laken geschlafen hatte.

Teo entließ ein träges Seufzen und bewegte sich unter der Liebkosung. Er drehte sich langsam um, öffnete die Augen mit jenem Schleier des Schlafes, den Bruno so sehr liebte. Das Laken rutschte herunter und legte seinen bereits wachen Schwanz frei, halb aufgerichtet gegen den Bauch, dick und mit der glänzenden Eichel dieser ersten morgendlichen Feuchtigkeit.

—Guten Morgen, Kapitän… —murmelte er mit gebrochener, tiefer Stimme und streckte die Arme wie eine Katze.

Bruno antwortete nicht mit Worten. Er beugte sich über ihn, hielt ihn mit den Armen gefangen und ließ seinen nackten Brustkorb gegen Teos drücken. Die Berührung war eine langsame Verbrennung, die am Streifen der Oberschenkel begann und durch den Bauch hinaufstieg. Er küsste seinen Hals, suchte genau diesen Punkt hinter dem Ohr, der Teo den Rücken durchbiegen und ein ersticktes Stöhnen ausstoßen ließ.

Teos Hände, nun hellwach, verfingen sich in Brunos Haar und zogen ihn nach unten, suchten seinen Mund mit einer Dringlichkeit, die weder Uhrzeiten noch Protokolle kannte. Es war ein Kuss, der nach zukünftigem Kaffee und aufgestautem Verlangen schmeckte, während Brunos Zunge sich bis tief in seine drängte und ihm den Atem raubte. Die Körper erkannten einander in der Dämmerung. Bruno spürte Teos Schwanz, bereits hart wie Stein, gegen seine Hüfte drückend, eine feuchte Spur auf seiner Haut hinterlassend, und der Hunger brach los.

Dass die Zeit stehen bleibt, dachte er. Hier und jetzt stehen bleibt.

Es gab keine Eile, nur eine raubgierige Erkundung. Bruno glitt mit der Zunge Teos Brust hinab, hielt an jeder Brustwarze an, um sie langsam zu saugen, und biss nur leicht zu, bis er ihm ein Stöhnen entlockte, das im Schweigen des Zimmers widerhallte. Er wanderte der Haarlinie nach, der Mulde des Bauchnabels, während die Finger des anderen ihm den Rücken aufkratzten und mehr forderten. Als Brunos Bart den Ansatz seines Schwanzes streifte, spreizte Teo instinktiv die Beine und bot sich schamlos an.

—Lutsch ihn mir, verdammt… —flüsterte Teo, und seine Stimme brach—. Ich hab die ganze Nacht von deinem Mund geträumt.

Bruno lächelte gegen seinen flachen Bauch und gehorchte. Er umschloss die Eichel mit den Lippen und ließ sie einen Moment auf der Zunge ruhen, kostete das salzige Präsekret, bevor er ihn ganz in sich aufnahm, bis die Spitze seine Kehle streifte. Teo stieß einen erstickten Schrei aus und bog die Hüften durch. Bruno hielt seine Oberschenkel mit beiden Händen fest, gab den Rhythmus vor, stieg langsam und kontrolliert den harten Schwanz hinauf und hinunter, saugte mit eingefallenen Wangen, ließ ihn auf der Zunge schnalzen. Jedes Mal, wenn er die Basis erreichte, atmete er durch die Nase gegen die dunklen Schamhaare und stieg wieder hinauf, zog mit den um die Eichel gepressten Lippen, und entlockte Teo das obszönste Geräusch, zu dem er fähig war.

—So… so, Kapitän… sieh mal, wie du ihn mir lutschst —keuchte Teo und hob den Kopf, um ihn anzusehen—. Sieh mal, wie dein Mund sich mit meinem Schwanz füllt.

Bruno sah von unten zu ihm hoch, die blauen Augen entflammt und die Lippen um den Schwanz gespannt, und dieses Bild reichte aus, damit Teo die Zähne zusammenbeißen musste, um nicht zu kommen. Bruno zog ihn mit einem feuchten Geräusch aus dem Mund, spuckte auf die Eichel und ging wieder hinunter, diesmal massierte er mit einer Hand die Hoden, während die andere die Basis hielt. Er leckte ihm die Eier einzeln, nahm sie in den Mund, und stieg dann mit flacher Zunge die ganze Länge des Schwanzes hinauf, folgte der geschwollenen Ader bis zur Spitze.

—Ich werde dich so lange ficken, bis du deinen Namen vergisst —knurrte Bruno gegen Teos innere Oberschenkel und grub den Bart in die zarte Haut.

—Das will ich, verdammt… das will ich…

Bruno richtete sich gerade so weit auf, um die Tube Gleitgel zu erreichen, die auf dem Nachttisch schlief. Er gab einen guten Schwall auf seine Finger und legte sich wieder zwischen Teos gespreizte Beine. Er hob ihm die Hüften mit einem Arm an, legte den Arsch in das goldene Morgenlicht frei und begann, mit dem Daumen sanft über sein Loch zu streicheln, langsame Kreise um den straffen Faltenrand zu zeichnen.

—Schau dich an —murmelte er—. Ganz offen für mich, ohne um Erlaubnis zu fragen.

—Fick mich endlich, Kapitän… lass mich nicht warten…

Bruno schob den ersten Finger bis tief hinein, drehte ihn, und Teo entließ ein langes Stöhnen. Er fügte sofort den zweiten hinzu, spreizte innen, spürte, wie der Muskel nachgab und sich wieder zusammenzog, wie Teos Körper sich mit der Erinnerung an wiederholtes Verlangen an ihn gewöhnte. Als er drei Finger locker bewegen konnte, zog er sie heraus und packte seinen Schwanz, dick und schon mit geschwollener Eichel, um ihn mit Gleitgel einzuschmieren.

Er stellte sich zwischen Teos Schenkel, legte ihm die Beine über die Schultern und suchte mit der Spitze den Eingang. Er drückte langsam, mit fest zusammengebissenen Kiefern, und spürte, wie sich das Loch um seine Eichel öffnete, Zentimeter für Zentimeter nachgab, den Schwanz verschluckte, bis ihre Becken aufeinanderprallten.

—Verdammt… verdammt, wie du mich festhältst —keuchte Bruno und blieb einen Moment still, die Stirn an Teos Stirn gepresst.

—Beweg dich… fick mich, Bruno, fick mich endlich mal…

Bruno begann sich zu bewegen, zuerst mit langen, tiefen Stößen, fast ganz heraus, um dann wieder bis zum Grund einzudringen, und sah, wie sein Schwanz im Körper Teos verschwand. Das Bett knarrte unter seinen Knien, die Laken wirbelten sich zusammen, und das Geräusch ihrer aufeinanderprallenden Becken füllte das Zimmer wie eine obszöne Trommel. Teo klammerte sich mit eingegrabenen Nägeln an die Unterarme des Kapitäns und stöhnte jedes Mal, wenn die Eichel seine Prostata streifte. —Da, da, nicht aufhören… —flehte er mit zusammengekniffenen Augen—. Gib’s mir härter, Kapitän, ich will morgen noch auf dem Stuhl merken, dass ich gefickt wurde…

Bruno knurrte und wurde schneller. Er hielt Teos Hüften mit beiden Händen fest, markierte sie mit den Fingern, und begann ihn mit kurzen, brutalen Stößen zu ficken, entlockte ihm Stöhnen, das an den Wänden des leeren Hauses widerhallte. Teos Schwanz tropfte auf seinen Bauch, hart wie ein Stock, und Bruno packte ihn und begann ihn im gleichen Rhythmus der Stöße zu masturbieren, spürte, wie das warme Präsekret ihm zwischen den Fingern hinablief.

—So fickt man den Mann, der meine Tore kommentiert —keuchte Bruno in sein Ohr—. So bringt man die Stimme zum Schweigen, die das ganze Land hört.

Teo lachte und stöhnte zugleich, die Augen feucht.

—Weiter reden… red mir weiter dreckig zu, verdammt…

Bruno zog sich heraus, drehte ihn mit brutaler Leichtigkeit um und legte ihn bäuchlings, mit erhobenem Arsch. Er spreizte die Pobacken mit beiden Händen und versank mit einem einzigen Stoß wieder in ihm, riss ihm einen Schrei ab. Von dieser Position aus konnte er alles sehen: Teos breiten Rücken, der in die Laken sank, die Reihe der Muttermale, das Loch, das sich bei jedem halben Herausziehen um seinen Schwanz zusammenzog. Er strich ihm über den Nacken, packte das Haar und begann mit der Kraft eines Stürmers zu stoßen, der aufs Tor köpft.

—Sag mir, wem du gehörst —knurrte er, die Zähne zusammengebissen.

—Dir… ich gehöre dir, verdammt, ich gehöre dir…

—Noch mal.

—Dir, Kapitän, dir, bis zum letzten Tropfen!

Es war langsamer, intensiver Sex, choreografiert von Jahren aufgestauter Sehnsucht in Hotelzimmern und heimlichen Besuchen. Dort, in ihrem Bunker in den Hügeln, waren sie nur zwei Männer, die sich verzehrten, ohne zu ahnen, dass jenseits dieser Wände der eine der Liebling eines ganzen Landes und der andere derjenige war, der seinen Ruhm verkündete. Bruno spürte den Krampf, der ihm die Wirbelsäule hinaufkroch, dieses unverwechselbare Zeichen des nahenden Orgasmus, und schob die Hand unter Teos Bauch, um seinen Schwanz zu packen und ihn mit Wut zu wichsen. Teo begann zu zittern, den Arsch mit immer kürzeren Spasmen um Brunos Schwanz zusammenpressend.

—Ich komme… ich komme mit dir drin… —stammelte er, und brach dann aus, bespritzte die Laken mit dickem Sperma, während sich das Loch in Wellen um den Kapitän schloss.

Das Zusammenpressen war zu viel. Bruno stieß drei letzte, brutale Male zu und versank bis zum Anschlag, während sich der Orgasmus aus seinen Eiern hochwälzte und sich in Teo in heißen Stößen entleerte, die ihn mit zitternden Beinen zurückließen. Er brach auf dem Rücken seines Liebhabers zusammen, atmete gegen seinen Nacken, der Schwanz noch in ihm, pulsend in den letzten Zuckungen.

—Verdammt… —flüsterte er in sein Haar—. Verdammt, verdammt, verdammt.

Teo lachte leise, das Gesicht ins Kissen gedrückt, noch immer von den letzten Zittern geschüttelt.

—Willkommen zu Hause, Kapitän.

***

Bruno riss die Augen im Büro auf. Seine Knöchel waren weiß, so fest klammerte er sich an die Armlehnen des Sessels. Das Herz dröhnte ihm in den Ohren.

—Du warst kurz weg —sagte Irene—. Wo warst du?

—Ich habe an das Spiel am Sonntag gedacht —log er mit heiserer Stimme—. Ressourcenmanagement.

—In diesem Raum zu lügen ist eine Verschwendung von Zeit und Geld, Bruno. Und du bist nicht der Typ, der irgendetwas davon verschwendet. —Irene nahm die Brille ab und gab einen müden, aber unerbittlichen Blick preis—. Du bist von diesem Spiel mit geweiteten Pupillen und veränderter Atmung zurückgekommen. Du hast nicht an eine Ecke gedacht. Du hast an einen Zufluchtsort gedacht.

—Und wenn schon? Jeder braucht einen Zufluchtsort. Ist das nicht das, was du predigst?

—Das Problem ist, wenn dein Zufluchtsort zu deinem Kerker wird. —Sie beugte sich vor und drang in den Raum des Riesen ein—. Seit zehn Jahren bist du der perfekte Sohn, der perfekte Freund und der perfekte Kapitän. Du hast eine Marke aufgebaut, die so solide ist, dass sie dich nicht mehr atmen lässt. Weißt du, warum du aufgehört hast zu kommen? Nicht aus Zeitmangel. Weil du Angst hattest, dass ich dich, sobald du dich hierher setzt, dazu zwingen würde zuzugeben, dass du nicht länger der Mann von den Werbeplakaten sein willst.

—Nadia und ich sind in Ordnung —wiederholte er wie eine kaputte Schallplatte—. Der Verein ist zufrieden…

—Du sprichst von ihr, als wäre sie eine Verlängerung deines Vertrags. „Sie versteht diese Welt“, „sie hilft mir“… Wann hast du zuletzt das Gefühl gehabt, dass Nadia dich sieht, den Bruno ohne Armband? Du hast dir eine Partnerin gesucht, die die perfekte Komplizin für dein Verschwinden ist.

Bruno stand abrupt auf. Der Stuhl quietschte über den Boden. Er trat zum Fenster und wandte der Ärztin den Rücken zu, blickte auf die Plätze, auf denen die Jugendlichen einem Traum hinterherliefen, der für ihn seit Jahren ein goldener Käfig war.

—Ich erlaube dir nicht, so über meine Beziehung zu sprechen.

—Es tut dir weh, weil es wahr ist —Irenes Stimme blieb sanft, aber tödlich—. Du benutzt dein Leben mit ihr, um einen Riss zu überdecken, durch den etwas sickert, das dir Angst macht. Wie lange, glaubst du, hältst du durch, bis dein Körper mitten in einem großen Spiel „genug“ sagt?

Bruno legte die Stirn gegen das kalte Glas.

—Mein Körper wird niemals genug sagen.

—Dein Schweigen spricht für dich, mit jeder Strafe, die du dir auf dem Feld auferlegst, mit jeder Nacht, die du damit verbringst, so zu tun. Du führst Krieg gegen dich selbst, und der Kapitän verliert den Kampf gegen die Wahrheit. Willst du weiter leugnen, bis du völlig zerbrichst, oder gehst du deiner Wahrheit entgegen?

Bruno vergrub das Gesicht in den Händen. Das Büro versank in toten Stille, unterbrochen nur von seinem stockenden Atem. Irene bewegte sich nicht; sie wartete, bis der Granitblock zu bröckeln aufgehört hatte.

—Es ist nicht so einfach, Irene… —seine Stimme kam gedämpft heraus, belastet von einer Niederlage, die man von ihm nicht kannte—. Du siehst eine Wahrheit, aber ich sehe ein Feuer. Wenn ich diese Tür öffne, verbrenne nicht nur ich. Meine Familie verbrennt, die Kabine verbrennt, das Bild eines Vereins verbrennt, der nicht darauf vorbereitet ist, dass sein Kapitän nicht der ist, für den sie ihn halten.

—Und für wen halten sie dich? Für einen makellosen Übermenschen? —Irene senkte die Stimme bis zu einem festen Flüstern—. Das Problem ist nicht der Verein. Das Problem ist, dass du dich so sehr daran gewöhnt hast, das Schild zu sein, dass du vergessen hast, dass darunter Fleisch ist. Ich habe deine Augen gesehen, als du eben aus dieser Erinnerung zurückkamst. Du warst nicht in einem Feuer. Du warst in Frieden. Und genau das macht dir Angst: zu entdecken, dass dein Glück mit deinem Ruhm unvereinbar ist.

Bruno hob den glasigen Blick, aller Autorität beraubt.

—Dieser Frieden ist das Einzige, was mich lebendig fühlen lässt. Aber außerhalb dieses Zufluchtsorts bin ich nur ein professioneller Lügner. Ich weiß nicht, wie ich beides zugleich sein soll.

—Niemand kann über Jahre zwei verschiedene Personen sein, ohne verrückt zu werden. Wenn du dich nicht aufhörst zu verstecken, wird der Kapitän den Mann schließlich zerstören. Und dann wird es nichts mehr zu managen geben.

Der Riss war offen. Es war nicht länger nur ein Verdacht der Ärztin; es war ein stilles Geständnis, das jeden Winkel des Büros erfüllte.

***

Ein Jahr später, zu Beginn des nächsten Sommers, sahen sie sich wieder. Das Summen der Klimaanlage schien an diesem Morgen leiser zu sein, oder vielleicht brachte Bruno einfach nicht länger das ohrenbetäubende Geräusch der Verleugnung mit sich. Irene empfing ihn mit einem leichten Lächeln und servierte ihm einen schwarzen Kaffee ohne Zucker.

Beim Hinsetzen konnte Bruno nicht umhin, den Beistelltisch zu bemerken. Unter einer technischen Akte ragte eine Zeitschrift hervor. Das Titelblatt ließ keinen Zweifel zu: ein Foto von ihm und Nadia, von hinten, unter einer fetten Schlagzeile: „Das Ende der perfekten Romanze“.

—Du wirkst nicht gerade erschüttert —warf Irene hin und stellte die Tasse mit präzisem Klingen ab—. Vor einem Jahr hätte dich allein der Gedanke an diese Schlagzeile in einen Angstschub gestürzt. Heute scheinst du eine Last abgeworfen zu haben.

Bruno lehnte sich zurück, verschränkte die Beine mit einer Entspannung, die sie nie an ihm gesehen hatte. Und dann begann sich das Büro erneut aufzulösen.

***

Er hatte die Sendung gehört, die Hände krampfhaft um das Tablet geklammert, bis die Knöchel schmerzten. Teos Stimme, jene Stimme, die so oft seine Tore bei Onda Marina kommentiert hatte, hatte gerade vor Tausenden von Menschen sein eigenes Leben kommentiert, sich live geoutet und es mit einer Fassung in tausend Stücke gerissen, die Bruno übermenschlich vorkam. Nach Ende der Sendung nahm er das Telefon und tippte schnell, der Puls raste: „Was hast du gerade getan? Bist du verrückt. Du bist der verdammte Chef, Teo. Ich muss dich sehen. Sofort“.

Er wartete nicht auf eine Antwort. Er verließ sein Haus in den Hügeln, als stünde das Gebäude in Flammen, und fuhr mit einer Tollkühnheit in den Hafenbezirk hinunter, die ihm den Führerschein gekostet hätte. Er parkte irgendwie und wartete vor dem Portal aus Sichtziegeln, an die Wand gelehnt, und zählte jede Sekunde. Als er Teo aus dem Taxi steigen sah, mit dem schwankenden Schritt eines Menschen, der gerade eine Granate losgelassen hat und noch immer vom Druck der Explosion benommen ist, stockte ihm der Puls.

Sobald die Tür des Lofts sich hinter ihnen schloss, fing die Luft Feuer. Es gab kein Vorgeplänkel. Teo hatte nicht einmal Zeit, die Schlüssel fallen zu lassen, bevor Bruno ihn gegen den großen Holztisch im Esszimmer drängte.

—Danke, danke, verdammt —stammelte er, und das Wort wirkte lächerlich angesichts des Ausmaßes dessen, was der andere gerade für sie beide getan hatte.

—Ich habe es nicht für dich getan —antwortete Teo mit einer dünnen Stimme, auch wenn seine geröteten, erschöpften Augen das Gegenteil sagten.

Bruno packte ihn am Nacken und küsste ihn mit einer Verzweiflung, die nach Sieg und unmittelbar drohendem Desaster schmeckte. Es war ein Aufprall aus Zähnen und Zunge, der Bücher und Ordner mit Getöse zu Boden riss. Er riss ihm das Hemd mit einem Zug auf, die Knöpfe sprangen durch die Luft, und grub die Hände in seine Brusthaut, drückte ihm die Brustwarzen zwischen die Finger, bis ihm ein Knurren entwich.

—Über ein verdammtes Jahr lang daran zu sterben, dir das hier anzutun —keuchte er gegen seinen Hals und sog seinen Duft ein, als fehle ihm Sauerstoff.

Seine Hände glitten Teos Rücken hinab, erkannten jeden Muskel unter dem Hemd mit einer taktilen Erinnerung, die selbst die Zeit nicht hatte auslöschen können. Teo reagierte, indem er die Beine um seine Taille schlang und ihn mit einer Kraft an den Rand des Tisches zog, die das Holz knarren ließ. Er legte ihm die Finger auf die Lippen, spreizte sie, spielte mit der Hitze dieses Mannes, den die Welt für unerreichbar hielt und der hier, unter dem Licht der Schreibtischlampe, nur ihm gehörte. Bruno biss in seine Finger, lutschte den Zeigefinger bis zum Knöchel und küsste ihn wieder, tiefer, schmutziger.

—Weil du der verdammte King bist, Teo —murmelte Bruno—. Nur du konntest das hier alles in Brand setzen.

Er schob die Hand in seine Hose und packte seinen Schwanz, wichste ihn hungrig. Teos Schwanz war hart, geschwollen, die Eichel vom Präsekret durchnässt, das zwischen den Fingern des Kapitäns zu tropfen begann. Bruno zog ihn aus der Hose, um ihn nackt freizulegen, dick und aderig gegen den Bauch. Teo stöhnte, löste eine Hand und schob sie in Brunos Hose, suchte seine Rille, bis er das Loch des Kapitäns fand und es mit einem Finger zu drücken begann.

—Freiheit muss trainiert werden. Erinnerst du dich nicht, dass du mir das gesagt hast? —flüsterte Teo gegen seine Lippen, der Atem stockend, während sie sich beide hemmungslos stimulierten.

Bruno stieß ein tiefes Knurren aus, als er Teos Finger mit Präzision in sich spürte. Er bog den Rücken über dem Tisch, spürte die Kälte der Papiere unter seiner Haut und das Feuer dieser Hand, die sich in ihn grub. Er zog sich mit einer Handbewegung die Hose herunter, legte den Schwanz frei, so steif, dass er am Bauch klebte, und streifte sie dann ganz ab. Er stieg mit Teo darunter auf den Tisch, beide bereits nackt, und begann, ihre Schwänze aneinander zu reiben, sie mit der rechten Hand zusammen zu packen.

—Du hast mich mit dem Mist trocken gelegt, du Arschloch —keuchte er und beschleunigte den Rhythmus auf Teos Schwanz—. Ich habe dich gehört und konnte nur noch daran denken. Daran, dass du mich so anfasst. Daran, dass du aufhörst, der Journalist zu sein und der einzige Mann wirst, der mich zum Stöhnen bringen kann.

Teo führte einen zweiten Finger ein, dehnte ihn, spannte seinen Widerstand, während die andere Hand sich in Brunos T-Shirt verfing, um ihn näher zu ziehen. Bruno stieg vom Tisch herunter, ohne den Blick von ihm zu nehmen, kniete sich zwischen seine gespreizten Beine und schluckte seinen Schwanz ohne Vorwarnung bis zum Anschlag, bis ihm am Schambein das Würgen kam. Teo heulte auf und packte ihm mit beiden Händen das Haar.

—Verdammt, Kapitän, verdammt, so… lutsch ihn mir so…

Bruno lutschte ihn mit angestauter Wut, eingefallenen Wangen und lockerem Kiefer, glitt mit völlig hingegebenem Mund den Schaft auf und ab. Er leckte ihm die Eier, spuckte auf die Eichel und nahm ihn wieder ganz, zog mit den Lippen, bis Teo zu zittern begann. Als er spürte, dass der andere kurz davor war, zog er ihn mit einem feuchten Kuss an der Spitze abrupt heraus und richtete sich auf, das Kinn glänzend vor Speichel.

—Sicher nicht lasse ich dich jetzt schon kommen —knurrte er—. Das ganze Land hat dich heute gehört. Jetzt bin ich dran, dich stöhnen zu hören.

Teo lachte, die Augen glasig, und packte ihn am Nacken, um ihn über den Tisch zu ziehen. Er drehte ihn mit einer Kraft um, die Bruno an ihm nicht kannte, und legte ihn bäuchlings hin, den Oberkörper auf die Papiere gepresst und den Arsch über den Rand hinausragend. Er spreizte die Pobacken mit beiden Händen, hockte sich hin und fuhr ihm mit einem tiefen Stöhnen mit der Zunge über das Loch.

—Scheiße… Scheiße, Teo… —Bruno klammerte sich an die Tischkante, die Knöchel weiß.

Teo nahm ihn ohne Eile, zeichnete Kreise mit der Zunge, machte ihn nass, drückte die Spitze in die straffe Falte, bis er spürte, wie der Muskel nachgab. Er schob einen Finger hinein, dann zwei, vollgesogen mit Speichel, suchte den exakten Punkt, der den Kapitän vergessen ließ, wer er war. Als er ihn fand, entfuhr Bruno ein heiseres Stöhnen, das er seit Monaten nicht mehr hatte loslassen können.

—Du bist für mich offen, sieh dich an —murmelte Teo, die Finger bis zu den Knöcheln versenkt—. Der Kapitän, mit dem Arsch bereit, von einem Journalisten gefickt zu werden.

—Ja… ja, verdammt, so bin ich… fick mich, Teo, fick mich endlich mal…

Teo richtete sich auf, packte seinen Schwanz, spuckte in die Hand und schmierte ihn gut ein. Er setzte die Eichel an Brunos Loch und drückte langsam, bis der Muskel nachgab und ihn passieren ließ. Bruno entließ die ganze Luft mit einem Schlag, als er ihn Zentimeter für Zentimeter eindringen fühlte, bis Teos Hüften gegen seinen Arsch stießen.

—Sag es noch mal —befahl er und bohrte seine geröteten Augen in das verschwommene Blau des Kapitäns, die Hand tief in seinem Haar, zog seinen Kopf zurück—. Sag, wem er gehört. Sag, wer dich gerade hat.

Bruno antwortete nicht mit Worten, sondern mit einer Hüftbewegung, die nach mehr Tiefe suchte, indem er sich selbst auf Teos Schwanz aufspießte. Er ließ die Hand nach unten gleiten, um Teos Schwanz ganz frei zu machen, und begann, ihn mit verzweifelter Reibung zu wichsen, die Eichel mit dem Daumen umkreisend. Er korrigierte sich: Nein, jetzt war es Teo, der ihn von hinten nahm, und es war Teos Hand, die seinen tropfenden Schwanz unter der Tischkante gepackt hatte und ihn wichste, während er sich in seinen Arsch versenkte.

—Er gehört dir, Teo… ganz dir. Ich gehöre dir —brachte er hervor, der Speichel glänzte auf seinen halb geöffneten Lippen—. Niemand sonst hat mich so gesehen. Niemand sonst hat mich so zerbrochen. Nicht aufhören.

Teo begann, ihn ernsthaft zu ficken, mit langen, schmatzenden Stößen, die den Tisch knarren und die Bilder an der Wand zittern ließen. Jeder Schlag riss aus Bruno ein Knurren aus der Tiefe der Brust, das Geräusch, das er ein Jahrzehnt lang unter der Maske für sich behalten hatte. Teo packte seine Taille mit beiden Händen, grub ihm die Finger ins Fleisch und wurde schneller, fickte ihn mit der aufgestauten Kraft von tausend Schweigen.

—Hör dir selbst zu, Kapitän, hör dir selbst beim Stöhnen zu wie ein verdammter Typ —flüsterte er ihm ans Ohr, ohne aufzuhören zu stoßen—. Ganz Spanien hat dich Befehle geben hören, und nur ich höre dich so.

—Nur du… nur du… mehr, verdammt, härter…

Teo zog heraus, hob ihn an den Schultern hoch, drehte ihn um und legte ihn rücklings auf den Tisch. Er packte seine Beine, legte sie sich über die Schultern und stieß ihn wieder mit einem einzigen Stoß hinein, diesmal blickte er ihm in die Augen. Bruno legte ihm die Arme um den Nacken und zog ihn zu einem Kuss mit geöffnetem Mund heran, während der Tisch bei jedem Stoß gegen die Wand schlug.

—Sieh mich an —bat Teo, die Stirn an seine gepresst—. Sieh mich an, während ich in dir komme.

Bruno öffnete die Augen und wandte sie nicht ab. Er packte seinen Schwanz mit der Hand und begann ihn mit der verzweifelten Reibung dessen zu wichsen, der es nicht länger aushält, umkreiste die Eichel mit dem Daumen bei jedem Hochziehen und spürte, wie das Präsekret ihm bis zum Schambein lief.

Teo beschleunigte das Pumpen der Hüfte, hörte das feuchte Geräusch, vermischt mit den Keuchen, die an den Wänden des Lofts widerhallten. Bruno, völlig entwaffnet, ließ jede Spur seiner Eispanzerung fallen; seine Hand kannten keine Gnade, glitt am heißen Schaft auf und ab, bis beide den Abgrund nahe spürten.

—Du hast alles behalten —flüsterte Bruno und biss ihm in die Unterlippe—. Du bist der verdammte Boss, und ich gehöre dir. Komm für mich. Komm in mir, verdammt.

Teo machte drei letzte, brutale Stöße, versank bis zum Grund und explodierte, entleerte sich mit einem langen Stöhnen aus der Brust in den Kapitän hinein. Bruno spürte es, spürte den heißen Puls des Orgasmus, der sich in ihm ausbreitete, und das reichte aus, damit sein eigener Schwanz in seiner Hand zuckte und Bauch und Brust mit dickem Sperma bespritzte, das bis zu seinem Kinn hochspritzte.

Die beiden Körper kollidierten in einem letzten Stoß aus Fingern und Handflächen, einer Explosion von Erleichterung und Wahrheit, die sie zitternd, leer auf dem Tisch zurückließ, der noch immer das Echo von Teos Stimme trug. Teo brach auf ihm zusammen, den Schwanz noch in sich, und leckte ihm das Sperma mit beinahe obszöner Langsamkeit vom Hals.

—Willkommen in der realen Welt, Kapitän —flüsterte er gegen seine Haut.

***

Brunos Geist kehrte mit einem tiefen Atemzug ins Büro zurück und ließ einen Seufzer entweichen, der nach Freiheit klang.

—Der sportliche Ruhm hat damit nichts zu tun, Irene —sagte er und blickte fest auf die Zeitschrift—. Nadia und ich haben uns getrennt, weil sie jemanden verdient, der präsent ist, und ich aufhören musste, eine Nebenrolle in meinem eigenen Leben zu spielen.

—Das ist das erste Mal, dass du das Wort „Management“ nicht benutzt, wenn du von einer Trennung sprichst —bemerkte Irene und machte sich etwas in ihrem Notizbuch—. Ich sehe dich verletzlicher, Bruno. Und paradoxerweise stärker als je zuvor. Hat diese Sendung etwas damit zu tun, die die Stadt letzte Woche lahmgelegt hat?

Bruno lächelte. Ein echtes Lächeln, wie man es nicht in Werbespots sieht.

—Sagen wir, manchmal muss jemand das Radio lauter drehen, damit man anfängt, die eigene Stimme zu hören.

Im letzten Jahr war dieses Büro die Bühne einer kontrollierten Demolierung gewesen. Sitzung für Sitzung hatte Irene ihm geholfen, die allgegenwärtige Figur des Kapitäns mit seiner intimen Wirklichkeit zu versöhnen. Sie waren von der absoluten Verleugnung zu einer pragmatischen Annahme übergegangen. Dennoch hatte Bruno eine rote Linie gezogen: den Namen. Die Ärztin wusste, dass er in jemanden verliebt war, wusste, dass dieses Gefühl der Motor seiner neuen Ruhe und zugleich der Ursprung seiner Panik war, aber sie ahnte nicht, dass jener „mutige Journalist“ und der Mann, der in seinem mentalen Zufluchtsort lebte, ein und dieselbe Person waren.

—Ich habe Neid empfunden, Irene —gestand Bruno mit einer Ehrlichkeit, die ihm die Kehle aufrieb—. Gesunden Neid, falls es so etwas gibt. Ich saß allein zu Hause und hatte das Gefühl, dass mir jedes seiner Worte ein Kilo von den Schultern nahm, obwohl nicht ich sie aussprach. Es war, als sähe man jemanden aus einem Flugzeug springen und feststellte, dass der Fallschirm funktioniert.

—Interessant, dass du das sagst. Denn ein paar Tage später bist auch du gesprungen: eure Trennung wurde öffentlich. Auf gewisse Weise bist du aus dem Drehbuch ausgebrochen, das du zehn Jahre lang gespielt hast.

—Ich bin gesprungen —wiederholte er—, aber er war es, der mir gezeigt hat, dass da ein Netz war. Ich weiß nicht, ob ich jemals so mutig sein werde wie er, aber ich habe keine Angst mehr, nach unten zu schauen.

Irene legte das Notizbuch auf ihren Schoß, eine Geste, die bei ihr das Ende der Diagnose ankündigte.

—Du hast den Kampf der Ehrlichkeit mit dir selbst gewonnen und Nadia von einer Fiktion befreit, die sie nicht verdient hatte. Aber der Bunker hat immer noch sehr dicke Wände. Du sagst, du fürchtest nicht länger, nach unten zu schauen, aber… hast du daran gedacht, wer an deiner Seite ist, wenn du in die Zukunft blickst?

Bruno rutschte unbehaglich hin und her. In ein paar Tagen würde der Zufluchtsort in den Norden verlegt werden, ins Familienhaus von Cala Serena, in das Dorf am Meer, wo der Kapitän wieder einfach der Sohn von Tomás und Amparo war.

—Sie gehören einer anderen Generation an. Es gibt Dinge, die vielleicht besser schweigen sollten. Ich will sie nicht enttäuschen.

—Enttäuschung ist der Preis, den wir für Authentizität zahlen. Täuschung ist eine Steuer, die du dir jeden Tag selbst auferlegst. —Irene beugte sich vor—. Deine Eltern lieben dich, weil sie glauben, dass du glücklich bist. Wenn dieses Glück eine andere Person einschließt, und diese Person der Grund ist, warum du heute besser atmest, nimmst du ihnen dann nicht die Möglichkeit, dich wirklich zu lieben? Liebe, die auf einer Figur beruht, ist in Wirklichkeit eine Form von Einsamkeit.

Bruno schwieg. Zum ersten Mal war Outing kein abstraktes Konzept und keine mediale Angst mehr, sondern ein ausstehendes Gespräch auf einer Terrasse mit Blick auf das Mittelmeer.

—Ich weiß nicht, ob ich bereit bin, ihre Gesichter zu sehen, wenn ich es ihnen sage —gestand er, mit einer Verletzlichkeit, die ihm die Stimme brach—. So lange war ich ihr Held…

—Vielleicht ist es an der Zeit, aufzuhören, ihr Held zu sein, und anzufangen, ihr Sohn zu sein. —Irene stand auf und legte ihm eine sanfte Hand auf die Schulter—. Eine gesunde Beziehung überlebt nicht von gemeinsam gehüteten Geheimnissen im Dunkeln. Sie braucht Sauerstoff, und der Sauerstoff einer Partnerschaft ist die Anerkennung durch die anderen. Entscheide, ob du weiter ein Kapitän sein willst, der alles unter Kontrolle hat, oder ein Mann, der es wagt, so geliebt zu werden, wie er ist. Gesunde Liebe versteckt sich nicht, Bruno. Sie wird gefeiert. Und es ist längst an der Zeit, dass du aufhörst, um Erlaubnis zu bitten, glücklich zu sein.

Bruno hob den Blick und nickte stumm. Er stand auf, sammelte seine Sachen ein und ging den Flur hinunter. Das Gewicht der Sporttasche schien ihm zum ersten Mal leichter als das Gewicht des Geheimnisses, das er gleich am Meer preisgeben würde.

Als er den Parkplatz verließ, setzte er die Sonnenbrille auf. Nicht, um sich vor den Blitzlichtern zu verstecken, sondern um sich vor dem Glanz seiner eigenen Zukunft zu schützen. Er startete den Motor und fuhr nach Norden. Er wusste, dass irgendwo in der Stadt Teo freier atmete als je zuvor, und das machte ihn glücklich. Verdammt glücklich.

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